In sechs Schritten zur Premiumwerbung

15. Mai 2013

1. In den gedruckten Zeitungen war und ist die Werbung eine Geldquelle: Auf begrenzter Fläche können nur wenige Anzeigen geschaltet werden. Damit sind bei stabiler Wirtschaftslage planbare Einnahmen zu erzielen. Die Devise lautet: Weniger ist mehr. Werbung stört nicht beim Lesen.

2. In den digitalen Ausgaben der Zeitungen ist Werbung für die Verlage keine Geldquelle: Die Preise für die aufdringliche und ungeliebte Digital-Werbung sind in den Keller gesunken. Die Devise lautet: Mehr ist weniger. Werbung stört die Nutzer erheblich beim Lesen.

3. Warum stört Werbung im Printprodukt nicht beim Lesen? Die Verlage fügen die Werbung im Print selbst in das Layout der Zeitung ein. Sie folgen dabei ihren eigenen Interessen und Qualitätsansprüchen. Gestaltung und Vermarktung sind getrennt.

4. Warum stört Werbung im Digitalprodukt erheblich beim Lesen? Im Web beziehen sie ihre Werbung von den Betreibern der Ad-Server. Diese folgen völlig anderen Interessen und Gesichtspunkten als die Verlage. Gestaltung und Vermarktung sind nicht getrennt, das Layout der digitalen Zeitung wird regelrecht zerstört.

5. Die Lösung ist: digitale Premiumwerbung. Sie wird von den Verlagen selbst verantwortet. Sie wird gestalterisch ins Layout eingepasst und sauber vom redaktionellen Teil abgegrenzt. Sie kommt ohne Animation, Audio, Scripte und Tracking. Sie lenkt nicht vom Lesen ab. Und das Beste: Man muss sie mit Ad-Blockern nicht herausfiltern. Weil sie die Nutzer nicht stört, nicht gefährdet und nicht ausspioniert.

6. Premiumwerbung kann und darf den Werbetreibenden niemals billig verkauft werden. Aber sie wird von den Leserinnen und Lesern eines hochwertigen Mediums auch nicht abgeblockt, sondern als notwendiger Bestandteil wahrgenommen. Damit entsteht ein Gewinn für alle Seiten: Der Verlag verkauft Anzeigen. Der Leser erhält ein ordentliches Produkt. Der Werbetreibende (und nur er!) kennt die Anzahl der abgerufenen Werbebotschaften.



Libellen 2013 (1)

12. Mai 2013

Die erste Libelle des Jahres (Klick vergrößert).


Shades Of Green

12. Mai 2013

Botanischer Garten Dresden (12.05.2013).


Handel und Wandel

10. Mai 2013

Auf Twitter habe ich gestern Abend von einer Petition gegen ein geplantes Einkaufszentrum in Zittau erfahren. Der Titel der Petition lautet:

Stoppt den Ruin der 775 Jahre alten Innenstadt von Zittau durch ein riesiges Einkaufszentrum!


Die Stadt Zittau liegt im Dreiländereck aus Deutschland, Tschechien und Polen. Sie lebte über Jahrhunderte vom Handel. Die Innenstadt Zittaus ist überhaupt nur entstanden, weil es diesen Handel gegeben hat. In der Wikipedia erfährt man zur Stadtgeschichte:

Eine Kaufmannssocietät wurde 1705 gebildet und gleichzeitig eine Buchhandlung eingerichtet. Der Leinwandhandel nahm europäische Dimensionen an, Brauerei und Tuchmacherei brachten der Stadt und deren Bürgern großen Reichtum. Zittau war von 1693 bis 1757 im Besitz einer Schnellwaage. Dieses Meisterwerk der Mechanik war so empfindlich, dass ein darauf gelegter Groschen sie zog.

Nach dem II. Weltkrieg lag Zittau lange Zeit an weitgehend geschlossenen Grenzen. Warum sollte die Stadt angesichts offener Grenzen in Zukunft nicht wieder verstärkt vom Handel leben?


Meine sehr spontane Reaktion war also die Gegenfrage: Warum soll dort eigentlich kein Einkaufszentrum gebaut werden?

Ist es denn besser, wenn die Zittauer alle zum Einkaufen nach Dresden fahren? Offenbar sieht dort jemand potentielle Kunden?

Das Gegenargument: In Görlitz habe 2009 das Kaufhaus geschlossen. Also könne sich ein Einkaufszentrum in Zittau doch nicht tragen:

Wenn sich das nicht trägt, sind dann die Tschechen der Unterschied?

Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Aber wenn die Zittauer in den Jahren um 1700 auch nur solche Fragen gestellt hätten, dann hätten sie heute keine Innenstadt mit den Zeichen des erfolgreichen Handels und Handwerks.


Die Petition hat noch eine Pointe: Sie wird auf der Plattform Avaaz veröffentlicht. Diese Plattform bezeichnet sich als

Das größte und wirksamste Kampagnen-Netzwerk für Wandel

Halten wir fest: Man protestiert gegen den Wandel. Aber man tut es auf einer Plattform für den Wandel ;-)


Man protestiert in einem sehr sachlichen Ton und ist des Alarmismus ganz unverdächtig:

Helft bitte alle mit, dass die im Dreiländereck zu Polen und Tschechien gelegene wertvolle 775 Jahre alte Zittauer Innenstadt NICHT durch das Betonstahl-Geschwür eines geplanten riesigen Einkaufzentrums ruiniert wird! Beendet mit mir diesen Albtraum!

Wo kann ich bitte eine Petition einrichten, die wirklich für die Gestaltung des Wandels eintritt? Ich bin kein unkritischer Konsument. Aber ich ordne Handel und Wandel (hoffentlich) realistischer ein als der Petent. Ich sehe den Handel als Chance und nicht als drohende Katastrophe.

Auch die schönsten alten Häuser kann man nur erhalten, wenn neues Geld in die Stadt kommt. Natürlich muss die Entwicklung durch den Denkmalschutz überwacht werden, natürlich muss der Verkehr entsprechend geführt werden. Aber eine solche Petition ist wirklich nicht zielführend:

Helft alle mit, auch die Deutschen in den USA, in Großbritannien, in der Schweiz, in Chile und Brasilien, helft mit, diesen üblen Center-Albtraum zu beenden! Wir stellen bloß schandbare Pläne! Verhindern wir die absehbare Schändung der historischen Innenstadt von Zittau mit ihren 524 Denkmalen durch einen üblen, riesigen Centerbau!

Es stellt sich die Frage: Ist es realistisch, dass eine ganze Innenstadt in den Ruin getrieben wird, nur weil ein neues Einkaufszentrum gebaut werden soll? Oder deutet die Wortwahl auf puren Alarmismus hin?


Aus dem Archiv: Fahrten von Zittau nach Dresden (und weiter nach Zwickau) waren in diesem Blog im Januar schon einmal Gegenstand eines Umwelträtsels. Das war eine sehr interessante Diskussion mit überraschenden Ergebnissen …



»Sächsische Zeitung«: Wie sich die Berichte doch unterscheiden …

6. Mai 2013

Vor einer Woche hat die »Sächsische Zeitung« sachlich über die Beschlüsse der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Berlin berichtet. Der Bericht war an der Sache orientiert. Die Leser haben die wichtigsten Fakten erfahren, der Kommentar war vom Bericht getrennt – nach journalistischen Gesichtspunkten war die Berichterstattung in Ordnung.


Aber so viel journalistische Fairness wird nicht allen Parteien zuteil. Heute findet man in der »Sächsischen Zeitung« einen Artikel über den gestern zu Ende gegangenen FDP-Parteitag. Dieser Artikel ist eine Mischung aus tendenziösem Kommentar, billiger Kolportage und ganz wenigen Fakten. Er steht unter dem Titel

Liberale Wut-Bürger gegen Rot-Grün

Wenn man in der Zeitung einen solchen Titel liest, kann man den Rest des Artikels eigentlich schon in die Tonne treten. Man darf vermuten: Redaktion und Autoren wollen nicht berichten, sondern Stimmung machen. Eine Kostprobe (der erste Absatz des Artikels):

Minutenlang hält Rainer Brüderle sportlich beide Daumen hoch. Der Rest der FDP-Führungsriege springt auf, umringt den bald 68-Jährigen. Sie klopfen ihrem Spitzenmann, der gerade seine Evergreens zum Besten gegeben hat, auf die Schulter. Brüderle aber kann gar keine Hände schütteln, weil ja die Daumen oben bleiben müssen. Schließlich wird er mit dieser Plakat-Pose bundesweit an die Litfaßsäulen geschlagen. So soll wohl auch der Letzte die Botschaft des Nürnberger Parteitags verstehen: Es geht aufwärts mit der FDP.

Gemessen an den Anforderungen an den Politikteil einer Zeitung ist das so mieser Journalismus, dass man schon auf Seite 2 bereut, die »Sächsische Zeitung« doch wieder gekauft zu haben. Solche Absätze könnte man nahtlos in die BILD einfügen.


Im Vergleich mit der sachlichen Berichterstattung von der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Vor einer Woche hat die »Sächsische Zeitung« ein Stück respektablen Journalismus abgedruckt. Heute hat sie das leider nicht geschafft.

Dieses Stück Stimmungsmache kommt allerdings offenbar gar nicht von der »Sächsischen Zeitung«, sondern sie wurde von der Redaktion nur aus einer Agenturmeldung kopiert.

Als ich wissen wollte, wie andere Zeitungen über den Parteitag berichten, bin ich auf den zitierten Absatz auch im Kölner Stadtanzeiger gestoßen. Auch dort ist als Quelle die dpa angegeben. Erschrecken Sie nicht, wenn Sie den ganzen KSta-Artikel mit dem Artikel in der »Sächsischen Zeitung« vergleichen.

Der FDP-Parteitag fand in seriösen Zeitungen breite Beachtung. Die ZEIT hat am Wochenende sehr informativ getwittert und berichtet. Man konnte alle wichtigen Reden im Stream oder im Fernsehen verfolgen.

Und was fällt der »Sächsischen Zeitung« ein? Sie setzt keinen Journalisten vor den Fernseher oder vor den Monitor, um einen eigenständigen Bericht zu erstellen und – davon abgegrenzt – einen Kommentar zu schreiben. Sie übernimmt eine Agenturmeldung mit einer Mischung aus tendenziösem Kommentar, billiger Kolportage und ganz wenigen Fakten. Aber das hatten wir ja schon.


Am Ende dieses Artikels muss ich quasi als Nachtrag noch die BILD um Entschuldigung bitten: Die BILD-Berichterstattung ist in Teilen sogar informativer als die Berichterstattung in der »Sächsischen Zeitung«.



Sächsische Zeitung: Die Vernebelung des Wahlprogramms der Grünen

3. Mai 2013

Einige Tage nach den aufsehenerregenden Beschlüssen der Grünen stellt die »Sächsische Zeitung« in ihrer heutigen Ausgabe die Frage:

Wollen die Grünen der Mittelschicht ans Geld?

An diesem Artikel sind zwei Dinge problematisch.


Zum einen wird die gravierendste Forderung der Grünen verharmlost: Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung trifft alle Beschäftigten ab einem Einkommen von knapp 48.000 Euro im Jahr oder knapp 4.000 Euro im Monat.

Die »Sächsische Zeitung« stellt diesen Sachverhalt ganz anders dar. Sie schreibt wörtlich (Hervorhebung von mir):

Das kann wiederum bedeuten, dass Familien ab einem Einkommen von 50.000 oder 55.000 Euro höher belastet werden als heute.

Eine Quellenangabe oder nachprüfbare Angaben zu diesen Zahlen bietet die Zeitung nicht. Also muss der Blogger selbst recherchieren.

Die Beiträge zur Krankenkasse und Pflegekasse sind auf die einzelnen Brutto-Einkommen der Erwerbstätigen bezogen. Wenn in einer Familie die Mutter und der Vater jeweils ca. 30.000 Euro (brutto) verdienen, liegen beide unterhalb der bisherigen Bemessungsgrenze. Wenn eine Person über 48.000 Euro (brutto) liegt, werden ihre Beitragszahlungen erhöht.

Trifft das nun die Mittelschicht? Es muss festgehalten werden, dass diese Mehrbelastung vor allem Beschäftigte trifft, die mit Kopf und Händen produktiv Geld verdienen. In Ballungszentren wie München oder Stuttgart ist man mit einem Brutto-Verdienst von knapp 4.000 Euro im Monat keinesfalls reich. Jeder kann sich ausrechnen, was davon übrig bleibt.

Der Plan der Grünen trifft also keine »Reichen« oder »Ausbeuter«, sondern ganz klar die produktive Mitte der Gesellschaft.


Zum anderen widerspricht sich der Autor in dem Artikel selbst: Er schreibt, dass ein Alleinverdiener mit zwei Kindern 77.400 Euro verdienen könne, ehe er von der grünen Mehrbelastung betroffen sei. Das ist selbst im Rahmen seines eigenen Artikels falsch.

Dabei wird nämlich die Abschaffung des Ehegattensplittings vernachlässigt. Der Alleinverdiener hat ja nicht nur zwei Kinder, sondern die Kinder haben vermutlich auch eine Mutter.

Nehmen wir an, dass der Ehemann als Ingenieur in einem Konstruktionsbüro arbeitet, während die Ehefrau vier bis sechs Jahre lang die Kinder erziehen möchte. In dieser Zeit verdient sie nur sehr wenig – vielleicht hilft sie in einer Bibliothek oder in einem Café aus. Was ich hier beschreibe, trifft natürlich umgekehrt ebenfalls zu, wenn die Ehefrau als Ärztin arbeitet, während der Ehemann für einige Jahre bei den Kindern bleibt.

Das Paar wird in beiden Fällen mehrfach mehrbelastet: Die alleinverdienende Person zahlt deutlich höhere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Das Paar zahlt aufgrund der Abschaffung des Ehegattensplittings deutlich höhere Steuern. Und ich kann wiederum nicht erkennen, dass es hier »Reiche« oder »Ausbeuter« trifft.


Insofern frage ich mich: Was ist der Sinn dieses qualitätsjournalistischen Artikels in der »Sächsischen Zeitung«? Eigentlich sollte ein Artikel in einer seriösen Zeitung im besten Sinne aufklären. Das tut dieser Artikel nicht. Man darf wohl froh sein, dass er hinter der Bezahlschranke versteckt ist. Man fragt sich andererseits: Warum sollte man dafür bezahlen?


Eine notwendige Anmerkung: Ich habe nichts gegen gedruckte Zeitungen – im Gegenteil: Ich gebe nicht wenig Geld dafür aus. Ich habe auch nichts gegen die »Sächsische Zeitung«. Ich will aber beim Lesen einer Zeitung informiert werden. Gedruckte Zeitungen werden nur dann überleben, wenn sie kritisch und informativ berichten. PR und Propaganda gibt es genug.



Welche Leistung haben die erneuerbaren Energiequellen am Ostersonntag wirklich gebracht?

4. April 2013

Eine Lobby-Organisation für »erneuerbare Energien« hatte für den Ostersonntag ein Ereignis mit hoher Symbolkraft vorhergesagt. Im »Handelsblatt« konnte man lesen:

Erstmals könnte für einen Moment der gesamte Stromverbrauch Deutschlands mit Sonnen- und Windenergie gedeckt werden. Voraussetzung: Die energieintensiven Unternehmen haben ihre Produktion heruntergefahren. Außerdem muss über Deutschland ein blauer Himmel sein und möglichst viel Wind wehen.

Ausgerechnet hat das Rainer Baake, ehemaliger Staatssekretär im Bundesumweltministerium und nun Direktor der Plattform Agora Energiewende. „Bei sonnigem und windigem Wetter kann es an Pfingsten, möglicherweise aber auch schon an Ostern zum ersten Mal in Deutschland Stunden geben, an denen rechnerisch der komplette Strombedarf durch erneuerbare Energien gedeckt wird“, sagte er im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Dieser Moment wird eine gewisse Symbolkraft haben.

Machen wir den Test: Welchen Beitrag haben die erneuerbaren Energiequellen am Ostersonntag tatsächlich zur Energieversorgung Deutschlands geleistet? Die notwendigen Daten kann man bei der EEX abfragen.

Leistung aus erneuerbaren Energiequellen am Ostersonntag 2013.

Leistung aus Wind- und Sonnenenergie am Ostersonntag 2013.

In der Mittagszeit war die Leistung aus Wind und Sonne am höchsten und lag bei knapp 10 GW. Weitere knapp 40 GW wurden in konventionellen Kraftwerken (Erzeugungseinheiten ≥ 100 MW) erzeugt. Der Enegiebedarf liegt an einem ruhigen Sonntag bei etwa 50 GW. Windräder und Photovoltaik-Anlagen haben also am Ostersonntag (etwas vereinfacht) ein Fünftel der benötigten Energie beigesteuert.

In der Tat: ein Moment mit »gewisser Symbolkraft« …


Ein solcher Moment zeigt uns, dass eine nachhaltige Stromversorgung ohne Kohle und Atom in einem großen Industrieland wie Deutschland grundsätzlich möglich ist“, sagt Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag

Selbst wenn der Anteil der aus Wind und Sonne erzeugten Energie am Ostersonntag höher gewesen wäre: Diese Aussage ist reine Propaganda. Denn unser Land verdient seinen Wohlstand nicht an einem hohen christlichen Feiertag. Die installierte Kapazität spielt keine Rolle, solange der Strom nicht reicht und solange nicht aller Strom zu den Verbrauchern gelangt.


Links:
Ein sarkastisches Märchen in »Zettels Raum«
Mein sarkastischer Kommentar in »Zettels Raum«
Ein sehr interessanter Podcast zum Thema Energie
Ein Artikel mit sehr viel Wissenswertem zur Photovoltaik



Garantieziehung (2)

28. März 2013

Anfang Januar hatte ich in einem Artikel über die Verluste des Freistaats Sachsen aus Geschäften der ehemaligen Sachsen LB geschrieben:

Die Pressemitteilungen des Freistaats sind deutlich ausführlicher, wenn ein Sächsischer Minister irgendwo in einem kleinen Dorf den neuen Kuhstall einweiht. Und merkwürdigerweise sind diese Pressemitteilungen auch nicht durchgängig im Passiv verfasst …

Dieses Thema greift die »Sächsische Zeitung« heute auf. Die Kommentatorin Annette Binninger schreibt in einem Kommentar zu den neuerlichen »Garantiezahlungen«:

Acht dürre Zeilen über einen Fast-Milliardenverlust – mehr gab es dazu angeblich nicht zu sagen in Sachsens Regierungsapparat. Mehr Informationsbedarf sah man stattdessen zur Landesgartenschau in Löbau oder der Mitführpflicht von Warnwesten im Straßenverkehr.

So unterschiedlich sind Blogger und Journalisten manchmal gar nicht …


Leider kann die »Sächsische Zeitung« der Versuchung nicht widerstehen, ihren Bericht auf Seite 1 mit diversen Null-Aussagen »anzureichern«. Beispiel:

Mit den nächsten Nachzahlungen wird im Juni gerechnet. Deren genaue Höhe ist noch unbekannt.

Dabei ist das ganz einfach: Seit 2009 erfolgen die Zahlungen immer am Quartalsende und die genaue Höhe ist vorher nie bekannt.


Zur traurigen Realität (ein Klick auf die Bilder vergrößert die Darstellung):

Kumulierte Darstellung der Zahlungen des Freistaats Sachsen.

Kumulierte Darstellung der Zahlungen des Freistaats Sachsen.

Entwicklung der einzelnen Zahlungen des Freistaats Sachsen.

Entwicklung der einzelnen Zahlungen des Freistaats Sachsen.


Link:
Pressemitteilung des Freistaats zur Zahlung im Quartal 1 / 2013



Aus Sicht der Autodiebe

27. März 2013

Der »Flurfunk« berichtet, dass die beiden Dresdner Zeitungen »Dresdner Neueste Nachrichten« und »Sächsische Zeitung« heute einen (fast) gleichen Titel zur teilweisen Wiedereröffnung der Gemäldegalerie haben.

Mit ist etwas anderes aufgefallen. Beide Zeitungen haben als Aufmacher auch die Meldung, dass die Anzahl der Autodiebstähle in Dresden nach wie vor besorgniserregend hoch ist. Aber merkwürdigerweise fällt der »Sächsischen Zeitung« keine bessere Unterzeile ein als:

Die Landeshauptstadt bleibt bei Autodieben beliebt.

Die Bürger der Stadt Dresden sehen den Autodiebstahl ganz sicher nicht aus der Perspektive der Autodiebe. Die Geschädigten dürfte es kaum interessieren, ob Dresden bei Autodieben »beliebt« oder »unbeliebt« ist. Tatsache ist, dass sie hier ihr Unwesen treiben.

Eine wenig hilfreiche Aussage findet man auch in den »Dresdner Neuesten Nachrichten«:

Dresden ist die Hochburg der Autodiebe.

Das stimmt natürlich auch nicht. In Dresden wohnen nicht mehr oder weniger Autodiebe als in anderen Großstädten. Die vergleichsweise hohe Zahl der Autodiebstähle hängt mit der Grenznähe und mit den Beutezügen ausländischer Autodiebe zusammen [Ergänzung].



Verstimmt

19. März 2013

Es gehört ja zu den Mythen der Linguistik, dass die Eskimos Dutzende Wörter für Schnee kennen. Es ist leider kein Mythos, dass mir inzwischen Dutzende Flüche für Schnee einfallen.

Ich bin in meiner Laune und Stimmung eigentlich überhaupt nicht wetterabhängig, aber dieser elende Nassschnee heute Morgen nach dem Nieselregen gestern Abend hat sogar mich zum Fluchen gebracht.



DNN: Meister der Statistik

6. März 2013

Die DNN gibt heute als ostdeutsche Regionalzeitung eine Meldung wieder, bei der sich mein Haar schon sträubt, bevor ich mit dem Lesen fertig bin.

Es geht um die Anzahl der Frauen (und Männer), die bezogen auf 10.000 Einwohnerinnen (Einwohner) den Führerschein machen. Die DNN schreibt über eine Studie des ACE:

Die geringste Bereitschaft zur Teilnahme am motorisierten Individualverkehr ist in den östlichen Bundesländern zu verspüren. In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern machten demnach im Jahr 2011 nur 59 von 10000 Einwohnerinnen ihren Pkw-Führerschein. Knapp davor liegt Sachsen-Anhalt (60). Die geringste Quote weist Sachsen (57) auf. Allerdings landen auch bei den Männern die aus dem Freistaat auf dem letzten Platz.

Und natürlich muss die Ursache dafür in den wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen liegen. »Wer sich noch kein Auto leisten kann, der zögert auch beim Erwerb einer Fahrerlaubnis.« meint ein Experte des ACE.

Das ist offenbar nicht zu Ende gedacht.


Warum legen zur Zeit weniger Ostdeutsche ihre Führerscheinprüfung ab? Weil es einfach weniger junge Erwachsene in dem Alter gibt, in dem man normalerweise den Führerschein erwirbt. Und warum gibt es in ganz Ostdeutschland weniger junge Erwachsene?

In den Jahren 1991 bis 1995 brach die Geburtenrate um bis zu 40 Prozent ein. Folglich kommen jetzt sehr geburtenschwache Jahrgänge in das Erwachsenenalter. Und genau deshalb melden sich (bezogen auf 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner) weniger junge Frauen und Männer zur Prüfung an.

Ein Auto-Experte muss das nicht unbedingt wissen. Aber eine ostdeutsche Regionalzeitung darf diese Ursache nicht unter den Tisch fallen lassen.


Link: Studie des ACE



Politischer Streik in Dresden

24. Februar 2013

Eine kleine Geschichte über Umwelt und Verkehr

In der schönen Stadt Dresden hatten die Stadtwerke im Jahr 2016 immer mehr private Haushalte, Schulen und Unternehmen an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das war gut für die Umwelt:

Die Versorgung mit Fernwärme ist um so effizienter, je mehr Verbraucher in einem zusammenhängenden Stadtgebiet angeschlossen sind. Man kann die Energie des Erdgases nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung in Wärmeenergie und Elektroenergie umwandeln. Somit wird der Energieträger bestmöglich ausgenutzt.


Die Gewerkschaft »wär.mi« hat eine Idee

An einem kalten und schneereichen Freitag im Februar 2016 beschloss die Gewerkschaft wär.mi: Wir bestreiken am kommenden Montag die Stadtwerke und trennen alle Verbraucher für 24 Stunden vom Fernwärmenetz.

Der Verband der kommunalen Wärmeversorger wies noch am selben Tag darauf hin, dass der Streik mitten im kalten Winter vor allem die Schulen, die Universität, die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und die umweltbewussten Verbraucher treffen würde.

Aber die Bonzen Führungskräfte der Gesellschaft wär.mi waren der festen Überzeugung, dass sie das alles nichts anginge: Schließlich hätten sie das Recht zum Warnstreik und im Übrigen könnten sich die Leute doch einen eigenen Heizlüfter mitbringen.

Die Mitarbeiter der Stadtwerke verabschiedeten sich am Freitagnachmittag ins Wochenende und die Bürger konnten am Wochenende nur noch spekulieren, wie es am Montag ab drei Uhr morgens weitergehen würde. Auf der Website der Stadtwerke gab es bis zum Sonntagmittag keine weiteren Informationen – warum auch?


Die Gewerkschaft »ver.di« hat auch eine Idee

Die Geschichte über das Unterbrechen der Fernwärmeversorgung ist natürlich frei erfunden. Die Fernwärmeversorgung kann nicht einfach für 24 Stunden unterbrochen werden. Auch die Trinkwasserversorgung muss immer gewährleistet sein. Wo kämen wir sonst hin?

Keinesfalls erfunden ist allerdings diese Meldung: Die Dresdner Verkehrsbetriebe sollen morgen ab drei Uhr morgens für 24 Stunden bestreikt werden. Die Gewerkschaft ver.di hat am Freitag die Ankündigung eines Warnstreiks in die Welt gesetzt. Seitdem erfährt man nichts Neues mehr.

Um es klarzustellen: Natürlich haben Arbeitnehmer das Recht, sich zur Vertretung ihrer Interessen zusammenzuschließen und natürlich gibt es auch das Recht auf einen Warnstreik. Die Maßnahme der Gewerkschaft ver.di lässt aber jegliche Verhältnismäßigkeit vermissen.

Sie trifft – ähnlich wie in meiner kleinen Geschichte – vor allem die Schüler und Studenten, die jeden Tag kreuz und quer durch die Stadt fahren. Sie trifft die Mitarbeiter mit Jobtickets. Sie trifft darüber hinaus diejenigen Bürger, die sich umweltbewusst verhalten und deshalb jedes Jahr eine Jahreskarte kaufen.

Die Taxizentrale kann übrigens auch keine Auskunft darüber geben, ob ein bestelltes Taxi morgen früh wirklich bereitsteht. Schließlich ist Winter. Und es kann ja keiner ahnen, dass die Gewerkschaft mitten im Winter auf solche abstrusen Ideen kommt.


Wo bleibt die Verhältnismäßigkeit?

Diese Streikmaßnahme trifft nicht die bösen Kapitalisten oder den Staat. Sie trifft die gesamte Bevölkerung: Wir subventionieren als Steuerzahler den öffentlichen Nahverkehr mit vielen Millionen Euro Steuergeld. Weitere Millionen-Subventionen bekommt der öffentliche Nahverkehr aus den Gewinnen der Stadtwerke. Nicht zuletzt steigen die Preise der Jahreskarten und Einzeltickets jedes Jahr um bis zu fünf Prozent.

Die Gewerkschaft ver.di streikt also gegen die eigene Bevölkerung. Der Streik geht zu Lasten der Umwelt, zu Lasten der ÖPNV-Nutzer und zu Lasten der Unternehmen. Wenn man die Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahme beurteilen will, muss man genauer hinschauen. Wofür wird eigentlich gestreikt?

Die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes sind in einer ostdeutschen Landeshauptstadt wie Dresden relativ gut situiert. Sie bekommen ordentliche Löhne und Gehälter. Sie ordnen sich etwa in der Mitte der Einkommensskala ein. Und sie haben sehr sichere Arbeitsplätze.

Bei dem angekündigten »Warnstreik« von stolzen 24 Stunden geht es nicht um Lohnerhöhungen. Es geht auch nicht um den Ausgleich von krassen Benachteiligungen der Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe. Es geht um eine politische Machtdemonstration der Gewerkschaft.

Ein Warnstreik im ÖPNV von zwei bis vier Stunden ist durchaus verhältnismäßig. Er dokumentiert die Streikbereitschaft der Gewerkschaftsmitglieder und er kann der Bevölkerung die Forderungen plausibel machen. Eine Blockade des ÖPNV über 24 Stunden ist dagegen in keiner Weise verhältnismäßig.


Kann man daraus Schlussfolgerungen ableiten?

Es sollten also Gesetze zur Verhältnismäßigkeit von Streikmaßnahmen im Öffentlichen Dienst eingeführt werden. Sonst wird eines Tages wirklich für 24 Stunden die Fernwärme abgedreht, weil eine Gewerkschaft ihre Macht gegenüber den Bürgern demonstrieren will.

Ich befürchte nur, dass unsere parlamentarische Demokratie dafür schon zu schwach ist. Wir scheitern ja auch an anderen Aufgaben: Am vernünftigen Umgang mit der Einwanderung. An den Staatsschulden. Am Länderfinanzausgleich. An Sicherung des Wertes unserer Währung. Oder auch an der Begrenzung der milliardenschweren Zwangsabgaben für die ineffiziente Photovoltaik.

Eigentlich ist es also fast schon egal, ob morgen in Dresden Busse und Bahnen verkehren oder ob im Februar 2016 die Wohnungen noch beheizt werden. Willkommen in der Zeit der spätdeutschen Dekadenz …



Wie viele Fernseher stehen in Ihrem Bürgerbüro?

27. Januar 2013

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat jetzt öffentlich gemacht, wie stark die neue Rundfunkgebühr die kommunalen Haushalte belastet. Man fragt sich unwillkürlich: Warum melden sie sich erst jetzt? Es war doch seit Monaten klar, welche Bemessungsgrundlagen ab dem 1. Januar 2013 gelten würden.

Die nun bei den Städten und Gemeinden eingehenden Beitragsbescheide bestätigen die Befürchtung einer überproportionalen Belastung der kommunalen Haushalte.

Anders als in Privathaushalten, wo pro Wohnung ein Beitrag fällig wird, müssen die Kommunen jetzt ihre Beiträge entsprechend der Anzahl ihrer Dienststellen und Betriebsstätten unter Berücksichtigung der dort Beschäftigten und nach der Anzahl ihrer Kraftfahrzeuge bezahlen.

Das ist deutlich teurer als bislang und nicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger. Je dezentraler und bürgernäher eine Stadtverwaltung organisiert ist, desto drastischer ist mit dem neuen Rundfunkbeitrag der Kostenanstieg – teilweise beträgt er das 13fache der bisherigen Kosten. Dieses Geld fehlt den Kommunen bei anderen, dringlichen Aufgaben.

Damit werden z. B. Kommunen belastet, die den Bürgern Leistungen in Bürgerbüros anbieten. Je mehr Bürgerbüros in den einzelnen Stadtteilen eingerichtet werden, desto höher ist die Gebührenbelastung. Das sind Kosten, die wir als Steuerzahler zu tragen haben. Die Städte müssen sich das Geld ja von den Bürgern holen – durch die Erhöhung kommunaler Gebühren oder durch die Erhöhung von Hebesätzen. Es geht dabei aber nicht nur um das Geld:

Die beiden kommunalen Spitzenverbände stimmen zwar der geräteunabhängigen Beitrags­bemessung grundsätzlich zu. Nach ihrer Einschätzung profitieren aber allenfalls die Rundfunkanstalten von dem erhofften Bürokratieabbau, während die Umstellung bei den Kommunen einen enormen Beratungs- und Organisationsbedarf auslöst und personelle Kapazitäten bindet.


Das Handelsblatt zitiert die Meldung ebenfalls und schreibt im zweiten Teil des Artikels:

Dem Deutschen Städtetag gehören 3.200 Städte mit rund 51 Millionen Einwohnern an. Erst kürzlich hatte es gerade aus der Wirtschaft Proteste gegen die neue Form der Gebühren gegeben.

Darauf ging der Bund der Steuerzahler ein: „Wir fordern konkret, dass in einem ersten Schritt die neue Haushaltsabgabe zumindest für die Unternehmen abgeschafft wird“, sagte der Präsident Reiner Holznagel, im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Außerdem sollen sich per “Opt-out”-Klausel auch alle Privathaushalte, die nachweislich kein Empfangsgerät besitzen, von der neuen Abgabe befreien können.“


Ich bin grundsätzlich für eine moderate private Rundfunkgebühr und für [verbesserte] öffentlich-rechtliche Sender. Ich finde die letzte Forderung des Steuerzahlerbundes nicht richtig. Aber ich hätte mir nie träumen lassen, dass durch die Umstellung ausgerechnet die Kommunen mit bürgernaher Verwaltung um ein Vielfaches höher belastet werden.


Ergänzung 1: Jetzt gibt es Zahlen. Die Stadt Duisburg soll ab 2013 stolze 100.000 Euro pro Jahr zahlen. Duisburg und Dresden haben eine ähnlich hohe Einwohnerzahl. Das wesentlich kleinere Bielefeld ist allerdings mit 93.000 Euro veranlagt.


Ergänzung 2: Auch das Handelsblatt und Der Westen berichten über die Probleme der Kommunen mit den drastisch erhöhten Gebühren. So sei die Gebühr in Bergisch-Gladbach von 2.000 auf 20.000 Euro verzehnfacht worden. Die Stadt Köln macht offenbar wirklich ernst mit ihrem vorläufigen Boykott.


Ergänzung 3: Der Flurfunk beschreibt die tolle Öffentlichkeitsarbeit des MDR in Sachen Rundfunkgebühren. An dieser Aktion des MDR stimmt gar nichts.



Was letztlich bei den Lesern ankommt

25. Januar 2013

Viele Bürger scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, das Ergebnis einer demokratischen Wahl einzuordnen und damit umzugehen. Werden die meinungsbildenden Medien ihrer Verantwortung noch gerecht?


Vor knapp einer Woche fand die erste Wahl des Jahres 2013 statt. Nach vielen Stunden stand das Ergebnis fest: Die bisherige Regierungskoalition wird abgelöst. Zwei Parteien aus der parlamentarischen Opposition bilden eine neue Regierung.

Man kann das eine oder das andere Lager besser finden – auf jeden Fall gehören Regierungswechsel und knappe Mehrheiten zur Demokratie. Jede Regierungskoalition kann abgewählt werden, und das ist auch gut so.


Inzwischen gibt es zu dieser Wahl viele Meinungsäußerungen im Netz und auch die ersten Leserbriefe in den Zeitungen. Das folgende Zitat aus einem Leserbrief an die »Sächsische Zeitung« zeigt eine gefährliche Tendenz: Viele Leute verstehen die Funktionsweise der Demokratie nicht mehr. Unter der Überschrift

Die Stimmenabgabe von CDU an FDP ist Betrug am Wähler

legt jemand im Brustton der Überzeugung dar:

Da die FDP sicher an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert wäre, hat die CDU Stimmen an die FDP abgegeben. (…) Diese Vorgehensweise ist Betrug am Wähler: Wäre die Rechnung aufgegangen, hätte Niedersachsen eine Regierungskoalition erhalten, die die Wähler eigentlich nicht wollten.

Man darf davon ausgehen, dass sich die Autoren oder Autorinnen solcher Leserbriefe in der Presse und im Fernsehen über das Wahlergebnis informiert haben.

War die Berichterstattung so schlecht, dass sie zu diesen absurden Schlussfolgerungen gekommen sind? Oder fehlt es am Grundwissen über die Demokratie? Am Ende des oben zitierten Leserbriefs steht ein handfester Vorwurf:

Diese Form der Wahlmanipulation ist in der BRD legal. Wie vereinbart sich das mit Demokratie?

Ich frage mich: Woher haben die Leute solche Meinungen?


Man kann einen Teil der Berichterstattung über das Wahlergebnis in Niedersachsen als Kampagne gegen das Lager aus CDU/CSU und FDP betrachten. Zettel hat das in einem Artikel am Beginn dieser Woche getan:

Dazu trägt wesentlich eine linke Mediendominanz bei, die es fertiggebracht hat, daß der ehrwürdige Begriff »liberal« im heutigen Deutschland eine nachgerade herabsetzende Bedeutung gewonnen hat; anfangs in Gestalt von »neoliberal«. Eine der großen politischen Strömungen soll marginalisiert, sie soll mit dem Image des Abwegig-Abseitigen versehen werden. Das gelingt zunehmend.

Über die unterstellte »linke Mediendominanz« kann man geteilter Meinung sein. Ich sehe es nicht ganz so dramatisch: Wir haben in Deutschland immer noch ein ziemlich breites Spektrum an Meinungen in den Medien. Und die FDP ist auch nicht ganz unschuldig an der Wahrnehmung des Liberalismus in der Öffentlichkeit.

Aber dass solche Leserbriefe geschrieben und abgedruckt werden, finde ich beunruhigend. Demokratische bürgerliche Parteien werden der Wahlmanipulation beschuldigt – und die Zeitung druckt es kommentarlos ab.


Am Wahlabend musste man sich das Gerede über »Leihstimmen« in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern anhören. Einen Tag später konnte man es in der Presse lesen. An den Leserbriefen erkennt man schließlich, wie es bei den Fernsehzuschauern und Lesern angekommen ist.

Es gibt eine gefährliche Tendenz zur oberflächlichen Berichterstattung: Zahlen, Daten und Fakten treten in den Hintergrund, wenn nur noch die schnell herausgebrachte Meldung oder die reißerische Schlagzeile zählt. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Redaktionen ihre eigene Arbeit reflektieren – offensichtliche Fehler werden jedenfalls nur in den seltensten Fällen korrigiert.

Schlechter Journalismus ist eine Gefahr für die Demokratie – unabhängig von der politischen Ausrichtung des Mediums. Schlechter Journalismus führt letztlich (neben anderen Einflüssen) zu solchen absurden Äußerungen in den Leserbriefen.

Bleibt die Frage: Warum wird solcher Unsinn abgedruckt?



Feinstaub in der »Sächsischen Zeitung«

11. Januar 2013

In ihrer gestrigen Ausgabe hat die »Sächsische Zeitung« über die Entwicklung der Feinstaubbelastung in Dresden berichtet. Ich kann nicht anders: Ich muss darüber bloggen – In einer Art, die für beide Seiten ein Gewinn sein kann! ;-)

Der Artikel ist mit einer Grafik illustriert: Man sieht ein Auto und dessen Auspuffwolken. Jede Auspuffwolke repräsentiert die Anzahl der Tage, an denen der Grenzwert für Feinstaub überschritten wurde. Diese Grafik ist in doppelter Hinsicht problematisch.


Der Maßstab der Wolken stimmt überhaupt nicht. Das Bild einer Wolke wird vom Menschen über deren Fläche wahrgenommen. Die Wolken in der Grafik sind aber nach der Höhe (linear) skaliert. Das sieht in der Grafik der »Sächsischen Zeitung« etwa so aus:

Falsche Skalierung

Die falsche Skalierung (Prinzipskizze).

Man kann recht gut erkennen, dass die linke Wolke dreimal so hoch und so breit wie die rechte Wolke ist. Dadurch wird die Fläche der linken Wolke aber neunmal so groß wie die Fläche der rechten Wolke. Somit entsteht ein völlig falscher Eindruck von den Zahlen. Die 22 Tage entsprechen einem Drittel der 67 Tage – und nicht einem Neuntel!


In Wahrheit müssten die beiden Wolken bei richtiger Skalierung so aussehen:

Richtige Skalierung

Die richtige Skalierung (Prinzipskizze).

Jetzt hat die linke Wolke die dreifache Fläche der rechten Wolke. Und so ist es richtig. Um noch mal zu demonstrieren, wie falsch die erste Darstellung tatsächlich ist:

Flächen im Vergleich.

Die Flächen im Vergleich (Prinzipskizze).

Die Flächen der beiden Quadrate und die Flächen der Wolken sind gleich! Mehr muss man dazu nicht sagen(?).


Als kleine Hilfestellung: Wenn man im Grafikprogramm einen Skalierungsfaktor für flächenhafte Darstellungen benötigt, legt man sich einfach eine kleine Tabelle in der Tabellenkalkulation an:

Zahlen und Skalierungsfaktoren

Zahlen und Skalierungsfaktoren

Dabei ist die Verhältniszahl in der Spalte C auf MIN($B3:$B6) bezogen. Der Rest sollte sich selbst erklären, Anfragen werden gern per E-Mail oder in den Kommentaren beantwortet.


Literatur zur Darstellung der Zahlen: Der Klassiker »So lügt man mit Statistik« von Prof. Walter Krämer kostet als Taschenbuch etwa zehn Euro. Sie sind für alle Journalisten und Blogger, die mit Daten umgehen, sehr gut angelegt ;-)


Es gibt aber noch einen Grund, warum die Grafik problematisch ist: Feinstaub entsteht bei weitem nicht nur durch Autos. Feinstaub entsteht zunächst einmal auf ganz natürliche Weise. Das Wetter eines Jahres hat dabei einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Messwerte. Feinstaub entsteht auch durch die Industrie und das Bauwesen.

Weiterer Feinstaub wird durch die Eisenbahn und durch andere Verkehrsmittel verursacht. Ein Personenkilometer im dieselbetriebenen Regionalzug verursacht z. B. mehr Feinstaub als ein Personenkilometer im PKW (Mittelklasse, Diesel). Auf elektrifizierten Strecken ist es umgekehrt [Quelle: Umwelt-Check der Deutschen Bahn].

Um es also zusammenzufassen: Die Grafik mit dem Auto und den Auspuffwolken ist nicht geeignet, um die Statistik zu visualisieren. Erstens stimmt die Skalierung nicht. Zweitens ist der PKW-Verkehr bei weitem nicht der einzige Verursacher des Feinstaubs. Andere Faktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf die Messwerte.



Garantieziehung

4. Januar 2013

Politiker und Bürokraten haben ihre eigene Sprache, mit der sie uns Bürger immer wieder überraschen. Bis heute kannte ich das Wort »Garantieziehung« nicht.

Bei unbefangener Betrachtung hätte ich vielleicht an die spanische Weihnachtslotterie mit dem Hauptgewinn »Der Dicke« gedacht. Dort gibt es eine garantierte Gewinnziehung.

Über diese Lotterie hatte ich vor der Jahreswende im »Vermischten« der Zeitungen gelesen: Jedes Jahr gewinnt garantiert ein Los mit einer bestimmte Zahl. Darüber freuen sich alle Teilnehmer, die einen Bruchteil dieses Loses erworben haben. Oft trifft es die Einwohner eines kleinen Dorfes.


Also geht es heute um eine »Garantieziehung« für die Bewohner Sachsens? – Leider nicht.

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Typgerechte Werbung

2. Januar 2013

Die wichtigsten Themen stehen in einer Tageszeitung »über dem Knick«. Raten Sie mal, was heute das Thema der zentralen Überschrift der »Sächsischen Zeitung« direkt über dem Knick ist.

Zur Auswahl stehen solche wichtigen Themen wie das Haushaltsdefizit in den USA, in Deutschland oder in der Landeshauptstadt Dresden. Man könnte auch über die Aussichten der Wirtschaft im Jahr 2013 schreiben. Oder …? 

Ich wäre jedenfalls nie auf das Naheliegende gekommen: Die Überschrift in der Mitte der ersten Seite lautet …

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Ein glückliches neues Jahr!

1. Januar 2013

Glück, Gesundheit und Erfolg im Jahr 2013 ;-)


Ein interessanter Wunsch der »Sächsischen Zeitung«

31. Dezember 2012

Die Kulturredaktion der »Sächsischen Zeitung« hat einen großen Artikel mit guten Wünschen für das Jahr 2013 veröffentlicht. Und wie das so mit guten Wünschen ist: Wer sie lesen will, der soll erst mal bezahlen:

Wünsch dir was
Jetzt schlägt’s zweitausenddreizehn: SZ-Kulturredakteure verraten, was sie sich für das neue Jahr erhoffen, nämlich …

Damit Sie den Artikel vollständig lesen können, benötigen Sie einen Zugang zu unserem Premiumdienst sz-exklusiv.

In der gedruckten »Sächsische Zeitung« bin ich am Morgen in den Genuss aller Wünsche gekommen. Zwei Wünsche haben mich ganz besonders zum Nachdenken angeregt und ich habe in meinem kostenlosen Premiumblog etwas darüber geschrieben. Bitte hier entlang ;-)

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Schwanentanz

30. Dezember 2012

Schwäne auf der Elbe (30.12.2012).


Winterlicht / Elbwiesen

30. Dezember 2012

Winterlicht / Elbwiesen (30.12.2012).


Winter im Botanischen Garten (5)

29. Dezember 2012

Bilder vom 29.12.2012.


Anzahl und Quote der Gefangenen in Sachsen

21. Dezember 2012

Sachsen hat zur Zeit etwa 4.128.000 Einwohner. Ein kleines statistisches Rätsel: Wie viele Menschen werden das Weihnachtsfest 2012 in Sachsen im Gefängnis verbringen? Sind es (jeweils rund):

(a) 30.000
(b) 15.000
(c) 7.500
(d) 3.500

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Nette Anfragen

19. Dezember 2012

WordPress liefert eine Liste der Suchbegriffe, mit denen das eigene Blog gefunden wurde. Mit den Suchbegriffen sind manchmal ganze Geschichten verbunden, so wie in diesem Fall:

im botanischen garten gibt es einen kaktus, der eine nahe familienangehörige bezeichnet. welchen kaktus suchen wir?

Schön, wenn man helfen kann. Man findet ihn in diesem Blog mit dieser Suche ;-)



Das neue Online-Angebot der Sächsischen Zeitung: Ein Artikel und seine Quelle

18. Dezember 2012

Unter den »Schlagzeilen des Tages« ist im neuen Online-Angebot der Sächsischen Zeitung momentan folgende Überschrift zu finden: Interne Extremismus-Plattform für Kommunen. In wenigen Zeilen wird berichtet, dass sich die sächsischen Kommunen mit einem internen Wiki in Zukunft besser vernetzen können. Als Quelle der Meldung wird dpa genannt.


Wäre es wirklich so schwer, einen Link auf die eigentliche Quelle der Meldung zu setzen? Es gibt zu diesem Thema nämlich eine Pressemitteilung der sächsischen Staatsregierung, die wesentlich ausführlicher und informativer ist. Kleiner Geheimtipp an die »Sächsische Zeitung«: In einem Online-Medium kann man solche Quellen verlinken, so wie es Blogger schon seit Jahren tun …


Das Thema ist nämlich viel interessanter, als es die dpa-Meldung erscheinen lässt. Einerseits will die Staatsregierung Wissen vermitteln und den Austausch über die Erfolgsmethoden zur Stärkung der Demokratie anstoßen.

Die Plattform soll extremismusbezogenes Hintergrundwissen vermitteln. In diesem Zusammenhang werden regelmäßig aktualisierte Informationen zum Extremismus im Freistaat Sachsen, aber auch zu seinen kommunalen Bezügen (z. B. regionale Lagebilder) sowie entsprechende Arbeitsmaterialien Strategien und Handlungsvorschläge bereitgehalten.

Andererseits soll es eine weitgehend geschlossene Veranstaltung werden:

Außerdem wird auch der Austausch und die Diskussion unter den Nutzern eine wichtige Rolle spielen. Das „KommunalWiki“ lebt davon, dass sich viele dort aktiv einbringen und ihr Wissen mit anderen teilen. Auch können gezielte Fragen an eine Kommune gestellt werden, die zuvor ein erfolgreiches Projekt vorgestellt hat.

Insofern – und auch um Missbräuche zu vermeiden – ist das Kommunal-Wiki ungeeignet für einen Zugang der breiten Öffentlichkeit über das Internet. Es handelt sich um eine reine Intranet-Plattform.

Das ist sehr schade und damit wird eine Chance vergeben: Prinzipiell kann man auf jeder Plattform öffentliche und interne Informationen miteinander verbinden. Es stellt sich hier die Frage: Wer hat Zugang? Wem wird der Zugang verweigert?



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