Merkwürdige Empfehlungen

Bei SPON gibt es (wieder einmal) einen Reisetipp zur Stadt Dresden. In bemüht origineller Form wird dazu ein Experte »befragt«. Schon zu Beginn zeigt sich, dass der Mann ein wenig die Orientierung verloren hat. Er wird gefragt, wo der Tag in Dresden am schönsten beginnt und wo man dann den besten Kaffee bekommt. Er antwortet auf die erste Frage:

Auf dem Elberadweg zwischen dem »Blauen Wunder« und der Augustusbrücke. Morgens blinkt der goldene Engel auf dem Dach der Hochschule für Bildende Künste besonders schön im Sonnenlicht – und man hat den Weg noch weitgehend für sich.

Auf dem Elberadweg ist es morgens wirklich schön. Aber auf dem Dach der Hochschule für Bildende Künste ist wirklich kein Engel zu sehen, sondern eine Fama. Und die Fama blinkt nicht, sondern sie glänzt. 

Die Fama aus Dresden.

Das ist eine Fama. Sieht sie aus wie ein Engel?

Im SPON-Interview ist der Spaziergänger oder Radler jedenfalls am Morgen bis zur Augustusbrücke gekommen und möchte nun gern einen Kaffee trinken. Auch dafür gibt es einen Tipp:

Wer nur eine Dosis Koffein will, der geht am besten ins Stehcafé der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei im Hauptbahnhof. Atmosphärischer schlürft es sich bei Charlottes Enkel, einer Espressobar am Schillerplatz: kaum Platz zum Umdrehen, dafür Mini-Cupcakes in Knallfarben und das Tässchen für 1,60 Euro. Früher hätte man vielleicht nach einem Schälchen Heeßen verlangt – heute bestellen die meisten Cappuccino oder Caffè Latte.

Die Empfehlungen sind prinzipiell richtig. An beiden Orten bekommt man sehr guten Kaffee, auch wenn ich mich am Sprachbild »atmosphärischer schlürft es sich« gerade gehörig verschluckt habe.

Aber die Wege bis zum Kaffee sind nicht gerade kurz: Zu »Charlottes Enkel« (in der Nähe des »Blauen Wunders«) müsste der Besucher von der Augustusbrücke den ganzen Weg wieder zurückfahren oder zurücklaufen. Das sind etwa sieben Kilometer. Zum Hauptbahnhof müsste er sich in die Straßenbahn setzen oder mindestens 25 Minuten laufen.

Bevor man solche Reisetipps in die Welt setzt, sollte man vielleicht mal einen Dresdner fragen. Am besten einen Dresdner, der verlockende Reiseverführungen schreiben kann …


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5 Antworten zu Merkwürdige Empfehlungen

  1. Muriel sagt:

    Ich möchte fairerweise sagen: Ja, ich finde, die sieht aus wie ein Engel. Flügel, Musikinstrument, Nachthemd, und der Kranz passt doch auch irgendwie dazu.

  2. UVS sagt:

    Oh, Danke. Für die mit den Korinthen: Ich bin gar kein Dresdner, weil ja erst seit 1990 hier…

    • stefanolix sagt:

      Das macht nichts. Kathrin Muysers (die 2009 hier kunsthistorisch kommentierte) ist auch keine geborene Dresdnerin ;-)

      Die Anmerkung zum Reiseverführen war übrigens ehrlich gemeint. Die Geschichte über Drachenfels und Königswinter wird mich garantiert beim nächsten Bonn-Besuch zu einem Ausflug (oder Langlauf, je nach Wetter) motivieren. Ich hatte mir die Entfernung zum Museum Koenig viel größer vorgestellt (dort in der Nähe schlafe ich meist).

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