Die »Energiewende«: Ein permanenter Abstieg

Der Begriff »Wende« hat in unserem Sprachgebrauch eine weitgehend positive Bedeutung. Mit der politischen Wende im Jahr 1989 verbinden wir einen großen Gewinn an Freiheit.

Vielleicht haben die Politiker und die Medien deshalb den Begriff »Energiewende« geprägt. Doch diese »Wende« hat für uns als Steuerzahler und Stromkunden schon lange keine positive Bedeutung mehr. Sie ist mit einem mehrfachen Verlust an Freiheit verbunden.

Hier ist die Geschichte eines Abstiegs in vier Stufen.


Stufe 1: Wir zahlen für Energie aus effizienteren Anlagen

Am Anfang stand die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung. Das war noch eine weitgehend sinnvolle Angelegenheit: Energieträger werden mit einem höheren Gesamtwirkungsgrad ausgenutzt. Einziger Kritikpunkt: Investitionen in Effizienz sollten sich in einer Marktwirtschaft auch ohne Förderung aus Zwangsabgaben rechnen.


Stufe 2: Wir zahlen für Energie aus ineffizienteren Anlagen

Dann kam die massive Förderung der Fotovoltaik. Sie ist in unseren Breiten nicht effizient und deshalb wird nur ein sehr geringer Teil des jährlichen Energiebedarfs aus Fotovoltaik-Anlagen gedeckt. Offensichtlicher Kritikpunkt: Die hohen Subventionen aus Zwangsabgaben haben hier den geringsten Wirkungsgrad. Doch wir werden gezwungen, dafür zu zahlen.


Stufe 3: Wir zahlen für Energie aus Nahrungsmitteln

Einer der schlimmsten Irrwege der sogenannten Energiewende ist die Förderung der Energiegewinnung aus »Biomasse«. Hier ist vor allem Kritik aus ethischer Sicht angebracht: Solange weltweit Menschen verhungern, dürfen Mais, Palmöl und andere Nahrungsmittel nicht zur Energiegewinnung eingesetzt werden. Doch wir werden gezwungen, dafür zu zahlen.


Stufe 4: Wir werden für Energie bezahlen, die es gar nicht gibt

Nach den Plänen der Bundesregierung sollen wir als Stromkunden auch noch für die Auswirkungen der Fehlplanungen von Offshore-Windparks zahlen. Dann sind wir auf der bisher tiefsten Stufe angelangt: Wir zahlen eine Umlage und bekommen gar nichts dafür.


Stehen wir vor dem Übergang zur Planwirtschaft?

Oft wird nun argumentiert: Weil der Staat die Ziele der »Energiewende« vorgibt, stehen wir vor dem Übergang von der Marktwirtschaft zur Planwirtschaft. So sieht Zettel in der »Energiewende« eine Entscheidung für die Planwirtschaft. Er bezieht sich dabei auf einen Kommentar in der F.A.Z. vom 12.10.2012.

Ich sehe das etwas anders: Die Energiewende ist ein Beispiel für die katastrophalen Auswirkungen der lobbygetriebenen Subventionswirtschaft. Ein überzeugendes Indiz findet sich in vielen früheren Ausgaben der F.A.Z. — denn sie hat als eine der wichtigsten Wirtschaftszeitungen Deutschlands jahrelang über die Vorteile der staatlich unterstützten Investitionen in »erneuerbare Energiequellen« berichtet.

Das kann niemanden verwundern: Schließlich will sie ihrer Leserschaft beim Geldverdienen und Geldsparen helfen und somit muss sie auch über (falsche) staatliche Anreize berichten. Es ist also zu kurz gedacht, wenn man in der F.A.Z. nun mit dem Reizwort »Planwirtschaft« titelt, obwohl es eigentlich um eine massive Verzerrung der Anreize in einer Marktwirtschaft geht.


Eine Wende zur Unfreiheit

Ob man in der »Energiewende« eine Tendenz zur Planwirtschaft oder eine aus dem Ruder laufende Subventionswirtschaft sieht, spielt für die Bürger kaum eine Rolle: Der Verlust an Freiheit ist evident.

Wir dürfen nicht selbst entscheiden, ob wir die Energiegewinnung aus Lebensmitteln unterstützen wollen. Wir dürfen auch nicht entscheiden, ob wir unsere Umwelt mit immer mehr Windrädern belasten wollen. Wir dürfen nicht einmal entscheiden, welche Leuchtmittel uns am Abend Licht spenden werden.

Alle drei Verluste an Entscheidungsfreiheit kommen wirtschaftlichen Interessengruppen zugute: Den Bauern, den Ökostrom-Erzeugern und den Leuchtmittelproduzenten.

Weil man auch 2012 und in den folgendem Jahren jeden Euro nur einmal ausgeben kann, müssen wir als Steuerzahler und Stromkunden notwendigerweise bei den Ausgaben für andere Produkte und Dienstleistungen sparen. Unter dem Strich wird ein volkswirtschaftlicher Verlust entstehen. Den Verlust an Freiheit beklagen wir jetzt schon.


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34 Antworten zu Die »Energiewende«: Ein permanenter Abstieg

  1. Stephan sagt:

    Hey Stefan,

    zu Stufe 2: Da kann man sich trefflich drüber streiten. Sobald man zu Hause Energie speichern kann, nutzt man PV zur Eigenversorgung. Man wird autarker –> mehr Freiheit. Das Problem ist die scheinbar systematische Nichtforschung für einfache effiziente Speicher.

    zu Stufe 3: Holz und Abfälle sind auch Biomasse. Aber es ist schon richtig: Anstatt Mais oder Weizen zu “verbrennen”, kann man auch PV aufbauen. Ein Acker mit PV zuzupflastern ist energetisch sogar viel effizienter. Studie dazu hab ich vergessen.

    Noch was zum Thema Freiheit: Es steht jedem Frei keinen Netz-Stromanschluss zu haben und sich komplett selber mit Energie zu versorgen. Eine kleine PV-Anlage, ein kleines Windrad, ein kleiner Bioreaktor (für die eigene Scheisse und Biomüll aus Garten und Haushalt) und ein Speicher + Management macht das sicher möglich. Ohne eigenen Grund und Boden wird das nix.

    Und noch was zu den Subventionen: Die wurden schon immer gezahlt. Egal ob bei Kohle- oder Atomstrom.

    Man kann auch die Frage stellen: Was würde ohne Subventionen passieren. Willst du etwa, dass AKW weiter ihren Müll produzieren ohne dass Windkraft sie ersetzt?

    Übrigens entsteht viel Unfreiheit an der EEX, der Leipziger Strombörse. Böse Geister behaupten ja, unsere 4 Oligarchen schalten ihre Kraftwerke ab, um die Grosshandelspreise künstlich zu erhöhen. Wenn man diese Unsitte abstellen würde, könnten wir die die Subventionen in “grüne Energie” locker durch niedrigere Gewinne der Energiemafia ausgleichen.

    • stefanolix sagt:

      Ich habe nichts dagegen, dass Atomkraftwerke durch andere Kraftwerke, Windparks oder dezentrale Mini-Kraftwerke ersetzt werden. Aber es soll genau dann geschehen, wenn die neue Technik effizient genug ist, um ohne Subventionen auszukommen.

      Falsche Subventionen in der Vergangenheit rechtfertigen keine Subventionen in der Zukunft. Ich habe niemals gehört, dass die Verbraucher früher eine Umlage auf den Strompreis zahlen mussten, weil ein Steinkohleschacht nicht rechtzeitig erschlossen werden konnte. Bei den Offshore-Windparks wird genau das geschehen.


      Verschwörungstheorie 1: Die Forschung und Entwicklung der Speichertechnik werden behindert. Das meinst Du hoffentlich nicht ernst? Mit besseren Speichern hätten Erfinder und Unternehmen fast eine Lizenz zum Gelddrucken. Bessere Akkus für die Elektromobilität werden von allen Seiten herbeigesehnt und bessere Speicher für »überschüssige« Energie würden sich sofort rasant verkaufen.

      Verschwörungstheorie 2: Die vier großen Stromkonzerne schalten ihre Kraftwerke absichtlich ab. Das ist allein deshalb unwahrscheinlich, weil sie hochmoderne neue Kraftwerke bauen und in Betrieb nehmen (bzw. wie in Datteln gern in Betrieb nehmen würden).


      Ceterum censeo: Gewinne aus dem operativen Geschäft dienen immer auch der Investition in Netze und Kraftwerke. In dieser Branche geht es um Entscheidungen für Jahrzehnte.


      Die ökologischen Folgen des »Zupflasterns« mit Windparks und Solaranlagen sollte man bitte auch nicht vernachlässigen.

      • E-Haller sagt:

        Mal kurz überblickt: Steinkohle wird subventioniert, Atomstrom wird subventioniert (z.B. die Endlagerung), Wind und Sonne wird subventioniert – bleibt also nur die “endliche” Braunkohle?

        Wie schonmal geäußert – als Energiekonzern behaupte ich natürlich immer, dass ich bestimmte Sachen nicht leisten kann/ diese mich zugrunde richten werden. Wenn ich lang genug heule, glaubt es die Politik auch und subventioniert. Klar könnten die 4 Großen die Netze ausbauen und zukunftsfähig machen – sie können aber auch erstmal abwarten und damit Leidensdruck erzeugen, bis Steuergelder aufgebracht werden…

        Unsere vermeindliche Freiheit/ Demokratie wird durch das immer stärker zunehmende Diktat durch Lobbygruppen eingeschränkt, ohne das wir dies so richtig mitbekommen…

      • Robin sagt:

        Lieber E-Haller,

        wieso wird die Endlagerung von Atommüll in Deutschland subventioniert? Nach §21 des deutschen Atomgesetzes sind die Betreiber verpflichtet für die verschiedenen Kosten im Zusammenhang mit der Endlagerung aufzukommen und auch fortlaufend Rückstellungen zu bilden.
        Gut, man kann darüber streiten, ob auch in der Asse die Unternehmen stärker beteiligt werden müssten (das ist nur zum Teil der Fall, da der Großteil des Materials aus staatlichen Einrichtungen stammt).
        Aber selbst, wenn man so argumentiert: es geht hier um insgesamt ca. 2 Mrd. Euro. Das wird also durch die Brennelementesteuer locker wieder ausgeglichen. Zum Vergleich: Die EEG-Umlage kostet uns schon jetzt [i]jährlich[/i] mehr als das [i]sechsfache[/i] (Prognose 2012 nach offiziellen Angaben: 12,7 Mrd. Euro – Tendenz: rasant steigend).
        Die Kosten werden also erstens von den Betreibern selbst getragen und stehen zweitens in keinem Verhältnis zu den Kosten für sog. erneuerbare Energien.
        Von Subvention also keine Spur, im Gegenteil: durch die Brennelementesteuer wird ordentlich draufgezahlt!

        Viele Grüße
        Robin

    • Frank sagt:

      Anstatt Mais oder Weizen zu “verbrennen”, kann man auch PV aufbauen. Ein Acker mit PV zuzupflastern ist energetisch sogar viel effizienter

      Ja, stimmt. Aber nur deshalb, weil die Effizienz von Maisanbau > Vergärung > Biogasverbrennung noch katastrophal schlechter ist als die ohnehin schon uneffektive Photovoltaik.

      Es steht jedem Frei keinen Netz-Stromanschluss zu haben und sich komplett selber mit Energie zu versorgen. Eine kleine PV-Anlage, ein kleines Windrad, ein kleiner Bioreaktor (für die eigene Scheisse und Biomüll aus Garten und Haushalt) und ein Speicher + Management macht das sicher möglich.

      Gibt es einen einzigen Fall in Deutschland, wo das gemacht wird? Was kostet das den Betreffenden in Anschaffung, Wartung usw.? Klingt nach einem Hobby für Superreiche.

      • Frank sagt:

        Das dargestellte Musterhaus sieht ja toll aus. Wie viele davon wurden denn schon verkauft? Wie zufrieden sind die Bewohner? Kommen die tatsächlich ohne Strombezug von außen aus? Ich habe da so meine Zweifel: Beim Hersteller wird angegeben, dass der zu erwartende Bedarf von 2000 kWh Strom locker aus der PV-Anlage auf dem Dach gedeckt werden kann. Der statistische Musterhaushalt verbraucht aber 3473.86 kWh Strom pro Jahr. Ich frage mich auch, ob die Bewohner jemals einen E-Herd in der Küche anschalten können? Laut Hersteller erreichen die 58 m² Photovoltaikmodule eine Leistung von 8,19 kWp. Das “p” hinter “kW” steht für die Spitzenleistung, die theoretisch unter optimalen Bedingungen erreicht werden könnte, was aber praktisch bestenfalls unter Laborbedingungen möglich ist: Es wird ein optimaler Lichteinfallswinkel vorausgesetzt, sowie eine Modultemperatur von 25 °C, was ausgerechnet an heißen Sommermittagen sehr unrealistisch sein dürfte (und im Winter noch viel weniger, aber da scheint die Sonne auch zu kurz und steht dabei zu tief). Wie unsinnig diese Peakwert-Angaben sind, zeigt Folgendes: Ende 2011 ergab die installierte Gesamtleistung von PV-Anlagen in Deutschland stolze 24,4 GWp. Damit hatten wir eine gigantische Menge an Solarenergie, mit der wir rein rechnerisch fast alle anderen Kraftwerke hätten abschaffen könnten. Leider kamen 2011 aus dieser so gewaltig erscheinenden Energiequelle aber nur magere durchschnittliche 3% unserer Elektroenergie. Seltsam, oder?

        Der stärkste Stromberbraucher ist der E-Herd. Dieser benötigt mit 4 Kochplatten typischerweise 6kW, die Backröhre noch einmal 3kW. Da sieht es schlecht aus, wenn im Winter Weihnachtsplätzchen gebacken werden sollen im „energieautarken Haus“ der Helma Eigenheimbau AG.

        Übrigens hat so ein großer Akku, der die Sonnenpausen puffern soll, auch eine ziemlich tolle Umweltbilanz …

      • Frank sagt:

        Korrektur, vorletzter Absatz
        Falsch: “Der stärkste Stromberbraucher”
        Richtig: “Der stärkste Stromverbraucher in einem Haushalt”

  2. Muriel sagt:

    Ich stimme dir insgesamt zu, aber dieser Satz:
    “Solange weltweit Menschen verhungern, dürfen Mais, Palmöl und andere Nahrungsmittel nicht zur Energiegewinnung eingesetzt werden.”
    Kommt mir doch zu simplistisch daher. Iss deinen Teller leer, in Indien hungern Kinder. Der Zusammenhang ist in meinen Augen etwas komplexer.
    Ist es dann auch unethisch, Speiseöl zum Polieren von Holzoberflächen zu benutzen?

    • stefanolix sagt:

      Nein, so stark simplifiziere ich nun doch nicht. Der Mais könnte sofort in Nahrungsmittel umgewandelt werden, während der Rest Essen auf dem Teller niemandem mehr helfen kann.

      Speiseöl zum Polieren dürfen wir an dieser Stelle wohl vernachlässigen. Hier geht’s um das Große und Ganze ;-)

      • Muriel sagt:

        Hm, naja. Zumindest wenn der Staat dann ungeachtet wirtschaftlichen Sinns Nahrungsmittel in Energiegewinnung zwingt, ist an deiner Argumentation irgendwie auch was dran.
        Aber so wie du’s geschrieben hast, finde ich es überzogen. Menschen verhungern meines Wissens nicht, weil nicht genug Nahrung da ist. Sie verhungern, weil sie nicht dran kommen. Ich bezweifle, dass ein Zusammenhang zwischen der Zahl der Hungertoten und der Verwendung von Mais und Palmöl als Brennstoff besteht. Wenn du es besser weißt, lerne ich aber gern dazu.

      • stefanolix sagt:

        Es besteht definitiv ein Zusammenhang: Würden wir den Mais in Stärkemehl umwandeln, gäbe es zumindest Notrationen für besonders schlimme Katastrophen. Allerdings ist das nicht mein Hauptargument.

        Wenn in südlichen Ländern für den Anbau von Palmöl entweder Raubbau an der Natur betrieben wird oder wenn aus diesem Grund Lebensmittel nicht mehr angebaut werden (weil der andere Anreiz höher ist), dann gibt es IMHO eine direkte Kausalkette vom importiertem Palmöl für das Kraftwerk in Deutschland zu Hunger und Elend.

  3. Fidel sagt:

    Muhaha!

    Bei aller berechtigten Kritik finde ich es nahzu grandios, wie die vermeintliche Alternative, nämlich ein Festhalten an der Atomenergie, im Artikel unterschlagen wird.

    Wann und wo hatte ich die Freiheit zu entscheiden, dass ich keinen Atommüll haben will?

    Ach stimmt ja: Ich hatte die “Gnade der späten Geburt”… und meine Kinder und Kindeskinder auch. O_o

    Wieder mal vor lauter Grünen-Bashing die Kurve nicht gekriegt, wa’? ;-)

    • Frank sagt:

      Bei aller berechtigten Kritik finde ich es nahzu grandios, wie die vermeintliche Alternative, nämlich ein Festhalten an der Atomenergie, im Artikel unterschlagen wird.

      Ich verstehe immer weniger, warum man immer Atomenergie als Kontrapunkt zu “erneuerbarer” Energie (EE) aufbaut. Ursprünglich ging es beim Ausbau von Windkraft und Photovoltaik um Klimaschutz, also Vermeidung von Treibhausgasen. Das war ursprünglich gegen Kohlekraftwerke gerichtet. Da man ohne diese aber nicht auskommt, hat man das stillschweigend durch AKW ersetzt. Das kommt beimWähler besser an, hat aber keinerlei positive Wirkung für das ursprüngliche Ziel. Mich stört an diesem EE-kontra-Atom-Schema, dass man dadurch ganz automatisch zum Atomkraftbefürworter abgestempelt wird, sobald man etwas an den EE kritisiert. Das ist aber nicht logisch. An EE gibt es jede Menge zu kritisieren, man ist deshalb aber noch lange kein AE-Befürworter.

    • stefanolix sagt:

      @Fidel: Ist Dir aufgefallen, dass in meinem Artikel gar keine Partei vorkommt? Ist Dir aufgefallen, dass in meinem Artikel gar keine Atomenergie vorkommt?

      Atomenergie hat in Deutschland definitiv keine Zukunft — Mehrheiten muss man respektieren. In anderen Ländern Europas wird es noch über viele Jahrzehnte Atomkraftwerke geben.

      Da wir aber verlässliche Energieversorgung brauchen, sind Gas- und Kohlekraftwerke mindestens noch 30 oder 40 Jahre notwendig.

  4. Michael sagt:

    Schlecht informiert und fragwürdige Freiheitssuche

    Stefan :
    Und noch was zu den Subventionen: Die wurden schon immer gezahlt. Egal ob bei Kohle- oder Atomstrom.
    Man kann auch die Frage stellen: Was würde ohne Subventionen passieren. Willst du etwa, dass AKW weiter ihren Müll produzieren ohne dass Windkraft sie ersetzt?

    Was die Subventionen betrifft, sollten Sie mal hier informieren. Dort steht u.a., daß die kommerzielle Stromerzeugung aus Kernenergie in Deutschland zu keinem Zeitpunkt Subventionen erhalten hat und daß die AKW-Betreiber Rückstellungen für ihre Anlagen und Abfälle bilden.
    Und was das „weiter Müll produzieren“ betrifft :
    – Atomstrom ist sehr preiswert
    – Man sollte sich nicht aus der Atom-Forschung verabschieden. Es gibt hoffnungsvolle Ansätze Atommüll zu recyceln bzw. unschädlich zu machen.
    – Man sollte FundE zur Kernfusion intensivieren.
    Ich hätte gern mal einen Vergleich : Wieviel investiert Deutschland in die Kernfusion im Vergleich zur Suche nach dem Higgs-Teilchen.

    Fidel : Wann und wo hatte ich die Freiheit zu entscheiden, dass ich keinen Atommüll haben will?

    Ca.90% des radioaktiven Abfalls ist Sondermüll aus der Medizin, Materialforschung/Prüfung und aus der kommerziellen Pflanzenzüchtung.
    Wollen Sie das alles auch abschaffen?

    • Stephan sagt:

      Sicher ist nur, dass der Staat die Nutzung der Kernkraft in D durch Steuergelder herbeigeführt hat. Und die nicht-Versicherung eines GAUs durch unsere AKW-Betreiber nenne kann man locker als Subvention betrachten.

      Klar muss man Atomforschung betreiben. Sonst weiss keiner mehr über den Kram in Zukunft bescheid,

      • stefanolix sagt:

        Vermutlich wurden bei der Förderung der Atomenergie in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik Fehler gemacht. Aber Fehler in der Vergangenheit rechtfertigen keine Fehler in Gegenwart und Zukunft.

        Und es gab noch niemals so gravierende Fehler wie heute. Es wurden niemals auf Kosten und zu Lasten der Verbraucher so falsche Anreize gesetzt, dass es zu einem riesigen Überangebot an Elektroenergie kommt, wenn sie gar keiner braucht.

  5. Michael sagt:

    PS : Im SPIEGEL vom 8.10.2012 ist ein Artikel zu Merkels vermurkster Energiewende, leider noch nicht online. Naja, den Wendebefehl gab Rot_Grün, nur Merkel behielt den Kurs bei und legte noch einen Zahn zu mit dem Atomausstieg. Es gibt wohl kein anderes Beispiel dafür, daß eine Industrienation ideologisch verblendet so diletantisch seine Energieversorgung verschlimmbessert.
    – zu Lasten der Versorgungssicherheit
    – zu Lasten des kleinen Endverbrauchers
    – zu Gunsten von Windparkbetreibern und Solardach-Besitzern.

    • Frank sagt:

      Ja, der Artikel “Merkels Blackout” fasst alles gut zusammen. Erstaunlicherweise schädigen EE sogar den Betrieb von Pumpspeicherwerken, obwohl diese doch angeblich ein für EE wichtiger Speicher sein sollen:

      “Ausgerechnet die Energiewende hat dazu geführt, dass sich Speicheranlagen kaum noch wirtschaftlich betreiben lassen, ähnlich wie die konventionellen Kraftwerke. Früher nutzten die Betreiber billigen Nachtstrom, um mit der Energie ihre Wasserspeicher vollzupumpen. Am Mittag, wenn der Strompreis hoch war, ließen sie das Wasser ab und setzten ihre Turbinen in Gang. Es war ein gutes Geschäft. Doch inzwischen sind mitunter nachts die Preis hoch und mittags niedrig. Der Betrieb der Anlagen lohnt sich nicht mehr. Vattenfall kündigt an, sein Pumpspeicherkraftwerk im sächsischen Niederwartha in drei Jahren zu schließen. Eine notwendige Sanierung wäre zu teuer.”

  6. hostmami sagt:

    330 euro unseres Einkommens,fließen in Energie.

  7. hostmami sagt:

    schon wieder das Komma

  8. Erling Plaethe sagt:

    Lieber stefanolix, ich habe da eine kleine Besserwisserei. ;-)
    Was die sogenannte Wende 1989 anbelangt.

    Nach der eiligen Absetzung Erich Honeckers durch das Zentralkomitee tritt der neue Parteichef am 18. Oktober vor die Kameras: „Mit der heutigen Tagung (…) werden wir eine Wende einleiten, werden wir vor allem die politische und ideologische Offensive wiedererlangen.“

    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/20Jahre/2009-10-20-wende-oder-wie.html

    • stefanolix sagt:

      Auf diesen Einwand hatte ich gewartet. Deshalb habe ich den Beginn des Artikels recht neutral formuliert.

      Aber ich kann mich sehr gut an die Zeit erinnern und ich bewerte dieses Geschehen etwas anders: Das Volk hat sich mit seinem Sprachgebrauch den Begriff »Wende« sofort wieder zurückgeholt. Zu keinem Zeitpunkt habe ich unter normalen Menschen auf der Straße diesen Begriff im Sinne von Egon Krenz gehört.

      Als Egon Krenz mit diesen Worten vor die Presse trat, hat doch das Volk schon dafür demonstriert, dass Stasi und SED-Bonzen »in die Produktion« oder »in die Braunkohle« geschickt werden sollten. Es war klar, dass da kein Kapitän mehr an Bord steht und einen Befehl zur Wende gibt. Von einer ideologischen Offensive konnte zu keinem Zeitpunkt die Rede sein.

      • Erling Plaethe sagt:

        Natürlich hast Du damit recht, dass der Begriff vom Volk zurückgeholt wurde. Und so soll es auch bleiben.
        Aus dieser Perspektive ist es sogar angezeigt den Begriff “Wende” eben in diesem Sinn zu verwenden, weil es tatsächlich ja nur diese eine gab, die krenzsche scheiterte ja.
        Dann ziehe ich hiermit meine Besserwisserei zurück, da sie wertlos ist. ;-)

      • stefanolix sagt:

        Der Einwand war wegen des Links sehr interessant. Ich habe mich nämlich beim Lesen wieder lebhaft an die Vertreter der Utopie eines »dritten Weges« (also einer sozialistischen DDR mit schönerem Antlitz) erinnert. Und natürlich an den ewigen Funktionär Egon Krenz, der als einziger »Hoffnungsträger« des SED-Politbüros übriggeblieben war … was mich heute noch schmunzeln lässt ;-)

  9. Michael sagt:

    @E. Plaethe
    Sowas hatte ich gesucht zum Stichwort Wende, u.a. bei Lengsfeld. Leider nichts gefunde. Danke für die Ergänzung.

  10. Erling Plaethe sagt:

    Ich sehe das etwas anders: Die Energiewende ist ein Beispiel für die katastrophalen Auswirkungen der lobbygetriebenen Subventionswirtschaft.

    Und hierin stimme ich Dir ausdrücklich zu. Wie ja schon bei Zettel geantwortet, favorisiere ich den Begriff Korporatismus, weil Planwirtschaft so salopp und stark benutzt etwas unpräzise ist.

  11. Stephan sagt:

    Noch was zum Wort Planwirtschaft. Ich glaube ein so zentrales System wie unserer Energiesystem, und hier besonders das des el. Stromes wurde schon immer heftigst beplant. Zumindest seit dem es ein Verbundnetz gibt. Früher gab es ja Stromanlagen auf Fabrik-/Dorf/ oder Stadtebene. Aber seitdem 50 Hz europaweit synchron dahinwackeln muss zentral geplant werden. Sonst kommt es zu amerikanischen Verhältnissen wo ein popeliger Schneesturm schon 5 Tage Stromausfall bedeuten. Interessanterweise hat die Privatwirtschaft sich zentral in der UCTE ab 1951 abgesprochen. Wobei natürliche Monopole unter der Kontrolle des Staates standen (Ressourcenvorkommen, Leitungsnetze).

    Allein schon dadurch, dass natürliche Monopole die Quelle unseres Stromes sind, muss man im Umgang mit diesen einen Plan haben. Ansonsten braucht man gar nicht erst versuchen eine Industrienation zu werden.

    • stefanolix sagt:

      Weil es das Stromnetz der Unternehmen und Haushalte einer Stadt nur einmal geben kann, entsteht ein »natürliches Monopol« auf den letzten Kilometern bis zum »Verbraucher«.

      Bei der Energiewandlung in Elektroenergie gibt es kein natürliches Monopol. Die Stadtwerke können von diversen Anbietern auf dem Markt Elektroenergie kaufen. Natürliche Monopole sind also nicht die »Quelle unseres Stroms«, sondern sie sind nur bei der Verteilung des Stroms relevant.


      Dann ist auf den Unterschied zwischen (regulierten) langfristigen Planungsvorgängen und Planwirtschaft hinzuweisen. Es trifft zu, dass Netze (Strom, Wasser, Gas) sehr langfristig geplant werden. Planung, Bau, Instandhaltung und gegebenenfalls Rückbau dauern Jahrzehnte. Das hat aber mit Planwirtschaft gar nichts zu tun.

      Die Bundesnetzagentur, das Bundeskartellamt und andere staatliche Stellen übernehmen regulierende Aufgaben, um etwa dafür zu sorgen, dass wir sauberes Trinkwasser haben, dass Stromanbieter Zugang zum Netz haben oder dass es nicht zu marktbeherrschenden Positionen einzelner Unternehmen kommt. Das hat mit Planwirtschaft auch überhaupt nichts zu tun.

      Planwirtschaft ist Zentralverwaltungswirtschaft des Staates: Der Staat bestimmt, welche Ressourcen an welcher Stelle einzusetzen sind, um eine staatlich vorgegebene Zielvorgabe zu erreichen. Davon kann hier überhaupt keine Rede sein.

      Während man die Punkte 1 und 2 des Abstiegs noch zähneknirschend akzeptieren konnte, sind die Punkte 3 und 4 nur noch abartig: Es werden Lebensmittel zur Energie»erzeugung« missbraucht und der Missbrauch wird sogar noch gefördert. Es wird Strom in Rechnung gestellt, den es gar nicht gibt. An diesen beiden Punkten muss der Staat als Regulierer gegensteuern. Darüber hinaus muss es Quoten für Strom aus Fotovoltaik und Wind geben.

  12. Michael sagt:

    @Stefanolix
    Ich hatte es wohl schon mal moniert :
    In Ihrem Blog geht es, was die Chronologie betrifft, zu wie bei Hempels unter`m Sofa.

    • stefanolix sagt:

      Sie meinten: In den Kommentaren. Aber die Kommentare sind absichtlich nicht chronologisch abgelegt. Durch die Einrückung kann man besser sehen, wer auf wen geantwortet hat. Wenn alle richtig mitmachen ;-)

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