In den Kommentaren zum Mordprozess in Dresden schreibt Katha:
Schon mal drüber nachgedacht, daß der Ursprung des ganzen eigentlich völlig banal war und „das Unglück seinen Lauf nahm“, weil Jemand wegen einfacher Beleidigung vor Gericht gezerrt wurde?
Ich stelle das gern mal zur Diskussion: Soll sich eine gebildete junge Frau, ehemalige Leistungssportlerin und junge Mutter in Gegenwart ihres Kindes übel beleidigen lassen? Soll der Staat darauf verzichten, solche Beleidiger vor Gericht zu stellen?
13. November 2009 um 00:19 |
Beleidigt zu werden, prallt an den wenigsten von uns ab. Wenn sich dazu noch rassistische Motive gesellen, kann ich beim besten Willen nichts Banales, nur Schreckliches darin sehen.
Ich weiß nicht um die genauen Umstände der Beleidigung, aber geschah es nicht auf dem Spielplatz? Da sind Kinder ja selten alleine. Warum bedurfte es erst des Staates, um dieser Frau Schutz zu bieten; warum hat auf dem Spielplatz niemand eingegriffen (wenn es dort geschehen sein sollte)?
PS Schön, daß Du wieder bloggst!
13. November 2009 um 06:07 |
Ich war nicht dabei. Aber vermutlich hat niemand sich das zugetraut. Der spätere Täter hat (nach Zeugenaussagen) die Schaukel besetzt (mit 27 oder 28 Jahren) und einfach nicht für die Kinder freigegeben. Man kann sich fragen, was er dort zu suchen hatte … Als er darauf hingewiesen wurde, dass Kinder auch schaukeln möchten, begann er mit Beleidigungen.
13. November 2009 um 09:20 |
Es stimmt doch gar nicht, dass auf dem Spielplatz niemand geholfen hat oder sich das nicht traute:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article1134380/Zwischen_Kopftuechern_und_Vorurteilen.html
13. November 2009 um 01:31 |
Habt Ihr überhaupt einen Hauch von Ahnung, auf welche Weise Migranten jeglicher Coleur täglich, auch und oft von Mitarbeitern in den Ämtern(!) beleidigt werden?
Aber interessanterweise nicht Diejenigen, die Kopftuch tragen. Vor „Denen“ hat man durchaus „Respekt“. Im allgemeinen Empfinden könnte Der- oder Diejenige das nächste Mal ja mal mit Bömbchen unterm Gewand kommen.
Nein, es ist nicht meine Meinung, sondern die schlichte Manie der Mehrzahl der Bevölkerung.
Zu Deiner Fragestellung oben:
Wenn Du so betonst, gebildete junge Frau, ehemalige Leistungssportlerin usw….Soll sich die Frau in Gegenwart Ihres Kindes aufs Übelste beleidigen lassen…
Woraus schließt Du, daß der Täter nicht gebildet ist?
Inwiefern weißt Du, wie außergewöhnlich die Beleidigung war?
Sicher aus dem, was in diversen Gazetten zu lesen war. Mm. Immer schön für die Schreiberlinge, wenn Sie die gängigen Klischees bedienen können.
Informiert Euch doch mal, wieso so viele Spätaussiedler (in Dresdner Amtsstuben von Mitarbeitern gern SCH…Russkis genannt, das mal nur am Rande) von Hartz 4 leben müssen und bestenfalls irgendwelche Hilfsjobs bekommen. Ich kenne u.a. Professorinnen, die putzen gehen und sich dabei noch von ganz tollen Schnöseln fast täglich beleidigen lassen dürfen. Alles normal hier in dieser Stadt.
Was feststeht ( und auch in diversen Kreisen nicht nur hinter vorgehaltener Hand)diskutiert wurde, ist die offensichtliche Befangenheit des Gerichts.
*Soll der Staat darauf verzichten(…)*
Der Staat hat den Prozess ja nicht angestrebt. Und in erster Instanz ist das Urteil ja wohl völlig anders gewesen.
Daß in dem Prozeß einiges völlig unkosher lief, habt Ihr aber schon mitgekriegt? Offiziell hieß ja die Losung „Mord aus Fremdenhass“. Das wurde durchgezogen. Fragt doch mal, so Ihr einen kennt, einen Psychologen zum Krankheitsbild Depression, Schizophrenie und „Artverwandtem“.
Schon seltsam, daß das hier keinen Einfluß hatte.
Auch seltsam, daß nun die Verwandtschaft der Ägypterin ( Ihre Eltern, ihr Schwager) vom Deutschen Staat Schmerzensgeld einklagen wollen und damit vor Wochen schon einen Anwalt eigens dafür engagiert haben. Wer hat, der kann…
Hab ich in der Art auch noch nicht gehört. Im Gegenteil. Hier bekommt man als Hinterbliebener noch die Rechnung für die Säuberung des öffentlichen Raumes. Neben denen der Organe wie Feuerwehr, Rettungsdienst etc. Gern wird zur Eintreibung dann auch der Gerichtsvollzieher beauftragt.
Ich wette, in Eurer Knuckiputzi-Pseudomultikulti-Welt kommt so etwas nicht vor.
Passiert aber alle vor Eurer Nase. Jeden Tag. Man muß nur die Augen aufmachen.
13. November 2009 um 06:14 |
Die Zeugenaussagen in den Beleidigungsprozessen sind zumindest ein ganz deutliches Indiz dafür, dass er wirklich beleidigt hat. Die sind ja dokumentiert. Der Täter hat sein Opfer sogar noch nach der Tat beleidigt.
Du hast meine Frage nicht beantwortet: sollen solche Beleidigungen auf einem Spielplatz ungeahndet bleiben? Kann man sich nicht auch als Arbeitsloser an ganz simple Regeln des Zusammenlebens halten?
Soviel zum »Ursprung des Ganzen«. Später mehr.
14. November 2009 um 14:23 |
Hm, Katha, du erwähntest eine „2-Klassen-Ausländermenthalität“ in der Gesellschaft. Mir bestätigt sich der Eindruck beim Lesen deiner Postings zum Thema irgendwie.
Es herrscht bisweilen die Ansicht vor, Muslime würde eine besondere Art Aufmerksamkeit zuteil, sie würden sich häufiger beschweren, öfter auf ihre Rechte pochen und gleichzeitig ihre Pflichten vernachlässigen als andere Ausländer.
Wie kommt man aber zu solch einem fragwürdigen Standpunkt? Abgeglichen mit allen möglichen Berichten und Statistiken, die aussagen, dass Muslime in diesem Land nach wie vor einen besonders schwierigen Stand in der Gesellschaft haben und überdurchschnittlich häufig von Diskriminierung und Vorurteilen betroffen sind.
Für meine Begriffe basiert diese Haltung auf Vorurteilen Muslimen gegenüber. Du sagst, „Kopftüchern“ würde auf Ämtern und Behören „Respekt“ entgegengebracht. Wie kommst du darauf? Bist du schon mal mit einem Kopftuch in Ämtern unterwegs gewesen?
Ich finde es insgesamt schade und traurig, dass man selbst innerhalb einer häufig diskriminierten Minderheitengruppe (Migranten) noch ausgrenzt und anhand äußerlicher Typenmerkmale (z.B. Kopftuch, Bart usw.) noch einmal nach „Güteklasse“ unterscheidet.
14. November 2009 um 14:36 |
Ich würde ja gern vorschlagen, die Einteilung der Bevölkerung in ethnische Klassen ganz zu vergessen. Ich fand das schon im Sarrazin-Text falsch und ich finde es seitdem eher noch unangemessener.
Meinetwegen: beurteilen wir Individuen, betrachten wir Gruppen innerhalb der ethnischen Bevölkerungsteile. Aber vergessen wir nie, dass alle von der Klasse »Mensch« abstammen. Unter dieser Voraussetzung muss es möglich sein, Gruppen anhand ihres Verhaltens sachlich zu beschreiben.
Sarrazin hat sich dazu verstiegen, von einem »türkischen Problem« zu sprechen, als er Negatives über bestimmtes Verhalten von Ausländern sagen wollte. Das lehne ich ab. Aber die Probleme mit bestimmten Teilgruppen muss man selbstverständlich benennen dürfen. Fanatismus ist in keinem Gewand dienlich.
—
Unabhängig von diesem Kommentar: Ich habe gestern hier Meinungen gelöscht, in denen zum Ausdruck kam, man müsse den Täter in Selbstjustiz töten. Von der anderen Seite kamen nicht ganz so extreme Meinungen, aber erschreckend war es auch. Wenn das noch mal passiert, muss ich den Thread hier schließen.
13. November 2009 um 09:00 |
Völlig überzogene Reaktionen auf allen Seiten!
Wenn alle wegen Beleidigung vor Gericht ziehen würden, müßte man rund um die Uhr an 7 Tagen Gerichtsverhandlungen abhalten.
Auch mir ist schon mal Einer dumm gekommen. Meiner Frau „sowieso“.Klingt zynisch, ist es auch.
Sie ist keine Deutsche von Geburt. Sie ist nicht weiß.
Aber deshalb anzeigen? Haben durchaus andere Möglichkeiten, meine Freizeit zu verbringen.
Und schon gar nicht wegen Streit um eine Schaukel. Nie und nimmer!!!!!!!!!!!!
Was oben beschrieben wird, können wir durchaus bestätigen. Kleingeister der schlimmsten Art bevölkern die Amtsstuben.
Auch was ich mir anhören darf, ist oft unschön. Natürlich nett verpackt. Oder wenn man glaubt, man hört es nicht.
Leid tun mir Mutter und Schwester des Täters.
Dank Nennung des Familiennamens in der Öffentlichkeit gibts so etwas wie Sippenhaft. Der Pöbel bedankt sich auf seine Weise. Auch das hat Tradition in DD.
Stephan, wenn Du so draufrumreitest:
Der Täter ist krank. Ich kenne das Krankheitsbild durch einen Bekannten. Mit Schizophrenie, wenn Du sie nicht mit Medikamentencocktail ständig in Schach hältst (die Nebenwirkungen davon wünsch ich Keinem!)verstehst du mitunter selbst nicht, wie du tickst. Und selbst „mit“ gibts einige Eigenarten, in denen Du Dich fragst, was du da eigentlich tust, oder von außen darauf aufmerksam gemacht wirst, weil du es selbst nicht merkst.
Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, aber daß das zum Verstehen der Tat und für die Strafe überhaupt keine Rolle gespielt haben soll, wundert mich doch sehr.
Ich habe vorgestern auch in diversen Internetforen die unterschiedlichsten Denkanstöße zu diesem Fall lesen können. Solltet Ihr auch mal tun. Ganz unvoreingenommen.
Und bei der offiziellen Berichterstattung beschleicht mich schon das eine oder andere Mal ein ungutes Gefühl von Inszenierung. Und es hat wohl durchaus wieder funktioniert (tuts ja meist immer)und das Volk stimmt weitestgehend unüberlegt mit ein.
Da die kluge, reine „weiße Rose aus Ägypten“, dort der angeblich ungebildete Russe, der dem Staat auf der Tasche hängt.
Kenne auch einige hochgebildete Menschen, die als Spätaussiedler hier herkamen und jetzt leider so behandelt werden, als kämen sie soeben aus der Taiga.
Ähnelt dem Bild, was meiner Frau desöfteren entgegnet wird.
Und das ist leider in DD die Regel. Wirklich!
Und die Ägypterin ist auch nicht die Einzige Muslimin, die mit derartigen Beleidigungen konfrontiert wurde (und wird). Auch das kenne ich im Bekanntenkreis.
Auch dieses Bild(Kopftuchträgerin=Islamistin=Terroristin)
hat sich doch in den Köpfen festgesetzt, auch wenn es niemand zugibt. Die Leute in den öffentlichen Verkehrsmitteln zeigen merkwürdigste Reaktionen, wenn eine Frau mit Kopftuch oder gar in Burka den Bus oder die Bahn betritt.
Einen schönen Tag.
Seit nett zueinander.
13. November 2009 um 10:24 |
Es stimmt, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht ziehen muss. Aber man hat durchaus das Recht, sich bei einer Beleidigung zu verteidigen. Und wenn diese Beleidigung für Frau al-Sherbini keine Kleinigkeit, sondern so schwerwiegend war (was ich nachvollziehen kann), war es nun einmal ihr Recht, sich so zu verhalten. Dass die Sache derart nach hinten losgeht, weil der Typ so reagiert, konnte ja nun wirklich niemand voraussehen.
Andererseits möchte ich mich als Dresdner gegen diese ständigen Pauschalverurteilungen wehren, hier seien alle latent ausländerfeindlich. Ich behaupte mal, dass die meisten Menschen untereinander ganz gut miteinander klarkommen und relativ nett zueinander sind. Wieso erwarten überhaupt manche Leute, dass alle Einwanderer von der Bevölkerung überschwänglich willkommen geheißen oder dauernd nett angelächelt werden müssten? Das passiert selbst einem Deutschen aus Pirna, der nach Dresden umzieht, auch nicht. Wenn ich selbst in ein beliebiges Land auswandern würde, müsste ich schon damit rechnen, dass möglicherweise keiner in Jubel ausbricht. Die meisten der dort Lebenden werden sich neutral verhalten und vielleicht wird mir auch einmal einer andeuten, das er auch gut ohne mich klar käme. Vielleicht wird er mich mal als „Scheiß-Deutscher“ beschimpfen, weil er schlecht drauf ist. Könnte vorkommen. Einen gewissen Anteil von Dummen (der sich gleichmäßig über den Globus verteilt) sollte man vor dem Auswandern vielleicht mit einplanen.
Und noch zum Thema „manche Leute gucken komisch, wenn eine Frau mit Kopftuch oder gar mit Burka in der Öffentlichkeit auftaucht“: Von mir aus kann sich jeder kleiden, wie er mag. Von mir aus dürfen sich Männer und Frauen auch Kopftücher umbinden (habe ich als Mann bei mehrtägigen Wandertouren u.ä. auch schon gemacht). Aber man wird ja als Ungläubiger noch sagen dürfen, dass es langsam doch nervt, wenn ein simples Kleidungsstück dauernd mit Religion begründet wird. Und dass da immer so ein Wert darauf gelegt wird, es unbedingt tragen zu müssen. Gott alias Allah hat so etwas nie verlangt. Das haben sich Menschen, genauer gesagt Männer ausgedacht. Warum trugen manche Frauen ursprünglich Kopftuch? Aus denselben Gründen, wie es auch eine deutsche Bäuerin auf dem Feld oder ein Outdoor-Typ beim Wandern macht: Aus einfachen hygienischen Gründen. Damit beim Aufenthalt in der Natur, wo immer mal Staub oder Sand herum geweht werden, die Haare nicht ständig so schnell dreckig werden. Die Länder, aus denen der Islam stammt, enthalten viele trockene Wüstengebiete, wo man sich auch aus Gründen des Wassermangels nicht jeden Tag die Haare waschen konnte. Diese Situation ist aber innerhalb von mitteleuropäischen Städten nicht vorhanden. Also muss hier weder der Wanderer, noch die deutsche Bäuerin und eigentlich auch nicht die zugewanderte Muslimin ein Kopftuch tragen.
Und insofern sollte eine Frau, die trotzdem auf ihr – angeblich erforderliches – Kopftuch beharrt, die genervten Blicke mancher Mitmenschen einplanen. Sie kann es tragen – ist ihr gutes Recht – aber ich darf genervt gucken – das ist mein Recht. Das ist nun mal die Kehrseite von Freiheit: Aus Kritiker haben das Recht auf Meinungsfreiheit.
Abschließend: Burka. Ein Bekannter, der in Afghanistan war, hatte eine solche mitgebracht. Und ich habe mir das Ding einmal testweise übergezogen. Und dabei stellte ich fest, dass hier jegliche Toleranz bei mir zu Ende war. Ich und auch alle anwesenden anderen Personen (Männer wie Frauen) empfanden den Zustand unter diesem übergestülpten Sack als beängstigend bis pervers. Was soll dieser Scheiß? Damit andere Männer keine lüsternen Blicke auf die Frau werfen, soll diese sich im Haus oder unter der Burka verbergen? Tolle Logik. Sollten die Männer dann nicht besser an sich arbeiten, um ihren anscheinend so permanenten Sextrieb in den Griff zu bekommen? Denn anscheinend geht es ja, wie das Leben in Mittel- und Westeuropa zeigt. Wie halbnackt da manche Damen im Sommer herumlaufen … . Und? Werden sie deshalb aller 100 Meter vergewaltigt? Nein. Weil sich Männer durchaus auch benehmen können. Wenn eine Frau sich freiwillig diesen Sack überstülpt und das noch mit Stolz auf ihre Religion begründet, muss sie einfach die Blicke anderer Menschen einplanen. Denn mit Intelligenz hat das dann echt nichts mehr zu tun. Toleranz hat auch Grenzen. Alles zu tolerieren, führt zu Beliebigkeit und bedeutet, dass der Alles-Tolerierende lediglich nicht in der Lage ist, selbst zu denken.
14. November 2009 um 14:36
Zum Thema Burka:
Dass Menschen, die derartige „Kleidungsstücke“ nicht kennen und einer völlig anderen, libertären Kultur entstammen, die Burka als „beängstigend“ und „pervers“ empfinden müssen, ist selbstverständlich.
Die Menschen, bzw. die Frauen in Afghanistan kennen es jedoch meist nicht anders. Für sie ist das alltäglicher Normalzustand.
Das ist auch für mich als Angehöriger der westlichen Wertesphäre schwer erträglich. Aber was ändern wir, indem wir dem Islam die Schuld zuweisen und die Lebensweise dort verurteilen? Nichts.
Ändern können nur die Menschen vor Ort etwas an ihrer Lebensweise, an der Rechtsordnung, in der sie leben und an den gesellschaftlichen Sitten und Moralvorstellungen.
Ein Gesellschaftssystem lebt von der Bejahung durch seine Bürger. Liberalisierung und Demokratisierung können also nur aus der Gesellschaft heraus stattfinden, sonst besteht wenig Aussicht auf Erfolg.
14. November 2009 um 14:42
Liberalisierung und Demokratisierung können aber von außen unterstützt werden und sei es auch nur durch jede erdenkliche Art von Bildung und Aufklärung! Es geht ja hier erst mal um minimale Rechte für Frauen.
Für die Menschenrechtssituation (speziell der Frauen) in Afghanistan ist ganz klar eine bestimmte Auslegung der Religion und die Verknüpfung der Religion mit dem Rechtssystem verantwortlich. Den Koran und die Scharia könnte man auch ganz anders anwenden.
Die Aussage »Sie kennen es nicht anders« hatte ich heute schon mal und die finde ich jetzt nicht so überzeugend. Wenn jemand jeden Tag Prügel »kennt«, tut sie ihm nicht weniger weh.
14. November 2009 um 15:55
stefanolix:
„Liberalisierung und Demokratisierung können aber von außen unterstützt werden und sei es auch nur durch jede erdenkliche Art von Bildung und Aufklärung!“
Dagegen ist durchaus nichts einzuwenden. Demokratisierung wird allerdings empfindsam gestört in ihrem Entfaltungsprozess, wenn auswärtige Mächte meinen, mit der Installation und Hofierung eines prowestlichen Regenten wie Karsai ließe sich Demokratie nach westlichen Spielregeln quasi verordnen. Mit Demokratie hat das nämlich nicht mehr viel zu tun.
Und wie viel wir in Sachen Demokratie in Afghanistan bislang erreicht haben, zeigt doch der Verlauf der letzten Präsidentschaftswahlen, wo der Herausforderer zur nach langem Fälschungs-Geschacher anberaumten Stichwahl aus *Angst* vor Konsequenzen gar nicht mehr antritt und den bisherigen Machthaber quasi durchwinkt.
Die UNO hat Karsai zu dieser Farce im Übrigen auch noch gratuliert. Dafür habe ich keinerlei Verständnis.
Demokratie muss ein Bedürfnis, kein erlerntes politisches Ziel der Bevölkerung sein. Ist es das einfach mal nicht, wird auch jegliche Anstrengung von außen wenig nützen.
14. November 2009 um 16:26
Diese Wahlfarce hat dem Ansehen der Demokratie sehr geschadet. Vor allem wenn man bedenkt, dass viele Wähler in akuter Lebensgefahr oder zumindest unter Bedrohung gewählt haben. Der Witz ist ja: der Präsident hätte wahrscheinlich ohne die Fälschungen auch vorn gelegen. Es war einfach nur korrupt und dumm.
Warum der Gegenkandidat nicht mehr antritt, das können wir nur vermuten. Ich würde es nach so massiven Fälschungen auch nicht mehr tun. Er kann kein Vertrauen mehr in das Verfahren haben.
13. November 2009 um 11:18 |
Ich verstehe nicht, wieso eine Frau sich nicht gegen eine Beleidigung mit den zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr setzen sollte. Noch weniger verstehe ich, warum als Argument dafür herangezogen wird, dass viele MigrantInnen (und meinetwegen auch deutschstämmige, wobei mir in der Art noch nie so etwas begegnet ist) täglich beleidigt werden. Umso schlimmer! Und gut wäre es gewesen, dass die Ägypterin hätte ein Beispiel geben können, dass man sich zur Wehr setzen sollte, wenn einem Unrecht geschieht, und dass man es nicht dulden muss. Hätte die Frau es einfach nur hingenommen, wäre der Ausbruch des Täters vermutlich irgendwann mal an anderer Stelle passiert, ich finde die oben zitierte Bemerkung deswegen noch unsinniger, weil sie den Eindruck vermittelt, es wäre NICHTS passiert, wenn die Ägypterin die Banalität nicht unnötig hochgebauscht hätte. Die nun bekannt gewordene Persönlichkeitsstruktur des Täters weist ja auf eine tickende Zeitbombe hin.
13. November 2009 um 12:10 |
@ Annekatrin
Sie hatte sich doch schon erfolgreich gerichtlich gewährt und es wurde in der 1. Verhandlung ein Schmerzensgeld von 800 € festgelegt…Vom Täter offensichtlich auch akzeptiert.
Wem das mit der Behandlung von MigrantInnen noch nie aufgefallen ist, scheint mit Scheuklappen rumzulaufen.
@ frankinformiert
Dein Beitrag fügt sich wunderbar in die Denke der Dresdner ein.
Alles in allem sehr traurig.
Muß man sich nicht wundern.
13. November 2009 um 16:26 |
Das scheint aber nicht zu stimmen, die Berufung kam zustande, weil der Täter den Strafbefehl gerade nicht akzeptierte.
(Quelle: Wikipedia-Eintrag über Marwa El-Sherbini)
14. November 2009 um 14:29 |
Ich finde es unerträglich, dass hier Frau el-Sherbini anscheinend eine Art Mitverantwortung an ihrer Ermordung, der ihres ungeborenen Kindes sowie der versuchten solchen an ihrem Ehemann zugeschoben werden soll, weil sie es für richtig und wichtig hielt, gegen ausländerfeindliche Übergriffe gerichtlich vorzugehen, auch, wenn es sich dabei zunächst nur um verbale Übergriffe handelte.
Noch unerträglicher ist der Unterton, mit dem hier vermittelt werden soll, dass Frau el-Sherbini den Weg zum Gericht wählte, weil sie Muslimin und „reich“ war.
Vielleich war sie einfach nur ungewöhnlich gut gebildet und sich deutschen Rechts bewusst (also im Grunde ungewöhnlich gut integriert)?
13. November 2009 um 13:31 |
frank informiert: „Ich und auch alle anwesenden anderen Personen (Männer wie Frauen) empfanden den Zustand unter diesem übergestülpten Sack als beängstigend bis pervers. Was soll dieser Scheiß?“ – Echt mal.
Zum Glück wurde der Dresdner Faschingsbeginn abgesagt. Sonst wären vermutlich überall in der arabischen Welt Orosz-Puppen alte „800 Jahre Dresden“-Flaggen verbrannt worden. (Natürlich ganz zufällig vor den Kameraaugen unserer Regionalfernseh-Sonderkorrespondenten.)
13. November 2009 um 16:14 |
Es gibt (soweit ich weiß) keinen Orden, der den Nonnen verbietet, ihr Gesicht zu zeigen. Das ist der Unterschied: zum Menschen gehört es, sein Gesicht zu zeigen.
13. November 2009 um 21:43
Sind burkatragende Frauen etwa keine Menschen mehr? (So hast du das sicherlich nicht gemeint, schon klar.)
Ich will jetzt nicht auf Krampf pro Vermummungsgebot sein, aber es ist doch wohl lächerlich, persönliche Freiheit vom Prozentsatz der offen zur Schau getragenen Hautfläche abhängig zu machen. Nach dieser Logik wäre der Mensch im „King Louie“-Kostüm unfreier als jede Zwangsprostituierte.
‘Unser’ Dresscode mag ja freier sein, aber er ist dennoch mit Zwängen verbunden. (Das ist z.B. jeden Sommer aufs Neue ein Thema: „Kurze Hosen im Büro?“)
Was ‘uns’ übel aufstößt, ist der ungewohnte Anblick. Und das ‘Wissen’ darüber, dass ‘die’ ihre Frauen bereits seit jungen Jahren hirnwaschen, so dass die Vermummten letztendlich nichtmal merken, dass ihr Aufzug menschenunwürdig ist. Oder so.
Also sollen ‘die’ sich gefälligst normal anziehen und deutsch reden beim handyfonieren. Oder aber sich nicht darüber beschweren, wenn sie von Arie— Schlechtmenschen mit albern gefärbten Haarfrisuren und Grabbeltischklamotten schief angeguckt werden.
13. November 2009 um 22:57
Sofern sie wirklich in die Burka gezwungen wird, wird der Frau ein Teil ihrer Menschenwürde geraubt. Sofern sie das Kleidungsstück wirklich freiwillig anlegt, trifft das natürlich nicht zu.
Mit einem Kopftuch oder einer anderen Kopfbedeckung kann der Mensch immer noch sein Gesicht zeigen. Die Grenze ist für mich erreicht, wo das verboten wird.
13. November 2009 um 15:46 |
Der Typ tickte bekanntlich erst aus, nachdem ein Richter an einem Bundesdeutschen Gericht der Zeugin großzügig Raum lies, den Angeklagten von der Richtigkeit ihres Glaubens, Kultur und dem Tragen des Kopftuches einen sagen wir mal sehr vehementen (manche sprachen von leicht hysterischen)Vortrag zu halten.
Immer wieder wurde und wird herausgestellt, aus was für famosen Verhältnissen die Professorentochter stammt.
Auch der Richter ist ganz sicher nicht zufällig ausgewählt worden. Schon am Ende der DDR sprach er sehr harte Urteile im Namen des Volkes. Gern auch, um an Jugendlichen ein Exempel zu statuieren.
13. November 2009 um 16:19 |
Es ist für mich nicht entscheidend, aus welchen Verhältnissen jemand stammt. Aber sie hat offensichtlich im Leben selbst etwas erreicht, wie man ihrem Wikipedia-Eintrag entnehmen kann. Doch unabhängig davon: sie war ein Mensch und sie wurde ermordet.
Eine Rechtsbeugung kann ich in den beiden Urteilen wegen der Beleidigungen nicht erkennen.
Am Amtsgericht wird (soweit mir das bekannt ist) nicht „ausgewählt“, sondern es geht nach den Anfangsbuchstaben der Familiennamen.
13. November 2009 um 23:50 |
Falsch. Der Typ tickte überhaupt nicht aus. Der hatte das von vornherein geplant, zumindest erwogen. Er hat sie schließlich nicht mit seinem zufällig dabei gehabten Essbesteck umgebracht. Deshalb auch eine Verurteilung wegen Mord, nicht wegen Totschlag.
13. November 2009 um 17:21 |
Strategiespiel contra Sachlichkeitsgebot
Um das zu verstehen muss man sich mit der sächsischen Justiz und den Ermittlungsbehörden auskennen. Im Landgericht Dresden sitzt die Staatsanwaltschaft und die Generalstaatsanwaltschaft. Die benötigen noch nicht einmal ein Telefon. Dort wurden schon öfters und nicht grundlos die Hocker gewechselt. Der Justizminister(CDU) benutzte diesen Mord auch noch dazu die Weste der sächs. Rechtspolitik zu schönen. Das letzte Plenum der letzten Legislaturperiode zur Diskusion über U- Ausschuss (Kriminelle Netzwerke) macht es zum Beispiel in der Mordsache Klockzin deutlich (als Pdf. unter sächs. Landtag nachzulesen). Das stellt sich ein CDU- Abgeordneter Schneider hin und verkündet, dass der Strafverteidiger Dr. Sommer sich von ihm die Frage gefallen lassen musste, ob er die richtige Strategie gewählt hätte (sinngemäß). Der Rückkehrschluss? Wer, wann, was, warum, wo, gegenüber wen getan hat, spielt in der Rechtspolitik der CDU wohl eine untergeordnete Rolle. Regelmäßiger Aktenschwund scheint üblich zu werden. Einfach mal aussortiert, kopiert und neu durchnummeriert. Strategiespiel bis in die Hinterzimmer der Justiz. Sehr kreative Staatsanwälte bekommen alles sogar mit eigenen Erfindungen eingestellt was die Verantwortung der Landesregierung (Rechtsaufsichtsbehörden) nur im entferntesten streift. Marwa trug wie Maria kopftuch, als Zeichen, dass sie sich Gott zugewendet hat. Z.B. in Bayern hätte auch „Maria“ so Berufsausübungsverbot als Lehrerin. Hetze gegen Glaubensbekenntnisse und Nichtglauben sind mit Blutvergießen unzähliger Menschen in die Geschichtsbücher geschrieben.
In der Sache wünsche ich den Opfern und den Angehörigen ein erträgliches und langes Leben in Frieden, den Muslimen in aller Welt eine Freiheit des Glaubens und den Angeklagten eine Strafe, so wie es das aufgeschriebene Recht vorsieht.
13. November 2009 um 17:28 |
Katha, ich fand Stefanolix’ Fragestellung interessant. Der Tonfall Deiner Antwort ist dermaßen besserwisserisch, polemisch (und für meine Begriffe latent fremdenfeindlich), daß mir die Lust am Diskutieren vergeht. Wie kommst Du dazu, hier alle über einen Kamm zu scheren?
13. November 2009 um 17:53 |
Elbnymphe,
wo bitte schön ist bei Katha Fremdenfeindlichkeit zu entdecken, wenn sie die Mißstände in Dresden aufzählt.
Für mich liest sich das, als wäre sie selbst betroffen und sie ist voller Wut darüber, was ich verstehen kann.
Und Peter sagt im Grunde auch nichts anderes.
Ausländerfeindlichkeit sehe ich eher in anderen Posts. Sollte mich wundern, wenn Du dies überlesen hast.
Thom
13. November 2009 um 23:00 |
Ich sehe das nicht als sachliches Aufzählen von Mißständen. Sie differenziert nicht.
13. November 2009 um 19:01 |
[Verweis auf Youtube-Video gelöscht, denn der Kommentar enthielt keine einzige Zeile eigenen Text — Stefan]
13. November 2009 um 19:23 |
der typ war russe. wess nicht warum der meint er wäre deutsch.sachen giebts.
ich hap auch gelesen das der in der russenarmee irgendwie ne spetzialle ausbildung hatte. also nix deutsch.
13. November 2009 um 23:03 |
Nach allem was man hier weiß, war er ausgemustert und hat nicht bei der russischen Armee gedient.
13. November 2009 um 23:58 |
Soviel ich weiß, besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft. Das wäre wohl Grund genug, sich als Deutschen zu bezeichnen.
13. November 2009 um 19:42 |
Mal abgesehen von dieser schrecklichen Tat,die natürlich mit nichts und wieder nichts zu entschuldigen ist.Willst du etwa vorschreiben für wen sich jemand halten soll??!Wir waren nun mal Deutsche in Russland!Auch,wenn die deutsche Sprache verboten,deutsche Siedlungen zerstreut und nationales Bewusstsein unterdrückt wurden,haben die(Russen)uns niemals vergessen lassen wollten wer wir sind!Wieso soll ein Russe behaupten,das er ein Deutscher ist,bitte schön??!Gibt es da etwa,womit man SO stolz sein kann?Ich würde sogar ehe sagen,das ein Russe besser dran ist!Aber es ist nun mal so wie es ist.