Und wer zahlt?

Die Pressemitteilung der Stadt Dresden und ihrer Oberbürgermeisterin ist eine Freude für viele Dresdner — sofern sie sich noch keine Jahreskarte für den Schlosspark Pillnitz gekauft haben, wie ich am Sonntag ;-)

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Jahreskarte vom 22.04.2012 …


Für Stammkunden der DREWAG und der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) halbiert sich der Preis einer Jahreskarte für den Besuch des Pillnitzer Schlossparks. Unter dem Titel „Gartenfreund für ein Jahr“ kostet die spezielle Dauerkarte dann lediglich 4,00 statt der sonst fälligen 8,00 Euro. Diese Vergünstigung gilt für alle, die beim Kauf eine DREWAG-Kundenkarte oder eine Abo-Monatskarte bzw. Jahreskarte der DVB vorlegen.


Ich kann mir keinen fauleren Kompromiss vorstellen: Die Oberbürgermeisterin hat laut Zeitungsmeldungen dafür gesorgt, dass dieser Rabatt zustandekommt. Aber niemand schreibt, wer denn eigentlich die Kosten trägt. Die DNN formulieren es so:

Ab sofort bieten Dresdner Verkehrsbetriebe und Drewag ihren Kunden die Pillnitzer Jahreskarte „Gartenfreund für ein Jahr“ zum halben Preis an. Inhaber von Abo-Monatskarten, Jobtickets oder Jahreskarten der Verkehrsbetriebe (derzeit etwa 80000 Personen) sowie Besitzer der Drewag-Kundenkarte (bisher rund 67000) zahlen jetzt vier, anstatt normalerweise acht Euro. Dieses Sonderangebot speziell für die Dresdner hat Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) auf den Weg gebracht.


Interessant: Die Stadt schreibt, dass man den Rabatt einfach bei Vorlage der Jahreskarte oder Kundenkarte erhält. Damit kann ja eigentlich keine Registrierung verbunden sein. Die Zeitung schreibt, dass die beiden städtischen Unternehmen den Rabatt anbieten. Aber wer trägt denn nun wirklich die Kosten für den Rabatt?

  • Verzichtet der Freistaat auf die Hälfte des Eintrittspreises?
  • Zahlen die hochsubventionierten Dresdner Verkehrsbetriebe?
  • Wird die DREWAG die Kosten auf unsere Wassergebühren oder Stromrechnungen aufschlagen?

TANSTAAFL (Nichts ist umsonst). Um eine Sache zu bekommen, die wir mögen, müssen wir üblicherweise eine andere Sache aufgeben, die wir mögen. Entscheidungen zu treffen bedeutet, Ziele gegeneinander abzuwägen (N. Gregory Mankiw).


Bei den Dresdner Verkehrsbetrieben findet man keine Antwort:

Wir freuen uns außerordentlich, dass es der Oberbürgermeisterin gelungen ist, diesen Rabatt für DVB- und DREWAG-Kunden zu vereinbaren und damit den Beginn einer Partnerschaft zwischen den Stadtunternehmen und den Staatlichen Schlössern und Gärten zu begründen.

Wenn sie sich so außerordentlich freuen, dann zahlen sie wohl nicht? Auf der DREWAG-Website ist die Meldung bis jetzt noch gar nicht angekommen. Und in der Zeitung steht auch nichts Eindeutiges. Warum fragt niemand nach?


Noch einige Ergänzungen. Die Oberbürgermeisterin wurde gestern folgendermaßen zitiert:

„Ich bin sehr dankbar, dass die städtischen Unternehmen jetzt ihren Kunden eine so preiswerte Lösung anbieten können“, sagte sie gestern Abend. Das Angebot sei auch „ein Signal an den Freistaat, dass die Stadt Dresden nach Lösungen sucht.“

Die DREWAG macht es sich ganz einfach. Sie mischt die Pressemitteilung der Stadt mit etwas Eigenwerbung für ihre Kundenkarte.

Fassen wir zusammen: Der Chef der DVB freut sich außerordentlich, dass es der Oberbürgermeisterin gelungen ist, diesen Rabatt zu vereinbaren. Die DREWAG erklärt uns den Rabatt als Vorteil ihrer Kundenkarte. Die Oberbürgermeisterin ist sehr dankbar, dass DVB und DREWAG diesen Rabatt anbieten. Aber niemand sagt uns, wer dafür zahlt. Sind wir kleine Kinder, denen man die Wahrheit nicht zumuten kann?


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6 Antworten zu Und wer zahlt?

  1. petermacheli sagt:

    Zumindest bei den DVB-Kunden ist es doch ganz einfach: Die fahren zweimal nicht und schon hat die DVB das Geld rein.

    • stefanolix sagt:

      Die DVB-Kunden fahren freiwillig zweimal nicht? Das musst Du mir erklären ;-)

      • petermacheli sagt:

        Eine Fahrt kostet innerstädtisch zwei Euro bei der DVB (Stundentarif). Wenn ich also ein Jobticket o.ä. hätte und zweimal nicht fahren würde, sparte die DVB vier Euro, mein Fahrschein wäre ja quasi schon bezahlt – aber nicht genutzt.

        Auf meinem üblichen Stehplatz könnte außerdem jemand anderes stehen, für zwei Euro natürlich. Dann hätte die DVB das mit einer nicht gefahrenen Fahrt von mir wieder rein = mein bezahlter Fahrschein + der von dem auf meinem Platz stehenden Mitfahrer. Frau Orosz müsste nur sicherstellen, dass letzterer kein Jobticketbenutzer ist, aber da sie Dresden mit harter Hand regiert (O-Ton SZ), fällt ihr das sicher nicht schwer.

      • petermacheli sagt:

        Nachtrag: Ich würde mein Nichtfahren natürlich auf meine Urlaubszeit legen, wenn ich Jobticketbesitzer wäre und durch mehrtägiges Nichtfahren gleich noch ein paar Rabatte mitfinanzieren. Ich denke da sehr solidarisch.

      • stefanolix sagt:

        Da muss ich Dich enttäuschen, so einfach ist das nicht ;-)

        Nehmen wir den typischen Jahreskarteninhaber (z.B. mich). Er zahlt pro Tag etwa 1.40 Euro als Eigenanteil. Der Rest wird aus mehreren Quellen subventioniert.

        Er müsste also an zwei Tagen auf die DVB verzichten, an denen er sie sonst genutzt hätte.

  2. […] wirklich faulen Kompromiss erkennt man daran, dass er einer Erklärung bedarf. Der Rabatt für den Eintritt in den Schlosspark […]

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