Ein Hype um Gift im Sommerloch?

Der Hype um die Meldungen zu den Giftspuren im modischen Bubble-Tea erinnern mich an eine drei Jahre alte Meldung, die damals für große Aufregung sorgte. Damals wurde Kokain in einem Getränk der Marke Red Bull gefunden. Aus einer sachlichen Zeitungsmeldung von damals:

0,4 Mikrogramm pro Liter Kokain wurde laut dem nordrhein-westfälischen Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) gefunden: “Das heißt, dass auf ein Mal jemand 100.000 Liter trinken muss, um eine Wirkung zu erzielen” (…)

Und ein Experte sagte damals:

“Wir haben auch den Koffeingehalt gemessen. Auch er ist sehr variabel”, erläuterte er. “Wenn man andere Nahrungsmittel und Getränke auf diesem Level der Empfindlichkeit messen würde, wie jetzt Red Bull Cola, fände man vieles”.

Damit ist klar: Mit modernen Analyse-Methoden findet man vermutlich auch heute noch winzige Spuren von Kokain oder anderen Giften in unseren Getränken. Bevor man aber einen Skandal daraus macht, sollte man die Dosis der kritischen Stoffe kennen, die man mit einem solchen Getränk zu sich nimmt.

Im Fall der Cola lag der Gehalt an Kokain damals so niedrig, dass man davon knapp 55 Jahre jeden Tag 5 Liter trinken müsste, um eine Wirkung zu erzielen — vorausgesetzt, dass sich das Gift nicht abbaut oder auf natürlichem Wege ausgeschieden wird ;-)

Wie hoch war die Dosis eigentlich im aktuellen Fall? Weiß man schon Genaueres? Laut Rheinischer Post:

Allerdings haben die Aachener noch keine Ergebnisse über die Konzentration der gesundheitsgefährdenden Stoffe vorgelegt. Erst danach sind Aussagen über eine Gefährdung möglich. Ein Experte des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts in Münster, das Lebensmittel im Auftrag des Landes analysiert, sagte, die Probemenge bei dem Fund in Mönchengladbach sei zu gering und damit nicht aussagekräftig.

Wetten, dass sich die Zeitungen in den nächsten Tagen trotzdem überschlagen werden?


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5 Antworten zu Ein Hype um Gift im Sommerloch?

  1. Wolf sagt:

    Hallo Stefanolix,
    ich gebe Dir insofern Recht, als das wirklich wie ein Sommerloch-Thema aussieht. Künstlich aufgebauschte Themen als solche zu entlarven ist eine gute Sache. Gerade wenn, wie so oft, mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird (hier sogar im wörtlichen Sinn).

    Andererseits zu bedenken, und da bin ich kein Experte, vielleicht wissen andere mehr: auch kleine Mengen können wirken. Ich kennen viele, die von deutlichen Auswirkungen homöopathischer Mittel berichten, und glaube nicht, dass das immer nur Placebo-Effekte sind. Na ja, mit Giftstoffen in kleineren Mengen müssen wir wohl leben, die sind überall …

    • stefanolix sagt:

      An der Kokain-Sache war damals überhaupt nichts dran. Es gab nie Konsequenzen für den Hersteller, weil die Menge einfach nicht nennenswert war.

      Wenn jemand ganz fest daran glaubt, dass ihn die Cola von Red Bull in der Art einer Kokain-Dosis berauscht oder dass ihn Bubble-Tea schädigt, können natürlich aus der Einbildung heraus körperliche Schädigungen eintreten.

      Natürlich müssen wir mit Giftstoffen in winzigen Mengen in unserer Nahrung leben, auch mit Kokain auf Geldscheinen oder mit ein paar Bakterien auf der öffentlichen Toilette. Dafür haben wir aber normalerweise auch ein körpereigenes Abwehrsystem — oder die Dosis fällt eben gar nicht ins Gewicht.

    • Erling Plaethe sagt:

      @Wolf
      In der Homöopathie ist es ja die größte Verdünnung (Potenz) welche die stärkste Wirkung (angeblich) verursacht.
      Man sollte nichts für unmöglich halten.
      Ich kann mich noch gut an die Zeit nach der gescheiterten Störfallsimulation in Tschernobyl erinnern, da wurde immer wieder betont, gerade die schwache von außen auf den Körper einwirkende Strahlung sei besonders krebserregend da die Zellen nicht zerstört würden und in aller Ruhe mutieren könnten.

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