Jojoba

27. Februar 2011

Jojoba (Botanischer Garten Dresden, 27.02.2011).


Zum Extremismus (3): Spontaner Zwischenruf

25. Februar 2011

Ein spontan geschriebener Artikel als Reaktion auf einen Kommentar. — Dass es auch in der Mitte der Gesellschaft extremes Gedankengut gibt, ist jetzt nicht wirklich ein Argument gegen die Beschäftigung mit dem Linksextremismus und dem Rechtsextremismus.

Die Gesellschaft ist nicht eindimensional in Links – Rechts – Mitte eingeteilt. Welche »Form« sie genau hat, hängt wohl von der Sicht des Betrachters ab. Aber die beiden Hauptformen des Extremismus treten in den beiden Randzonen auf, die allgemein als Links und Rechts bezeichnet werden.

Den linken Extremismus kann man umschreiben als eine Art Egalitarismus, der ins Extrem getrieben wird. Zweifellos sind bestimmte Arten der Gleichheit notwendig und stehen in unserem Grundgesetz. Zweifellos ist eine zu große Gleichheit nur durch den Verlust der Freiheit zu erreichen. Bisher endeten alle diesbezüglichen Versuche mit mehr oder weniger brutaler Unterdrückung, einige mit Massenmord.

Den rechten Extremismus kann man umschreiben als eine Art Anti-Egalitarismus, der ebenfalls ins Extrem getrieben wurde. Es werden Herrenrassen oder Herrenvölker konstruiert, die besser und stärker als alle anderen sein sollen. Zweifellos ist die Identität eines Volkes wichtig. Zweifellos endet aber der ins Extrem gesteigerte Herrenrassenwahn mindestens in der brutalen Unterdrückung, oft mit Massenmord.

Und dann gibt es noch andere Arten des Extremismus. Man mag sie als wichtig oder unwichtig klassifizieren — Fakt ist aber: keine forderte bisher so viele Opfer wie die beiden erstgenannten. Keine führt so zwangsweise in die Katastrophe wie Linksextremismus und Rechtsextremismus.

Und so steht man unschlüssig mit seinem Lichtenberg-Buch in der Hand und hört ihn, den Klugen und Gleichen und doch so Ungleichen sagen:

So vielerlei Arten von Gleichheit es gibt, worunter es fürchterliche gibt, eben so gibt es verschiedene Grade der Ungleichheit, und darunter welche die eben so fürchterlich sind. Von beiden Seiten ist Verderben.

Und einige Zeilen später:

Es ist aber nun zu befürchten, daß jene mittlere Gleichheit oder Ungleichheit (wie man will) von beiden Parteien gleich stark verabscheut wird. Sie muß also wohl mit Gewalt eingeführt werden; und da ist es denn dem Einführenden nicht zu verdenken, wenn er sich einen etwas starken Ausschlag gibt. Hierin liegt überhaupt ein allgemeiner Grund von der Seltenheit guter Mittelzustände.


Welchen »Mittelzustand« haben wir erreicht? Wieviel Kraft brauchen wir, um ihn zu halten? Welche Mittel dürfen eingesetzt werden, um ihn zu halten?


Liberale Lernfähigkeit?

24. Februar 2011

Jetzt werden wohl einige FDP- und CSU-Politiker ihre eigenen Artikel und Redebeiträge aufessen müssen: Die FDP fordert die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung für Hotel-Übernachtungen. Damit verbunden ist offensichtlich ein Nachdenken über die Abschaffung anderer ermäßigter Mehrwertsteuersätze — also faktisch eine Steuererhöhung:

»Mit Ausnahme von Grundnahrungsmitteln und Kultur sollten nun alle ermäßigten Sätze hinterfragt werden.«

wird FDP-Generalsekretär Christian Lindner zitiert. Als Ausgleich sollen offenbar leichte Korrekturen bei der Einkommenssteuer für mittlere Einkommen vorgenommen werden.

Das würde den Wahlversprechungen der FDP auf jeden Fall näher kommen als alle bisherigen Maßnahmen. Es ist auch liberaler, den Leuten etwas mehr Netto in der Tasche zu lassen, als eine einzelne Branche wie die Hotellerie zu bevorzugen. Ich glaube aber erst daran, wenn ich es schwarz auf weiß im Steuerbescheid stehen habe.



Eindringlicher Appell an die Vernunft

23. Februar 2011

In der »Sächsischen Zeitung« von heute ist ein sehr guter Artikel von Frank Richter zu lesen. Frank Richter ist eine zentrale Persönlichkeit der friedlichen Revolution 1989 in Dresden und heute Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. Sein Artikel beginnt mit einer schonungslosen Bestandsaufnahme:

Eines dürfte klar sein nach diesem 19. Februar: Die Mehrheit der Bürger wurde in die Zange genommen. »Rechte« und »Linke«, Extremisten und Chaoten, Frustrierte und Aufgehetzte griffen die Gelegenheit beim Schopf. Sie ließen die Sau raus und gaben ihrem Affen Zucker. Sie legten Feuer. Sie schmissen Steine. Sie zerschlugen Fensterscheiben. Sie verletzten unter dem Deckmantel der Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit zweiundachtzig Polizisten.

Frank Richter plädiert eindringlich dafür, dass sich die Stadt und ihre Bürger zur Gewaltfreiheit bekennen. Kein einziger Konflikt könne durch eingeschlagene Fensterscheiben oder angezündete Mülltonnen gelöst werden. Sehr deutlich weist er darauf hin, dass sich auch Politiker in ihren Äußerungen eindeutig von Gewaltanwendung distanzieren müssen.

Frank Richter argumentiert: Je mehr Freiheit die Menschen haben, desto mehr Disziplin müssen sie bei der Anwendung der Freiheit an den Tag legen. Er schreibt, was mich auch seit Samstag beschäftigt: Rechtsextreme und Linksextreme sind in der Ausübung ihrer Gewalttaten überhaupt nicht voneinander zu unterscheiden.

Ich habe hohen Respekt vor Menschen, die in der friedlichen Demonstration ihr Gesicht zeigen.

Aber die Linksextremen und Rechtsextremen zeigen kein Gesicht. Sie verstecken sich unter Hasskappen und Sturmhauben. Sie verachten das Recht auf Menschenwürde. Sie werfen Steine, die tödlich treffen können. Sie sind sich in ihren Methoden zum Verwechseln ähnlich.


Ergänzung: Der Artikel ist jetzt online verfügbar (mit einem Tag Verzögerung, gestern wurde er gedruckt und war zuerst im Bezahl-Angebot der Sächsischen Zeitung).


Zeit in Primfaktoren

22. Februar 2011

Zahlenspiel, Technische Sammlungen Dresden, 21.02.2011.


Ein Volkstribun gibt seinen Doktortitel zurück

22. Februar 2011

Und nach dieser Beschäftigung,
meine Damen und Herren,
habe ich auch festgestellt,
wie richtig es war,
dass ich am Freitag gesagt habe,
dass ich den Doktortitel nicht führen werde.

[Quelle]

Kann man jemandem böse sein, der aus freien Stücken eine richtige Entscheidung getroffen hat? Da fehlt zwar das kleine Detail, dass ihm dieser Titel gar nicht mehr zustand, ja eigentlich noch nie zugestanden hat. Und dass die Uni jetzt wohl kaum noch prüfen wird, wie schlimm das Plagiat ist. Aber sonst hat er alles richtig gemacht.

Aus diesem Menschen wird noch viel werden. Vielleicht wird er noch hohe Ämter erringen, vielleicht wird ihn seine Partei weiterhin als Hoffnungsträger einsetzen. Aber etwas Großes wird er nicht mehr.


Weiter mit Herrn zu Guttenberg:

Ich sage das ganz bewusst,
weil ich am Wochenende auch
nachdem ich diese Arbeit mir
intensiv noch einmal angesehen habe,
feststellen musste,
dass ich gravierende Fehler gemacht habe.
Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex,
den man so ansetzt, nicht erfüllen.

Der wissenschaftliche Kodex, den man so ansetzt, war ihm bis zu dem Zeitpunkt noch etwas wert, als er nicht erwischt worden war — nein, das stimmt ja eigentlich nicht. Der Titel war ihm etwas wert. Der Kodex war ihm völlig egal. Heute wird der wissenschaftliche Kodex in einem Nebensatz abgehandelt. Fast schon verächtlich, als sei das eine Konvention von gestern.

Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht,
ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich
in irgendeiner Form getäuscht
und musste mich natürlich auch selbst fragen,
meine Damen und Herren:
Wie konnte das geschehen?
Wie konnte das passieren?

Das würden wir unseren Kindern nie durchgehen lassen. Dreijährige versuchen es so: »Meine Hand hat gehauen« (ich nicht). Und wir zeigen ihnen die Grenzen. Aber einem veritablen Minister lassen wir das durchgehen?

Und so ist es, dass man nach …
einen Blick dann zurückwirft
und feststellt
man hat sechs, sieben Jahre
an einer solchen Arbeit geschrieben
und hat in diesen sechs, sieben Jahren —
möglicherweise an der einen oder anderen Stelle,
an der einen oder anderen Stelle auch zuviel,
auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren.

Der aufmerksame Leser sagt: damit kann man doch nicht hunderte Stellen erklären. Seit gestern abend ist die Beschäftigung so vieler Leute im Netz, so vieler Journalisten und Geisteswissenschaftler, mit der Doktorarbeit völlig sinnlos geworden, weil man in die Formel »an der einen oder anderen Stelle auch zuviel« jeden Betrugsversuch einschließen kann. Hoffentlich werden die Autoren der Originaltexte das Urheberrecht zur Hilfe nehmen!

Der akademische Grad kann nicht zurückgegeben, sondern allenfalls aberkannt werden. Das wird lange dauern, weil die Uni ja rechtsbewusst handeln muss. Wenn es soweit ist, dann ist alles vergessen.



Technische Sammlungen wiedereröffnet

20. Februar 2011

Tür der Technischen Sammlungen (bis zum 19.02.2011)


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