Jetzt bekommen es EU und Bundesregierung wissenschaftlich erklärt: Bio-Kraftstoff ist unökologisch

Was nüchtern abwägende Menschen schon immer wussten, ist jetzt wissenschaftlich belegt: Wenn ein Kraftwerk mit Palmöl befeuert wird oder wenn die Autos zwangsweise Biosprit tanken sollen, entsteht im Endeffekt ein Schaden für die Umwelt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle/Saale. So konnte man es heute in der F.A.Z. lesen. In klaren Sätzen wird zum Beispiel auf die Importabhängigkeit hingewiesen (in Deutschland wachsen gar nicht genügend entsprechende Pflanzen), um zu dem Schluss zu kommen:

Biomasse-Importe exportieren die Risiken der intensiven Landwirtschaft, solange nicht zuvor sichergestellt wird, dass (a) die importierte Biomasse aus nachhaltiger Produktion stammt, dass (b) die Importe nicht die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern im exportierenden Land gefährdet und dass (c) die Importe im exportierenden Land nicht zu Umweltkonflikten (z. B. zu Entwaldung) führen.

Auf Deutsch gesagt: Wir dürfen für das allseits beliebte Spiel »Greenwashing« keinen Raubbau in anderen Ländern veranlassen, der zum Schaden der Menschen und der Natur ist – und in unserem Land natürlich auch nicht. Noch wesentlich deutlichere Worte findet der Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel in einem Interview mit der F.A.Z.:

Was mir am meisten aufstößt, ist, dass man Regenwälder abholzt, um Palmölplantagen anzulegen. Das ist für die Kohlendioxid-Bilanz extrem schlecht. Eine Zertifizierung des Palmöls reicht meiner Meinung nach nicht aus, dann wird ökologisch einwandfreies Palmöl nur für den Export produziert und für den einheimischen Gebrauch holzt man weiterhin ab. Die Einfuhr von Palmöl und daraus hergestelltem Biodiesel nach Europa sollte verboten werden.

Noch einmal: Wir nehmen diesen Ländern für den Anbau von Biomasse Flächen weg, auf denen man eigentlich Nahrungsmittel anbauen könnte oder wir bringen sie dazu, wertvollen Regenwald abzuholzen. Auch bei uns in der EU müsste man die Flächennutzung eigentlich hinterfragen. Aber dazu sagt der Nobelpreisträger trocken:

Die Herstellung von Biokraftstoffen ist vor allem eine Subvention für die Landwirtschaft, und hat über alle Parteien hinweg eine starke Lobby.


Dazu noch eine persönliche Anmerkung: Mich beschäftigt das Thema besonders seit dem Kirchentag vor über einem Jahr. Die große Mehrheit der Teilnehmer war so begeistert von ihrem Glauben an das Grüne, dass rationale Erwägungen kaum noch eine Rolle spielten. Die Konflikte um die Themen Bio-Kraftstoff, Windenergie, Photovoltaik, Grundlast, Stromnetze oder auch Energiesparlampen wurden völlig ausgeblendet. Von einer Kritik am »Greenwashing« habe ich nirgends etwas gesehen oder gehört.


About these ads

7 Antworten zu Jetzt bekommen es EU und Bundesregierung wissenschaftlich erklärt: Bio-Kraftstoff ist unökologisch

  1. Frank sagt:

    Ich hatte es hier gelesen: http://www.heise.de/tp/blogs/2/152470

    Dass das, was “nüchtern abwägende Menschen schon immer wussten”, jetzt tatsächlich wissenschaftlich belegt wurde, sollte eigentlich ins Reich der Satire gehören, aber traurigerweise ist es Realität.

    • stefanolix sagt:

      Du meinst, dass diese Studie überhaupt notwendig wurde?

      • Frank sagt:

        So in der Art. Es ist irgendwie abwegig, dass man Dinge, die von jedem mit ein wenig Nachdenken herauszufinden sind, noch zusätzlich wissenschaftlich nachweisen muss.

        Wobei: Schaden kann’s auch nicht, dass eine solche Sache nun auch wissenschaftlich belegt wurde.

  2. Alex sagt:

    Na, das is ja mal ne Überschrift auf, nun nicht BILD, aber zumindest Sp-On-Niveau. Natürlich ist Biosprit nicht unökologisch. Und das stellt die Studie auch garnicht fest. Man darf ihn nur nicht falsch und in zu großem Maße einsetzen. Und das ist auch in der Politik nun schon seit Jahren bekannt. Also alles keine wirklich neuen Erkenntnisse.

    Zum “Green-Washing” noch: Der in Deutschland verbrauchte Biokraftstoff (3,7 Mio t) wurde zu über 50% auch in Deutschland erzeugt (2 Mio t). Das hat dann noch einen zusätzlichen positiven ökologischen Effekt ( http://de.wikipedia.org/wiki/Biosprit#Vermeidung_von_Sojaimporten_durch_Biokraftstoffe ), der den Export von Problemen in andere Länder sogar reduziert. Und auch die Studie empfielt ja für diverse Verkehrsmittel die Beimischung von Biosprit. So schlimm und so schwarz-weiß, wie es dieser Blogbeitrag darstellt, ist es halt nicht.

    • stefanolix sagt:

      Zum Green-Washing: Erstens führt der Link aus der Wikipedia zu einer Propaganda-Grafik für Biokraftstoffe. Zweitens wünscht man keinen Tier, dass es »Koppelprodukte« fressen muss. Und drittens braucht man diesen Fraß in diesen Mengen nur in der Massentierhaltung und nirgendwo sonst.

      Zu meiner Überschrift: Sie ist deshalb nicht mit reißerischen Überschriften in den Boulevard-Medien zu vergleichen, weil die Studie eindeutig ergibt, dass ein signifikanter Teil der Biotreibstoffpoltik schlichtweg umweltfeindlich ist. Inzwischen kommen immer mehr Experten und Kommentatoren ebenfalls zu dem Ergebnis, dass es eine riesige Subvention für die Bauern ist, aber in Bezug auf CO2 eben nichts bringt.

      • Alex sagt:

        “ein signifikanter Teil der Biotreibstoffpoltik [ist] schlichtweg umweltfeindlich” ist aber eben nicht die Überschrift. Deswegen eben doch eine Boulevard-Überschrift. Und “signifikant” ist auch ein schönes Wort, um etwas möglichst viel erscheinen zu lassen ohne es widerlegbar übertreiben zu müssen. Die Studie wiederspricht der “Propaganda-Grafik” (auch ein schönes Boulevard-Wort, kann man vor alles setzen was einem nicht ins Weltbild passt) auch garnicht.

        Was du zu den Koppelprodukten sagst, ist natürlich auch Unfug. Natürlich kann man das genauso in ökologischer Landwirtschaft als Zufutter verwenden. Es einfach mit dem negativ belegtem Begriff “Massentierhaltung” in Verbindung zu bringen, bloß um ja keine positiven Möglichkeiten akzeptieren zu müssen und es differenzierter zu betrachten, ist erneut Boulevard-Niveau.

        Und im neuen Blog-Beitrag gehts ja munter wetier. “dass der Anbau von Pflanzen für BIO-Sprit unter ökologischen und sozialen Aspekten eigentlich nicht vertretbar ist” hat diese Studie nie gezeigt. Vielmehr zeigen die Empfehlungen auf, dass es durchaus auch ökologisch und sozial sinnvoll möglich ist.

  3. [...] eine fundierte wissenschaftliche Studie der Leopoldina gezeigt hat, dass der Anbau von Pflanzen für BIO-Sprit unter ökologischen und sozialen Aspekten eigentlich [...]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 56 Followern an

%d Bloggern gefällt das: