Und wer zahlt wirklich für den Rabatt in Pillnitz?

Einen wirklich faulen Kompromiss erkennt man daran, dass er einer Erklärung bedarf. Der Rabatt für den Eintritt in den Schlosspark Pillnitz ist in dieser Hinsicht ein wahres Prachtstück.

Die beiden Dresdner Zeitungen »DNN« und »SZ« sind nun endlich ihrer Verantwortung nachgekommen und haben zumindest damit begonnen, nach den wahren Zusammenhängen zu fragen. Als Leser erfahre ich heute morgen:

Der Freistaat Sachsen kassiert in Pillnitz nur noch die Hälfte des Preises, wenn der Besucher entweder Stammkunde der DVB oder der DREWAG ist. Der Freistaat verzichtet also bei diesen Gästen auf 50% der Einnahmen, aber er diskriminiert die Autofahrer, die Kunden anderer Energieversorger und die Touristen. So weit, so schlecht.


Aber woher kommen dann die Einnahmen für den Schlosspark?

Die beiden städtischen Unternehmen DVB und DREWAG werden dem Freistaat diese Einnahmenverluste nicht ausgleichen. Stattdessen wird heute in den »Dresdner Neuesten Nachrichten« angegeben: »Als Ausgleich für den gewährten Nachlass bei Drewag und DVB-Stammkunden erhalten die Staatlichen Schlösser und Gärten den Angaben zufolge von den Unternehmen Werbeleistungen.« DVB und DREWAG bestätigen: Es gäbe »keine finanziellen Transaktionen«.


Gibt es Werbung ohne finanzielle Transaktionen?

Schauen wir uns diese Seite des faulen Kompromisses genauer an. Die DVB hat eine begrenzte Anzahl an Werbeflächen zur Verfügung. Sie kann diese Werbeflächen entweder vermarkten oder kostenlos zur Verfügung stellen. Wenn sie die Werbeflächen kostenlos zur Verfügung stellt, verzichtet sie auf Einnahmen. Zusätzliche Werbeflächen können nur durch Investitionen geschaffen werden. Werden sie kostenlos bereitgestellt, bringt die Investition keinen Ertrag.

Ob die Werbung nun kostenpflichtig oder kostenlos abgegeben wird: In jedem Fall müssen die Medien für die Werbung erstellt werden. Das Bekleben einer Straßenbahn mit Folie, das Drucken von Printprodukten oder das Erstellen eines Werbespots sind Leistungen, die niemals kostenlos erbracht werden können. Entweder bezahlt dafür die DVB oder die Verwaltung der freistaatlichen Schlösser.

Für die DREWAG gilt sinngemäß dasselbe. Man kommt zu dem Schluss: Dieser faule Kompromiss kostet immer unser Geld als Steuerzahler, als Straßenbahnfahrgast oder als Stromkunde — auch wenn er verfälschend als »Kooperation« bezeichnet wird. Es gibt in Wirtschaft und Politik nichts Kostenloses.


Man muss doch aber den Effekt dieser Kooperation berücksichtigen?

Jetzt könnte ein ganz schlauer Mensch kommen und einwenden: Aber was passiert, wenn sich die Anzahl der Besucher in Pillnitz verdoppelt, wenn die DREWAG dadurch Kunden zurückgewinnt und wenn die DVB dadurch mehr zahlende Fahrgäste haben? Dann wäre es doch kein fauler Kompromiss mehr!

Doch. Es bleibt ein fauler Kompromiss. Denn jeder Bürger kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Und auch die beteiligten Unternehmen können jeden Euro nur einmal ausgeben.

Die Kosten dieser Maßnahme werden natürlich Auswirkungen auf die Bilanzen der beteiligten Unternehmen haben: Einnahmeverluste bei der Werbung und/oder Kosten für die Erstellung der Werbemedien und/oder andere »Kooperationskosten«.

Folglich wird es Auswirkungen auf die Energiekosten, auf die Kosten der Straßenbahn-Tickets, auf die Subventionen für die Verkehrsbetriebe und/oder auf die Höhe des Eintrittsgeldes in Pillnitz geben.

All dieses Geld würden die Bürger und Unternehmen sonst für andere Waren oder Dienstleistungen ausgeben, die nun nicht mehr nachgefragt werden. Es kann also niemals eine zusätzliche Leistung »geschaffen« werden, sondern es wird auf andere Leistungen verzichtet. Die Ökonomie lässt sich nicht austricksen ;-)


Können die Rabatte rückwirkend geltend gemacht werden?

Ein besonderes Bonbon habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Mir wurde soeben mitgeteilt:

Laut Abstimmung mit »Schlösser und Gärten« können Sie den Rabatt für eine bereits gekaufte Jahreskarte nachträglich geltend machen.

Das ist ja nun der Gipfel: Man kann eine bereits getroffene Kaufentscheidung zu 50% rückgängig machen. Und mit der Jahreskarte kann ich dafür sogar »kostenlos« einmal nach Pillnitz und wieder zurück fahren. Nur gut, dass in Pillnitz bis zum Sonntag augenscheinlich weniger als 2.000 Jahreskarten verkauft worden sind: Ich habe die Nummern 1671 und 1672 …


Ergänzung (1): Wie kann man das Thema politisch ausschlachten?

Es gibt eine interessante Seite der Parkeintritt-Gegner mit vielen Links zu Medien-Meldungen zum Thema Pillnitz. Die jüngsten Meldungen stehen immer ganz unten.

Dort habe ich gerade einen Bericht der »Sächsischen Zeitung« gefunden, in dem zuerst die FDP lächerlich gemacht wird, um dann über Pillnitz berichten zu können. Das ist ja inzwischen eine regelrechte Kampagne. Die FDP ist zwar der Absteiger der Saison, aber Nachtreten gilt im Fußball traditionell immer noch als grobes Foulspiel.

Nun hat Herr Zastrow — wie so oft — zuerst gepoltert und dann nachgedacht. Und manch andere Wortmeldung war wohl etwas differenzierter. Aber die Art und Weise, in der die SPD-nahe »Sächsische Zeitung« die Sache ausschlachtet, finde ich trotzdem befremdlich. Fette Überschrift und Unterzeile:

FDP missversteht den Rabatt für Parkeintritt in Pillnitz

Holger Zastrow glaubt, dass städtische Unternehmen die Karten subventionieren, was nicht stimmt. Stattdessen sind Drewag-Kundenkarten gefragt wie nie zuvor.

Was soll dieser Unsinn? Differenziert und ökonomisch betrachtet hat Herr Zastrow nicht unrecht.


About these ads

19 Antworten zu Und wer zahlt wirklich für den Rabatt in Pillnitz?

  1. Muyserin sagt:

    Zu Deiner Ergänzung habe ich Fragen. Woher weiß man eigentlich, dass eine Zeitung dieser oder jener Partei nahe steht? Ich persönlich habe die Sächsische noch nie unter diesem Aspekt wahrgenommen. Und selbst wenn es so wäre, gilt für die einzelnen Redakteure immer noch, dass sie eine persönliche Meinung haben dürfen. Das können doch unmöglich alles SPD-Leute sein.

    • stefanolix sagt:

      Für das eigentliche Anliegen der Ergänzung ist das Attribut im Grunde nicht wichtig. Die Einleitung zu der SZ-Meldung wäre genauso ein Foulspiel, wenn ich es weggelassen hätte.

      Woran man es erkennt? An den Eigentümerverhältnissen. Siehe hier:

      http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4chsische_Zeitung#Verlag

      Und an Details wie an der Überschrift auf einer Titelseite neulich. Sinngemäß: »DRESDEN WILL WINDRÄDER« — wenn es in Wahrheit um einen Antrag auf einer politisch weitgehend bedeutungslosen Veranstaltung der städtischen SPD geht.


      Du hast gerade den 8888. Kommentar auf diesem Blog geschrieben. Ich freue mich ;-)

      • Muyserin sagt:

        Wow! :)

      • Hendrik sagt:

        Ich habe von 1996-1998 in einer Führungsposition bei der SZ gearbeitet. Eines muss ich der SZ zugute halten. Im Tagesgeschäft haben die Eigentumsverhältnisse des Verlages nie eine Rolle gespielt. Und ich bin der festen Überzeugung, dass sich dass nicht geändert hat.

        Insofern, Sorry @stefanolix, eine subjektive Vermutung.

        Seit einiger Zeit arbeitet jedoch im Lokalbereich ein Redakteur namens D. K., der Journalismus mit Politik verwechselt. Ein Grund, weshalb ich seit 1.4. kein SZ-Abo mehr habe. Herr D.K. bekennt sich auf FB zu seiner politischen Gesinnung (übrigens eher nicht der SPD) und diese spiegelt sich auch in seiner SZ-Tätigkeit wider. Ganz schwacher CR ohne Führungskompetenz gerade!

      • stefanolix sagt:

        In der Mediengruppe der LVZ/DNN gibt es auch so einen Journalisten. Seine Initialen sind D.W. ;-)

      • stefanolix sagt:

        Ich habe hier wieder einmal gelernt, dass man sich wirklich jedes noch so nebensächliche Attribut genau überlegen muss. Es ist eigentlich völlig unerheblich, ob in dem Artikel der »Sächsischen Zeitung« ein »SPD-nahes« Foulspiel oder irgend ein anderes Foulspiel begangen wurde. Es bleibt ein Foulspiel.

  2. Daniel sagt:

    Der Rabatt diskriminiert also Autofahrer und Touristen. Oheje. Also ehrlich, diese ganze Kritik am Eintrittspreis wird doch immer abwegiger als ohnehin schon. Ich hab gerade nochmal nachgeschaut, 8 € kostet die Jahreskarte in Pillnitz, 40 € die Jahreskarte für alle Schlösser in ganz Sachsen. Klar wär mir lieber das das alles kostenlos ist, denn -wie es hier auch so schön durchklingt- wir haben ja ohnehin schon dafür bezahlt. Andernseits ist es mir das trotzdem Wert. Für schützenswerte Kulturgüter. 4 € für ne ermäßigte Karte, jedes Mittagessen kostet diejenigen die hier lauthals über Unkosten schimpfen mehr. Hier gehts doch anscheinend nur noch ums Prinzip, aus Prinzip dürfte man dann aber nicht vor Jahreskarten in einem Schlosspark halt machen. Dann müsste generell die Kulturförderung in Sachsen/Deutschland Frage gestellt werden. Dieser sehr engstirnige Protest und Fokusierung auf Pillnitz ist für mich absolut nicht nachvollziehbar.

    • stefanolix sagt:

      Ganz zuerst: Dieser Artikel ist keine Kritik am Eintrittspreis! Bitte genau lesen! Ich habe in einem früheren Artikel vom 1./2. April beide Positionen dargelegt und ich bin gar nicht grundsätzlich gegen eine Beteiligung der Nutzer an den Kosten.

      Die Umsetzung der Maßnahme ist aber völlig dilettantisch und dieser ökonomisch faule Kompromiss lässt das alles noch dilettantischer erscheinen.


      In dem Artikel habe ich »Diskriminierung« als ökonomischen Begriff eingesetzt und nicht als politisch-gesellschaftlichen Begriff: Eine Gruppe bekommt den ökonomischen Vorteil, eine andere bekommt ihn nicht.

      Beide Gruppen wurden völlig willkürlich gebildet. Es ist doch aberwitzig: die am meisten subventionierte Jahreskarte der DVB soll jetzt noch einen weiteren Vorteil bringen. Der Autofahrer zahlt jede Woche hohe Steuern für seinen Treibstoff, aber er geht leer aus.

      Das kritisiere ich wohlgemerkt als Jahreskarten-Besitzer und nicht als Autofahrer (ich habe kein Auto). Ich könnte mich ja freuen, dass mir und meiner Frau der Rabatt sogar rückwirkend gewährt wird. Ich will ihn aber unter diesen Voraussetzungen gar nicht haben.

      • okapi sagt:

        Der plötzliche Rabatt ist in der Tat überraschend. Zumal ihn zwei Unternehmen angeleiert von der Bürgermeisterin für eine freistaatliche Einrichtung gewähren. Interessantes Konstrukt! Ich denke, hier sollte und wollten Freistaat und Frau Orosz mal ein paar Pluspunkte sammeln, denn ich Dir stimme zu: Die Umsetzung der Maßnahme war dilettantisch und das Verhalten der Stadt gehört dazu.
        Ich denke nicht, dass hier eine Gruppenbildung oder Diskriminierung beabsichtigt war und erfolgt ist. Dass es nun nur DREWAG und DVB bieten, ist nicht verwunderlich. Zum einen stehen sie im Einflussgebiet von Frau Orosz. Zum anderen ist das ganze Prozedere nicht unüblich. Im Zoo bekommt man da auch Rabatt. Ich glaube auch gehört zu haben, dass ein pauschaler Rabatt für Dresdner (ohne Tricks) wohl nicht erlaubt sei.
        Leider trifft es nun wieder die armen, armen Autofahrer. Zum einen müssen sie Parkgebühren bezahlen und dann noch Parkgebühren. Aber vll. könnte der ADAC oder ARAL & co. ja auch noch Werbeflächen für die freistaatlichen Schlösser anbieten? Der arme Freistaat braucht jeden Pfennig.

      • stefanolix sagt:

        Die beiden Unternehmen sind nicht nur »im Einflussgebiet« von Frau Orosz. Die Rechtsform der Technischen Werke Dresden kann sich jeder anschauen ;-)

        http://www.dresden.de/de/02/070/c_100.php

        http://www.twd-dresden.de/

        Es ist nicht relevant, ob eine Diskriminierung beabsichtigt war. Es ist nur relevant, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen willkürlich von dem Rabatt ausgeschlossen werden. Dann liegt eine Diskriminierung vor.

        Noch einmal: Ich verwende den Begriff Diskriminierung an dieser Stelle völlig wertfrei. Diskriminierung ist laut Wiktionary:

        die Ungleichbehandlung von Individuen oder Gruppen; im strengen Wortsinn („Unterscheidung“ umfasst das Wort negative Diskriminierung (relative Benachteiligung) und positive Diskriminierung (relative Bevorzugung).

      • Daniel sagt:

        Da muss ich sagen Danke für dei Erläuterung, die Argumentation und Wortwahl kann ich nachvollziehen.

    • Hendrik sagt:

      Jörg Wündrich kenne ich persönlich. Und auch Daniel Braune, den Betreiber des blogs.

      Die Worte hätte ich subjektiv etwas anders gewählt. An der inhaltlichen Botschaft ist inhaltlich nichts hinzufügen.
      .

      • stefanolix sagt:

        Das Anliegen ist verständlich. Aber ich hätte es auch aus rein diplomatischen Gründen anders formuliert: Wer antwortet gern auf einen Brief in dieser Tonlage?

  3. Hendrik sagt:

    Die Argumente sind ausgetauscht.

    https://stefanolix.wordpress.com/2012/04/02/kontroversen-um-den-schlosspark-pillnitz/

    Die Folgen dieser Entscheidung werden wir erst später merken. Wenn der “Große Garten” oder andere “Kulturgüter” Eintritt kosten. Oder Pillnitz solo 25 Euro. Wird kommen, versprochen. Das Internet vergisst nichts. :)

    Nur eine Frage von Jahren. Die öffentliche Hand wird niemals sparen, sondern immer nur unkreativ an der Einahmeschraube drehen.

    Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Die Frage der Marktwirtschaft lautet: Wo? Die Antwort ist einfach.

    Nein, nicht immer beim Billigsten. Sondern beim besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Dieses bezweile ich in Sachen Pillnitz mit Eintritt.

    • stefanolix sagt:

      Man kann jeden Euro nur einmal verdienen.

      Deshalb muss ich erst mal an die Arbeit zurückkehren. Einen schönen Tag und viele Grüße aus Leipzig nach Dresden ;-)

    • stefanolix sagt:

      Ich widerspreche Dir vorsorglich: Wir beide werden es nicht mehr erleben, dass der Große Garten abgesperrt wird und dass dort Eintritt verlangt wird. Das Netz wird auch diesen Widerspruch nicht vergessen ;-)

  4. Hendrik sagt:

    Weggespeichert und 2022 auf Wiedervorlage gelegt. :)

    • stefanolix sagt:

      Danke ;-)

      Nebenbemerkung: Was ich der Tagespresse in Dresden wirklich ankreide: Sie sind zu bequem oder zu feige, die Ursachen zu analysieren und die Konsequenzen all dieser »Deals« aufzuzeigen.

      Der legendäre Joseph Pulitzer hat einmal gesagt:

      Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, attackiert sie, macht sie vor allen Augen lächerlich. Und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekannt machen allein genügt vielleicht nicht – aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen …

      Davon ist in der Dresdner Presse nix zu spüren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 64 Followern an

%d Bloggern gefällt das: