Prozess um einen banalen Werbespot und eine banale Parodie

13. April 2010

Der FDP-Werbespot war gut gemeint und schlecht gemacht — wie so viele andere Werbespots im Wahljahr 2009: Ein werbender Spitzenpolitiker latschte durch ein Feld in der sächsischen Provinz und gab Einfaches zum Besten. Mein Hinterkopf erinnert mich in solchen Fällen: »Du bist nicht Zielgruppe«.

Die Grünen haben auf einen schlechten Werbespot mit einer noch schlechteren Parodie geantwortet. Die Gemeinplätze aus dem Original wurden durch andere Gemeinplätze ersetzt. Und dann haben sie die Parodie nicht etwa in den Papierkorb geschoben, wo sie gut aufgehoben gewesen wäre. Nein — sie haben das neue Filmchen auch noch auf Youtube veröffentlicht. Wie das Blog vom Dresdner Rand berichtet, soll nun über eine Klage der Werbeagentur gegen die Parodie entschieden werden.

In der Klage geht es nicht um Zensur, sondern um das Urheberrecht am Original-Werbespot. Und da frage ich mich spontan: von welcher Schöpfungshöhe ist hier eigentlich die Rede? Wäre es nicht möglicherweise klüger, die Sache auf sich beruhen zu lassen?

Mir tun die Juristen leid, die sich damit herumschlagen müssen. Ich würde mir weder den Spot noch die Parodie ein zweites Mal antun wollen. Im Wiktionary steht zum Begriff »Gemeinplatz«:

Das Wesentliche am Gemeinplatz ist aber die erkenntnisfreie, triviale Aussage, auch wenn sie noch nicht zur Redensart geronnen ist.

Die Parodie ist so wenig Satire, wie das Original eine politische Aussage ist. Beide Videos sind inhaltsleer. Der Wahlkampf 2009 war öde, die politische Realität des Jahres 2010 ist auch nicht besser. Liebe Politiker (aller Seiten): ich kann auf den nächsten Wahlkampf gut und gern zehn Jahre warten. Lasst mich einfach in Ruhe.



Altes Wahlplakat am Elbufer

9. April 2010
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Bilder sagen mehr als Worte ;-)


Dresden im Jahr 2025 (Teil 2)

5. April 2010

Aus dem Redemanuskript der Oberbürgermeisterin (Bürgerversammlung vom 31. März 2010):

Dresden ist 2025 eine Zukunfts-Stadt, die ihre Ressourcen bewahrt und nachhaltig wirtschaftet.
Auch der Postplatz verändert sich: [1] Dresden ist schon heute eine grüne Stadt mit hoher Lebensqualität. Und genau deshalb müssen wir unsere natürlichen Ressourcen schützen, und zwar nachhaltig. Wie reagieren wir auf den Klimawandel? Das Ziel, die Stadt noch grüner zu machen, steht sicher für uns alle fest.

Die Planung und Projektierung des Postplatzes ist nun gerade kein Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften. Anfang 2009 war der Postplatz eine hässliche Steinwüste. Die Stadt hatte einen komplett gepflasterten Platz geplant und viel »Fördergeld« in den Bau gesteckt. An dieses Fördergeld war die Bedingung geknüpft, dass der Platz dann über viele Jahre nicht verändert werden darf.

Im Wahlkampfjahr 2009 wurde viel Geld aus dem sogenannten »Konjunkturprogramm« für temporäre Pflanzkübel und Pflanzbeete ausgegeben. Im Sommer wurde die fehlgeplante Steinwüste Postplatz damit ein wenig hübsch gemacht. Zur gleichen Zeit wurden aber schon die Bürger um Spenden gebeten, damit diese provisorische Bepflanzung erhalten werden kann.

Es ist geradezu ein Hohn, im Zusammenhang mit der Planung und Bepflanzung des Postplatzes von Nachhaltigkeit zu sprechen. Denn nachhaltiges Wirtschaften hätte bedeutet: Wir überlegen uns vorher, an welchen Stellen wir das Pflaster durch Beete unterbrechen oder an welchen Stellen wir Bäume einplanen. Jetzt müssten Fördergelder zurückgezahlt werden, wenn Bäume gepflanzt oder Beete angelegt werden sollen.


[1] An dieser Stelle wurde vermutlich ein Bild mit den temporären Blumenbeeten auf dem Postplatz gezeigt, anders kann ich mir die Lücke im Manuskript nicht erklären. Hier noch mal das Bild aus meinem Artikel von damals:
Pflanzkasten Marke Baumarkt …

Pflanzkasten Marke Baumarkt …



Sippenhaft

16. März 2010

Zur Erinnerung: Im Wahlkampf 2009 hatte sich Karl Nolle (SPD) nicht entblödet, die Ehefrau des designierten sächsischen Ministerpräsidenten in seine Recherchen über irgendwelche CDU-Lehrgänge aus den achtziger Jahren einzubeziehen. Mich hat diese Kampagne damals angewidert und ich habe entsprechend darüber gebloggt.

Die Fairness gebietet es jetzt, auch einige Worte zu den »Recherchen« über den Ehemann der designierten PDS-Parteichefin zu sagen.

Stasi: Ehemann von Gesine Lötzsch steht unter IM-Verdacht

titelt die Boulevard-Webseite SPON heute. Ich finde diese Sensationsgier heute so widerwärtig wie damals. Erstens ist dieser Mann beinahe 80 Jahre alt, zweitens ist er nur aufgrund seines Eherings noch keine Person des öffentlichen Interesses und drittens muss auch in diesem Fall zunächst die Unschuldsvermutung gelten.

Ein weiterer Fall drängte sich heute beim Zeitungslesen auf: warum müssen die Blutwerte der Familie Pechstein im Detail veröffentlicht werden? Können Ärzte nicht einfach Formulierungen finden, die genug aussagen und doch noch Diskretion gewährleisten?

Drei Fälle, in denen Informationen über Familienangehörige in die Presse gezerrt wurden, nur weil sie zu einem Politiker, einer Politikerin und einer Eisschnellläuferin gehören … drei Fälle zu viel!



Das Faltblatt der Kommunalen Statistikstelle Dresden …

30. Dezember 2009

habe ich mir heute abend noch kurz vor 18 Uhr im Rathaus besorgt. Die Pressemitteilung der Stadtverwaltung zu diesem Faltblatt hatte hier im Blog für Diskussionen zwischen Jane und mir gesorgt. Um es kurz zu machen:

Leider gibt es auch in diesem Faltblatt keinen Verweis auf öffentlich zugängliche Datenquellen. Ich hätte diese Daten gern mit einem OpenSource-Statistikprogramm ausgewertet. Da diese Zahlen direkt mit den demokratischen Wahlen zusammenhängen und auf Kosten der Steuerzahler erhoben wurden, sollten sie auch für jeden Wähler kostenfrei abrufbar sein!

Es erscheint mir auch merkwürdig, dass die Daten erst ein Vierteljahr nach der Bundestagswahl veröffentlicht werden. Brauchte man wirklich so lange für diese wenigen Diagramme?

Auf der Rückseite des Faltblatts ist ein Diagramm abgedruckt, in dem die Unterschiede in der Wahlbeteiligung dargestellt sind. Für das Diagramm wurde (vermutlich) die Differenz aus der Wahlbeteiligung der Männer und der Wahlbeteiligung der Frauen gebildet. Hätte ich die Zahlen, könnte ich das einfacher nachvollziehen … Insgesamt sind die Kommentare und die dargestellten Zahlen nicht immer schlüssig.

Ich entnehme aus dem Diagramm für die Bundestagswahl 2009 folgende Zahlen, so gut das möglich ist:

Altersgruppe Männer Frauen
18-21 2,50 -2,50
21-25 2,40 -2,40
25-30 -1,00 1,00
30-35 -0,50 0,50
35-40 -3,00 3,00
40-45 -2,00 2,00
45-50 0,25 -0,25
50-60 -2,50 2,50
60-70 1,00 -1,00
>70 14,00 -14,00

Positive Zahlen bedeuten einen »Vorsprung«, negative Zahlen einen »Rückstand«. — Das Diagramm wird im Faltblatt durch folgende zusammenfassende Aussage ergänzt:

Insgesamt war die Wahlbeteiligung der Männer an allen drei Wahlen um etwa zwei Prozentpunkte besser als die der Frauen.

In der Praxis dürften Differenzen bis zu drei Prozentpunkten statistisch zu vernachlässigen sein — was will man denn daraus für politische Maßnahmen ableiten? In einem Diagramm der Anteile von Wählerinnen und Wählern an der Summe aller Wählenden wären wahrscheinlich bis 70 Jahre kaum Unterschiede sichtbar.

In der Pressemitteilung der Stadt hatte mich folgender Satz irritiert:

Es gingen mehr jüngere und ältere männliche Wahlberechtigte zur Wahl als Frauen, im mittleren Alter dominierten die weiblichen Wähler bei der Beteiligung.

Von einer Dominanz der Frauen in den »mittleren« Altersgruppen ist aber im Faltblatt gar keine Rede und sie lässt sich aus den Zahlen auch nicht herleiten. Im Faltblatt steht (etwas zutreffender):

Bei den jungen und älteren Wahlberechtigten waren die Männer beteiligungsfreudiger, während im mittleren Alter die Frauen eher zur Wahl gingen.

Doch mit dem gesunden Menschenverstand betrachtet sind die Unterschiede in allen Altersgruppen bis 70 Jahre zu vernachlässigen. Viel schlimmer ist der Rückgang der gesamten Wahlbeteiligung im Vergleich zur Bundestagswahl 2005.

Insgesamt lässt das Faltblatt viele Fragen offen. Die Einteilung der Altersgruppen ist recht unregelmäßig. Die Altersgruppen sind nicht sauber gegeneinander abgegrenzt (wozu gehören denn nun die 21jährigen?). Manche Altersgruppen umfassen zehn Jahrgänge, andere fünf oder gar nur drei Jahrgänge. Die Darstellungsqualität des Diagramms ist schlecht. Und es gibt keine prüfbare Datenquelle.

Für eine bekannte Dresdner Tageszeitung gäbe es also gute Gründe, auf das bloße Übernehmen von Sätzen aus einer Pressemitteilung der Stadt zu verzichten und stattdessen wirklich wichtige Fragen zu stellen:

  • Wo sind die Daten für eine unabhängige Auswertung?
  • In welchen Gruppen ist die Wahlbeteiligung gegenüber 2005 am stärksten gesunken?
  • Was kann man für die Gruppen mit der geringsten Wahlbeteiligung tun?
  • Warum gehen deutlich mehr über 70 Jahre alte Männer als Frauen der gleichen Altersgruppe zur Wahl?


Alterspräsidial?

24. September 2009

Ich habe ja generell nichts gegen Alterspräsidenten aus der PDS oder der Linkspartei. Stefan Heym hat 1994 im Bundestag sehr persönliche Worte gefunden und er hätte damals einfach als Mensch Fairness verdient gehabt.

Stefan Heym hat an diesem Tag eine Biografie mit in den Bundestag gebracht, die man einfach respektieren musste. Er kam 1945 mit den Alliierten zurück nach Deutschland und im November 1994 als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag. Ich habe das absurde Theater der CDU-Fraktion an diesem Tag nie nachvollziehen können. Damals waren die CDU-Abgeordneten schlechte Verlierer.

Heute führt eine ehemalige SED-Hardlinerin Regie im absurden Theater und sie hat auch gleich die Rolle der schlechten Verliererin übernommen. Edith Franke betreibt ihre Obstruktionspolitik unter lächerlichem Vorwand. Es ergibt für die Funktion des sächsischen Landtags überhaupt keinen Unterschied, ob er nun heute, morgen oder am Montag zusammentritt.

Es mag der LINKEN eine kurze Befriedigung verschaffen, die Wahl des sächsischen Ministerpräsidenten bis nach der Bundestagswahl verzögert zu haben. Aber an ihrer Niederlage ändert es nichts. Die Linken zeigen sich heute als unfaire schlechte Verlierer — wie 1994 die CDU-Fraktion im deutschen Bundestag.


Kinder an die Wahlurne!

20. September 2009

Der Dresdner Bloggerkollege Olaf Walther (»Medienfuzzi«) schreibt über die U-18-Wahl. Ich finde es auch sehr wichtig, dass Jugendliche zum Mitgestalten motiviert und schon zeitig an die demokratischen Prozesse herangeführt werden.

Doch das Ergebnis einer solchen Befragung wird natürlich sehr stark durch die Standorte der Wahllokale beeinflusst. Bei der Aktion konnten anscheinend alle Standorte mitmachen, die sich bei der Initiative beworben haben. Beim Überfliegen der Standorte in Sachsen fallen mir viele dezidiert linke oder eher linke Standorte auf.

Das Ergebnis scheint mir deshalb zwar interessant, aber nicht repräsentativ zu sein. Repräsentativ wäre beispielsweise eine »Test-Wahl« unter kontrollierten Bedingungen in allen Schulen und Berufsschulen oder in statistisch ausgewählten Bildungseinrichtungen gewesen.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn man die Demoskopen zwei Jahre vor der nächsten Wahl mit einer wissenschaftlichen Untersuchung der politischen Ansichten junger Leute beauftragen würde. Das Steuergeld dafür wäre sicher gut angelegt. Dabei sollte nicht nur ein Wahlzettel ausgefüllt werden. Mich würde auch interessieren, was die zehn wichtigsten Forderungen der Jugendlichen sind oder welche zehn Eigenschaften sie von Politikern erwarten.


Hier ist die Webseite der Initiative U18.org mit dem Ergebnis.


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