Antoine de Saint-Exupéry: Ein Gebet zum Sonntag

In Kathrins Blog geht es heute um ein (mir) bisher unbekanntes Gebet von Antoine de Saint-Exupéry.

Ich habe diese Zeilen jetzt mehrere Male gelesen: Sie wirken auf mich merkwürdig unstrukturiert, als hätte ich die Notiz der ersten Idee aus einem Tagebuch vor mir. Vielleicht hatte der Autor nicht mehr genügend Zeit für eine endgültige Fassung? Vielleicht hat er die Notizen zeitweise weggelegt, weil er die Form des Gebets nicht mehr als angemessen empfand? Ich wüsste auch gern, wann diese Zeilen zum ersten Mal niedergeschrieben wurden und was dann mit ihnen geschehen ist. Bestimmt haben sie eine ganz eigene Geschichte.

Es gehören Glaube, Mut und Sendungsbewusstsein dazu, ganz persönliche Gedanken in ein Gebet zu kleiden und drucken zu lassen. Der Autor kann die Worte keiner Figur in den Mund legen und er kann sie auch nicht in Form einer alten Inschrift erscheinen lassen.


Inhaltlich streite ich schon beim ersten Lesen mit mir selbst: Es sind darin viele Denkanstöße enthalten, die man anderswo schon gelesen hat, die zeitlos gültig und doch so schwer in die Tat umzusetzen sind. Ich fühlte mich spontan an das Gebet um Gelassenheit erinnert, über das ich vor drei Jahren schon einmal gebloggt hatte. Aber auf der anderen Seite weiß ich mit einer gewissen Lebenserfahrung auch: Schon das Nachdenken über einen solchen Idealzustand ist Luxus.


Bei meiner Suche nach dem Ursprung des Zitats bin ich gerade auf »Die Stadt in der Wüste« gestoßen. Es ist ein unvollendetes Buch und 1948 posthum erschienen. Das würde erklären, was ich beim ersten Lesen empfand.


Zum Schluss noch mein Lieblingszitat von Antoine de Saint-Exupéry:

Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann,
wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat,
sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.

Das ist ein gutes Motto beim Schreiben und Korrekturlesen ;-)


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11 Antworten zu Antoine de Saint-Exupéry: Ein Gebet zum Sonntag

  1. Muyserin sagt:

    Ich kann Deine Beobachtung zur Struktur bzw. des Nichtfertigen nicht teilen. Könntest Du das noch etwas konkretisieren?

    • stefanolix sagt:

      Ich muss ein klein wenig ausholen. Es gab eine Zeit, in der öffentliche Fürbitten (Gebete) sehr viel bewirkt haben. Das war, soweit ich es erlebt habe, die Zeit ab Mitte der 1980er Jahre bis Ende 1990. Die Fürbitten in den Evangelischen Kirchen, in den Friedenskreisen und Studentengemeinden haben entscheidend dazu beigetragen, dass es zu einer friedlichen Revolution kam.

      Damals haben wir im engeren Kreis über Inhalt und Sinn von Fürbitten diskutiert. Zum Teil wurden sie auch mit einem gewissen Ziel formuliert: Einigkeit, Zusammenhalt, Mut zum in-der-DDR-bleiben …


      Im Grunde ist ein Gebet aber eine sehr persönliche Handlung. Deshalb fällt es mir schwer, meinen Eindruck in Worte zu fassen.

      Als ich das Gebet von Saint-Exupery in Deinem Blog las, dachte ich noch, dass es sich um einen Teil seiner Notizen handeln könnte. Nun ist es aber ein Zitat aus einem Buch, das ich noch nicht gelesen habe. Ich würde mir gern den Zusammenhang anschauen, bevor ich hier mehr dazu sage.

    • stefanolix sagt:

      Ich stelle gerade fest, dass es mindestens eine weitere Version dieses Gebetes gibt.

      Vielleicht gibt es zwei Versionen des [posthum erschienenen] Buches? Vielleicht wurde Dein Zitat gekürzt? Vielleicht sind die Gebete an beiden Fundstellen nur ein Auszug aus dem Originaltext?

      Hier ist die andere Version, die ich gefunden habe (vielleicht gibt es noch mehr?):

      http://www.gratefulness.org/readings/herr_lehre_mich.htm

      • Muyserin sagt:

        Das ist ja wirklich merkwürdig. Die Unterschiede sind ja schon erheblich. Mir gefällt aber meine Version besser.

        Man darf nicht vergessen, dass es sich um eine Übersetzung handelt.

  2. Xeniana sagt:

    Ich habe dieses Buch mehrmals gelesen.Rezensionen liegen mir in keinster weise, aber irgendwie war es anders als seine anderern Werke, bruchstückhafter vielleicht.

  3. Xeniana sagt:

    Das ist ein ziemlich dicker Schinken.Ich hab es leider nicht mehr,habe es mir aber bei amazon bestellt.

    Also da werdet ihr fündig.Ich habe in meinem Gedächtnis gekramt,das Gebet dort aber leider nicht gefunden.
    Für mich hatte dieses Werk etwas sehr diktatorisches, aber auch etwas zutiefst weises,dann dieses bruchstückhafte,wahrscheinlich habe ich es deswegen verschenkt…..bin auch gespannt auf den zusammenhang.

  4. Xeniana sagt:

    Hab noch den Link gefunden.Der Vergleich mit Nietzsche passt. Ist nicht ganz die Antwort auf deine Frage:

    )http://www.otto-friedrich-bollnow.de/doc/Saint-ExuperyB.pdf

    • Muyserin sagt:

      Danke, Xeniana, Dein Fund legt nahe, dass Stefan mit seiner Vermutung recht hatte:

      Der äußeren Form nach ist dieses in die üblichen Schemata schwer einzuordnende, an der Grenze
      von dichterischer Gestaltung und denkerischer Besinnung stehende Werk am ehesten mit dem
      „Zarathustra“ Nietzsches zu vergleichen. Eine in der Ich-Form sprechende dichterische Gestalt,
      der zu mythischer Größe gesteigerte König eines kriegerischen Wüstenvolks, spricht in locker aneinandergefügten
      Stücken – Betrachtungen, Gesprächen und gelegentlich auch Gebeten*- über die
      Auffassung vom Menschen, die ihn beim Aufbau seines Reichs geleitet habe, und über die Einrichtungen,
      die er dafür getroffen habe.

      *Meine Hervorhebung.

      • stefanolix sagt:

        Was mir noch eingefallen ist: Es gibt bei nachgelassenen Werken manchmal unterschiedliche Editionen. Denn aus der Übersetzung allein kann man die Unterschiede nicht erklären.

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