Die heimliche Heldin der Dresdner Mundartpflege ist Ilse Bähnert, gespielt von Tom Pauls. Tom Pauls kann man manchmal auf dem Wochenmarkt am Schillerplatz erleben und er ist natürlich bei allen guten Händlern seit Jahren bekannt. Manchmal ist sein Einkauf schon ein kleiner Auftritt.
In der vergangenen Woche kaufte er gerade vor mir am Bio-Stand Käse ein. Nachdem er sich beim Standbetreiber vergewissert hatte, dass seine Frau ähnliche Sorten und Mengen einkauft, stellte er fest: »Gut, dann bekomme ich ja zu Hause keine Hudeleien.« Seitdem grübelte ich, wo mir das Wort noch begegnet war — und, siehe da, es war in:
Hat man nicht mit seinen Kindern
Hunderttausend Hudelei!
Was ich immer alle Tage
Meiner Tochter Liesgen sage,
Gehet ohne Frucht vorbei.
aus der Kaffeekantate von Johann Sebastian Bach. Ich finde es im Nachhinein sehr schade, dass man uns dieses Stück im Musikunterricht viel zu zeitig vorgesetzt hat. Als Kinder konnten wir die feine Ironie des Textes noch gar nicht verstehen.
Etwa 30 Jahre später habe ich am Samstag in einem Elektronikmarkt eine CD mit drei weltlichen Bach-Kantaten für knapp fünf Euro gefunden, als ich auf den Kaufbeleg für ein Gerät wartete. So hatte das Warten seinen Sinn, denn seitdem höre ich die Stücke rauf und runter. Und freue mich auf meinen nächsten Arbeitseinsatz in Leipzig, wo es noch einen kleinen Rest der sächsischen Kaffeekultur geben soll ;-)
PS: Die Dresdner Zeitungen widmen sich hingebungsvoll dem Thema Mundart. Unvergessen ist der Beitrag des Kabarettisten Olaf Böhme, der in der »SZ« mit einem Asch im Arm abgebildet wurde (ein Asch ist nichts Unanständiges, sondern eine Waschschüssel oder ein kleiner Zuber).
Verfasst von stefanolix 
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