Empörungswelle nach einer Meldung auf einer Anti-Hartz-IV-Seite

Volkshochschulen galten früher als brav und bieder. Das ist Vergangenheit. Die VHS Osterode/Harz hat das virale Marketing für sich entdeckt. Sie bietet folgenden Kurs an:

Ein akademischer Abschluss oder gar eine Promotion kann beim Zugang zu bestimmten Berufen, beispielsweise als Bauhelfer, eine große Einstellungshürde sein. In diesem Kurs versuchen wir, durch Erlernen eines zielgruppenspezifischen Vokabulars, angepasste Kleidung und gezielte Verhaltensänderungen auch aus promovierten Geisteswissenschaftlern wieder echte Männer zu machen. Ein entsprechender Kurs für Frauen ist in Vorbereitung – nähere Infos sind in der KVHS-Geschäftsstelle erhältlich.

Eine Anti-Hartz-IV-Seite hat den Aprilscherz für bare Münze genommen und gleich noch etwas hinzugedichtet:

Jobcenter-Kurs: De-Qualifizierung von Akademikern
Ein „Dozententeam“ des Jobcenters Osterode bietet in den Räumlichkeiten der Volkshochschule Osterode einen „De-Qualifizierungskurs“ für Erwerbslose mit einem akademischen Abschluss an.

Von einem Angebot des Jobcenters ist aber in dem VHS-Prospekt gar nicht die Rede. Die Empörungswelle kann man über Rivva verfolgen. Hoffentlich bringt die Aktion der VHS ein paar Teilnehmer. Für den Kurs »Grundlagen des verstehenden Lesens«.


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5 Antworten zu Empörungswelle nach einer Meldung auf einer Anti-Hartz-IV-Seite

  1. jan sagt:

    Danke für die Info. :-)

  2. Rayson sagt:

    “Verstehendes Lesen” – ich weiß nicht, ob das das Problem war. Wahrscheinlich doch eher, dass die Empörten eher Kreisen zuzurechnen waren, deren akademische Bildung weniger auf analytische denn auf kreative Fertigkeiten abzielte. Letzteren ist es dann auch zu verdanken, dass praktisch als Art Web-2.0-Beitrag aus der Community ein Jobcenter ansatzlos als Akteur der Story hinzugefügt werden konnte, während man zwar präzisen, aber dann doch eben schnöden Informationen wie dem Datum des Kursbeginns keine Achtung schenkt.

  3. Ich finde das herrlich.
    Zumal mir von einem Arbeitsamt mal ausdrücklich gesagt wurde, ich solle mich nicht als Hilfskraft im Altenpflegeheim bewerben, ich sei “überqualifiziert”. ;-)

  4. Klaus sagt:

    Schon lustig diese Empörungswellen. Allerdings bleibt mir das Lachen im Halse stecken wenn ich an meine letzte “Maßnahme” des Jobcenters denke. Der Kurs hatte tatsächlich etwas von einem De-qualifizierungskurses.

  5. Lenbach sagt:

    Der Trend scheint ohnehin dahin zu gehen, sich erstmal zu empören, und dann nachzudenken.

    Den Sprung von Felix Baumgartner aus 39 km Höhe haben wahrscheinlich alle mitbekommen. Nun hat ein Satiremagazin (!) gemeldet, der Sprung sei für ungültig erklärt worden, da Baumgartner dabei “die Linie übertreten” habe:

    http://www.der-postillon.com/2012/10/linie-ubertreten-rekordsprung-aus-39.html

    Auch hier ließ die Empörung auf diesen offensichtlichen Gag nicht lange auf sich warten:

    http://www.der-postillon.com/2012/10/links-zwo-drei-vier-baumgartner-spezial.html#more

    Auf den ersten Blick ist das lustig, aber es kann schon bedenklich stimmen, wenn anscheinend keine Meldung zu absurd ist, um nicht ernstgenommen zu werden. Wahlalter auf 16 senken, dann kurz vor einer Wahl ein abstruses Gerücht verbreiten…

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