Don Alphonso schreibt über die Angst anderer Leute …

Die F.A.Z. hat heute einen Artikel von Rainer Meyer im Angebot. Manche werden den Autor noch unter seinem Pseudonym Don Alphonso [oder auch als Don Trollphonso] kennen und sich an seine Tiraden gegen die »Berliner Bohème« erinnern.

Mit den Jahren ist Rainer Meyer etwas reifer geworden. Er kann die Berliner zwar immer noch nicht leiden, aber er drückt es inzwischen in druckreifen Sätzen aus.

Wenn man seine Seitenhiebe gegen bestimmte Personen und ein bestimmtes Milieu geflissentlich übersieht, kann man den Artikel mit wenigen Worten so zusammenfassen:

Die Vertreter der digitalen Bohème in Berlin sind von Opportunismus und Angst getrieben. Um »angstfrei« leben zu können, kalkulieren sie einen monatlichen Betrag von tausend Euro ein, den gefälligst »der Staat« zu liefern habe. Bis dahin halten sie sich haltlos über Wasser und hoffen auf das BGE, das alles besser macht …


Wer die Leute ohnehin nicht kennt, die Alphonso via F.A.Z. kränken möchte, kann sich den Artikel eigentlich sparen. Aber der Zusammenhang zwischen Angst und bedingungslosem Grundeinkommen ist interessant.

In Berlin glauben also nicht wenige Menschen daran, dass die Angst verschwindet, wenn der Staat ihnen die Miete und den Lebensunterhalt zahlt. Das ist erstaunlich, denn die Erfahrungen der letzten Jahre hätten sie eines Besseren belehren können. Dazu muss man nicht nach Kuba oder zurück in die DDR blicken.

Auch im EU-Staat Griechenland hatten weite Teile der Bevölkerung ein staatlich gesichertes Grundeinkommen. Nicht wenige Griechen bekamen sogar 14 staatlich gesicherte Monatseinkommen im Jahr überwiesen. Davon ist heute kaum noch etwas zu sehen: Die scheinbare Sicherheit hat sich in Lug, Trug und Angst aufgelöst.


Und nach diesen Erfahrungen glaubt in Berlin noch jemand, mit dem BGE verschwände die Angst um die eigene Existenz? — Es kann keinen schlimmeren Trugschluss geben! Mit dem BGE wird man sich eine von zwei Ängsten aussuchen können:

  1. Kann mir der Staat das BGE im nächsten Monat noch auszahlen?
  2. Kann ich mir vom BGE im nächsten Monat noch etwas kaufen?

Nun mag der eine oder andere dieser Berliner Bohème-Helden einwenden: »Wir sind doch ein viel reicheres Land als Griechenland. Uns kann das nicht passieren.« 

Der erste Satz stimmt, aber mit dem zweiten wäre er schon wieder auf dem Holzweg. Wir sind zwar stark, aber wir stecken in einem Sumpf mit mehreren Billionen Euro Schulden und Bürgschaften, weil wir jahrelang zu viel Geld ausgegeben haben und jetzt auch für noch schlimmere Schuldenmacher einstehen müssen.

Einen nicht geringen Teil dieser Schulden und Bürgschaften musste unser Land übernehmen, weil Griechenland seiner unproduktiven Staatsklientel 14 monatliche Grundeinkommen pro Jahr garantiert hat. Bedingungslos bis zum Zusammenbruch.

Wer übernimmt eigentlich unsere Schulden und Bürgschaften, wenn wir — nach der dritten bedingungslosen Zwangsanleihe — auch endlich zusammengebrochen sein werden? Sollen die tausend Euro für das »angstfreie BGE« in einer Spirale aus Schuldenmachen, Gelddrucken und Inflation gezahlt werden?  Davor hätte ich Angst …


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2 Antworten zu Don Alphonso schreibt über die Angst anderer Leute …

  1. yuuudid sagt:

    Die Ängste zu kommentieren ist der richtige Ansatz.
    Angst wird nicht verschwinden durch ein BGE.
    Der Herr Meyer, Don Alphonso, poltert leider substanzlos durch das Feuileton der FAZ, fast wie ein Gröler einer bayrischen Kleinstadt.

    Kritik an seinem Text duldet er nicht, er zensiert.
    Geben Sie mir hier Asyl für meinen Kommentar, der dort “in seinem Salon” gelöscht wurde?

    “@personne, an der fehlenden Reaktion des Haushern erkennen Sie, wie zutreffend Ihre Anmerkungen sind.
    “Anekdoten und persönliche Abneigungen” trifft es gut, eine bayrische Stammtisch-Plauderei, leider kein argumentativer, politischer Diskurs. Der seit Monaten gleiche Brei aus Dönerfleisch und Speck, BGE und Tegersee.
    Zur barocken Abrundung fehlten Chrommuffen und die Spinatknödel. Hinter dem Feuilleton dieser Zeitung saßen schon klügere Köpfe. Abba is ja für gratis, da darfse nich klagen, wa.
    Mit seiner Schwäche in Mathematik kokettiert er ja gelegentlich hier, das mag erklären, daß er Unterschiede sieht zwischen BGE und negativer Einkommensteuer.

    Beide Formeln würden auf Bierdeckel passen:

    n=(100-s)/100*(1000+zvE) mit 0<s<45
    gegen
    n=(100-s)/100*(zvE) mit -??<s<45

    Aber ob Steuerrecht so einfach wird?
    Und 45 oder 54, ist das nicht gleich, für Mengenlehre-geprägte Ex-Grundschüler, dem Creme 21-Alter entwachsen?
    Oder gleich ein Spitzensatz von 59 % wie in Dänemark?

    Zur ANGST hätte er mehr machen können.
    Die Angsthasen werden ängstlich bleiben, 1000 Kröten hin oder her, statt alter Pleite-Ängste würden neue Inflationsängste kommen, und die Grund-Angst vor Krankheit und Pflegebedürftigkeit bleibt:

    Viele BGE-Kalkulation vergessen, daß die Umwandlung jetziger Sozialausgaben (ca 720 Mrd. €) in ein 1000-Euro für Alle-BGE bedeutet, daß dann die Sozialausgaben wegfallen für Krankheit und Invalidität. Da fehlen eben 287 Mrd. €, kein Problem für junge Gesunde.

    Das Althaus-Modell rechnete daher mit einem Krankenversicherungs-Abzug von 200 € von einem BGE von 800 €. Von 600 € netto geht dann noch die Warmmiete ab. Da wird´s dann sogar für fake-Handtaschen eng.

    Trauriges Fazit:
    DIW-Sommerloch-Niveau erreicht.
    Schade."

    • stefanolix sagt:

      Bei dieser freihändigen Kalkulation des BGE wird noch etwas viel Wichtigeres vergessen: Viele Menschen haben Ansprüche an die Sozialsysteme, die größer als tausend Euro sind. Sie werden diese Ansprüche mit Zähnen und Klauen bis zum letzten Cent verteidigen. Es wird also über Jahrzehnte neben dem BGE-Haushalt einen weiteren Sozialhaushalt geben müssen, aus dem diese Ansprüche erfüllt werden. Und das wird mit Sicherheit nicht billig.

      Die 720 Milliarden werden ohnehin nicht reichen. Wenn ich 720 Milliarden Euro auf 80 Millionen Menschen aufteile, komme ich auf 9.000 Euro im Jahr. Um die Differenz bis 12.000 Euro ausgleichen zu können, wird eine Jakob-Augstein-Zwangsanleihe pro Jahr fällig. Moment mal: Wie oft kann man solche Zwangsanleihen eigentlich eintreiben?


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