Die Sächsische Zeitung druckt einen Bericht ab, der schon lange nicht mehr aktuell ist …

31. Juli 2012

und die Redaktion hätte es besser wissen können.

Zugegeben: Ich lese Fachblogs über Medien meist eher diagonal und kann mir dafür nur recht wenig Zeit nehmen. Aber ich bin auch der Meinung: Um die Medien zu verstehen, sollte man unter anderem DWDL, das BILD-Blog und (in Sachsen) den Flurfunk kennen.

Viel zu oft findet man in den Medien falsch interpretierte Zahlen, willfährig abgedruckte PR oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen. Deshalb wird Medienkritik immer wichtiger.

Bei DWDL ließ mich eine Meldung von vorgestern schmunzeln: Viele deutsche Medien haben einen Agenturbericht wiedergegeben, den die dpa offensichtlich ohne zeitliche Einordnung veröffentlicht hat. Dabei haben sie übersehen, dass es sich um eine mehrere Wochen alte Meldung gehandelt hat.

Es geht dabei um einen Travestie-Star, der die Stücke der amerikanischen Sängerin Whitney Houston interpretiert hat. Sein Bild in seiner Rolle als Whitney wurde am 06. Juli bei CNN anstelle des Bildes der verstorbenen Sängerin gezeigt und am 14. Juli hat ein Boulevard-Portal die Angelegenheit publik gemacht. DWDL kommentiert:

Das Internet ist ein schnelles Medium. Nur die, die damit arbeiten, nicht immer. Am Sonntag machte eine Meldung über eine falsche Whitney Houston im deutschsprachigen Web Schlagzeilen. Dabei ist sie schon mehrere Wochen alt …


Dann geriet mir die Sache in Vergessenheit, denn es drängten Abgabetermine für diverse Manuskripte. Heute morgen habe ich mich allerdings blitzartig wieder an die DWDL-Meldung erinnert, als ich beim Frühstück die »Sächsische Zeitung« las.

Zwei Tage, nachdem die Sache im Fachblog publik wurde, druckt unsere führende Lokalzeitung den veralteten Artikel nun auch noch nach. Natürlich ohne zeitliche Einordnung des Ereignisses. Jeder Leser, der die Geschichte nicht einordnen kann, hält sie für aktuell.

Fragte nicht Harald Staun gerade erst am Sonntag in der F.A.S. in seinem Artikel »Was genau war denn früher besser?«, wann das goldene Zeitalter des Journalismus war:

[…] in jüngerer Vergangenheit, kurz vor der Erfindung des Internets, als es noch möglich war, ganze Agenturberichte wörtlich abzudrucken, ohne sich lächerlich zu machen?

Man sieht: Manche Zeitungen schaffen das heute noch. Sie merken gar nicht, wie sie sich damit erst lächerlich und dann überflüssig machen.



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil IX)

31. Juli 2012

Jáchym Fleig aus Deutschland stellt die Skulptur »Doppelaggregat« aus. Auf seiner Website sind ähnliche Skulpturen zu sehen, aber diese zehn Jahre alte Arbeit sieht auch sehr interessant aus.

Jáchym Fleig: »Doppelaggregat«


Noch Fragen zum Thema Ostrale? Einige Antworten gibt es im ersten Artikel der Serie und mehr Bilder gibt es in der Kategorie »Ostrale 2012«.



Voll und leer

30. Juli 2012

Gefunden am Rande der Ostrale (22.07.2012).


Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil VIII)

30. Juli 2012

Hubert Heinrich stellt die Überlagerung »Küchenpersonal« aus. In seinen Galerien sind auch viele Bilder mit Architekturmotiven zu finden.

Hubert Heinrich: Küchenpersonal.


Noch Fragen zum Thema Ostrale? Einige Antworten gibt es im ersten Artikel der Serie und mehr Bilder gibt es in der Kategorie »Ostrale 2012«.



Olympiakritische Piktogramme

29. Juli 2012

Die meisten Texte und Bilder verstehen wir mit unserem Bewusstsein. Für Piktogramme scheint mir dagegen das Unterbewusstsein zuständig zu sein: Wenn wir irgendwo auf der Welt das Piktogramm für den Notausgang sehen, werden wir im Notfall wohl schnellstens in die angegebene Richtung laufen. Piktogramme sind also Vereinfachungen, die wir auch ohne Text verstehen.

In einem Fontblog-Artikel habe ich nun eine Reihe von Piktogrammen gefunden, die man nicht alle auf den ersten Blick entschlüsseln kann und die zum Nachdenken anregen sollen

Jonathan Barnbrook ist ein Grafiker, den an Olympia wohl so einiges ankotzt. So nannte er seine Piktogramme Olympukes und schrieb u. a. zu diesem Poster:

The two posters illustrate the characters playing out the stories of Olympukes 2012 …

Das sind dann nicht die angenehmsten Figuren: Wir sehen z. B. zweifelhafte Sponsoren, prügelnde Sicherheitskräfte oder Denunzianten in der Nachbarschaft. In diesem Blog-Artikel erfährt man etwas mehr über Jonathan Barnbrooks Motivation.

Obwohl ich mich nicht jeder Kritik an Olympia anschließe und den ehrlichen Sportlern ihr Fest von ganzem Herzen gönne: An manchen Stellen hat er nicht ganz Unrecht. Auch was uns die internationalen Fußballverbände FIFA / UEFA 2010, 2011 und 2012 zugemutet haben, könnte so manchen Würgereflex auslösen.



Amerikanische »Wissenschaftler« haben herausgefunden …

29. Juli 2012

war unter uns Studenten früher die Chiffre für: »In der Zeitung steht ein Artikel über ein Phänomen, das sich jemand aus den Fingern gesogen und in Form einer Studie veröffentlicht hat.« Ohne die richtige Betonung täte dieser Satz allen wirklichen Wissenschaftlern Unrecht und deshalb wurden die Gänsefüßchen mitgesprochen.

Die Qualitätsmedien haben inzwischen so gravierende Probleme mit sich selbst, mit ihren Lesern und mit ihren Anzeigenkunden, dass sogar ein Feuilleton-Redakteur der recht guten Wochenzeitung F.A.S. darüber nachsinnt (ich trage den Link nach, wenn der Artikel online verfügbar ist). Harald Staun fragt in seinem Artikel »Was genau war denn früher besser?«, wann das goldene Zeitalter des Journalismus war:

[…] in jüngerer Vergangenheit, kurz vor der Erfindung des Internets, als es noch möglich war, ganze Agenturberichte wörtlich abzudrucken, ohne sich lächerlich zu machen?


Eigentlich könnte man fast an jedem Tag einen resignierten Blog-Artikel über Pressemeldungen schreiben, die im Grunde notdürftig umformulierte Agenturmeldungen, Pressemitteilungen, Artikel von PR-Agenturen oder Zusammenfassungen ungelesener und unverstandener Studien sind.

Heute mache ich es mir aber mal einfach: Einen treffenden Artikel zu einer solchen Studie habe ich im Sprachlog (ein Blog von scilogs.de) gefunden: Stille Post verschlechtert die Grammatik.



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil VII)

29. Juli 2012

Ein beeindruckendes Bild von Sandra Collée: »The Smell of Gas«. Hier gibt es mehr Bilder von ihr zu sehen.

The Smell of Gas.


Noch Fragen zum Thema Ostrale? Einige Antworten gibt es im ersten Artikel der Serie und mehr Bilder gibt es in der Kategorie »Ostrale 2012«.



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil VI)

28. Juli 2012

Zwei Werke der Künstlerin Nikola Fahlbusch werden heute vorgestellt. »Indoorlandscaping« und »Geschenkt«.

Indoorlandscaping (1)

Den Rest des Beitrags lesen »


Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil V)

27. Juli 2012

Heute wird hier ein Objekt der Künstlerin Mitsy Groenendijk aus Amsterdam vorgestellt, das es an den ersten Tagen der Ostrale auch noch in die Presse geschafft hat: »TCB, Taking care of business«. Vermutlich wird es in diesem Jahr eines der am häufigsten fotografierten Objekte sein. Zitat von der Website der Künstlerin:

With her monkey sculptures, Mitsy Groenendijk gives a voice to the animal Other and elaborates a discourse on humanity’s fate and theirs. By performing caricatured versions of human role models, her pet-size monkeys seem to as much take revenge on us as to make us aware of how much we mimic ourselves and others in order to be.

… fährt im Futterstall Motorrad.


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Sommer, Sonne, Strand

27. Juli 2012

So lautet das ungeschriebene Gesetz: Wer erst am Ende der Sommerferien in den Urlaub fährt, muss sich geduldig die Berichte der Verwandten und Bekannten anhören, die schon in der Vorsaison oder in den ersten Ferienwochen in den Urlaub gefahren sind.

Sie schwärmen vom Wetter, vom Licht, von der guten Luft — und man wünscht sich an manchen Tagen in eine wohlbekannte abgelegene Ecke auf einer kleinen Nordsee-Insel, um all diesen Berichten zu entkommen. Aber man muss noch warten.


Nils Minkmar ist der Feuilleton-Chef der F.A.Z. und er gehört offensichtlich zu denjenigen, die gerade Urlaub haben oder aus dem Urlaub zurückgekommen sind. Er befasst sich in einem Leitartikel seines Feuilletons mit dem Leben am Strand — und auf den ersten Blick könnte man meinen, dass er darin Gesellschaftskritik übt. Nils Minkmar schreibt:

Man erwirbt das temporäre Anrecht auf einen Flecken Badestrand nicht durch Geld oder Leistung, sondern indem man sein Handtuch drauflegt. Noch nie habe ich erlebt, dass dieses schlichte Prinzip nicht anerkannt würde. Mehr braucht es nicht, keine Eintrittskarte, keinen Ausweis, nicht mal Bürgerrecht oder Aufenthaltserlaubnis werden abgefragt.

Außerdem meint Minkmar — und nun wird er grundsätzlich — die Gesellschaft am Strand sei unter jedem Aspekt

»das genaue Gegenteil des kapitalistischen, neoliberalen Gesellschaftsentwurfs und darum so unwiderstehlich, gerade auch für dessen inbrünstigste Propheten.«


Als ich diesen Artikel las, dachte ich spontan: Da muss ihm aber die Sonne ziemlich stark auf den Kopf geschienen haben. Seine Sätze sehen ja beim ersten Hinschauen in der Tat gesellschaftskritisch aus.

Aber Nils Minkmar blendet völlig aus, dass er ja irgendwie in den Urlaub und an den Strand gekommen ist: Mit dem Flugzeug oder mit dem Auto, mit dem ICE oder mit dem Schiff? Brauchte er dafür kein Geld, kein Ticket, keinen Reisepass? War es ihm nicht von Nutzen, dass er als Deutscher in einem wirtschaftlich starken Land lebt?

Bevor der Autor »seinen« passenden Strand erreicht hat, hat er sich natürlich auch ein sozial-adäquates Reiseziel ausgewählt. Vermutlich fährt der Feuilleton-Chef der FAZ nicht an einen Strand mit angeschlossenem Ballermann und auch nicht an einen Strand, der hoffnungslos überlaufen ist.

Es mag sein, dass am Strand nur noch ganz einfache Gesetze gelten. Man vergisst vieles. Aber man muss schon eine Menge vergessen, um auf die Idee zu kommen, dass das Leben am Strand mit unserer Gesellschaft nichts zu tun habe.


Zettel hat diesen Artikel auch gelesen. Er schrieb darüber eine Meckerecke und kommt zu dem Schluss:

Ja gewiß, es ist Saure-Gurken-Zeit. Den Zeitungen fehlen die Themen. Auch in ZR hätte ich gern ein paar mehr Besucher. Aber das Blatt will gefüllt sein. Und dann liegt man als Journalist, ja als Feuilletonchef am Strand und denkt sich: Dann schreibe ich doch einfach was über den Strand. An dem ich rammdösig liege. Also was Rammdösiges.

(…)

Ja, alles geht. Auch ein Artikel, den die FAZ jedem Redakteur um die Ohren hauen würde; es sei denn, er ist Ressortchef.

Ich bin ja gegen solche drastischen Maßnahmen. Ich denke, man sollte Nils Minkmar mal für eine Woche an einen Strand schicken, den er sich nicht selbst ausgesucht hat ;-)

Flug über den Strand …



Jetzt bekommen es EU und Bundesregierung wissenschaftlich erklärt: Bio-Kraftstoff ist unökologisch

26. Juli 2012

Was nüchtern abwägende Menschen schon immer wussten, ist jetzt wissenschaftlich belegt: Wenn ein Kraftwerk mit Palmöl befeuert wird oder wenn die Autos zwangsweise Biosprit tanken sollen, entsteht im Endeffekt ein Schaden für die Umwelt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle/Saale. So konnte man es heute in der F.A.Z. lesen. In klaren Sätzen wird zum Beispiel auf die Importabhängigkeit hingewiesen (in Deutschland wachsen gar nicht genügend entsprechende Pflanzen), um zu dem Schluss zu kommen:

Biomasse-Importe exportieren die Risiken der intensiven Landwirtschaft, solange nicht zuvor sichergestellt wird, dass (a) die importierte Biomasse aus nachhaltiger Produktion stammt, dass (b) die Importe nicht die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern im exportierenden Land gefährdet und dass (c) die Importe im exportierenden Land nicht zu Umweltkonflikten (z. B. zu Entwaldung) führen.

Auf Deutsch gesagt: Wir dürfen für das allseits beliebte Spiel »Greenwashing« keinen Raubbau in anderen Ländern veranlassen, der zum Schaden der Menschen und der Natur ist – und in unserem Land natürlich auch nicht. Noch wesentlich deutlichere Worte findet der Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel in einem Interview mit der F.A.Z.:

Was mir am meisten aufstößt, ist, dass man Regenwälder abholzt, um Palmölplantagen anzulegen. Das ist für die Kohlendioxid-Bilanz extrem schlecht. Eine Zertifizierung des Palmöls reicht meiner Meinung nach nicht aus, dann wird ökologisch einwandfreies Palmöl nur für den Export produziert und für den einheimischen Gebrauch holzt man weiterhin ab. Die Einfuhr von Palmöl und daraus hergestelltem Biodiesel nach Europa sollte verboten werden.

Noch einmal: Wir nehmen diesen Ländern für den Anbau von Biomasse Flächen weg, auf denen man eigentlich Nahrungsmittel anbauen könnte oder wir bringen sie dazu, wertvollen Regenwald abzuholzen. Auch bei uns in der EU müsste man die Flächennutzung eigentlich hinterfragen. Aber dazu sagt der Nobelpreisträger trocken:

Die Herstellung von Biokraftstoffen ist vor allem eine Subvention für die Landwirtschaft, und hat über alle Parteien hinweg eine starke Lobby.


Dazu noch eine persönliche Anmerkung: Mich beschäftigt das Thema besonders seit dem Kirchentag vor über einem Jahr. Die große Mehrheit der Teilnehmer war so begeistert von ihrem Glauben an das Grüne, dass rationale Erwägungen kaum noch eine Rolle spielten. Die Konflikte um die Themen Bio-Kraftstoff, Windenergie, Photovoltaik, Grundlast, Stromnetze oder auch Energiesparlampen wurden völlig ausgeblendet. Von einer Kritik am »Greenwashing« habe ich nirgends etwas gesehen oder gehört.



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil IV)

26. Juli 2012

Der Künstler Herbert Egger aus Österreich ist mit dem Objekt »Global Home« auch in einem der vorderen Futterställe zu finden.

Herbert Egger: Global Home


Noch Fragen zum Thema Ostrale? Einige Antworten gibt es im ersten Artikel der Serie und mehr Bilder gibt es in der Kategorie »Ostrale 2012«.



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil III)

25. Juli 2012

Fabian von Spreckelsen hat aus Stahlplatten einige Jagdtrophäen gestaltet. Auf den folgenden Bildern sind die Trophäen der Tiere zu sehen, die in Afrika wohl am häufigsten gewildert werden: Elefant und Nashorn. Hier gibt es noch mehr Trophäen von ihm zu sehen.

Fabian von Spreckelsens Trophäen im Futterstall …


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Monologe 2.0

24. Juli 2012

Die Sächsische Staatsregierung hat pünktlich zum Beginn der Sommerferien eine Plattform zum Dialog mit der Jugend des Freistaats freigeschaltet.

Bisher gab es schon drei solche Dialogplattformen. Der Innenminister Markus Ulbig begann im Winter mit dem Dialog im Web 2.0 und fragte: »Sachsen ist keine Heimat für Nazis. Was können wir gemeinsam tun?«.

Ich hatte mir damals etwas Zeit für diese erste Plattform genommen. Ich war sehr skeptisch, weil ich befürchtete, dass Bürger und Politiker nur aneinander vorbeireden würden. Solche Plattformen ziehen außerdem Trolle und »Aktivisten« magisch an. So kam es dann auch.


Ich fragte mich damals schon: Kann man von Spitzenpolitikern Zeit und Nerven für einen wirklichen Dialog im Netz erwarten? Wäre es nicht besser, wenn sie sich mal für zwei Stunden mit Menschen aus dem richtigen Leben treffen würden? — Die erste Plattform wurde letztlich ein Kommunikationsdesaster. Trotzdem wurden die nächsten beiden Plattformen ins Netz gestellt.

Der ehemalige Regierungssprecher Cohausz stellte kurz vor seinem Ruhestand noch das Thema »Womit sollte Sachsen werben?« zur Diskussion und der Umweltminister möchte mit uns über Energieeffizienz und Ressourcenschutz sprechen. Von beiden Angeboten war in der Öffentlichkeit kaum etwas zu hören und das war wohl auch gut so. Die ZEIT schrieb damals:

Bei alledem wird offenbar, welche Versuche die Staatsregierung längst unternimmt, um ihr wichtigstes PR-Ziel zu erreichen: Man will mit dem Bürger direkt kommunizieren; man will auf Medien nicht mehr angewiesen sein. Verzweifelt probiert man sich dafür im Kerngeschäft der Medien selbst aus. Es ist eine Strategie, für die nicht Cohausz allein steht – sondern die Spitze der Staatskanzlei.


Jetzt folgen also Bildungsministerin Brunhild Kurth und Jugendministerin Christine Clauß mit einem gemeinsamen Angebot an die Jugend des Freistaats. Mut kann man ihnen nicht absprechen: Auf der einen Seite ist die Situation in den Schulen wirklich konfliktgeladen und auf der anderen Seite werden die »SchülerInnen« ja gern mal von der Opposition gegen die Regierung instrumentalisiert.

Der Dresdner Blogger Steffen Peschel hat sich schon mit den Reaktionen der Presse und mit der Zielgruppe befasst. Sein Fazit liest sich streckenweise sehr sarkastisch und man kommt mit dem zustimmenden Nicken kaum nach.


Auch auf der neuen Diskussionsplattform werden Nutzer und Politikerinnen vermutlich wieder aneinander vorbeireden. Der Nutzer Tom_Raak postuliert zum Beispiel:

Als erstes muss jedoch wie immer eine Grundlage in den Grund, Mittelschulen sowie Gymnasien geschaffen werden. Deshalb sollte zu erst der Lehrermangel bekämpft und beseitigt werden. So kann man nach der Grundlagenschaffung die ″Bildungspyramide″ weiter ausbauen und Sachsen kompetente und gut ausgebildete Arbeiter verschaffen.

Das ist ja eine wunderbare Idee. Aber vermutlich hat in den Sommerferien kaum jemand Zeit und Lust, im Nominalstil über Begriffe wie »Grundlagenschaffung« zu diskutieren. Es gibt ganz andere Probleme.


In den meisten sächsischen Schulen wird nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts zu den Lernmitteln noch hart darum gerungen, mit welchen Arbeitsheften die Schüler ab September lernen sollen und wie die Kopien bezahlt werden. Dafür gibt es nämlich auf der einen Seite kein zusätzliches Geld, auf der anderen Seite dürfen die Eltern die Hefte und Kopien nicht mehr bezahlen.

Nebenbei gesagt: Die Reaktionen auf die beiden Verwaltungsgerichtsurteile waren ein Tiefpunkt der politischen Unkultur. Die Linksparteien und die Presse haben das Thema in einer Weise instrumentalisiert, dass man nur mit dem Kopf schütteln konnte. Plötzlich sollte der Staat nach Meinung der Linkspartei alles zahlen: Taschenrechner, Turnschuhe und womöglich auch noch den Schulranzen.

Kostenlose Lernmittel sind Ihr gutes Recht!
Nach der Gesetzesvorlage der LINKEN umfasst die Lernmittelfreiheit mehr als nur die Druckwerke für die Hand der Schülerin bzw. des Schülers. Lernmittel sind z.B. auch Taschenrechner und andere für den Unterricht nötige Gegenstände.

Viele Eltern wissen nach dieser unsinnigen Klage (wegen 35 Euro für zwei Kinder und ein ganzes Schuljahr) jedenfalls bis heute nicht, ob ihr Kind im nächsten Schuljahr mit Übungsheften arbeiten wird und wie sich die Kopierkosten verteilen werden.

Viele Schulen konnte bisher keine Arbeitshefte bestellen, weil das zusätzliche Geld nicht zur Verfügung steht. In den Ferien wird auch nichts geschehen. Es soll in den Elternabenden zu Schuljahresbeginn dazu »Diskussionen« geben. Man kann sich lebhaft vorstellen, dass dann die Lehrhefte vermutlich kurz vor den Herbstferien eintreffen werden. Wenn sie überhaupt bestellt werden können.

Soviel zur »Grundlagenschaffung«.


Wie schon am Anfang vermutet: Eine solche Plattform wird beinahe zwangsläufig zur Spielwiese linksradikaler »AktivistInnen«. Nutzerin Sandra schreibt:

Gerade in unserer heutigen Jugend ist es einmal mehr wichtig menschliche Werte zu vermitteln, denn durch diese großen Unterschiede zwischen arm und reich gibt es viel zu viele Materialisten, die damit posieren. Diese Welt ist ungerecht. Ab einem gewissen Einkommen sollte es höhere Steuern geben, den bei aller Mühe und Anstrengung ist ein Stundengehalt von 10000€ nicht angemessen. Die sogenannte Reichensteuer soll auch die Lücke zwischen arm und reich wieder verringern, sodass alle Menschen zueinander rücken und jeder jeden gleich behandelt. Sozialismus ist das Zauberwort!

Venceremos!

Ich habe in meinem Leben genug Sozialismus erlebt. Ich erlebe jetzt gerade, wie die bürgerlichen Parteien CDU und FDP schrittweise das Vertrauen der Bürger verspielen, weil sie einfach nicht in der Lage sind, ihre Politik verständlich zu erklären. Das tut wirklich weh, weil wir seit 1990 eigentlich viel erreicht haben. Aber wenn sie ihre Politik schon im realen Leben nicht verständlich erklären können — warum sollte es im Web besser funktionieren?

Es wird also nach der nächsten Wahl vermutlich wieder eine Koalition der großen geschwächten CDU mit der kleinen immernochschwachen SPD geben.

Aber wenn sie so weitermachen, gibt es 2019 bestimmt eine Koalition unter Führung der Ganzlinken. Dann hätte Sandra endlich ihr Ziel erreicht und in den Schulen gäbe es wieder rote Halstücher …



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil II)

24. Juli 2012

Das heutige Objekt stammt von Sandro Porcu und heißt »Studie Funktionsmodell«.


Noch Fragen zum Thema Ostrale? Einige Antworten gibt es im ersten Artikel der Serie und mehr Bilder gibt es in der Kategorie »Ostrale 2012«.



Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden (Teil I)

23. Juli 2012

Der Autor dieses Blogs hat ja schon seit dem vorigen Jahr den leisen Verdacht, dass die Presseleute ihre Fotos von der Ostrale meist in den Räumen machen, die in der Nähe des Eingangs liegen — zumindest sind diese Objekte überproportional oft in der Zeitung zu sehen.

Es kann natürlich auch daran liegen, dass die besten Objekte immer in den vordersten Ausstellungsräumen gezeigt werden ;-)

Im ersten Futterstall in der Nähe des Eingangs sind jedenfalls die »Family trees« von Emilie Brzezinski (USA) zu sehen. Die Künstlerin war im Netz auch auf einer Ausstellung in Washington und auf einer Ausstellung in New York mit ihrem Werk zu finden. Der vollständige Titel der Installation:

Family trees, a Hide and Seek Story

Emilie Brzezinski kommt in der Tat aus sehr interessanten Familienverhältnissen: Sie ist die Gattin des ehemaligen US-Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski und stammt aus der Familie des tschechischen Politikers Edvard Beneš (Beneš-Dekrete).

Emilie Brzezinski: Family trees, a Hide and Seek Story


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Bilder von der Ostrale 2012 in Dresden: Die Ankündigung

23. Juli 2012

Gestern war ich zum ersten Mal auf der Ostrale 2012. Wie schon im Jahr 2011 werde ich meine Eindrücke in einer Serie wiedergeben. Die Artikel werden zum Teil vorproduziert, weil mir Arbeit und Urlaub auch in diesem Sommer nicht immer Zeit zum Bloggen lassen werden.

Motivation

Ich möchte ausgewählte Kunstwerke der Ostrale 2012 im Rahmen der besonderen Atmosphäre des historischen Schlachthofs zeigen. Ich werde für jeden Künstler und jede Künstlergruppe einen Link hinzufügen, sofern ich ein Blog, eine Website, eine Flickr-Seite oder einen Youtube-Kanal finden kann.


Vorgeschichte

Im Jahr 2011 war ich als neugieriger Besucher zum ersten Mal mit der Kamera auf der Ostrale. Es war ein heißer Sommertag und ich hatte das riesige Gelände fast für mich allein. Im Rahmen des Besuches entstanden fast 500 Bilder und im Anschluss habe ich eine Artikelserie veröffentlicht.

Am Ende der Serie las ich in der Zeitung die Ankündigung für das nächste Jahr und ich war etwas enttäuscht über das sehr allgemein gehaltene Motto für 2012:

Unter dem Titel »homegrown« beschäftigt sie sich mit der Frage der Verortung kreativer Impulse in zeitlichem, räumlichem und kulturellem Kontext.

Dazu nur noch ein Satz: Ich wurde positiv überrascht ;-)


Einordnung

Die Ostrale findet in den Gebäuden des riesigen alten Schlachthofes in Dresden statt. Kurt Vonnegut hat dem Schlachthof in Roman Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug ein literarisches Denkmal gesetzt. Er war in Dresden in Kriegsgefangenschaft und überlebte hier auch den Bombenangriff am 13. Februar 1945.

Die Gebäude wurden auch in der DDR noch lange als Schlachthof genutzt und dann dem Verfall überlassen. In den ehemaligen Futterställen, auf dem riesigen Heuboden oder in der Fettschmelze sind nun Bilder, Installationen und Skulpturen ausgestellt. Einige Eindrücke von Gelände und aus den Gebäuden — noch ohne Kunstwerke:

Provisorische Treppen zu den Heuböden.

Raum für die Ausstellungsmacher in einem alten Stall.

Aus den Futterställen …

Es ist kaum etwas nicht kaputt:
Verdrehte und zerstörte Leuchte.

Besucher auf den Heuböden: Weite Wege …

Viele Öffnungen sind versperrt oder zugemauert …

Fazit (wie auch schon im Jahr 2011): Der historische Schlachhof ist bereits selbst ein Gesamtkunstwerk. — Ich freue mich auf viele neugierige Besuche und Fragen, wenn es ab morgen heißt: Bilder von der Ostrale 2012.




Entschwebt

22. Juli 2012

Über dem Träger der Schwebebahn (22.07.2012).

Bilder von einem kleinen Ausflug zur Schwebebahn (aus der Talstation, während der Fahrt und von der Bergstation):
Den Rest des Beitrags lesen »


Drei Artikel zum Meldegesetz

20. Juli 2012

Am Ende der Woche möchte ich noch auf insgesamt drei Artikel zum Meldegesetz hinweisen. Der erste Artikel steht in der F.A.Z. und ist von der CCC-Aktivistin Constanze Kurz. Hier findet man weniger Fakten und dafür mehr Meinung als in den beiden anderen Artikeln. Constanze Kurz schreibt:

Dieses Entgegenkommen gegenüber Adresshändlern erhielt nicht zu Unrecht das Etikett Klientelpolitik. Die verantwortlichen Politiker dementierten zwar und betonten unisono, von einer Einflussnahme der Werbewirtschaft hin zum ungebremsten staatlich sanktionierten Datenleck könne keine Rede sein. Dem steht allerdings eine entlarvende Aussage der Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, Cornelia Rogall-Grothe, entgegen.

Diese angeblich entlarvende Aussage stammt von einer Konferenz der privaten europäischen Meldedatenauskunft Riser. Bereits im Mai hatte heise-online über diese Konferenz berichtet.

Man kann die Folien und Referate der Riser-Konferenz frei herunterladen. Wirklich geheim waren die Dokumente und die Forderungen der Experten also nie. Was hat Frau Rogall-Grothe in ihrer Ansprache gesagt?

Auch Verbände haben sich aktiv in die Diskussion des Bundesmeldegesetzes eingeschaltet. So wurden die Verbände der Inkassowirtschaft und der Scoringunternehmen in Bezug auf die Ausgestaltung der einfachen Melderegisterauskunft tätig. Sie wenden sich gegen die Einschränkungen für die Werbewirtschaft und den Adresshandel sowie gegen die Zweckbindung im gewerblichen Bereich. Auch die Widerspruchsmöglichkeit gegen Melderegisterauskünfte per Internet wird aus Sicht dieser Verbände kritisiert. Hier könnte es zu Änderungen kommen, allerdings müssen aus meiner Sicht die Grenzen, die die bereits erwähnte Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes von 2006 aufzeigt, beachtet werden.

Dieser Absatz scheint mir nicht ganz logisch: Die Verbände der Inkassowirtschaft und der Scoringunternehmen haben mit der Werbewirtschaft und dem Adresshandel eigentlich nichts zu tun. Sollte dort noch ein zweiter Satz über Werbewirtschaft und Adresshandel stehen?

Interessant sind in diesem Zusammenhang vielmehr die Folien zum Referat von Kay Uwe Berg (Geschäftsführer der Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen). Darin kommt nämlich zum Ausdruck, worum es dem Verband wirklich geht — darüber spricht aber in der Öffentlichkeit kaum jemand.

Es geht nicht um die massenweise Werbung in unseren Briefkästen, sondern um die Weiterverwendung von Daten, die zu konkreten Personen abgefragt werden. Gegen die Einzelabfrage von Daten zum Zweck des Inkassos ist [auf dem unten verlinkten Formular der sächsischen Datenschutzbehörde] kein Widerspruch möglich. Details zur Verwendung solcher Daten findet man in dem verlinkten Referat.


Noch ein Zitat vom Ende des F.A.Z.-Artikels:

Trotz des Vorwurfs, die Diskussion sei geradezu hysterisch, in jedem Falle aber übertrieben, ließen sich die betroffenen Datengeber nicht beirren: In einer Umfrage zeigten sich 99 Prozent der Bürger mit der Neuregelung im Melderecht nicht einverstanden. Sie gilt zwar trotz mehr als 75000 abgegebenen Stimmen nicht als repräsentativ, ist aber dennoch ein deutlicher Denkzettel für die Parlamentarier.

Es hat nichts mit der Anzahl der abgegebenen Stimmklicks zu tun, ob eine Umfrage repräsentativ ist. Solche Umfragen haben nicht mehr Aussagekraft als ein kurzer Shitstorm. Mit dem Instrument Online-Umfrage wird wohl niemand ernsthaft die Meinung der Bürger erforschen, weil jeder weiß, dass mit dem Klick allenfalls die Stimmung ausgedrückt werden kann.

Aus meiner Sicht ist mit diesem F.A.Z.-Artikel eine Chance auf mehr Aufklärung vergeben worden.


Die anderen beiden Artikel kommen aus Dresden: Frank informiert über die Anwendung des Meldegesetzes in Dresden. Er hat sich vom Pressesprecher der Stadt Dresden ausführliche Auskünfte geben lassen und ordnet sie gewohnt sachlich ein.

Im Blog dapema-online gibt es (nach einer kleinen Polemik) im zweiten Teil des Artikels den wertvollen Hinweis, dass sich der sächsische Bürger ganz einfach ein Widerspruchsformular beim Sächsischen Datenschutzbeauftragten herunterladen kann. Diese Möglichkeit sollten viele Leute kennen und deshalb gibt es den Link hier auch:

Rechte und Widerspruchsmöglichkeiten der Betroffenen nach dem sächsischen Melderecht mit Antrags- und Widerspruchsformular (PDF).

Ich wusste das bisher nicht. Ich dachte, der Widerspruch sei mit einem Behördengang nicht unter zwei Stunden verbunden.



Die Bäcker müssen Umsatzsteuer auf gespendete Brötchen zahlen. Ein Skandal? Nur auf den ersten Blick.

19. Juli 2012

In den Medien kocht gerade ein neuer Skandal hoch: Das Finanzamt zwingt die Tafeln ins Aus! Der liberale Blogger Jan Filter leitet aus den Steuernachforderungen sogar ab, dass der Staat damit sein Monopol als Wohltäter festigen will. Doch es ist alles nicht ganz so einfach, wie es aussieht. Die Bäcker kennen das Problem nämlich schon lange:

Backwaren oder andere Sachzuwendungen, die unentgeltlich an Organisationen wie Tafeln abgegeben werden, fallen unter die Steuerpflicht. Ob mit oder ohne Spendenquittung spiele keine Rolle, heißt es. Keine Umsatzsteuer müssen Bäcker dann zahlen, wenn die Backwaren »ganz oder zum Teil nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt haben«, teilt das Finanzministerium mit. Das freilich ist selten der Fall.

Es geht also darum, dass der Bäcker zunächst für die Brötchen Mehl, Hefe, Fett und Energie einkauft. Dafür macht er in seiner Umsatzsteuererklärung die Vorsteuer geltend. Die meisten Brötchen verkauft er an seine Kunden. Dabei nimmt er die Mehrwertsteuer ein. Am Ende des Jahres erhält er einen Umsatzsteuerbescheid.

Nun entsteht natürlich eine Differenz: Für die Energie und das Material in den verschenkten Brötchen hat der Bäcker auch Vorsteuer geltend gemacht. Die Verrechnung dieses Anteils wäre sicher machbar, aber sie macht die ganze Sache natürlich komplizierter.

Auf jeden Fall kann man aus diesem steuerlichen Sachverhalt nicht ableiten, dass der Staat die Tafeln kaputtmachen will, die er ja auf anderen Gebieten selbst steuerlich fördert.

Auch eine absichtliche Behinderung der privaten Wohltätigkeit muss man nicht unbedingt unterstellen. Es ist einfach ein steuerlicher Sachverhalt, der in einer sinnvollen Weise geklärt werden kann, zum Beispiel durch einen Freibetrag. Ganz ohne Skandalisierung.


PS: Hier ist noch ein ganz ruhiger und gelassener Kommentar der Bäckerzeitung zu diesem Thema.


PPS: Soweit ich die Reaktionen und Kommentare bei rivva, bei Twitter, in Foren und in den sozialen Netzwerken einschätzen kann, macht sich überall große Empörung breit — aufgrund einer skandalisierenden Schlagzeile zu einer Sendung, die zu diesem Zeitpunkt niemand gesehen hat.

Die Finanzämter und der Staat werden so übel beschimpft, dass man es nicht zitieren möchte. Augenscheinlich denkt dabei kaum jemand über den Fall nach:

Ein Bäcker muss überhaupt nur dann mit einer Nachforderung der Umsatzsteuer rechnen, wenn er die Spende steuerlich geltend gemacht hat. Wenn der Bäcker die übriggebliebenen Brötchen ohne Spendenquittung verschenkt, kann ihm überhaupt niemand nachweisen, um wie viele Brötchen (und vor allem um welchen Gegenwert in Euro) es sich gehandelt hat.

Interessanter Lesestoff: Die wundersame Vermehrung der Tafeln aus der F.A.Z. aus dem Jahr 2008 — inzwischen haben sich die Tafeln noch weiter vermehrt. Der Staat ist weit davon entfernt, die Tafeln kaputt zu machen. Im Gegenteil: Er fördert sie mit sehr viel Steuergeld.



Sparen und Realismus

19. Juli 2012

Als kleiner Nachtrag zum gestrigen Artikel über das BGE und die Staatsschulden noch ein Zitat, das ich heute in der F.A.Z. gefunden habe:

»Sparen«, sagte einmal der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel, »heißt, Geld, das man hat, nicht auszugeben.« Und er fuhr fort: »Bei uns aber geht es darum, Geld, das wir nicht haben, nicht auszugeben, und das nennt man Realismus

Ein immer größerer Anteil der Bürger scheint das auch so zu sehen. Das legt zumindest die F.A.Z.-Auswertung der aktuellen Allensbach-Umfrage nahe.

Ob das Totalversagen der Politiker beim EnBW-Kauf (Schwarz) und auf dem Nürburgring (Rot) einen Einfluss auf die Umfrageergebnisse hatte?

Wenn so viele Leute zu dieser Einsicht gekommen sind, bleibt nun die spannende Frage: Wird sich dieses Umfrageergebnis in den Wahlprogrammen, im Wahlkampf und im Wahlergebnis niederschlagen? Wird dieses Umfrageergebnis Einfluss auf die Politik haben? Unseren Kindern wäre es zu wünschen.



Spendenwerbung in Pillnitz

18. Juli 2012

Für den Besuch des Schlossparks Pillnitz muss bekanntlich seit dem 1. April 2012 Eintritt bezahlt werden. Trotzdem wird weiterhin um Spenden gebeten — schließlich sind ab 19.00 Uhr die Kassen geschlossen und man kann den Park dann kostenlos besuchen.

Die Spenden sollen in eine videoüberwachte Spendenbox eingeworfen werden. An der Spendenbox ist ein Zettel mit einem Spendenaufruf angebracht. Ein Ausschnitt:

pillnitz_spendenwerbung

Spendenaufruf in Pillnitz (fotografiert am 18.07.2012).

Seit ich das gelesen habe, frage ich mich: Wer hat diesen Text freigegeben?



Abendspaziergang

18. Juli 2012

Abendspaziergang in und um Pillnitz …


Don Alphonso schreibt über die Angst anderer Leute …

18. Juli 2012

Die F.A.Z. hat heute einen Artikel von Rainer Meyer im Angebot. Manche werden den Autor noch unter seinem Pseudonym Don Alphonso [oder auch als Don Trollphonso] kennen und sich an seine Tiraden gegen die »Berliner Bohème« erinnern.

Mit den Jahren ist Rainer Meyer etwas reifer geworden. Er kann die Berliner zwar immer noch nicht leiden, aber er drückt es inzwischen in druckreifen Sätzen aus.

Wenn man seine Seitenhiebe gegen bestimmte Personen und ein bestimmtes Milieu geflissentlich übersieht, kann man den Artikel mit wenigen Worten so zusammenfassen:

Die Vertreter der digitalen Bohème in Berlin sind von Opportunismus und Angst getrieben. Um »angstfrei« leben zu können, kalkulieren sie einen monatlichen Betrag von tausend Euro ein, den gefälligst »der Staat« zu liefern habe. Bis dahin halten sie sich haltlos über Wasser und hoffen auf das BGE, das alles besser macht …


Wer die Leute ohnehin nicht kennt, die Alphonso via F.A.Z. kränken möchte, kann sich den Artikel eigentlich sparen. Aber der Zusammenhang zwischen Angst und bedingungslosem Grundeinkommen ist interessant.

In Berlin glauben also nicht wenige Menschen daran, dass die Angst verschwindet, wenn der Staat ihnen die Miete und den Lebensunterhalt zahlt. Das ist erstaunlich, denn die Erfahrungen der letzten Jahre hätten sie eines Besseren belehren können. Dazu muss man nicht nach Kuba oder zurück in die DDR blicken.

Auch im EU-Staat Griechenland hatten weite Teile der Bevölkerung ein staatlich gesichertes Grundeinkommen. Nicht wenige Griechen bekamen sogar 14 staatlich gesicherte Monatseinkommen im Jahr überwiesen. Davon ist heute kaum noch etwas zu sehen: Die scheinbare Sicherheit hat sich in Lug, Trug und Angst aufgelöst.


Und nach diesen Erfahrungen glaubt in Berlin noch jemand, mit dem BGE verschwände die Angst um die eigene Existenz? — Es kann keinen schlimmeren Trugschluss geben! Mit dem BGE wird man sich eine von zwei Ängsten aussuchen können:

  1. Kann mir der Staat das BGE im nächsten Monat noch auszahlen?
  2. Kann ich mir vom BGE im nächsten Monat noch etwas kaufen?

Nun mag der eine oder andere dieser Berliner Bohème-Helden einwenden: »Wir sind doch ein viel reicheres Land als Griechenland. Uns kann das nicht passieren.« 

Der erste Satz stimmt, aber mit dem zweiten wäre er schon wieder auf dem Holzweg. Wir sind zwar stark, aber wir stecken in einem Sumpf mit mehreren Billionen Euro Schulden und Bürgschaften, weil wir jahrelang zu viel Geld ausgegeben haben und jetzt auch für noch schlimmere Schuldenmacher einstehen müssen.

Einen nicht geringen Teil dieser Schulden und Bürgschaften musste unser Land übernehmen, weil Griechenland seiner unproduktiven Staatsklientel 14 monatliche Grundeinkommen pro Jahr garantiert hat. Bedingungslos bis zum Zusammenbruch.

Wer übernimmt eigentlich unsere Schulden und Bürgschaften, wenn wir — nach der dritten bedingungslosen Zwangsanleihe — auch endlich zusammengebrochen sein werden? Sollen die tausend Euro für das »angstfreie BGE« in einer Spirale aus Schuldenmachen, Gelddrucken und Inflation gezahlt werden?  Davor hätte ich Angst …



Herkules und die Griechen

17. Juli 2012

Die F.A.Z. berichtet über den Versuch einer solidarischen Hilfe am Kastoria-See in Griechenland. Der Artikel lässt mich völlig fassungslos zurück, weil er nicht nur die schlimme Situation der Griechen, sondern auch die Plan- und Hilflosigkeit der deutschen Helfer zeigt. Nur ein Zitat:

Lothar Riebsamen, der Abgeordnete vom Bodensee, besuchte am Tag auch einen anderen See in der Nachbarschaft. Er wirkt etwas entsetzt: Im Schwimmbecken eines verfallenden Thermalbades habe eine tote Katze gelegen, und der Bürgermeister habe erklärt, es gebe eben keine Mittel der EU mehr für Putzkräfte. Recht neu sei dafür ein Bootssteg gewesen, doch das einzige Tretboot gammelte dahin — der Steg sei nur noch für das Wasserflugzeug des Bürgermeisters genutzt worden.


Aus gegebenem Anlass also zum zweiten Mal in diesem Blog: Ein kurzer Text des griechischen Fabeldichters Aesop.

Ein Ochsentreiber fuhr mit einem Wagen, welcher mit Holz schwer beladen war, nach Hause. Als der Wagen im Moraste steckenblieb, flehte sein Lenker, ohne sich selbst auch nur im geringsten zu bemühen, alle Götter und Göttinnen um Hilfe an.

Vor allem bat er den wegen seiner Stärke allgemein verehrten Herkules, ihm beizustehen. Da soll ihm dieser erschienen sein und ihm seine Lässigkeit also vorgeworfen haben:

»Lege die Hände an die Räder und treibe mit der Peitsche dein Gespann an, zu den Göttern flehe jedoch erst dann, wenn du selbst etwas getan hast; sonst wirst du sie vergeblich anrufen.«

Der Rat der Götter ist für Griechenland heute die EU-Kommission. Und Herkules schweigt.

Herkules bei der Arbeit

Herkules bei der Arbeit (ohne EU-Mittel):
Skulptur im Großen Garten in Dresden.


[Fabeltext: Literaturnetz. — Foto: stefanolix (16.07.2012).]



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