Suspendiert

22. November 2011

In Zettels Raum ist ein Artikel des Co-Autors Herr zur Suspendierung einer jungen Vikarin erschienen. Sie hatte einen muslimischen Mann geheiratet. Viele Kommentatoren scheinen ihm Recht zu geben. Grund genug für einige eigene Gedanken.

Wie hätten wir reagiert, wenn es ein junger Mann aus Israel gewesen wäre? Hätte es eine Rolle gespielt, ob er moderat oder orthodox oder überhaupt gläubig ist?

Wer darf so etwas eigentlich prüfen?

Wie hätten sie denn in dieser Landeskirche reagiert, wenn die Vikarin einen pro-forma-Christen geheiratet hätte, der seit Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen hat, aber immer noch pünktlich Kirchensteuer zahlt? Oder einen internen Kirchenkritiker? Oder einen richtig scheinheiligen Heuchler vor dem Herrn?

In einem Bericht auf »evangelisch.de« wird der zuständige Vertreter der Landeskirche zitiert:

Hoesch wies darauf hin, dass der Ehepartner eines Pfarrers oder einer Pfarrerin laut württembergischen Kirchenrecht grundsätzlich evangelisch sein müsse, da die Notwendigkeit bestehe, dass der Partner den Dienst aktiv unterstütze. Erfahrungen mit einer Ausnahmereglung hätten gezeigt, dass “selbst bei hoher Reputation eines nichtchristlichen Ehepartners die Belastungen des Pfarramts nicht durchhaltbar waren”.

»Grundsätzlich« heißt in der Sprache der Juristen, dass es Ausnahmen gibt. Es gibt viele Konstellationen, in denen es funktionieren kann, obwohl es zum ersten Mal ausprobiert wird. Es gibt auch Konstellationen, in denen es völlig schief läuft, obwohl vielleicht sogar beide Eheleute aus einer Pfarrersfamilie kommen.

Ich denke es sollte von der Gemeinde abhängig gemacht werden, in der sich die spätere Pfarrerin um eine Pfarrstelle bewirbt. Wenn sie die Gemeinde überzeugen kann — warum sollte sie keine gute Pfarrerin werden können?



Urmenschen im Japanischen Palais

15. November 2011

Am Sonntag haben wir der Ausstellung »Safari zu den Urmenschen« im »Senckenberg«-Teil des Japanischen Palais einen Kurzbesuch abgestattet. Zu meinen Eindrücken schreibe ich später noch etwas. Kurzes Fazit: Es lohnt sich ;-)

Der Besuch im Museum erinnerte mich nachdrücklich daran, dass ich eigentlich auch noch den Film »Die Höhle der vergessenen Träume« sehen wollte. So wenig Zeit und so viel Kultur in dieser Stadt …

Hier sind jedenfalls die die ersten Bilder aus der Ausstellung, verbunden mit einer Frage: Was zeigt die Replik einer 20.000 Jahre alten Figur aus einer französischen Höhle auf dem ersten Bild?

Blicke in die Ausstellung (Teil 1).


Gebrochenes Herz aus Steinen

15. November 2011

Steine unter der Marienbrücke (flussabwärts).


Wer noch auf Facebook aktiv ist

14. November 2011

sollte diesen Artikel lesen. Dort wird anschaulich vermittelt, wie viele Datenspuren und welche unglaubliche Menge an Daten jeder Nutzer bei Facebook hinterlässt.

Es geht dabei nicht um die Informationen im Profil, die man entweder öffentlich preisgibt oder nur mit seinen »Freunden« teilt. Das ist nur das, was man sieht. Es geht vielmehr um die Daten, die sich bei der Nutzung, bei den Empfehlungen und bei der Interaktion mit anderen Nutzern ansammeln. Der Kern des Artikels:

Viele der Informationen sind mit Vermerken wie „Deleted true“ als gelöscht gekennzeichnet, doch Facebook vollzieht diese Löschungen nicht. Wer auf Facebook etwas „löscht“, versteckt die Daten meist nur vor sich selbst. Viele weitere Daten über mich gibt Facebook nicht heraus, da sie dessen „geistiges Eigentum“ oder „Betriebsgeheimnis“ sind oder einfach „zu schwer zuzuschicken“, obwohl jedermann ein Recht auf eine Kopie der Daten hat. Stutzig macht einen, dass es sich hier zufällig um die besonders heiklen Daten handelt.

Wie in vielen anderen Situationen des täglichen Lebens müsste man auch hier die Überschrift verwenden: »Was man sieht und was man nicht sieht« (Bastiat).

Da hat jemand ein ganz normales Profil bei Facebook, das auf wenige Seiten passen würde. Er merkt plötzlich, dass dort im Umfang von mehr als 1.000 Seiten Daten gespeichert wurden. Und das sind nur die Daten, die offiziell herausgegeben werden. Eine unbekannte Menge weiterer Informationen kann oder will Facebook gar nicht offenlegen. Man kann sich darüber auf »Europe vs. Facebook« informieren. Dort wird beschrieben, wie Facebook inzwischen die Nutzeranfragen behandelt:

Facebook hat sein bisheriges Auskunftsformular am 4. November nach tausenden Anfragen entfernt. Nun werden Nutzer auf ein “Download Tool” umgeleitet. Wenn Sie das Tool nutzen haben Sie aber kein Recht auf Auskunft.

Über diese Tool erhalten Sie nur eine Kopie Ihres Profils, aber keine Daten welche Facebook im Hintergrund speichert oder generiert. Daher bekommen Sie nur ca. 29% der Daten die Facebook speichert.

Wenn man sich mal richtig gruseln möchte, kann man auf dieser Seite nachsehen, welche Daten Facebook mindestens speichert. Die Datenschutz-Aktivisten haben z.B. herausgefunden, dass Freundschaftsanfragen immer gespeichert bleiben, selbst wenn man sie abgelehnt hat. Auch solche Nachrichten wie im folgenden Beispiel von der verlinkten Seite werden im Datenbestand nicht gelöscht:

Author: Max Mustermann (123456789)
Recipients: Petra Musterfrau (987654321)
Sent: 2011-06-06 19:05:56 UTC
Body: Hallo, willst du heute Nacht noch zu mir kommen?

Warum schreibe ich erst heute darüber? Weil ich bei Frank einen interessanten Artikel über Google+ und Diaspora gelesen habe. Sein Fazit: Er ist inzwischen Fan von Google+. Doch es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass bei Google+ weniger Daten als bei Facebook gesammelt werden oder dass Google mehr von Datenschutz hält als Facebook.

Es gibt noch keinen Anbieter, der einen fairen Umgang mit Nutzerdaten und ein funktionierendes Geschäftsmodell miteinander verbindet. Vielleicht wird es diesen Anbieter irgendwann geben. Für den Moment gilt: Der Satz »Jeder kann doch entscheiden, welche Daten er öffentlich in sein Profil stellt und mehr gibt er nicht preis!« ist genauso von der Realität überholt wie »Ich habe doch nichts zu verbergen!«.



Licht- und Schattenspiele bei einer Führung im Botanischen Garten

14. November 2011

Gestern war ein Tag für Kultur und Bildung reserviert. Der Bericht über die sehr interessante neue Ausstellung im Japanischen Palais kommt später. Hier sind einige Bilder von der Führung im Botanischen Garten, an der ich nachher (eher zufällig) noch teilnehmen konnte. Im Frühjahr wird das Thema wahrscheinlich wiederholt (bevor die neuen Blätter an den Bäumen wachsen): Bestimmung von Gehölzen im Winter. Die Bilder geben allerdings nicht die Führung, sondern nur einige Eindrücke wieder.

Führung am 13.11.2011.


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Fernweh nach Weimar

10. November 2011

Wenn es draußen eher grau aussieht, denkt man an die Reise in einen wunderbaren Herbst, die nur wenige Tage zurückliegt:


Weimar, Park an der Ilm (Bilder vom 30. und 31.Oktober).


Das herbeigeschriebene Desaster

10. November 2011

Wenn man Ihnen erzählen würde, dass die Nachrichten bei SPON heute eine Zeitlang von einem unglaublichen Desaster aus dem amerikanischen Vorwahlkampf dominiert wurden: Was würde ihnen spontan dazu einfallen? Ein Korruptionsskandal? Vorwürfe wegen sexueller Belästigung? Eine Fernsehdebatte ohne jeglichen Inhalt?

Ich wäre jedenfalls nicht darauf gekommen, was wirklich geschehen ist und was sich hinter dem Desaster verbirgt: Ein Kandidat der Republikaner hat sich in einer Befragung im Fernsehen ein wenig verhaspelt. Er hat einen sekundenlangen Aussetzer gehabt, wie es jedem von uns in einem Vortrag, in einem Seminar oder in einer Diskussion passieren kann. Mehr ist gar nicht passiert.

Als Indiz der unglaublichen Relevanz dieser Angelegenheit zitiert SPON das »Klatschblog« gawker:

Es ist das, was der Klatschblog Gawker später genüsslich als Hirnfurz tituliert: Perry, der sowieso als etwas langsam Verhöhnte, kann sich nicht erinnern. Er hat einen klassischen Aussetzer, live, vor laufenden Kameras.

Das eigentliche Desaster liegt darin, dass unsere Presse sich aus lauter Republikaner-Feindlichkeit mit solchen Lappalien abgibt, anstatt eine faire und fundierte Berichterstattung über die politischen Standpunkte der beiden Seiten zu liefern. Amerika hat momentan einen sehr schwachen Präsidenten, der übrigens oft sogar für einfache Reden einen Teleprompter benötigt. Da würde es mich schon interessieren, was seine Kontrahenten von der anderen Seite politisch zu bieten haben — und nicht, ob ihnen im Fernsehen kurzzeitig ein Begriff entfallen ist.



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