Spinnt SPON?

30. September 2009

Der SPIEGEL war mal ein Nachrichtenmagazin, das sich DDR-Bürger oft unter hohem Risiko aus dem Westen mitbrachten und das sie sich gegenseitig so lange ausgeliehen haben, bis die Hefte ganz abgegriffen waren …

Wenn man heute auf SPON ein Foto sieht, auf dem sich irgendeine Blondine mit einem Geldschein eine Zigarre anzündet, dann steckt dahinter …

Luxus …

Luxus …


ein dämliches Quiz über die Angewohnheiten von Milliardären. Haben wir sonst noch Sorgen in diesem Land? Könnten wir vielleicht auf diese Weise unsere Schulden wegrauchen?

Fahrt den Server runter und schließt Eure Redaktion zu — die Leser, die Euch noch vermissen werden, kaufen sich am nächsten Tag eine »BUNTE« oder eine »BILD«.


Bonn (7): Die Friedrich-Ebert-Brücke

29. September 2009
Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn.

Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn (Klick vergrößert).


Stefanolix erzählt von früher: Plan und Markt in der DDR (1)

29. September 2009

Im Grunde ist ja dieser Tom Sawyer an allem schuld. Ich weiß nicht mehr, ob ich zwölf oder dreizehn Jahr alt war, aber an die Geschichte mit Tante Pollys Zaun erinnere ich mich bis heute.

Tom bekommt dort von seiner humorlosen Tante eigentlich eine harte Strafarbeit: er muss mit Kalk einen langen Zaun weiß anstreichen. Doch er sagt sich: wenn ich das schon machen muss, dann mache ich es lieber gern. Und als das seine Freunde sehen, betteln sie ihn geradezu darum, auch ein Stück streichen zu dürfen. Sie bezahlen sogar dafür — am Ende ist Tom zufrieden und »reich«, weil er seine Arbeit auf die richtige Art angepackt hat.

Als ich diese Geschichte gelesen hatte, wollte ich auch mein eigenes Geld verdienen. Ab dem 14. Geburtstag durfte man in der DDR arbeiten gehen: maximal vier Wochen im Jahr und nur in den Winter- oder Sommerferien. Ich weiß noch, dass ich alle Beteiligten überreden musste, die Vorschrift großzügig auszulegen, denn ich hatte immer erst am Ende der Winterferien Geburtstag ;-)

Mein erster Betrieb hat Schaltschränke hergestellt. Der Meister beschäftigte mich mit Bohren, Schrauben, Gravieren und Stanzen. Als er merkte, dass ich wohl doch ganz gewissenhaft war, ließ er mich mit filigranen Werkzeugen winzige Löcher in Leiterplatten bohren. Und am letzten Tag hat er mich gefragt, ob ich in den Sommerferien wiederkommen würde … Ab diesem Tag war ich für zwei Jahre der junge Mann mit den Leiterplatten.

Ich fühlte mich nie ausgebeutet. Ich habe wirklich nur freitags mal eine halbe Stunde die Halle kehren müssen, sonst durfte ich immer etwas Sinnvolles tun — dafür bin ich allen Beteiligten bis heute dankbar. Die Arbeit wurde leistungsorientiert abgerechnet und für meine Verhältnisse kam eine Menge Geld dabei rüber. Meine ersten Wünsche waren Schallplatten, Bücher und ein gutes Fahrrad — alles Dinge, die man für Ost-Geld noch kaufen konnte. Und im Grunde galt das für fast alle Wünsche, die ich als Junge bis zum Erwachsenwerden hatte. Bald sollte ich lernen, dass es auch andere Wünsche gab.

Das Geld für die Ferienarbeit wurde noch bar ausgezahlt — eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Mein erstes eigenes Konto hatte ich zwei Jahre nach meinem ersten Job. Ich war inzwischen sechzehn und begann eine Lehre als Baufacharbeiter mit Abitur.

Ich erinnere mich bis heute an meinen ersten Job als Lehrling auf dem Bau: ich musste auf der Baustelle im Werk für Sanitärporzellan Dresden einen Haufen Drahtbügel aus einem dichten Gestrüpp bergen. Die Baustelle hatte für einige Zeit geruht und die Natur hatte ihr Werk getan. Dabei war unsere Arbeit eigentlich wichtig, denn es musste eine moderne Mühle gebaut werden.

Solche Absurditäten beobachtete man in der DDR jeden Tag und schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass all meine Arbeitsstellen eine Sache gemeinsam hatten. Das war der Spruch »Privat geht vor Katastrophe«.

Ich weiß nicht, seit wann es diesen Spruch gab. Doch er gibt letztlich ein Gefühl wieder, das damals jeder selbständig denkende DDR-Bürger hatte: wenn du nichts anzubieten hast, dann kannst du nicht erwarten, dass dir jemand etwas gibt. Die Wirtschaft entwickelte sich zu einer Tauschwirtschaft. Das Anbieten und Akzeptieren ist ja auch die Grundlage der Marktwirtschaft. Ich habe damals mehr Praktisches gelernt, als man heute im besten VWL-Buch finden kann ;-)

Und weil sich niemand den Grundsätzen des Marktes entziehen kann, wurde das Ost-Geld in der DDR von Jahr zu Jahr bedeutungsloser, es wurde immer mehr zu einem Alibi. Eigeninitiative, Eigenleistungen und Westgeld wurden immer wichtiger.

Ich weiß noch, dass es damals großen Ärger gab, als sich einige Lehrlinge aus Ost-Markstücken Knöpfe für die Wattejacken gebastelt hatten. Die Lehrmeister haben natürlich sofort dafür gesorgt, dass wieder Knöpfe aus Plaste angenäht wurden. Aber eigentlich hatten sie kein wirklich überzeugendes Argument gegen die Alu-Knöpfe.

Dann wurde ich 18 und in der Nachbarschaft wurde eine privat vermietete Wohnung frei. Die Hauseigentümerin war ein Drache, doch sie konnte mich nur bis zur Wohnungstür verfolgen. Und als sie sah, dass ich viel »selbst gemacht« habe, hat sie mich meist in Ruhe gelassen.

Denn »selbst machen« war auch so ein Zauberwort der Achtziger in der DDR. Man bekam zwar erst nach einem bürokratischen Hürdenlauf eine »Um- und Ausbauwohnung«. Doch dann konnte man sich die Wohnung selbst sanieren. Und es war uns immer eine kleine Genugtuung, dass sich die behäbige Kaste der SED- und Verwaltungsspießer eben nicht selbst zu helfen wusste.

Die trugen Hosen aus dem »VEB Herrenmode« aus dem berüchtigten Stoff »Präsent 20«. Die hatten so wenig Humor wie Tom Sawyers Tante. Sie haben bis zum Ende nie verstanden, dass man sich an einer Arbeit freuen muss, um sie gut zu machen oder gut zu organisieren … bis heute wählen die Ex-Bonzen, Ex-Schranzen und Ex-Bürokraten am liebsten die PDS, damit ihnen jemand die Renten sichert, die sie eigentlich nie mit richtiger Wertschöpfung verdient haben.


Demnächst: Über Schurwerken und Eigenleistungen ;-)


Skurrile Playlist

29. September 2009

Wer mal eine wirklich skurrile Musikzusammenstellung hören möchte, der kann es nachts mit »Classic & Jazz« versuchen. Beim Bloggen höre ich ja gern mal etwas Jazz und gerade hatte ich mich so eingeschwungen …
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Bonn (6): Lustiges und Vermischtes

29. September 2009

Nein, ich möchte es lieber nicht wissen …

Nein, ich möchte es lieber nicht wissen …


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Just in time: Bonn (5)

28. September 2009

Ich bin wieder zurück in Dresden und so wie ich heute morgen in Bonn kurz vor sechs Uhr vor dem Auslaufen meines LAN-Zugangs noch den Artikel zu meiner Laufstrecke gepostet habe, will ich jetzt vor Mitternacht noch ein klein wenig schreiben Geschriebenes in Form bringen und posten.

Der Job, nach dem ich mich den ganzen Tag lang gesehnt habe …

Das ist der Job, nach dem ich mich den ganzen Tag lang gesehnt habe …


Bonn (4): Laufen am Rhein

28. September 2009
Laufstrecke am Morgen in Bonn.

Bild von meiner Laufstrecke am Morgen in Bonn.


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