Sparen und Realismus

Als kleiner Nachtrag zum gestrigen Artikel über das BGE und die Staatsschulden noch ein Zitat, das ich heute in der F.A.Z. gefunden habe:

»Sparen«, sagte einmal der frühere Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel, »heißt, Geld, das man hat, nicht auszugeben.« Und er fuhr fort: »Bei uns aber geht es darum, Geld, das wir nicht haben, nicht auszugeben, und das nennt man Realismus

Ein immer größerer Anteil der Bürger scheint das auch so zu sehen. Das legt zumindest die F.A.Z.-Auswertung der aktuellen Allensbach-Umfrage nahe.

Ob das Totalversagen der Politiker beim EnBW-Kauf (Schwarz) und auf dem Nürburgring (Rot) einen Einfluss auf die Umfrageergebnisse hatte?

Wenn so viele Leute zu dieser Einsicht gekommen sind, bleibt nun die spannende Frage: Wird sich dieses Umfrageergebnis in den Wahlprogrammen, im Wahlkampf und im Wahlergebnis niederschlagen? Wird dieses Umfrageergebnis Einfluss auf die Politik haben? Unseren Kindern wäre es zu wünschen.


About these ads

9 Antworten zu Sparen und Realismus

  1. Muriel sagt:

    Als jemand, der auch öfter mal Geld ausgibt, das er nicht hat, bin ich da nicht ganz einig mit Rommel, aber im Ergebnis hat er sicherlich Recht.

    • stefanolix sagt:

      Die Uneinigkeit verstehe ich nicht ganz: Du meinst, dass es doch Realismus ist, wenn jemand den Dispo in Anspruch nimmt? Natürlich ist es das. Er zahlt der Bank ja auch Zinsen, somit wird die Erfüllung seines Wunsches etwas teurer. Aber der Staat arbeitet nicht mit »seinem« Geld, sondern mit unserem …

      • Muriel sagt:

        Ich verstehe den Unterschied sehr wohl, und ich sagte ja auch, dass ich im Ergebnis zustimme. Rhetorisch ist Rommels kleine Wortspielerei ja auch durchaus gelungen, aber wenn man es mal unnötig kleinlich betrachtet, ist es nicht ganz sauber von ihm, andere zu kritisieren, weil sie ein Wort in einem Sinne gebrauchen, in dem es absolut üblich ist, in dem er es aber nicht gut findet.
        Sparen im Sinne von “weniger ausgeben” kann man immer, egal, wie unanständig man das betroffene Geld erworben hat.

      • stefanolix sagt:

        Genau diese Bedeutungsverschiebung des Wortes »sparen« greift ja der Artikel in der F.A.Z. auf. Meine Großeltern (Jahrgänge zwischen 1902 und 1912) hätten »sparen« nur im Sinne von »Sparbuch« oder »Sparplan« angewendet.

        Weniger Geld auszugeben wurde mit »sparsam« umschrieben — weil man ja noch ein klein wenig für das Sparbuch beiseite legen wollte. Ich habe mit meinen Großeltern nicht über Staatsverschuldung reden müssen, aber sie hätten vermutlich nicht verstanden, dass Politiker heute »sparen« mit »Reduzieren der Neuverschuldung« gleichsetzen.

      • Muriel sagt:

        Mag sein, weiß ich nicht.
        Aber heute wird “sparen” eben anders benutzt. Das kann Herr Rommel kritisieren, aber einfach so zu tun, als hätte das Wort nur die eine Bedeutung, die er gut findet, ist (gebe ich ja zu) vielleicht rhetorisch ganz nett, aber streng genommen eben nicht sauber argumentiert.
        Sowas kann ankommen, wenn die Leute, die einem zuhören, einem sowieso schon zustimmen. Ansonsten machte man sich damit nach meiner Erfahrung eher angreifbar.

      • stefanolix sagt:

        Aber vielleicht können wir uns auf diese Worte Rommels (er ist übrigens Jahrgang 1928) einigen:

        »Gegen Adam Ries, also gegen die Logik des Rechnens, kann man nicht Politik machen, ohne mit erheblichen Misserfolgen rechnen zu müssen.« 

        Wäre auch ein passendes Zitat für Herrn McCluskey ;-)

      • Muriel sagt:

        Da kann ich jetzt kaum was dran aussetzen, auch wenn ich die Berufung auf Adam Ries ein bisschen altbacken finde.
        War das Brandt, der diesen putzigen Satz prägte, Politik sei der Kompromiss zwischen dem Möglichen und dem Wünschenswerten?

  2. McCluskey sagt:

    Da ich zur Zeit über einem kleinen Strategiepapier für den hiesigen Ortsverband brüte, kommt mir das Rommel-Zitat gerade sehr zupass. Recht herzlichen Dank!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 62 Followern an

%d Bloggern gefällt das: