Kinderlähmung
Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) war eine Krankheit mit schrecklichen Folgen: die Betroffenen trugen im schlimmsten Fall bleibende Lähmungen davon und konnten sich mit gelähmten Gelenken nur ruckweise bewegen. In meiner Kindheit in den 70er Jahren gab es im nahegelegenen Schuhgeschäft eine Tochter der Ladeninhaber, die mit teilweise gelähmten Beinen im Laden ausgeholfen hat. Mir hat das damals immer in der Seele wehgetan.
Die Kinderlähmung konnte in Deutschland ausgerottet werden und es gibt weltweit nur noch wenige Neuerkrankungen. Aber es gibt natürlich trotzdem noch Personen, die an den Folgen dieser Krankheit leiden.
In der Vor-Adventszeit gehen in Dresden wieder einige Bettler um, die anscheinend aus Osteuropa stammen. Einer davon simuliert die schweren Folgen der Poliomyelitis. Die Darstellung ist nicht perfekt, aber beim flüchtigen Vorbeigehen kann man ihm Glauben schenken. Erst beim genaueren Hinsehen bemerkt man die Unstimmigkeiten. Mein kleiner Sohn war entsetzt und fragte lange bei uns nach.
Bei den bissigen Liberalen geht es im globalen Sinne um das Thema Selbstbestimmung des Kindes. Wie mache ich einem sechsjährigen (recht selbstbestimmten) Kind klar, dass jemand eine schwere Krankheit simuliert, um durch Mitleid Geld zu erbetteln?
November 25, 2007 um 8:03 Uhr vormittags
Das wird nicht gehen, weil dafür die Voraussetzungen fehlen. Die Gabe der Empathie ist bei kleinen Kindern noch nicht ausreichend ausgeprägt. Staunen, ja, Entsetzen auch - das schon.
Wie soll er aber des weiteren unterscheiden können, dass mit der “Mitleidstour” sogar Geld zu machen ist?
Das muss man ihm nicht beibringen, das lernt er noch früh genug…
Februar 3, 2008 um 11:09 Uhr nachmittags
PR-Berater oder Lobbyisten simulieren auch so allerlei - und sie bekommen viel Geld dafür. Lass doch diesen Rumänen seine paar Euro machen, der ist doch vergleichsweise viel harmloser …
Februar 4, 2008 um 6:14 Uhr vormittags
Aber bei PR-Beratern und Lobbyisten kommt immer der Sympathie- oder Antipathiefaktor hinzu. Ich kenne kaum jemanden, der Lobbyarbeit oder PR als Ganzes ablehnt: meist wird nur das unangenehme Simulieren der »Gegenseite« angeprangert.