Annäherung an die Schillerlinde

15. November 2009

Kursiv gedruckte Textpassagen sind der Pressemitteilung der Stadt Dresden entnommen:

Der ehemalige Dorfplatz von Altblasewitz wird damit erstmals seit über 100 Jahren durch einen Baum beschattet.

Und der Baum wird sich jetzt denken: »Mach es wie die Sonnenuhr …«

IMG_3514_k

Schillerlinde in Dresden, 15.11.2009, Ansicht 1.

Der Gesamtumfang der Investition beträgt rund 13 000 Euro. Davon trägt die Landeshauptstadt Dresden am Vorhaben einen Anteil von rund 20 Prozent in Form von Materialbereitstellung und Sachleistungen.

Und man sieht doch wirklich jeden einzelnen Euro …

IMG_3492_k

Schillerlinde in Dresden, 15.11.2009, Ansicht 2.

Ideengeber und Initiator für das Vorhaben ist der Beirat vom „SchillerGarten zu Dresden-Blasewitz“, welcher auch den größten Anteil der Spende beiträgt. Durch ihn wurde das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft im Februar dieses Jahres um Hilfe bei der Standortsuche für eine Schillerlinde gebeten.

»Durch ihn wurde gebeten.« Beschäftigt die Stadtverwaltung eigentlich noch jemanden, der mit Sprache umzugehen weiß?

IMG_3493_k

Schillerlinde in Dresden, 15.11.2009, Ansicht 3.

Das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft erhält vom Beirat „SchillerGarten zu Dresden-Blasewitz“ am Dienstag, 10. November, 11 Uhr, anlässlich der 250. Wiederkehr des Geburtstages von Friedrich Schiller eine Gedenklinde für den Dichter.

Das Amt erhält eine Gedenklinde. Nicht etwa die Dresdner Bürger oder ihre Gäste. Wie heißt es im Volksmund: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch eine Bank ;-)

Und wieder diese verquaste Sprache! Wie lange muss man warten, bis man weiß, was die Stadt erhält? Man möchte sie am liebsten zwingen, solche Sätze laut vorzulesen.

IMG_3505_k

Schillerlinde in Dresden, 15.11.2009, Ansicht 4.

Der Baum steht innerhalb auf einer erhöht gepflasterten Fläche am Schillerplatz und wird vom Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, Detlef Thiel, entgegen genommen.

Ich habe dort noch niemanden sitzen sehen. Wahrscheinlich denken die Leute, dass der Herr Amtsleiter jeden Augenblick zurückkommt ;-)

IMG_3489_k

Schillerlinde in Dresden, 15.11.2009, Ansicht 5.

Umrahmt von einer Rundbank ist die Linde ein attraktiver Mittelpunkt für die hier stattfindenden Wochenmärkte.

Und das wusste die Stadtverwaltung schon, bevor sie den Baum »entgegen genommen« hat?

IMG_3498_k

Schillerlinde in Dresden, 15.11.2009, Ansicht 6.


Mitfühlender Konservativer

14. November 2009

Samstag ist Markttag. Der Blogger (42) betrachtet die frisch eingeweihte Schiller-Linde und denkt bei sich: »Auf diesem Platz wächst kein Gras. Wie soll hier ein Baum wachsen? Hier gibt’s historisches Pflaster, modernes Pflaster und Schotter.« —

Man sieht mir die Skepsis wohl an. Ich kann das ganz schlecht verbergen.

In diesem Augenblick tritt ein Herr im vornehmen Grau-in-Grau an mich heran. Er hat seine Gattin auf den Markt begleitet und nun augenscheinlich nichts zu tun. Dieser Herr ist etwa zwanzig Jahre älter als ich und will die Linde gut finden.

Älterer Herr: »An dieser Stelle sieht sie doch schön aus.«

Blogger (schluckt): »… aber sogar die Baumscheibe der Linde ist geschottert.«

Älterer Herr (streng): »Die Linde wird trotzdem wachsen. Sie kennt es ja nicht anders.«

Der Blogger denkt an die Baumschule, in der solche Linden ihre ersten zwanzig Jahre verbringen und wendet sich seiner Kamera zu.

Älterer Herr (tröstend): »Doch, sie wird wachsen. Wissen Sie …«

Der Blogger findet keine gute Position, um die Tafel an der Linde zu fotografieren, ärgert sich im Inneren darüber, ärgert sich auch über die Tafel — und wendet sich doch noch einmal höflich zum älteren Herren.

Älterer Herr (insistiert): »Wissen Sie, das ist wie mit den Straßenkindern … mit diesen Straßenkindern.«

Blogger: ???

Älterer Herr: »Ja, das sieht auch oft nicht schön aus. Aber sie kennen es ja auch nicht anders.«

IMG_3487_k

Tafel an der Schiller-Linde. Klick vergrößert den Schrecken ;-)


Der Blogger fotografiert dann eben doch aus der ungünstigen Position und denkt sichtbar bei sich: »Wenn der nicht ganz bestimmt schon im Beirat vom Schillergarten wäre, sollte man ihn schleunigst aufnehmen.«

Der ältere Herr verschwindet peinlich berührt.



Ich bin dann mal beschäftigt …

14. November 2009
IMG_3481_gemuese01

Gemüsestand, Blasewitzer Markt am 14.11.2009, Klick vergrößert.


Ein treffendes Foto

13. November 2009

Sehr selten sieht man in der Presse ein Foto, das einen Politiker wirklich treffend charakterisiert. Angela Merkel in der Fischerhütte — das war so ein Bild. Und heute habe ich wieder diesen Aha-Effekt gespürt: Verteidigungsminister Guttenberg im Militärtransporter auf dem Weg nach Afghanistan. Treffer. Charakterisiert. — Aktualisierung: Und hier ist das ganze Bild. — Noch eine Aktualisierung: Die F.A.Z. über Hofberichterstattung.


Einfache Beleidigung?

12. November 2009

In den Kommentaren zum Mordprozess in Dresden schreibt Katha:

Schon mal drüber nachgedacht, daß der Ursprung des ganzen eigentlich völlig banal war und „das Unglück seinen Lauf nahm“, weil Jemand wegen einfacher Beleidigung vor Gericht gezerrt wurde?

Ich stelle das gern mal zur Diskussion: Soll sich eine gebildete junge Frau, ehemalige Leistungssportlerin und junge Mutter in Gegenwart ihres Kindes übel beleidigen lassen? Soll der Staat darauf verzichten, solche Beleidiger vor Gericht zu stellen?


Voll schuldfähig

11. November 2009

In diesen Tagen wurde in Dresden ein Urteil gesprochen und in Virginia ein Urteil vollstreckt.

Das Urteil in Dresden wird einen Täter für viele Jahre hinter Gitter bringen. Nach 15 Jahren wird er nicht entlassen werden. Doch ich stelle mir die Frage, was mit ihm nach 20 oder 25 Jahren geschehen wird. Vielleicht wird er sein Leben im Gefängnis beenden, vielleicht in der Psychatrie — vielleicht wird er in 27 Jahren begnadigt.

Diese Frage stellt sich beim Mörder aus Virginia nicht mehr. Er wurde mit Giftspritzen hingerichtet. Man sagt, es sei eine verhältnismäßig ruhige Hinrichtung gewesen. Ungewöhnlich ist auch, dass die Hinrichtung »schon« sieben Jahre nach den Taten folgte.

Ich denke, dass unser Weg hier in Deutschland der richtige Weg ist. Die Todesstrafe muss tabu bleiben. Niemand hat das Recht, einen wehrlosen Gefangenen des Staates zu töten. Auch dann nicht, wenn er rechtskräftig verurteilt wurde. Solange es eine Todesstrafe gibt, hat das Recht noch mindestens einen Fehler.


Eine Schildbürgerlinde am Schillerplatz

10. November 2009

Dienstag ist Markttag. Und ich bekenne: darin bin ich konservativ. Also wird zwischen Schreiben, Organisieren und Korrekturlesen eine Pause eingelegt, in der ich zum Schillerplatz fahre. Dort gibt es immer frisches Gemüse und Obst. Dafür mag ich den Herbst und unseren Gärtner.

Heute war alles anders. Fotografen drängten sich um einen frischgepflanzten Baum mitten auf dem Park- und Marktplatz. Etwas deplaciert standen Vertreter der Stadt und des Schillergarten-Beirats neben dem Baum, ließen sich fotografieren und blickten bedeutend in die Herbstluft, während rundum Hausfrauen ungerührt ihre Einkäufe erledigten. Morgen werdet Ihr die Bilder in der Zeitung sehen. Glaubt nur die Hälfte ;-)

Bank und Linde werden in der Presseerklärung der Stadt Dresden beschrieben:

Das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft erhält vom Beirat „SchillerGarten zu Dresden-Blasewitz“ am Dienstag, 10. November, 11 Uhr, anlässlich der 250. Wiederkehr des Geburtstages von Friedrich Schiller eine Gedenklinde für den Dichter. Der Baum steht innerhalb auf einer erhöht gepflasterten Fläche am Schillerplatz und wird vom Leiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, Detlef Thiel, entgegen genommen.

Übersetzung: Der Baum steht mitten auf einem kopfsteingepflasterten Parkplatz an einer Stelle, wo man wirklich keinen Baum pflanzen und keinen Baum erwarten würde.

Umrahmt von einer Rundbank ist die Linde ein attraktiver Mittelpunkt für die hier stattfindenden Wochenmärkte. Der ehemalige Dorfplatz von Altblasewitz wird damit erstmals seit über 100 Jahren durch einen Baum beschattet.

Der Baum steht wirklich nicht im Mittelpunkt, sondern allenfalls im Weg, wenn die Stände auf- und abgebaut werden. Schatten spendet der Baum frühestens in 20 Jahren.

Der Gesamtumfang der Investition beträgt rund 13.000 Euro. Davon trägt die Landeshauptstadt Dresden am Vorhaben einen Anteil von rund 20 Prozent in Form von Materialbereitstellung und Sachleistungen.

Ich fotografiere das »Investitionsobjekt«, sobald ich mal bei Tageslicht dort vorbeikomme. Eins kann ich Euch jetzt schon sagen: wie 13.000 Euro sieht es nicht aus. Sicher kann man auch auf dem Schillerplatz einen Baum pflanzen, wenn man es unbedingt will. Aber kaum eine Stelle ist ungeeigneter als diese und dann wird’s eben sehr teuer.

Kann mir übrigens jemand sagen, wofür eine Gaststätte einen Beirat braucht? Nannte man das früher nicht Stammtisch?


Der Mensch braucht Mineralsalze

10. November 2009

Meiner Blasewitzer Stadtteilzeitung entnahm ich gestern die folgende Information einer ortsansässigen Apotheke:

Salz tut nicht nur der Suppe gut. Gar lebenswichtig sind anorganische Salze für unseren Organismus. Fehlen diese mineralischen Substanzen, kommt es zu gravierenden Störungen der Zellfunktion.

So weit, so gut. Es geht dann weiter mit den üblichen Hinweisen: Stress, einseitige Ernährung und Arzneimittel können den Mineralhaushalt »durcheinanderbringen«. Das stimmt ja zweifellos. Dann kam die Zwischenüberschrift:

Doktor Schüßler entdeckt geradezu geniale Heilmittel

Ich schwöre, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt nichts von Doktor Schüßler wusste. Ich Schussel! Ich las mit wachsender Spannung, dass sein biochemisches Heilverfahren weltweit anerkannt sei. Ich stellte mir vor, dass man einfach einen Salz-Cocktail nimmt, um dem Körper die wichtigsten Mineralstoffe zuzuführen. Schon wollte ich das Blättchen weglegen, doch dann kam der entscheidende Punkt:

Unsere Körperzellen können die angebotenen Mineralsalze am besten in homöopathischer Form aufnehmen.

Da lag ich fast unter dem Tisch vor Lachen ;-)

Vor einigen Tagen habe ich in dieser Apotheke eine Mineral- und Vitaminmischung für Sportler gekauft [entwickelt mit der Sporthochschule in Köln]. Jetzt bin ich doch etwas gekränkt, dass mich die Apothekerin nicht auf die Schüßler-Salze hingewiesen hat. Denn ich habe meine Brausetabletten an der Homöopathie-Theke bezahlt …

Der Link auf die November-Ausgabe (Seite 8!) ist wahrscheinlich nur einen Monat gültig. Ich weiß nicht, ob man auf vergangene Ausgaben verweisen kann. Deshalb habe ich einen Ausriss gespeichert.


PS: Ganz unernst gehen die Betreiber von »Sheng Fui« mit dem Problem der Homöopathie in Apotheken um. So geht’s aber auch nicht!


Entschleunigungsmusik

8. November 2009

In einer netten Diskussion über Radio und Podcast schlug dd-jazz eine Entschleunigungsgruppe (nach Sten Nadolny, »Entdeckung der Langsamkeit« vor. Ich fragte spontan: »Warum braucht man dazu eine Gruppe?« [Quelle: Unter dem Artikel Radio ist toll auf der Vorspeisenplatte]. Wie es weiterging, kann man dort sehen.

Nur kurz zwei Bemerkungen, die ich dort nicht mehr unterbringen wollte: Man kann auf langen und einsamen Laufstrecken wunderbar entschleunigen (auch beim Treppenmarathon), auf kurzen Wettkampfstrecken natürlich nicht. Mit Kopfhörern oder Ohrhörern laufe ich nie. Damit würde mir etwas vom Laufgefühl verloren gehen.

Und jetzt entschleunige ich mich mit den Goldberg-Variationen, bevor es morgen sehr beschleunigt weitergeht ;-)


Medienkompetenz in der Praxis

3. November 2009

Seit dem Beginn der Diskussion um die Salbe Regividerm gibt es auf diesem Blog eine heftige Diskussion zwischen Befürwortern und Kritikern der ARD-Sendungen zu diesem Thema.

Jetzt hat die Kommentatorin Jane hier folgende Behauptung gepostet: Der Verfasser eines Artikels auf Science-Blogs sei persönlich befangen und nicht neutral:

Zu den von dir hier verlinkten Quellen (z.B. der SienceBlog von Tobias Maier): Zumindest Tobias Maier ist u.a. im Pharma-Vertrieb für Apotheken und Praxen mit einer eigenen Firma im Geschäft – so viel vielleicht zu seinen potenziellen Motiven, die Produkte seiner Brötchengeber zu schützen. Für mich zumindest alles andere als eine neutrale, unbefangene Quelle.

Ich habe dem Blogger natürlich sofort eine E-Mail geschrieben und ihn gefragt, was er dazu sagt:

Ist da etwas dran? Ich finde es völlig unlogisch [...] aber ich wollte einfach mal unbefangen nachfragen.

Während ich auf die Antwort wartete, habe ich nach dem Namen des Bloggers gesucht. Es gibt tatsächlich eine Firma für den Vertrieb von pharmazeutischen Produkten und Pharma-Werbeartikeln — und der Geschäftsführer trägt den Namen dieses Science-Bloggers. Doch der Name ist nun nicht gerade selten und es gibt auch noch mehrere Personen aus ganz anderen Branchen mit dem gleichen Namen.

Die Spannung stieg. Da kam auch schon die Antwort und mit seiner Zustimmung zitiere ich:

Da ist selbstverständlich nichts dran. Ich bin Post-doc an einem Institut in Barcelona und werde aus EU-Mitteln finanziert. Ich habe keinerlei Firmenkontakte, weder zum Pharmavertrieb noch zu Apotheken und Arztpraxen. Meine Forschung hat nichts mit Medizinprodukten zu tun, geschweige denn mit Cremes gegen Hautkrankheiten. [edited: siehe auch: diesen Kommentar]

Die beiden Namen »Tobias« und »Maier« sind nun in der Tat relativ häufig und so ist es statistisch sehr wahrscheinlich, dass es auch die Kombination nicht nur einmal gibt. Wer Personensuchmaschinen mag, der sollte einfach mal diesen Namen eingeben.

Was kann man daraus lernen?

(1) Man sollte sich nie davon leiten lassen, was man glauben will. Man sollte sich davon leiten lassen, was man nachgeprüft hat oder was man aus vertrauenswürdiger Quelle weiß.

(2) Wenn man die Vermutung hat, dass jemand von mehreren Interessen geleitet sein könnte, sollte man ihn fragen. Schlimmstenfalls bekommt man keine Antwort oder eine ausweichende Antwort.

(3) Wenn man keine befriedigende Antwort bekommt, sollte man recherchieren. Kann denn ein Pharma-Handel wirklich ein Interesse an der Unterdrückung des Medikamentes haben? Hat das Unternehmen Verbindungen zum aktuellen Fall?

(4) Wenn man beim Recherchieren etwas findet, sollte man um so genauer prüfen, ob es nicht doch eine Namensverwechslung ist.


Was man aber auf keinen Fall tun sollte: einfach aufgrund einer Namensgleichheit eine ungeprüfte Behauptung in die Welt setzen, nur weil sie ins eigene Weltbild passt.

Ergänzung: Ich meine, man muss hier ein ganzes Stück über den aktuellen Fall hinaus denken. Wir alle müssen Informationen filtern und uns ein gesundes Misstrauen wachhalten.

Aber das Misstrauen muss auf rationalem Denken beruhen.

Wenn uns die schwarz-gelbe Regierung erzählen will, dass sie mehr Geld für Bildung ausgibt — dann misstraue ich ihr und frage: kann man die Statistik 2009 mit der Statistik der letzten Jahre vergleichen? Haben sie in allen Jahren wirklich die gleichen Ausgaben ausgewertet? Denn ich weiß, dass Regierungen sehr kreativ im Manipulieren von Daten sind.

Wenn uns die Opposition erzählen will, dass sich die Armut in Sachsen verschlimmert hat — dann misstraue ich ihr und frage: auf welcher Basis wurden die Kennzahlen wirklich ausgewertet? Auf der Basis der gesamten BRD oder auf der Basis Sachsens? Denn ich weiß, dass die Ungleichheit in Sachsen deutlich geringer ist als in anderen Bundesländern.


Wie wirkt ein Beatles-Song?

3. November 2009

Viele Menschen haben sich schon mit der Wirkungsweise von Musik beschäftigt. Da werden Verbindungen zwischen Mathematik und Musik hergestellt oder es wird das Hirn beim Musikhören beobachtet. Jetzt kommen die Nerds: jemand hat den Beatles-Song »Hey Jude« als eine Art Ablaufdiagramm gezeichnet. Man kann alles übertreiben ;-)


Herbstlicht und Herbstfarben (4)

2. November 2009
IMG_3314_herbst06_k

Mehr Herbstfarben gibt es in einem Park Eures Vertrauens ;-)

Gerade gesehen: Die Kollegin Elbnymphe hat einen neuen Seitenkopf mit einem subtilen Hinweis auf die Schießpulververschwörung. Passt auf Euch auf ;-)

Ich verabschiede mich jetzt mit vielen Ideen in den neuen Tag und schaue hier später mal nach dem Rechten. Bis dahin …


Eine Schildbürgerlinde am Schillerplatz

1. November 2009

Der Beitrag über die Schildbürgerlinde vom 10. November ist hier zu finden (WordPress hatte ein falsches Datum zugeordnet).


Homo novus

1. November 2009

Als ich im Januar 2009 am Winterlauf in Bad Schandau teilnahm, sagte mir jemand: »Mensch, jetzt hast du 44 Punkte für die Bezirksrangliste gesammelt.« — »Bezirksrang-was?« fragte ich. Es stellte sich heraus, dass der Winterlauf das erste Rennen zur Bezirksrangliste 2009 war.

Der Modus ist ganz einfach: es gibt 14 Läufe, von denen für jeden Läufer die 7 besten Ergebnisse gewertet werden. Jetzt ist die Saison fast zu Ende, nur ein Rennen steht noch aus.

Ich werde in der Endabrechnung in meiner Altersklasse wohl einen Platz unter den ersten 10 von knapp 150 registrierten Teilnehmern belegen. Während mich die erfahrenen Läufer am Anfang noch ein klein wenig gönnerhaft mitlaufen ließen, bekomme ich jetzt schon öfter ein »Daumen hoch« und man grüßt sich natürlich beim Training.

Man kennt sich vom Sehen und manchmal vom Quatschen, man respektiert sich — man hat ja schließlich eine Menge Kilometer miteinander zurückgelegt. Wir sehen uns am Sonntag beim Lößnitzgrundlauf und ab 2010 bin ich kein »Homo novus« mehr.

Denn eines muss man noch sagen: Die M40 ist die härteste aller Klassen. Mal sehen, was für Emporkömmlinge 2010 zu uns aufsteigen ;-)


Kurze Notizen nach dem Klassentreffen

1. November 2009

… ungeordnet und nach zwei Uhr morgens. Es war in Ordnung und ich würde wieder hingehen, aber ein Klassentreffen sollte nicht Anfang November stattfinden.

Ich fürchte, dass Gesprächsthemen wie Gesundheit und Gewicht in den nächsten Jahren noch mehr Raum einnehmen werden. Es gab aber auch richtig interessante Themen.

Alkoholfreies Bier kann man sich nicht schöntrinken.

Nur ganz wenige Leute aus meiner alten Klasse wissen, was ein Blog ist.

Ich wünschte mir, dass mehr Leute Freude am Dazulernen entwickeln.

Unsere alte Schule ist so baufällig, dass man sie für die Zeitung fotografiert hat. Deutschland gibt Unsummen für Bildung aus, aber die Schulgebäude bröckeln. Wo bleibt die Effizienz?

Auf dem Heimweg habe ich festgestellt, dass die Stadt Dresden ihre Klimaziele viel besser einhalten könnte, wenn die Ampeln auf der Bodenbacher Straße auch mal ausschalten würde. Da stehen nachts um zwei Uhr die Autos mit laufendem Motor minutenlang sinnlos vor Ampeln herum (und es ist keine Straßenbahn zu sehen).

Das Fahrrad ist in solchen klaren und schönen Herbstnächten das Verkehrsmittel mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis.


Twittern an der Akademie

30. Oktober 2009

In einer Diskussion an der Blogbar wurde heute morgen die Seite www.tweetakademie.de erwähnt. Es hat mich geschüttelt. Die Kombination aus den Worten »Tweet« und »Akademie« sollte in das Lexikon des Absurden aufgenommen werden.

Ich weiß, dass der Begriff »Akademie« nicht geschützt ist, doch wenn man nicht mehr auf die Bedeutung der Begriffe hinweist, haben wir wohl bald eine Mail-Akademie, eine Fax-Akademie und eine SMS-Akademie. Oder gibt es die schon? Ich möchte lieber nicht danach suchen ;-)


Unter Beobachtung im ehemaligen Stasi-Knast

30. Oktober 2009

Gestern nacht hat hier ein Kommentator auf die Aktion eines ehemaligen Häftlings und einer Künstlerin hingewiesen: zwanzig Jahre nach der friedlichen Revolution will Carl-Wolfgang Holzapfel die Haft im Stasi-Knast nachstellen und Franziska Vu will die Aktion fotografieren.

Im Jahr 2009 wird der Insasse der Zelle nicht durch Stasi-Wärter beobachtet, sondern durch eine Webcam. Jeder kann sich die Bilder auf den Schirm holen. Ich habe den direkten Link gestern entfernt, weil er direkt auf einen schlafenden Menschen verwies und weil ich es nicht richtig finde, Menschen live beim Schlafen zu beobachten.

Die Sächsische Zeitung berichtet heute über die nicht unumstrittene Aktion. Dort gibt es auch Links zu Fotos und zu der Live-Webcam (so steht es zumindest in der gedruckten Ausgabe). Die SZ erwähnt aber online nur die Adresse, ohne die Seite direkt zu verlinken.

Umstritten ist das Projekt nicht nur wegen der Big-Brother-Überwachung, in die sich der ehemalige Häftling freiwillig begeben hat. Carl-Wolfgang Holzapfel wurde 1964 nach einer Demonstration für die Freilassung politischer Gefangener verhaftet, zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt und nach 13 Monaten freigekauft. Er lebte dann in der BRD und war zeitweise Mitglied der Republikaner.

Auch mit der Vergangenheit als Republikaner hat er das Recht, sich zu politischen Fragen zu äußern. Es haben sich einige bekannte deutsche Politiker aus extremistischen Gruppen gelöst und in demokratischen Parteien Karriere gemacht. Der Mensch kann sein ganzes Leben lang umdenken und neue Wege beschreiten. So muss es grundsätzlich möglich sein, dass ein ehemaliges Mitglied der Republikaner eine solche Aktion durchführt.

Auf einem anderen Blatt steht die Frage: dient es der Sache? Auf der einen Seite wird an das Unrecht in der DDR erinnert. Auf der anderen Seite wird die Angelegenheit im politischen Kampf instrumentalisiert und es wird vom eigentlichen Anliegen abgelehnt. Ich denke, dass man die Aktion in ein Fotoprojekt umwandeln sollte. Die Live-Kamera kann mir im Jahr 2009 keine neuen Erkenntnisse mehr verschaffen.


Daten lesen lernen

28. Oktober 2009

Stellen Sie sich vor, dass Sie im Zug sitzen und eine Zeitung lesen und dass ein Unbekannter höflich fragt: »Können Sie eigentlich lesen?« — Jeder von uns würde sich wohl vehement gegen die enthaltene Unterstellung wehren. Schließlich ist man doch des Lesens mächtig. Doch versteht man immer, was man liest?

Mit Büchern über Lesen und Verstehen wurden sicher schon ganze Bibliotheksregale gefüllt, aber es scheint nicht viel zu helfen.

Dieser Gedanke kam mir jedenfalls, als ich die Berichte über Regividerm (und die Berichte über die Berichte) las. Viele studierte Journalisten waren nicht bereit oder nicht in der Lage, ihre Quellen zu prüfen und die Studien zur Wirkung der Hautsalbe richtig einzuschätzen.

Ich habe die Hart-aber-Fair-Sendung zufällig in meinem Hotelzimmer am Rande wahrgenommen, als ich nebenbei Unterlagen für den nächsten Tag vorbereitete. Es klang alles sehr überzeugend, aber reflexartig denke ich in solchen Fällen:

Komplexe Probleme haben immer komplexe Ursachen und können deshalb im Grunde nie mit einem einfachen Mittel gelöst werden.

Viele kluge Leute haben sich dann mit den Studien befasst und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Journalisten der ARD vollständig versagt haben. Die ARD-Redakteure haben die professionelle Distanz aufgegeben und Partei für eine Sache ergriffen, von der sie im Grunde nichts verstanden hatten. Hätten sie die Daten richtig gelesen, dann wären mit Sicherheit alle Beiträge völlig anders ausgefallen.

Hier ging es nur um ein Medikament. Genauso ist es aber mit den vielen Statistiken über Armut und andere soziale Daten. Das Publikum glaubt an die Aussagen, die aus den Statistiken abgeleitet werden, obwohl sie oft tendenziös sind und im schlimmsten Fall sogar manipulativ eingesetzt werden.

Die Arbeitsweise der Journalisten können wir nicht ändern. Wir selbst müssen die Initiative ergreifen. Man muss es so hart sagen: wer sich nicht selbst um Klarheit bemüht, darf sich über die Frage »Können Sie eigentlich lesen?« nicht beschweren.


Kein Ansturm

27. Oktober 2009

Zum ersten Artikel passt eine zweite Meldung, diesmal aus Dresden: Die amerikanischen Touristen kommen offensichtlich bisher kaum freiwillig auf den Obama-Lehrpfad, der an die 13-Millionen-Nacht des Präsidenten in Dresden erinnern soll.

Deshalb hat die Deutsche Zentrale für Tourismus ein knappes Dutzend Journalisten nach Dresden eingeladen, damit sie an den Stätten des Präsidenten Obama Eindrücke sammeln können. Die Berichte der eingeladenen Journalisten sollen dann Touristen nach Dresden bringen.

Es wird überhaupt nicht mehr hinterfragt, ob damit nicht eventuell die journalistische Unabhängigkeit in Gefahr geraten könnte. Wenn es unserem Tourismus dient, kann es doch nicht unethisch sein!


Unpolitik mit Obama

27. Oktober 2009

Seit der Wahl entwöhne ich mich ja von der Politik und es geht mir dabei schon viel besser. Doch dieses kleine Blog scheint inzwischen Einfluss auf die Presse zu haben und das macht mich nachdenklich.

Als ich heute morgen die »Sächsische Zeitung« las, dachte ich spontan: Jetzt wenden die sich auch von der Politik ab ;-)

Die Seite 4 wird von einem Bericht über die sportliche Aktivität des Präsidenten Obama dominiert. In Amerika wird nämlich gerade genau nachgeprüft, ob der Präsident Frauen oder Männer mit zum Sport nimmt — und wenn ja, wie viele. Die »SZ« räumt diesem weltpolitisch wichtigen Thema großen Raum ein. Ich erfahre:

  • dass Obama ein Basketballspiel gemeinsam mit lauter Männern angeschaut hat(!),
  • dass der Sprecher und die Kommunikationsdirektorin des Präsidenten Stellungnahmen zu Obamas sportlicher Aktivität abgeben,
  • dass der Präsident eine junge Hilfskraft mit zum Golfen genommen hat (merken Sie sich den Namen Ben Finkenbinder!) und
  • dass der Präsident in Zukunft mehr auf eine ausgewogene Besetzung seiner Entourage bei Golf und Basketball achten wird.

Zum Artikel gehören zwei Bilder: Melody Barnes, eine Frau(!), die mit Obama auf den Golfplatz durfte. Und richtig groß: ein winkender Präsident im Golf-Klub.

Nun frage ich mich die ganze Zeit, warum sie über die Seite 4 in großen Lettern das Wort »POLITIK« gedruckt haben. Eigentlich wäre »Klatsch und Tratsch aus Washington« angemessen.