Wasser, Sonne, Libellen …

5. Juni 2014

Botanischer Garten Dresden:
Bilder vom Teich am Steingarten …


Beim Umgang mit kleinen Zahlen …

19. Mai 2014

Heute mussten sich die übriggebliebenen Dresdner Piraten mal so richtig selbst auf die Schultern klopfen: Bei der U18-Wahl am Ende der vergangenen Woche haben sie unglaubliche 21.5 Prozent der Stimmen geholt.

Da kann man schon mal die Sitze im Stadtrat neu verteilen und den Sachsen-Hype hochleben lassen – einige bizarre Tweets zum Thema findet man mit dieser Twitter-Suche.

Über die Wahl berichtete ein kostenlos verteiltes Anzeigenblättchen – und es stellte aus den paar Stimmen sogar einen Stadtrat zusammen. Das hat sich bis Berlin herumgesprochen und Frau Helm hat ihren Dresdner Anhängern gratuliert …

Was die Piraten wohl nicht so gern twittern: Die U18-Wahlen waren in Sachsen eine Farce. In Dresden gab es ganze 107 gültige Stimmen – in Leipzig etwa 50 und in Chemnitz ganze 12.

Die 107 gültigen Stimmen in Dresden sind schnell relativiert, wenn man weiß, dass in unserer Stadt im Jahr 2013 immerhin 6.000 Babys geboren wurden und dass es hier etwa 65.000 Schülerinnen und Schüler gibt.

Landesweit wurden übrigens knapp 800 gültige Stimmen gezählt. Es gibt in Sachsen etwa 330.000 Schülerinnen und Schüler. Die U18-Wahl ist somit völlig belanglos – und auf die Stimmenanteile dürfte noch nicht einmal der »Wochenkurier« reinfallen.



Der letzte Spaziergang im Botanischen Garten …

18. Mai 2014

war Ende März. Es wurde also wieder einmal Zeit:

Rundgang am 18.05.2014 …


Die Unsitte des Freistellens von Bildern in der Lokalzeitung

11. Mai 2014

Die sächsischen Lokalzeitungen »Dresdner Neueste Nachrichten« und »Leipziger Volkszeitung« haben seit dem Wochenende ein neues Layout.

Insgesamt finde ich die Überarbeitung des Layouts nicht schlecht: Die Zeitung liest sich insgesamt etwas leichter, die Schrift ist angenehmer und das Erscheinungsbild wirkt moderner.

Allerdings stört mich ganz erheblich die Unsitte, dass anscheinend pro Ausgabe ein halbes Dutzend Bilder freigestellt werden müssen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Welchen Gewinn bringt das Freistellen für die Leser?

Welchen Gewinn bringt das Freistellen für die Leser?

Was sagt mir dieses Bild? Da steht oder hängt eine Band aus drei jungen Frauen in der Luft und die rechte Musikerin hält dabei sogar noch einen Bass in der Hand. Wenn man schon freistellen muss, dann gehört doch eine Basis zum Bild, auf der die drei jungen Frauen stehen. Natürlich braucht man dafür auch eine entsprechende Vorlage.

Das freigestellte Bild ist kein Gewinn für den Artikel, es ist kein Gewinn für das Layout und es bringt dem Leser keinen Nutzen. Es zeigt nur: Wir haben in der Redaktion ein Programm, mit dem man Figuren freistellen kann.

Leider sehen diese freigestellten Figuren meist wie das Ergebnis der ersten oder zweiten Übung in Bildbearbeitung in der siebten Klasse aus. Solche Bilder erwartet man in der Hintertupfinger Bauernzeitung – aber nicht in einer Zeitung für eine Kulturstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern.

Haben sich die Zeitungsgestalter in Leipzig oder Dresden schon mal überlegt, warum man in einer seriösen überregionalen Tageszeitung wie der F.A.Z. solche Illustrationen nicht findet?


PS: In dem verlinkten Artikel im Medienblog »Flurfunk« wird in einem Kommentar schon die Vermutung aufgestellt, ob das Zeitungshaus Madsack damit seine Lokalzeitungen noch »gleicher« machen will. Der Hintergedanke könnte sein: Dann lassen sich Artikel noch einfacher übertragen und man kann vielleicht noch etwas mehr an den Kosten sparen.



Standhaft

2. Mai 2014

[Cross-Post meines Artikels aus Zettels Raum]

Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit: Musiker der Bundeswehr haben am Mittwochabend einen Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche mitgestaltet. Trotzdem hatte es im Vorfeld um diesen Auftritt einigen Ärger gegeben: Etwa 800 Menschen sollen nach Angaben der Organisatoren einen Einspruch gegen diesen Gottesdienst unterzeichnet haben.

Dieser Einspruch war mit einem Protestaufruf verbunden: Vor der Frauenkirche sollte gegen die Bundeswehr protestiert werden. Einem Bericht der Dresdner Zeitung DNN zufolge kamen dann am 30.04.2014 ganze »zwei bis drei Dutzend« Aktivistinnen und Aktivisten.

In der gedruckten DNN von heute sind allerdings auf einem Foto noch zwei weitere Aktivistinnen zu sehen, die im FDJ-Hemd in der Kirche linke Parolen gerufen haben sollen, bevor sie vom Sicherheitsdienst aus der Kirche gewiesen wurden.

Der Protest wird in einer Erklärung des DFG-VK vom politischen Geschäftsführer Monty Schädel begründet. Seine Biographie spricht für sich. Er war in der DDR überzeugtes Mitglied der SED und FDJ-Funktionär. Seit vielen Jahren organisiert er Proteste gegen Wirtschaftsgipfel, NATO und Bundeswehr.


Mir fallen die Reminiszenzen an FDJ und SED auf. Warum machen ausgerechnet solche »Aktivisten« gegen einen Gottesdienst Stimmung? Sind sie die richtigen Botschafter dafür? In der DDR haben SED und FDJ nicht nur die kirchliche Friedensbewegung unterdrückt. Sie haben auch über Jahrzehnte die Gesellschaft auf allen Ebenen militarisiert. Das begann schon im Kindergarten mit dem Zeichnen von Panzern und dem obligatorischen Lied

Soldaten sind vorbeimarschiert
Im gleichen Schritt und Tritt … 

Soldaten sind vorbeimarschiert
Die ganze Kompanie.
Und wenn wir groß sind, wollen wir
Soldat sein, so wie sie.
Gute Freunde, gute Freunde,
Gute Freunde in der Volksarmee.

Es setzte sich bei den »Pionieren«, in der FDJ und in den Wehr-Erziehungslagern fort – bis dann viele junge Männer zum Dienst an der Grenze gezwungen wurden.

Und heute protestieren also selbst ernannte »Aktivistinnen« in einer Kirche im FDJ-Hemd gegen die Armee Organ des demokratischen Rechtsstaats. Eine noch schlechter geeignete Uniformierung wäre allenfalls noch die Ausgangsuniform der NVA gewesen …

Auch wenn man über einige Friedens- und Kampfeinsätze der Bundeswehr geteilter Meinung sein kann: Solche wirren Proteste hat sie nicht verdient. Die Bundeswehr ist zum Schutz unseres Landes notwendig – auch zum Schutz der lange nach dem Krieg wieder aufgebauten Frauenkirche in Dresden.


In der Frauenkirche werden seit ihrem Wiederaufbau nicht nur Gottesdienste und Konzerte veranstaltet. Sie ist auch ein Ort politischer Stellungnahmen: zum Frieden, zur Aussöhnung mit unseren damaligen Kriegsgegnern USA und England, zum Gedenken an die Opfer damaliger und heutiger Kriege.

Auch die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann hielt ihre Rede »Nichts ist gut in Afghanistan« in der Dresdner Frauenkirche. Margot Käßmanns Rede war in entscheidenden Punkten ein Irrtum – aber sie war wenigstens noch eine Wortmeldung in der politischen Diskussion und kein Parolengebrüll im FDJ-Hemd.


Klaus Naumann, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, attestierte Frau Käßmann nach dieser Rede eine »Worthülse ohne jegliche Substanz« und schrieb ihr einen Brief, in dem es heißt:

Sie, Frau Bischöfin, haben in Ihrer Predigt den Soldaten und deren Familien keinerlei Trost gespendet. Im Gegenteil, Sie haben ihnen nahezu den Teppich unter den Füßen weggezogen, als Sie ohne jede Sachkenntnis von der Kanzel herab Ihr hochmütiges, aber in jeder Hinsicht falsches Pauschalurteil abgaben: »Nichts ist gut in Afghanistan.«


Wenn man die Frauenkirche einerseits als Kirche und andererseits als Ort der Kultur, der Versöhnung und des politischen Lebens sieht, dann darf nicht in Frage gestellt werden, ob Musiker der Bundeswehr in Dresden in der Frauenkirche spielen dürfen. Das muss eine Selbstverständlichkeit sein.

Ich bin froh, dass die Bundeswehr und die Pfarrer der Frauenkirche als Gastgeber standhaft geblieben sind. Sie haben sich durch die aktuellen »Worthülsen ohne jegliche Substanz« nicht von ihrem Standpunkt abbringen lassen.



Die freien Mitarbeiter der »Sächsischen Zeitung« gehen wandern …

14. April 2014

Im Medienblog Flurfunk ist ein kenntnisreicher Beitrag über den heutigen Streik der freien Mitarbeiter der »Sächsischen Zeitung« zu lesen. An dieser Stelle ein Dank an den Flurfunk für die immer wieder interessante Berichterstattung über DD+V.

Ich habe hier in Blog einzelne Beiträge der »Sächsischen Zeitung« hart kritisiert. Dabei konnte ich natürlich nicht in jedem Fall unterscheiden, ob der Beitrag von freien Mitarbeitern oder aus der fest angestellten Redaktion kam. Meine Kritik hat sich immer auf den Inhalt und nie auf die Person gerichtet.

Tatsache ist: Es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Artikel. Tatsache ist auch: Die Klagen der freien Mitarbeiter über schlechte Bezahlung durch die »Sächsische Zeitung« bzw. durch das Unternehmen DD+V haben vielfältige Ursachen.

Die Hauptursache dürfte das auf kurzfristige Geschäftszahlen gerichtete Denken und Handeln der Anteilseigner und der Geschäftsführung sein. Daraus resultiert eine Abwärtsspirale aus Kosteneinsparung und Qualitätsverlust. Solange an dieser Abwärtsspirale gedreht wird, wird ein Streiktag mit Wanderung kaum helfen …


Aus dem langen Interview des Flurfunk-Chefs Peter Stawowy mit DD+V-Geschäftsführer Carsten Dietmann ist mir ein markanter Punkt im Gedächtnis geblieben: Dietmann beklagte dort, dass man mit der Beilage PluSZ einen sechsstelligen Verlust gemacht habe.

In der PluSZ waren unter anderem die inhaltlich besten Restaurantkritiken, aber auch Rezensionen von Ausstellungen und Ankündigungen von Veranstaltungen zu lesen.

Bekanntlich wurde diese recht gute Beilage dann in ein Werbeblättchen umgewandelt. Es ist zu vermuten, dass dieses neue »Produkt« nun keinen Verlust mehr schreibt, weil in seine Produktion inhaltlich offenbar kaum noch Geld gesteckt wird.

Eine Wochenbeilage zur Zeitung als eigenständiges »Produkt« zu bezeichnen, das aus eigener Kraft Gewinn bringen soll – das mag Controller-Logik sein, aber es hat nichts mehr mit Journalismus und im Grunde auch nichts mit Unternehmertum zu tun.

Mit der selben Logik könnte man den Kulturteil weglassen und die Sportseiten mit der Dynamo-Dresden-Berichterstattung auf ein gesamtes Buch der Tageszeitung ausdehnen: Letzteres dürfte deutlich profitabler sein und mit den Dynamo-Sponsoren könnte man sicher auch interessante Geschäfte machen.

Ein Beispiel für Qualitätsverlust durch Kostensenkung: Die hochwertige Wochenbeilage PluSZ war ein Grund dafür, die Sächsische Zeitung zu kaufen oder zu abonnieren. Das Werbeblättchen ist kein Argument mehr. Das kann ich nur noch ungelesen in den Papierkorb fallen lassen.

Ein zweites Beispiel für Qualitätsverlust durch Kostensenkung war im letzten Jahr die »Finanzberatung« zur Altersvorsorge, die übrigens von einem freien Mitarbeiter kam. Ich habe damals einen der Artikel dekonstruiert [1] und einige zugegebenermaßen sarkastische Ratschläge aufgeschrieben [2].


Der Sächsischen Zeitung (und deshalb auch ihren freien Mitarbeitern) geht es deshalb schlecht, weil die Qualität insgesamt gesunken ist. Die Qualität ist m. E. insgesamt deshalb gesunken, weil dort Anteilseigner, Controller und Kaufleute das Sagen haben, während Journalisten anscheinend immer mehr an den Rand gedrängt werden.

Das ist die Abwärtsspirale: Wenn ein Unternehmen immer mehr an der Qualität des Produktes spart, kann es noch eine Weile Gewinne durch Kostensenkung machen. Irgendwann wird das Produkt aber am Markt nicht mehr attraktiv sein.

Deshalb wünsche ich den besseren freien Mitarbeitern, die handwerklich gute Artikel abliefern, dass ihr Auftraggeber DD+V endlich einsieht: Qualität lässt sich nur mit langfristigem Denken und mit anständiger Bezahlung der Autoren sichern. Damit kann man mehr Zeitungen verkaufen oder wenigstens den Rückgang der Auflagen stoppen.



Presseschau. Heute: Dresdens antiquierteste Nachrichten

7. April 2014

Die Medienerzieherin Gertrude H. muss man sich als liebenswerte Mitsechzigerin vorstellen, die eigentlich schon den wohlverdienten Ruhestand genießen könnte.

Aber zu Hause wartet nur ihr cholerischer Mann Gernot H. auf sie. Gertrude mag nicht den ganzen Tag mit dem alten Zausel streiten. So verdient sich sich nachmittags in ihrem alten Beruf noch etwas dazu.

Sie besucht jeden Tag den Hort einer Dresdner Grundschule und zeigt den Zehnjährigen, was eine Zeitung ist. Die Kinder dürfen – wie das früher üblich war – Tante Gertrude zu ihr sagen.

Um die Kinder für das Thema Zeitung zu begeistern, wählt sie jeden Tag per Zufall einen Artikel aus den Dresdner Neuesten Nachrichten aus. An manchen Tagen bekommt sie dabei Bauchschmerzen – aber gewählt ist gewählt …

Heute ist Tante Gertrude im Hort der Blasewitzer Grundschule zu Gast. Das ist eine schöne alte Schule in einer bürgerlichen Wohngegend. Eigentlich eine dankbare Aufgabe – wenn da nicht dieser merkwürdige Artikel gewesen wäre …


Tante Gertrude begrüßte die Horterzieherin und die Kinder. Im Raum wurde es still. Sie griff zur Zeitung und las:

Sachsen ist das Land der Burgen und Schlösser – und um diese ranken sich viele Sagen. Heute: Burg Freudenstein in Freiberg.

Streng blickte Tante Gertrude über den Rand ihrer Brille. Im Raum herrschte gespannte Aufmerksamkeit. Dann begann sie mit den ersten Sätzen des Artikels:

Dietmar Werner 
Markgraf Friedrich mit der gebissenen Wange liebte das blühende Freiberg mehr als alle anderen Städte der Markgrafschaft Meißen. In dieser Stadt ließ es sich aber auch gar so prächtig hofhalten […]


Im Raum wurde es unruhig. Die Horterzieherin fragte: »Jan-Torben?« – 

»Sag mal, Tante Gertrude, so redet doch heute niemand mehr. Solche Texte hat die Uroma uns manchmal vorgelesen – aber sie war schon sehr, sehr alt und wir haben uns furchtbar gelangweilt …«

»Warte einen Augenblick, Jan-Torben! Es kommt noch besser.«


Zu der im Schloss Freudenstein tafelnden Runde des Markgrafen gehörte dann immer auch der Kaplan von St. Marien – ein fröhlicher Unterhalter und munterer Feinschmecker, zugleich aber auch ein standfester Trinker.
 An einem Fastnachtsdienstag hatten die Herrschaften wieder bis nahe an die Mitternachtsstunde getafelt und gezecht.


»Tante Gertruuuude!« riefen die Kinder im Chor. »Du willst uns veralbern! So etwas schreibt doch heute niemand mehr!«

»Nein, Kinder. Ich will Euch nicht veralbern. Das steht heute wirklich in der Zeitung. Auf der Seite mit den neuesten Nachrichten aus dem Freistaat Sachsen.«

»Gib uns bitte mal Deine Zeitung. Das wollen wir selbst lesen!«


Und Jan-Torben las vor, wie es mit dem Kaplan weiterging:

»War er doch nicht einverstanden, im Hinblick auf die um Mitternacht beginnende Fastenzeit noch eine Fleischspeise zu sich nehmen zu wollen. Vielmehr war er der Meinung, dass dies eine unverzeihliche Sünde sei und keinesfalls durchgehen könne.«

»Aufhören!« riefen die anderen Kinder. »Was steht denn dort unter dem Foto?«

Schloss Freudenstein im sächsischen Freiberg hat eine wechselvolle Geschichte, die viele herrschaftliche Häupter schrieben.

Und das waren noch nicht die schlimmsten Stellen.


In der Ecke meldete sich Jan-Torbens Zwillingsschwester Annika. »Sag mal, Tante Gertrude, für wen wird so etwas gedruckt? Für uns als Kinder ist es viel zu langweilig. Unsere Eltern haben keine Zeit dafür. Liest Du so etwas?«

»Wisst Ihr, Kinder«, antwortete Gertrude langsam, »wenn ich mir das richtig überlege, hat meine Oma früher noch gern aus solchen alten Büchern vorgelesen. Meine Mama hat mir die Bücher dann irgendwann gegeben und ich habe sie zum Altstoffhändler geschafft.«

»Was ist ein Altstoffhändler?«

»Zu einem Altstoffhändler brachte man früher alte Bücher und Zeitungen. Man konnte damit sein Taschengeld aufbessern.«

»Bücher haben wir noch ganz viele zu Hause«, sagten Annika und Jan Torben. »Aber jetzt wissen wir, warum unsere Eltern keine Zeitung mehr lesen.«



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