Galerie des Grauens: Wahlplakate in Dresden (1)

Wir haben 2009 in Sachsen insgesamt vier Wahlen. Als verständiger und grundsätzlich demokratisch gesinnter Wähler will ich also von demokratischen Parteien angesprochen werden. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich in einer kleinen Serie die Wahlplakate und Wahlaussagen der Dresdner Parteien unter die Lupe nehmen.

Ich kenne aus allen (demokratischen) Dresdner Parteien jeweils mindestens einen Kandidaten oder eine Kandidatin, die für mich persönlich wählbar wären. Meine Kritik ist nicht persönlich oder verletzend oder antidemokratisch gemeint. Aber ich kann auch nicht mit ansehen, wie wir als Wähler täglich für dumm verkauft werden.

Heute beginnt die Serie mit der DSU. Die DSU muss man nicht kennen, wenn man außerhalb Sachsens lebt und wenn man sich nicht mehr an die Zeit der Wende in der DDR erinnert. Der Wikipedia-Artikel über die DSU ist nicht ganz neutral gehalten, aber der lakonische einleitende Satz trifft es: Die Deutsche Soziale Union (Kurzbezeichnung: DSU) ist eine rechtskonservative Kleinpartei in der Bundesrepublik Deutschland.

Die DSU wurde in der Nachwendezeit durch die CSU unterstützt, aber dann relativ schnell fallengelassen. Im Jahr 2009 ist sie im Bund und in Sachsen politisch bedeutungslos. Sie könnte einen Sitz im Stadtparlament erringen. Mit diesem Wahlplakat aber kaum:

DSU-Plakat 1: linkskompatibel und unter dem Plakat der Linkspartei

DSU-Plakat 1: linkskompatibel und unter dem Plakat der Linkspartei

Ein Model trägt an einem schönen Sommertag vor der Kulisse Dresdens seinen Regenschirm spazieren. Tolle Aussage: Schutzschirme für Menschen. Das Plakat könnte auch von der Deutschen Populistischen Union oder von der Linkspartei sein. Und wie verzweifelt muss man sein, um so etwas aufzuhängen:

DSU-Plakat 2: hier verkaufen sie den Bürger richtig für dumm ...

DSU-Plakat 2: hier verkaufen sie den Bürger richtig für dumm ...

Positiv überrascht hat mich heute folgende Stellungnahme des Stadtverbandes Dresden, die ich allerdings politisch nicht bei der DSU einordnen kann. Ob diese Partei das ernst meint oder ob nur ihr Mäntelchen nach dem Wind hängt, kann ich nicht einschätzen:

Die DSU als eine in der friedlichen Revolution 1989 entstandene freiheitliche Partei spricht sich gegen die zunehmenden Zensur- und Überwachungsvorhaben der gegenwärtig noch amtierenden schwarz-roten Bundesregierung aus, die unter dem Deckmantel einer Bekämpfung der Kinderpornographie die freie Internetnutzung aller Bürger massiv einschränken will!

Die DSU steht prinzipiell den konservativen Kreisen der CDU/CSU nahe — von dort werden ja Zensur und Überwachung gerade vorangetrieben. Ich lese diese Aussage also mit großer Vorsicht. Auf der Webseite der Bundespartei DSU habe ich jedenfalls dazu nichts gefunden.

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3 Antworten zu Galerie des Grauens: Wahlplakate in Dresden (1)

  1. tigger sagt:

    Der Slogan “Rettungsschirme für Menschen” könnte nicht nur sein, sondern ist echt von der LINKEN
    http://www.sueddeutsche.de/politik/370/460007/text/

    Klingt gut. Jeder mag Regenschir…äh..Rettungsschirme.

    “Nu abor” finde ich dagegen witzig. Ist genauso inhaltslos wie jedes Wahlplakat, aber “sächselt”.

  2. stefanolix sagt:

    Siehst Du, mein Gefühl hat nicht getrogen;-)

    Ja, der Goldene Reiter ist schön, aber die Monarchie wollen wir nicht wieder einführen …

  3. Parteiloser sagt:

    …bin durch die Sucheingabe “DSU Dresden” zufällig hier gelandet, will mich im Internet bei den antretenden Dresdner Parteien/Gruppen informieren. Also das Plakat mit “Rettungsschirme für Menschen – nicht für Banken” ist schon ganz schön populistisch, aber die Forderung halte ich grundsätzlich für richtig und sie sollte auch oft von verchiedensten Seiten in den öffentlichen Raum getragen werden. Wenn ich daran denke, dass z.B. bisher mehr als 100 Mrd. in die “Bad Bank” HRE gesteckt worden sind und gleichzeitig um jede Milliarde für ALG-Leistungen gefeilscht werden muss, bekomme ich jedesmal Wut.
    Ja, und das andere Plakat mit dem Goldenen Reiter: Inhaltlich eigentlich nichts sagend, aber ähnlich schick anzuschauen wie das Rettungsschirm-Plakat mit der jungen Frau. Allerdings sollte ein solches Kriterium im Kommunalwahlkampf keine Rolle spielen…

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