Sehr selten sieht man in der Presse ein Foto, das einen Politiker wirklich treffend charakterisiert. Angela Merkel in der Fischerhütte — das war so ein Bild. Und heute habe ich wieder diesen Aha-Effekt gespürt: Verteidigungsminister Guttenberg im Militärtransporter auf dem Weg nach Afghanistan. Treffer. Charakterisiert. — Aktualisierung: Und hier ist das ganze Bild. — Noch eine Aktualisierung: Die F.A.Z. über Hofberichterstattung.
Prozess um den Mord im Gericht
9. November 2009In Dresden steht ein Mörder vor Gericht. Er hat im Sommer im selben Gerichtsgebäude die Ägypterin Marwa Ali El-Sherbini ermordet und ihren Mann Elwi Ali Okaz lebensgefährlich verletzt. Zeitungen aus aller Welt berichten über diesen Prozess. Was mir persönlich nicht gefällt, ist eine Wendung, die ich in vielen Überschriften lese: »Marwa-Prozess«.
Mir ist diese Wendung in den Dresdner Neuesten Nachrichten aufgefallen und eben auch in SPON:
Ich denke, es gibt keinen Grund, Marwa El-Sherbini in den Schlagzeilen mit ihrem Vornamen zu nennen und ich fürchte, dass wir diese Schlagzeile in anderer Konstellation nicht lesen würden. Ein Prozess um den Mord an einer erwachsenen Frau mit dem Namen Erika Mustermann würde in unseren Medien mit Sicherheit nicht als Erika-Prozess bezeichnet.
Eigentlich ist es der Prozess, in dem über den Mord im Gericht geurteilt wird, in dem der Täter sein gerechtes Urteil erhalten soll. Und so sollte man auch die Überschriften formulieren.
Medienkompetenz in der Praxis
3. November 2009Seit dem Beginn der Diskussion um die Salbe Regividerm gibt es auf diesem Blog eine heftige Diskussion zwischen Befürwortern und Kritikern der ARD-Sendungen zu diesem Thema.
Jetzt hat die Kommentatorin Jane hier folgende Behauptung gepostet: Der Verfasser eines Artikels auf Science-Blogs sei persönlich befangen und nicht neutral:
Zu den von dir hier verlinkten Quellen (z.B. der SienceBlog von Tobias Maier): Zumindest Tobias Maier ist u.a. im Pharma-Vertrieb für Apotheken und Praxen mit einer eigenen Firma im Geschäft – so viel vielleicht zu seinen potenziellen Motiven, die Produkte seiner Brötchengeber zu schützen. Für mich zumindest alles andere als eine neutrale, unbefangene Quelle.
Ich habe dem Blogger natürlich sofort eine E-Mail geschrieben und ihn gefragt, was er dazu sagt:
Ist da etwas dran? Ich finde es völlig unlogisch [...] aber ich wollte einfach mal unbefangen nachfragen.
Während ich auf die Antwort wartete, habe ich nach dem Namen des Bloggers gesucht. Es gibt tatsächlich eine Firma für den Vertrieb von pharmazeutischen Produkten und Pharma-Werbeartikeln — und der Geschäftsführer trägt den Namen dieses Science-Bloggers. Doch der Name ist nun nicht gerade selten und es gibt auch noch mehrere Personen aus ganz anderen Branchen mit dem gleichen Namen.
Die Spannung stieg. Da kam auch schon die Antwort und mit seiner Zustimmung zitiere ich:
Da ist selbstverständlich nichts dran. Ich bin Post-doc an einem Institut in Barcelona und werde aus EU-Mitteln finanziert. Ich habe keinerlei Firmenkontakte, weder zum Pharmavertrieb noch zu Apotheken und Arztpraxen. Meine Forschung hat nichts mit Medizinprodukten zu tun, geschweige denn mit Cremes gegen Hautkrankheiten. [edited: siehe auch: diesen Kommentar]
Die beiden Namen »Tobias« und »Maier« sind nun in der Tat relativ häufig und so ist es statistisch sehr wahrscheinlich, dass es auch die Kombination nicht nur einmal gibt. Wer Personensuchmaschinen mag, der sollte einfach mal diesen Namen eingeben.
Was kann man daraus lernen?
(1) Man sollte sich nie davon leiten lassen, was man glauben will. Man sollte sich davon leiten lassen, was man nachgeprüft hat oder was man aus vertrauenswürdiger Quelle weiß.
(2) Wenn man die Vermutung hat, dass jemand von mehreren Interessen geleitet sein könnte, sollte man ihn fragen. Schlimmstenfalls bekommt man keine Antwort oder eine ausweichende Antwort.
(3) Wenn man keine befriedigende Antwort bekommt, sollte man recherchieren. Kann denn ein Pharma-Handel wirklich ein Interesse an der Unterdrückung des Medikamentes haben? Hat das Unternehmen Verbindungen zum aktuellen Fall?
(4) Wenn man beim Recherchieren etwas findet, sollte man um so genauer prüfen, ob es nicht doch eine Namensverwechslung ist.
Was man aber auf keinen Fall tun sollte: einfach aufgrund einer Namensgleichheit eine ungeprüfte Behauptung in die Welt setzen, nur weil sie ins eigene Weltbild passt.
Ergänzung: Ich meine, man muss hier ein ganzes Stück über den aktuellen Fall hinaus denken. Wir alle müssen Informationen filtern und uns ein gesundes Misstrauen wachhalten.
Aber das Misstrauen muss auf rationalem Denken beruhen.
Wenn uns die schwarz-gelbe Regierung erzählen will, dass sie mehr Geld für Bildung ausgibt — dann misstraue ich ihr und frage: kann man die Statistik 2009 mit der Statistik der letzten Jahre vergleichen? Haben sie in allen Jahren wirklich die gleichen Ausgaben ausgewertet? Denn ich weiß, dass Regierungen sehr kreativ im Manipulieren von Daten sind.
Wenn uns die Opposition erzählen will, dass sich die Armut in Sachsen verschlimmert hat — dann misstraue ich ihr und frage: auf welcher Basis wurden die Kennzahlen wirklich ausgewertet? Auf der Basis der gesamten BRD oder auf der Basis Sachsens? Denn ich weiß, dass die Ungleichheit in Sachsen deutlich geringer ist als in anderen Bundesländern.
Kein Ansturm
27. Oktober 2009Zum ersten Artikel passt eine zweite Meldung, diesmal aus Dresden: Die amerikanischen Touristen kommen offensichtlich bisher kaum freiwillig auf den Obama-Lehrpfad, der an die 13-Millionen-Nacht des Präsidenten in Dresden erinnern soll.
Deshalb hat die Deutsche Zentrale für Tourismus ein knappes Dutzend Journalisten nach Dresden eingeladen, damit sie an den Stätten des Präsidenten Obama Eindrücke sammeln können. Die Berichte der eingeladenen Journalisten sollen dann Touristen nach Dresden bringen.
Es wird überhaupt nicht mehr hinterfragt, ob damit nicht eventuell die journalistische Unabhängigkeit in Gefahr geraten könnte. Wenn es unserem Tourismus dient, kann es doch nicht unethisch sein!
Unpolitik mit Obama
27. Oktober 2009Seit der Wahl entwöhne ich mich ja von der Politik und es geht mir dabei schon viel besser. Doch dieses kleine Blog scheint inzwischen Einfluss auf die Presse zu haben und das macht mich nachdenklich.
Als ich heute morgen die »Sächsische Zeitung« las, dachte ich spontan: Jetzt wenden die sich auch von der Politik ab ;-)
Die Seite 4 wird von einem Bericht über die sportliche Aktivität des Präsidenten Obama dominiert. In Amerika wird nämlich gerade genau nachgeprüft, ob der Präsident Frauen oder Männer mit zum Sport nimmt — und wenn ja, wie viele. Die »SZ« räumt diesem weltpolitisch wichtigen Thema großen Raum ein. Ich erfahre:
- dass Obama ein Basketballspiel gemeinsam mit lauter Männern angeschaut hat(!),
- dass der Sprecher und die Kommunikationsdirektorin des Präsidenten Stellungnahmen zu Obamas sportlicher Aktivität abgeben,
- dass der Präsident eine junge Hilfskraft mit zum Golfen genommen hat (merken Sie sich den Namen Ben Finkenbinder!) und
- dass der Präsident in Zukunft mehr auf eine ausgewogene Besetzung seiner Entourage bei Golf und Basketball achten wird.
Zum Artikel gehören zwei Bilder: Melody Barnes, eine Frau(!), die mit Obama auf den Golfplatz durfte. Und richtig groß: ein winkender Präsident im Golf-Klub.
Nun frage ich mich die ganze Zeit, warum sie über die Seite 4 in großen Lettern das Wort »POLITIK« gedruckt haben. Eigentlich wäre »Klatsch und Tratsch aus Washington« angemessen.
Ein Einwurf zur MOGIS-Diskussion in der Wikipedia
26. Oktober 2009Die Welt vergisst schnell. Wer wird sich bis zur nächsten Wahl noch an die STOP-Schilder und die Versuche zur Online-Zensur erinnern?
Das fragen sich auch Blogger und Aktivisten aus dem Umfeld des Chaos-Computer-Clubs. Und deshalb sind sie vehement in die Diskussion eingestiegen, als in der Wikipedia der Artikel über die Initiative »MOGIS« gelöscht wurde. In dieser Initiative hatten sich Missbrauchsopfer zusammengefunden, die sich gegen Internetzensur einsetzten.
Bei all dem lautstarken Protest konnte der Eindruck aufkommen, dass die Wikipedia die Initiative »MOGIS« seit der Löschung totschweigt. Das stimmt aber nicht. »MOGIS« ist im Artikel über die Zensurbestrebungen nach wie vor erwähnt.
Und ich denke, dass diese sachliche Darstellung ausreicht, um die Rolle von »MOGIS« in der Diskussion des Jahres 2009 verstehen zu können. Zumal auch die Webseite von MOGIS (ein WordPress-Blog) verlinkt ist. Viel Lärm um nichts?
Kontrollverlust
25. Oktober 2009Es wird wieder mal Zeit für etwas SPON-Kritik:
Was ist Kontrollverlust? Kontrollverlust ist ein Fachbegriff für den schlimmsten Zustand, in den Rauschgiftsüchtige oder Alkoholabhängige geraten können. In diesem Zustand ist den Betroffenen alles gleichgültig, sie müssen maßlos und unkontrolliert ihre Sucht befriedigen.
Ich nehme nicht an, dass die SPON-Redaktion ironisch auf die Sucht nach Macht hinweisen wollte, die Politiker und Beamte manchmal befallen soll.
Gemeint ist natürlich der Begriff Machtverlust: die BaFin soll Zuständigkeiten an die Bundesbank abgeben und das gefällt dem Chef der Behörde offensichtlich nicht.
[Quelle des Ausrisses: SPON vom 25.10.2009 um 15.45 Uhr]
Bluff your way in blog-consulting: buzzriders.com
9. Oktober 2009Robert Basic war mal ein erfolgreicher deutscher Blogger. Er muss damals in verständlicher Sprache geschrieben haben, sonst hätte er nicht mehrere tausend Leser am Tag gehabt.
Doch seine aktuellen Beiträge scheinen zu beweisen, dass man das Schreiben auch verlernen kann. Robert Basic betreibt inzwischen das Projekt »buzzriders.com«. An der blogbar habe ich einen Artikel über dieses Projekt gefunden und dort wird natürlich auch kontrovers diskutiert. Aber ich wollte mir selbst ein Bild machen …
Das Projekt soll dem Aufbau und der Vernetzung lokaler oder regionaler Blogs dienen. Um es mit den Worten der Betreiber zu beschreiben:
Wenn ich »buzzriders« lese, dann denke ich zuerst an »buzzwords« — also Modebegriffe, Schlagworte und meist leeres Gerede. Aber ich lasse mich natürlich gern eines Besseren belehren und schaue mir die Webseiten des Projekts etwas genauer an. Ein Ausschnitt aus der Seite, die mir »Buzzriders« erklären soll:
Offensichtlich war meine erste Assoziation richtig ;-)
Was für ein buzzshit! Stränge fließen zusammen, »Doku« ist die Dokumentation, Teams bestehen aus Mitwirkenden und es gibt »dedizierte Aufgabenbereiche«. Hallo?
Irgendwann sollen doch die Mitwirkenden dieses Projektes etwas publizieren und vielleicht gibt es ja sogar Bedarf dafür. Will ich dabei mitmachen oder will ich das lesen, wenn schon die Webseiten des Projektes abgehoben und unverständlich formuliert sind?
Spinnt SPON?
30. September 2009Der SPIEGEL war mal ein Nachrichtenmagazin, das sich DDR-Bürger oft unter hohem Risiko aus dem Westen mitbrachten und das sie sich gegenseitig so lange ausgeliehen haben, bis die Hefte ganz abgegriffen waren …
Wenn man heute auf SPON ein Foto sieht, auf dem sich irgendeine Blondine mit einem Geldschein eine Zigarre anzündet, dann steckt dahinter …
ein dämliches Quiz über die Angewohnheiten von Milliardären. Haben wir sonst noch Sorgen in diesem Land? Könnten wir vielleicht auf diese Weise unsere Schulden wegrauchen?
Fahrt den Server runter und schließt Eure Redaktion zu — die Leser, die Euch noch vermissen werden, kaufen sich am nächsten Tag eine »BUNTE« oder eine »BILD«.
Klug und schön
26. August 2009Die Kanzlerkandidatin der PARTEI, Samira El Ouassil, sagt bei SPON zum Wahlkampf 2009:
Das war die absolute Instrumentalisierung der Hauptstadtjournaille, da saßen 50 echte Reporter vor einem virtuellen Spitzenkandidaten. Und dann kamen noch wir: Eine Partei, die von der überspitzten Inszenierung lebt, stürmt eine Pressekonferenz jener nicht existenten Schlämmer-Partei, die sich aber als Realität inszeniert. Die Grenzen verschwimmen – und diese Situation ist eigentlich ziemlich nah an der eigentlichen Realität von Parteien, die unbewusst weitaus satirischer und irrwitziger agieren, als wir es je könnten.
Lesen! ;-)
Die grüne Expertin
24. August 2009In den letzten Tagen wurde in der Presse ein Gutachten zitiert, das die Grünen in Auftrag gegeben haben. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis:
Gutachterin spricht Vattenfall Kompetenz für Reaktorbetrieb ab
Was erwarten wir von einem Gutachten? Es sollte erstens fundiert und zweitens möglichst objektiv sein. Es sollte drittens von einer Person verfasst sein, die sich sehr gut mit dem Thema auskennt und in Fachkreisen anerkannt ist.
Wir wissen alle, dass es auch »Auftragsgutachten« gibt, bei denen das Ergebnis schon feststeht. In diesen Fällen sollten wenigstens die Punkte (1) und (3) zutreffen, damit man über das Gutachten überhaupt diskutieren kann. Kann man über dieses Gutachten diskutieren?
Den Rest des Beitrags lesen »
Braucht Dresden einen Super-Manager?
16. August 2009Die »Sächsische Zeitung« hat die Personalie Wolfram Köhler in den letzten Tagen noch einmal sehr intensiv behandelt. Ich habe fast den Eindruck, dass die Öffentlichkeit auf einen neuen Anlauf vorbereitet werden soll.
Heute darf der designierte Supermanager seine Sicht der Dinge in einem Interview ausführlich darstellen. Aber diese Sicht wird nicht kritisch hinterfragt. Also bleibt eine Aufgabe für uns als Dresdner Blogger ;-)
Was sind die Kernpunkte des Interviews?
- Wolfram Köhler hat Dresden nicht unterschätzt. Er fühlt sich nach wie vor in der Lage, die Stadt in die »erste Liga« zu führen — was immer man darunter verstehen mag.
- Wolfram Köhler fühlt sich unverstanden. »Vielleicht haben manche mich unterschätzt und gedacht, ich hätte nur meinen Vertrag im Sinn.« Was in diesem Vertrag — zum Nachteil unserer Stadt! — stehen sollte, wird völlig ausgeklammert.
- Wolfram Köhler ist nicht sauer auf Dresden. Er hat sich darüber geärgert, wie er behandelt wurde. Das ist für mich angesichts der ungewöhnlich guten Vertragskonditionen völlig unverständlich.
- Wolfram Köhler fühlt sich »möglicherweise« ausgebootet. Er sagt »es sind viele Fehler gemacht worden«, aber er benennt keine Fehler. Fakt ist: das Verfahren wurde rechtsstaatlich überprüft und hat der Überprüfung durch zwei Gerichte nicht standgehalten.
- Wolfram Köhler redet zwar über die 250.000 Euro, aber nicht über die restlichen Vertragsbedingungen, die für die Stadt Dresden nachteilig gewesen wären. Der Dienstwagen ist dabei völlig irrelevant.
- Wolfram Köhler sieht »im Moment« nicht, dass er zurückkommen will, aber es werden bereits Möglichkeiten genannt. Der Journalist fungiert am Ende nur noch als Stichwortgeber.
Was fehlt im Interview?
- Es fehlen sämtliche Hinweise auf das zweifelhafte Verfahren, im Sommer eine Entscheidung durch den »alten« Stadtrat zu peitschen. Eine millionenschwere Entscheidung, die man dem frisch gewählten neue Stadtrat einfach so vorgesetzt hätte.
- Es fehlen sämtliche Hinweise auf das rechtsstaatliche Verfahren, in dem die Vorgehensweise der Oberbürgermeisterin einer Überprüfung nicht standhielt. Stattdessen darf Herr Köhler seine Sicht der Dinge — ohne kritische Nachfrage — darstellen.
- Es fehlen sämtliche Hinweise auf die ungewöhnlichen Konditionen des Vertrags, die vorher in der Presse veröffentlicht wurden: Provisionsanteile an Sponsorengeldern und jahrelange Unkündbarkeit ohne Probezeit sind mit dem Öffentlichen Dienst nicht vereinbar.
- Es fehlen schließlich kritische Nachfragen, ob die geplanten Veranstaltungen für Dresden überhaupt geeignet wären. Riesa konnte durch Sumo-Ringen und Boxen gewinnen, aber Dresden gewinnt damit sicher nichts.
Mein Fazit: Wolfram Köhler hat auch in diesem Interview für Dresden nichts zu bieten und er sollte seinen Lebensabend in Florida genießen …
Ich würde gern die Meinung anderer Dresdner Blogger und Kommentatoren hören: Brauchen wir einen Supermanager? Sollte die Stadt Dresden Wolfram Köhler zu den geplanten Bedingungen beschäftigen?
Der Büchersucher
30. Juni 2009Eine Meldung und ihre Verbreitung
Die Nachrichtenagentur ddp veröffentlicht einen Artikel, in dem ein Traumjob für Studenten beschrieben wird: Der Büchersucher. Ein Büchersucher soll in einer großen Universitätsbibliothek nach Büchern suchen, die versehentlich oder absichtlich falsch eingeordnet wurden. Die Tätigkeit der beiden Büchersucher an der Duisburger Uni-Bibliothek wird wirklich anschaulich beschrieben. Man würde sich fast wünschen, an der Uni mal einen solchen Job gehabt zu haben.
Bis dahin ist alles in Ordnung. Stutzen lässt der letzte Absatz:
Um in Zukunft den Bücherverlust noch weiter einzudämmen, setzt die Bibliotheksverwaltung auf neue Technologien. So soll ein elektronisches Sicherungssystem, der sogenannte Radiotransponder, den Ort eines Buches per Signal melden. Der Bibliotheksmitarbeiter kontrolliert mit einem Detektor die Regale, die dann ein Signal aussenden. Zugleich können Bücher bei der Ausleihe schneller verbucht werden und die Exemplare sind besser vor Diebstahl und dem Verstecken geschützt. Das sei, so Bibliotheksdirektor Albert Bilo, die Zukunftstechnologie.
Wenn Sie jetzt stutzen und sagen: »Das ist doch keine Zukunftstechnologie, das wird doch schon seit Jahren eingesetzt …«, dann haben Sie recht. Die Wikipedia weiß mehr:
Transponder in Form von Etiketten, die beispielsweise die Mediensicherung und Verbuchung in Bibliotheken erleichtern, werden erst seit dem Jahr 2000 in großen Stückzahlen hergestellt. [Quelle (siehe dort auch unter dem Gliederungspunkt »Einsatz«)]
Aber unsere Presse schreibt natürlich lieber Agenturmeldungen ab und deshalb ist RFID in der Bibliothek eben immer noch Zukunftstechnologie. Ganz vorn dabei: das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg. Früher habe ich mich mal gefragt: Ja, schreiben die alle voneinander ab? Heute weiß ich, wo sie abschreiben ihre Meldungen beziehen …
Absurde Schlagzeilen (2)
26. Mai 2009Ist es investigativer Journalismus, die Methoden eines erfolgreichen Fußballtrainers mit dem Wort »Folter« zu umschreiben? In seinem Training laufen junge und gesunde Leistungssportler einige Male einen kleinen Hügel nach oben. Und inwiefern ist das mit Folter vergleichbar?
Ich denke, nach all den Meldungen über die Foltermethoden der Terroristen und über Praktiken am Rande der Folter zur Bekämpfung von Terroristen sollte auch SPON begriffen haben, dass man mit dem Wort keine Spielchen mehr treibt. Gern würde ich die Verantwortlichen zehn Mal einen Hügel in Wolfsburg hochjagen — oder die Plattleite …
Sprachlich sinkt SPON immer weiter. Das BILD-Niveau ist in Sichtweite.
Absurde Schlagzeilen (1)
30. April 2009Aus unserer Reihe »Absurde Schlagzeilen«:
Ist es investigativer Journalismus, das umstrittene afghanische Ehegesetz auf ein Sexgesetz zu reduzieren? Sex ist doch in diesem afghanischen Unrechtsgesetz eher ein Randproblem. Die eigentlichen Probleme: völlige Abhängigkeit der Ehefrau von ihrem Gatten, Rechtlosigkeit der Frauen und Kinder, Zwangsehe mit einem unbekannten und/oder viel älteren Mann …
Verfasst von stefanolix 




Verfasst von stefanolix
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