MDR: Ein ARD-Jugendkanal zum Schunkeln?

Ein Gespenst geht durch die Medien: Der MDR schlägt einen zentralen Jugendkanal der ARD vor. Das Dresdner Blog »Flurfunk« hat sich mit der Meldung beschäftigt und stellt zwei Vermutungen auf:

  1. Der Vorschlag ist eine taktische Forderung, um Kürzungen bei den vielen Kanälen der ARD zu verhindern.
  2. Der Vorschlag soll lediglich Aufmerksamkeit für den MDR und vor allem seine neue Intendatin erzeugen.

Mir scheint nur die erste Deutung plausibel. Denn welches Interesse sollte der MDR daran haben, dass die Aufmerksamkeit auf sein Programm und auf seine Intendantin gelenkt wird? Frau Prof. Wille betont:

Eine weitere Herausforderung für den MDR ist die Bewältigung des Generationenabrisses. In der jungen Generation ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht mehr selbstverständlich.

Als ob das von selbst so gekommen wäre. Halb Deutschland biegt sich vor Lachen, wenn man das »Schnulzen- und Schunkel-Fernsehen« des MDR erwähnt. Es gibt wohl kaum ein Drittes Programm, das auf Jugendliche noch abschreckender wirken könnte.

Um das Problem zu beschreiben, muss man nicht den Begriff »Generationenabriss« erfinden. Das MDR-Programm ist eine Vergrämung der Zuschauer aller Generationen unterhalb des Renteneintrittsalters.


Wie hören sich denn eigentlich die beiden MDR-Radiosender an, die für jüngere Leute bestimmt sind? Ein Selbstversuch.

Auf »MDR-Jump« blödeln sich Sarah und Lars-Christian durch den Morgen und die »Morningshow«. Gefühlt ein halbes Dutzend Mal pro Stunde wird betont, dass es »echte Abwechslung für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen« und den »besten Musikmix« gibt.

Ich wage zu behaupten: Wenn der Hörer das nicht von selbst merkt, ist das Jingle ziemlich nutzlos. Und was ist eigentlich »echte Abwechslung«? Gibt es auch unechte?

Aber da gab es doch noch »MDR-Sputnik«, das frühere »DT-64«? Für diesen Sender haben wir uns in den frühen 1990er Jahren einen Astra-Receiver auf das Dach des dringend sanierungsbedürftigen Altbauhauses gesetzt, in dem wir in der Wendezeit unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen hatten.

»Sputnik« war damals ein innovativer Sender und hätte wohl sogar als Modell für einen ARD-Jugendkanal dienen können. Aber der Sender ist längst auf MDR-Niveau angekommen: Bei »MDR-Sputnik« wird nicht der »beste Musikmix« gesendet, sondern es heißt ähnlich monoton »Deine Lieblingsstars und Deine Lieblingsmusik«. Und am Morgen plaudern nicht Sarah und Lars-Christian, sondern Wiebke und Raimund.

Im Prinzip sind beide Sender nicht von einem beliebigen seichten Privatradio zu unterscheiden. Einzig der Konkurrenzkampf dürfte bei den Privaten etwas härter sein.


Und womit fällt der MDR zur Zeit sonst noch auf? Zu »Waldis Club« ist alles gesagt: Das Niveau ist unterhalb der Rasenkante angesiedelt und man möchte sich nach jedem Spiel der Nationalmannschaft einfach nur fremdschämen, bevor man den Stream verzweifelt ein weiteres Mal abschaltet.

Franz-Beckenbauer-Parodien oder Witze über Rainer Calmunds Masse und Maße waren im letzten Jahrhundert auch nicht lustig, aber wenigstens noch neu … [Korrektur: Es gibt eine wirklich gute Franz-Beckenbauer-Parodie. Aber wirklich nur eine.].


Nein, von diesem MDR sollten besser keine Vorschläge für einen ARD-Jugendkanal ausgehen. Vielleicht sollte Frau Prof. Wille in ihrer Eigenschaft als MDR-Chefin und »Filmintendantin« der ARD zuerst einmal ihre Arbeit tun und dafür sorgen, dass dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht noch mehr Zuschauer und Zuhörer weglaufen. Filme auf dem Niveau der »Degeto-Schnulzen« können die Privaten nämlich bei gleich schlechter Qualität wesentlich billiger anbieten.


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2 Antworten zu MDR: Ein ARD-Jugendkanal zum Schunkeln?

  1. Lenbach sagt:

    Sämtliche Parodien in Waldis Club sind tatsächlich dermaßen peinlich, daß man sich jedesmal fragt, wie so etwas möglich ist.

    Was allerdings die einzig gute Beckenbauer-Parodie angeht, hätte ich diese hier erwartet:

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