Der Kollege Zettel schreibt in einem Artikel über den zurückgetretenen Ministerpräsidenten Althaus zu den ostdeutschen Politikern:
Ihnen fehlt die Selbstsicherheit und damit Gysis Fähigkeit der Kommunikation; sie kommen hölzern, distanziert, gehemmt rüber. Ebenso die meisten anderen Spitzenpolitiker, die in der DDR aufgewachsen sind – Wolfgang Tiefensee zum Beispiel. Und eben Dieter Althaus. Stanislaw Tillich ist eine der seltenen Ausnahmen.
Ich möchte ihm hier aus Ostdeutschland ein klein wenig widersprechen. Zwei Dinge vorweg: Ich weiß nach meinen Bloggereien über Wahlplakate, dass ich selbst nicht zur Zielgruppe der Polit-Kommunikation gehöre. Und ich weiß nicht, wie objektiv ich in dieser Sache bin. Trotzdem —
Zettel fasst seinen Artikel im »Kleinen Zimmer« so zusammen:
Aber es fehlt ihm [Althaus], wie fast allen, die vom Leben in der DDR geprägt sind, die Fähigkeit des »connecting to people«. Diese unbekümmerte Selbstsicherheit, aus der Kommunikation entsteht.
Wenn so jemand strauchelt, dann fällt er meist auch. Wer ihn gestern noch bejubelt hat, der will in der Niederlage nichts mehr von ihm wissen. Das hat Dieter Althaus erfahren müssen; und das ist – denke ich – der Grund dafür, daß er sich offenbar in der vergangenen Nacht entschlossen hat, das Handtuch zu werfen.
Die Wähler in Ostdeutschland legen auf die unbekümmert selbstsichere Kommunikation keinen so großen Wert wie die Wähler im Westen. Sie sind ja selbst nicht so unbekümmert und betont selbstsicher. Sie wollen eher dort abgeholt werden, wo sie sich befinden.
Sachsen und Thüringer kann ein Politiker durchaus in der gemütlichen Klangfarbe der Heimat ansprechen, nur allzu ausgeprägter Dialekt ist allenfalls in der Provinz angebracht. Bedingt durch die Heimatverbundenheit und durch die Maßstäbe der Wähler bringen Sachsen und Thüringen eben auch andere Kommunikatoren hervor.
Stanislaw Tillich ist kein großer Kommunikator in dem Sinne, wie das Ronald Reagan war. »Er macht sein Ding«, wie wir Sachsen sagen. Er spricht die Leute am meisten im Wahlkreis, dann in anderen ländlichen Gegenden und am wenigsten in den Großstädten an.
Dieter Althaus war vor dem Unfall in Kommunikation etwa so gut wie Stanislaw Tillich heute. Ich denke, an der Kommunikation ist er bei seinen Thüringern nicht gescheitert. Dieter Althaus ist daran gescheitert, dass die Leute seit dem Unfall im Unterbewusstsein wahrgenommen haben: Der geht bald seinen (politisch) letzten Gang. Der rafft sich nicht mehr auf.
Man merkt das als Sportler — auch mit dem Unterbewusstsein — auf den letzten Kilometern eines Marathons oder noch extremer beim Doppel-Treppen-Marathon. Manchen Läufern traut man zu, noch mal zu »kommen«. Anderen sieht man an, dass sie sich nur noch quälen oder dass sie bald aufgeben werden.
Dieter Althaus war seit dem Unfall ein Läufer, der sich nur noch gequält hat. Aber in der Thüringer CDU hatte niemand soviel Weitblick, ihn aus dem Rennen zu nehmen. In dieser Sache fehlte es beiden Seiten wirklich an Kommunikationsfähigkeit. Gemerkt haben es alle Profis. Aber gesagt hat es wohl keiner.