Glücksspiel im Nahverkehr

Im öffentlichen Personennahverkehr der Stadt Dresden wird massiv für eine Spielbank geworben. Auf den Fahrzeugen steht: »Spielbank Zinnwald«. Also liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine deutsche Spielbank in dem kleinen Erzgebirgs-Kurort handelt.

Die Spielbank Zinnwald liegt aber auf der tschechischen Seite der Grenze in Cinovec. Im deutschsprachigen Impressum wird als Rechtsform »Spielbank Zinnwald s.r.o.« angegeben. Eingetragen ist die Spielbank beim Kreisgericht Brünn. Die Spielbank zahlt also ihre Steuern und Abgaben in der Tschechischen Republik.


Was hat die Werbung auf staatlichen Verkehrsmitteln zu suchen?

Auf den öffentlichen Verkehrsmitteln mit der besagten Werbung ist gemäß unseren Gesetzen die Warnung »Glücksspiel kann süchtig machen« aufgedruckt.

Mittlerweile ist diese Werbung auch auf sehr vielen Taxen zu sehen. Dem Vernehmen soll bald die Hälfte aller Taxen damit bestückt sein. Die privaten Taxi-Unternehmer sind auf die Werbung als Einnahmequelle angewiesen und es lässt sich prinzipiell nichts gegen einen privaten Vertrag mit der Spielbank einwenden.

Aber der ÖPNV ist in staatlicher bzw. kommunaler Hand. Ich finde es unangemessen, dass in Dresden auf öffentlichen Verkehrsmitteln so massiv für eine Spielbank geworben wird, die im Ausland sitzt, aber ihre Angebote anscheinend vorwiegend auf die Zielgruppe der Deutschen ausrichtet.


Gibt es in Zinnwald eine Sperrung bei Spielsucht?

Spielen macht süchtig. Spielsüchtige sind eine Gefahr für sich und für andere. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich für bestimmte Glücksspiele sperren zu lassen. Diese Sperre gilt für alle staatlichen Spielbanken in Deutschland, aber auch für die staatlichen Glücksspiele Oddset, Toto und Keno. Eine Selbstsperre gilt in ganz Deutschland und ist unbefristet. Sie läuft aber mindestens ein Jahr.

Auf der Website der Spielbank gibt es ganz unten einen kleinen Link zum Thema Spielerschutz. Dort ist nicht angegeben, ob die deutschlandweite Sperre zum Selbstschutz auch für Zinnwald/Cinovec auf der tschechischen Seite gilt. Das muss sie wohl nicht: Die Spielbank liegt schließlich knapp hinter der Grenze im Ausland.


Wer trägt die Konsequenzen?

Den Spielern und Spielsüchtigen wird es jedenfalls sehr leicht gemacht, kurz hinter der Grenze ihr Geld zu verlieren: Bei Bedarf fährt sogar ein Shuttle-Bus von Dresden nach Zinnwald. Nach allen Regeln des Glücksspiels darf man davon ausgehen, dass die meisten Leute mit einer schweren Geldbörse hinfahren und mit einer wesentlich leichteren Geldbörse zurückkommen.

Am Ende wirken sich die Verluste aus dem Spiel und die Folgen der Spielsucht in unserem Land aus, während die Erträge aus dem Spiel in der Tschechischen Republik bleiben. In meinen Augen ist das kein Ziel, das die Stadt Dresden mit Werbung auf öffentlichen Verkehrsmitteln der Dresdner Verkehrsbetriebe unterstützen sollte. Auch wenn rein rechtlich alles in Ordnung ist.


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5 Antworten zu Glücksspiel im Nahverkehr

  1. Christian sagt:

    Lieber Stefanolix,
    warum so paternalistisch? Die Frage ist doch, wer soll anhand welcher Kriterien bei den öffentlichen Betrieben entscheiden, welche Werbung akzeptiert wird und welche nicht? Demnächst auch keine leichtbekleideten H&M-Mädels? Oder kein Bier aus “dem Westen”? Dünnes Eis, tiefer See.

    Außerdem: Die richtig Spielsüchtigen wissen das sowieso schon, die macht man nicht mit Werbung drauf aufmerksam.

    • stefanolix sagt:

      Ich wäre nur dann paternalistisch, wenn ich Eingriffe in die Entscheidungen von Privatpersonen und privaten Unternehmen befürworten würde. Das tue ich aber nicht ;-)

      Ich bin mir bewusst, welche Widersprüche im staatlichen deutschen Glücksspielsystem stecken, siehe auch:

      http://stefanolix.wordpress.com/2011/03/10/eine-ueble-farce/

      Aber wenigstens fließen die Erträge in Projekte der Kultur und des Sports oder in den Haushalt. Die Erträge der tschechischen Spielbank nicht.

      Die Fahrzeuge des ÖPNV haben wir als Steuerzahler, als Fahrgäste und speziell in Dresden auch als Kunden der Stadtwerke mit vielen Millionen Euro bezahlt. Darin stecken Subventionen, unsere Fahrtkosten und die Gewinne aus den Stadtwerken. Deshalb sollte darauf keine Werbung zu sehen sein, die uns als Gesellschaft nun wirklich eindeutig schadet.

      Gegen Mode- und Bierwerbung habe ich nichts ;-)

      • Klaus W. sagt:

        So sehr ich sonst immer stefanolix zustimmen kann, einen größeren Schaden für uns als Gesellschaft kann ich nun wirklich nicht erkennen, wenn unserer Nachbar ein paar Euro/Kronen mehr einnimmt. Immerhin kommt das Geld (hoffe ich) einem europäischen Nachbarn zugute und versickert nicht in irgendwelchen finsteren Kanälen.

      • stefanolix sagt:

        Die Folgekosten der Spielsucht scheinen mir doch wirklich relativ gut dokumentiert zu sein. Diese Kosten bleiben letztlich hier bei uns in Sachsen hängen. Man kann auch sagen: Die Verluste werden hier bei uns sozialisiert, die Gewinne werden im Nachbarland privatisiert (und über Steuern teilweise sozialisiert).

        Ich weiß nicht, welchen Anteil des Umsatzes der tschechische Staat in Form von Steuern und Abgaben beansprucht. Offenbar scheint sich ein Kasino im Nachbarland besser zu rentieren, sonst wäre es ja in Zinnwald auf deutscher Seite oder in Bad Schandau eröffnet worden.

        Ich weiß nur, dass die Spieler dort (prinzipbedingt) ausgenommen werden wie die Weihnachtsgänse und dass die Spielbank immer gewinnt. Vielleicht denke ich zu rational darüber nach und kann das große Vergnügen nicht verstehen, das einige Spieler dabei spüren. Aber bei meinen Vorbehalten gegen die Werbung auf öffentlichen Verkehrsmitteln bleibe ich. Was die Verkehrsbetriebe dafür bekommen, ist kein sauberes Geld.


        Jetzt noch ein Bekenntnis: Ich kann mir selbst auch nicht immer zustimmen ;-)

  2. Sicher kann man über Spielsucht und deren Folgen etc. nachdenken, doch würdest du einen Artikel geschrieben haben, wenn die “Spielbank Zinnwald” auf deutscher Seite stehen würde???

    Wenn ja, dann wäre es eine Sache bzgl. den Folgen der Spielsucht … tja, soll jeder selbst entscheiden. Sind Lottospieler weniger gefährdet?
    Zudem … “Stefanolix: Gegen Mode- und Bierwerbung habe ich nichts ;-)
    Die Folgen von Alkoholsucht sind auch hinlänglich bekannt. Über Fashion Victims rede ich mal nicht – habe ich wenig Ahnung, bestenfalls runzel ich die Stirn, wenn ich mal 10 Minuten von “Germany’s Next Top(f) Model” gesehen habe.

    Wenn nein, dann würdest du auf die finanzielle Seite abzielen.
    Also wegen mir können Deutsche soviel Geld wie sie wollen nach der CR bringen … vielleicht besser in eine Spielbank als zu den Frauen an den Straßenrändern von Dubi.

    Alles in allem ist es wohl eher eine Frage bzgl. der Werbung … man kann Werbung (ganz gleich, ob nun für Spielbanken, Bioprodukte oder Bier) ja auch als Anregung zum Nachdenken ansehen und sich die angepriesenen Produkte bzw. die Firmen dahinter und deren Philosophie mal genauer anschauen … so wie du es ansatzweise ja auch getan hast.

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