Mit kluger Kraft?

Lassen wir folgendes Bild und folgende Aussage auf uns wirken:

Die CDU wirbt: »Mit kluger Kraft.«

Die CDU wirbt: »Mit kluger Kraft.«

Der Politiker sagt: »Mit kluger Kraft«. Menschen mit Sprachgefühl merken sehr schnell: Hier stimmt etwas nicht.

Klugheit und Kraft sind Attribute eines Menschen: er plant gut und er beweist Durchsetzungskraft. Aber »klug« ist kein Attribut, das zu »Kraft« passt. Man kann seine Kraft klug oder unklug einteilen, klug oder unklug einsetzen. Es gibt aber keine kluge oder unkluge Kraft.


[Mit Dank an den Hinweisgeber Koloradokäfer, der mich in einem Kommentar am Rande auf dieses Plakat hinwies.]


Carluv hat aufgepasst: Hier ist das Großplakat mit der richtigen Aufschrift:

Klick vergrößert den Sachsen;-)

Klick vergrößert den Sachsen;-)

20 Responses to Mit kluger Kraft?

  1. carluv sagt:

    Er konnte sich ja nicht mit dem Slogan „Mit dummen Sprüchen“ abbilden lassen, unser geliebter Ministerpräsident. So blickt er neben einem dummen Spruch vom Plakat.

    • stefanolix sagt:

      Das ist jetzt vielleicht etwas zu hart, zumindest wenn ich für mich bedenke, dass andere Politiker täglich noch viel dümmere Sprüche ablassen als Herr Tillich. Tillich gewinnt schon dadurch, dass es auf Landesebene überhaupt keine Alternativen gibt. Thomas »Kelle« Jurk? Karl Nolle? Nicht wirklich.

      Der Spruch auf dem Plakat ist allerdings wirklich sehr schwach, darin muss ich Dir recht geben ;-)

      Das wird nur noch übertroffen durch ein Riesenbanner, auf dem in der Innenstadt neben Herrn Tillichs Kopf die Worte »Ein Sachse« prangen. Prima, dass die CDU schon 2009 erstmalig einen Kandidaten aus Sachsen zur Wahl aufstellt …

  2. delusiongrande sagt:

    Als Sprachwissenschaftler hat man es bei CDU-Plakaten vermehrt mit Stolpersteinen zu tun.

    Ein anderes Beispiel war in Mannheim zur Stadtratswahl zu beobachten. Als Plakate mit den Worten „CDU wählen – Mannheim gewinnt“ die Stadt zierten. Warum man Aufmerksamkeit durch unschöne Syntax auf sich lenken muss ist mir unklar.

  3. stefanolix sagt:

    Oh ja, Sprachwissenschaftlern muss dieser Wahlkampf besondere Schmerzen bereiten.

    Nun bin ich aber keiner: ich habe beruflich mit technischen Dokumentationen, Textbänden, Übungsbänden, Prüfungen und Seminarunterlagen zu tun. Würde ich dort solche Gurken einbauen, hätte ich bald nicht mehr damit zu tun ;-)

    Ich bin auch nicht demokratie- oder politikverdrossen. Aber ich spreche mit sehr vielen Leuten über politische Fragen. Fast alle sagen mir: was uns von den Parteien angeboten wird, ist eine Beleidigung unserer Intelligenz und raubt uns die kostbare Ressource Zeit.

  4. henteaser sagt:

    Die FDP wirbt mit einem Säugling, der aus der Flasche trinkt (statt gestillt zu werden), und drunter steht „Wegen Dir“, obwohl „Deinetwegen“ richtig wäre und beide Varianten vorwurfsvoll klingen. Eine Partei für Sucker.

    Die Grünen wollen eine Politik auf Kinderaugenhöhe. Was heisst das? Eine unter der Gürtellinie?

    Die CDU will laut eigener (unfreiwilliger?) Plakataussage den weiblichen Nachwuchs an die Heimatscholle binden.

    Die NPD will unter anderem „Arbeit für Deutsche“. Da lese ich immer Zwangsarbeit oder Arbeitslager. Von gerechtem Lohn steht da nämlich nichts.

    Und unser groß plakatierter Kandidat der Die Linke sieht eher niedlich aus als kompetent.

    • stefanolix sagt:

      Zum FDP-Plakat: Am schlimmsten finde ich, dass man überhaupt ein Baby verwendet hat. Jedes Modell ab einem gewissen Alter kann einigermaßen selbst entscheiden, ob es fotografiert werden will. Ein Baby kann es nun wirklich nicht.

      Noch schlimmer: sie haben seit einigen Tagen an der Schandauer Straße wieder ihr pralles Fotomodell mit dem Victory-Zeichen rausgehängt. Ein Plakat ohne jede Aussage, das kompetente und emanzipierte Wählerinnen einfach nicht ernstnehmen können und das kompetente und emanzipierte Wähler einfach nicht anspricht. Ein Foto reiche ich nach.

      Man kann wohl heute mit »wegen« auch den Dativ verwenden. Man tut es aber nicht ;-)

      Die Grünen habe ich im letzten Wahlkrampf schon rangenommen. Sie sind noch in einem separaten Artikel dran ;-)

      Der Linke-Kandidat hat auf manchen (großen) Plakaten eine Gestik wie ein Minnesänger.

      Die CDU wird noch gesondert belobigt.

      Ein Beispiel für SPD-Demagogie ist in Arbeit.

  5. Claudia sagt:

    Der flapsige Spruch „Wissen, wo’s lang geht“ ist sprachlich anbiedernd und inhaltlich prahlerisch.
    Daß dieser so penetrant feinsinnig Lächelnde mit dem schlechten Deutsch auch noch den gleichen Nachnamen trägt wie der menschenfreundliche, kluge und sanfte Theologe Paul Tillich, finde ich besonders furchtbar, auch wenn keiner der beiden Tillichs etwas dafür kann. ;-)

  6. stefanolix sagt:

    Zu »Wissen, wo’s lang geht« nimmst Du mir das Wort aus dem Mund. Das ist Kompetenzanmaßung ;-)

    Außerhalb der Stadtgrenze sehen die CDU-Plakate ein klein wenig anders aus, da scheint der Spruch zu fehlen (aber ich musste heute morgen zum Wettkampf, da kann ich ihn auch übersehen haben).

  7. catapult22 sagt:

    Ich habe mich viele Jahre gefragt, wozu es überhaupt Wahlplakate gibt? Wer wählt nach solchen parteiübergreifend platten Wahlsprüchen? Meine Antwort stand fest: Wenn ich mal eine Partei gründe ;-) verzichte ich auf Wahlplakate…

    Mittlerweile denke ich da anders. Man darf nicht immer davon ausgehen, dass es es so viele gleichgesinnte, nachdenkliche, politikinteressierte Menschen wie einen selbst gibt. Ich glaube inzwischen, es gibt viele Leute, die (warum auch immer) wählen gehen und sich dann u.a. spontan bei der Kreuzchenfrage tatsächlich von unterwegs gesehenen Bildern und Texten beeinflussen lassen (Unterbewusstsein – Werbung).

    Und nochmal: Warum auch immer, sind gerade diese Leute oft nicht meine Gesprächspartner im täglichen Leben. Vielleicht auch, weil man sich seine Gesprächspartner nach subjektiven Interessen bzw. „Gesichts“-punkten aussucht. Weil ich aber auch mit vielen Leuten spreche, dachte ich immer, die Meinung des Querschnitts der Bevölkerung zu kennen. Ein fataler Irrtum!

    Soweit, so schlecht. Das Problem lässt sich nur langfristig lösen, obwohl ich bisher keinen Ansatz sehe. Angenommen, morgen gründe ich eine Partei und werde außnahmsweise zur Wahl zugelassen ;-), ich würde also auch Plakate hängen (lassen) >> s.o.

    Und was nun drauf auf die Plakate? Das ist das Twitter-Problem: Mit wenig Text (wegen Erkenn- und Erfassbarkeit) Leute begeistern. Faktisch gehen auf Plakaten nur 2-3 Schlagworte, wenn es noch erkenn- und erfassbar bleiben soll. Unter diesen Restriktionen kommen bei uninspirierten Werbeagenturen dann solche Sachen wie „Kluge Kraft“ heraus. Beides (klug und Kraft) positiv besetzt. Alles richtig gemacht. Und wer merkt schon, dass dies nicht wirklich passt. Eine vernachlässigbare Minderheit wie Stefanolix, dem ich an dieser Stelle meinen Respekt zolle, obwohl ich provozieren will.

    Ach ja, und der Säugling. Bilder! Wenn man mit Bildern was verkaufen will, gehen immer: Kinder, Tiere und Erotik. Eine Tasache und nicht im Zusammenhang zu sehen. Kinder ODER Tiere ODER Erotik erregen immer Aufmerksamkeit.

    Ich gehe davon aus, dass die Bildrechte für das Säuglingsfoto geklärt sind. Gewöhnlich gibt es Geld dafür. Säuglingsfotos kann ich zu Tausenden kaufen und kommerziell oder auch für Parteienwerbung verwenden. Das FDP-Baby mit der Flasche wirds überleben, ohne Schaden fürs Leben zu nehmen.

    Frag mich aber immer wieder, welcher Erwachsene sein Gesicht für radikale Parteien hinhält? Begründung wahrscheinlich ein Absatz weiter oben.

    Da sich Erotik als Bild auch gut „verkauft“, warte ich also auf das Plakat mit dem MP im Schwimmbad. Und dem Slogan: „Kluger Kopf, Kraft in der Badehose“. Wobei das schon wieder zu lang ist. 3 Worte waren vorgegeben. Verdammt.

    • stefanolix sagt:

      Zu Deiner letzten Frage: der Slogan ist einfach — »Mit kluger Potenz« ;-)

      Natürlich sind die Bildrechte an dem Baby-Bild geklärt. Meine Frage ist eher, ob das moralische Recht geklärt ist. Und selbst wenn, müsste man immer noch über den Stil reden und der ist auf dem FDP-Plakat nun wirklich plump.

      Zur Sprache der Wahlplakate: Instinktiv merken es sicher mehr Menschen. Sie können nicht auf Anhieb sagen, was sie an dem Slogan stört. Aber mit etwas Geduld bekommen sie es heraus.

      Ich war gestern noch im Kino und habe den Vodafone-Werbespot in voller Größe gesehen. Da kommt übrigens auch ein gekauftes Baby drin vor. Viele Leute im Netz haben sich über die Kampagne kritisch geäußert, die Leute im Kino schien es auch nicht vom Sessel zu reißen. Alles richtig gemacht, aber bei den Zielgruppen versagt. Sascha Lobo hatte immerhin einen kleinen Lacher, weil niemand weiß, was er für ein toller Zampano ist ;-)

      Seit 2008/09 sind die Leute im Netz auch auf andere Weise politisiert als 2004/05. Dazu schreibe ich vor den Wahlen noch etwas, das treibt mich schon lange um.

      Ich hoffe(!), dass im Zukunft zumindest ein Teil der Leute wieder kritischer mit Politik, PR und Werbung umgeht. Und diese Blog-Artikel sollen winzige Beiträge dazu sein.

  8. AntonLauner sagt:

    Wenn es auf dem FDP-Plakat heißen würde: „Für Dich“, könnte ich es akzeptieren, aber so, denke ich doch gleich wieder daran, dass unsere Schulden der nachfolgenden Generation aufgebürdet werden.

    Übrigens sehr hübsch, die CDU mit Leidenschaft im bewegten Bild: http://www.youtube.com/watch?v=GTvLYzCZ6Sc

    • stefanolix sagt:

      Das Video ist wirklich großes Kino ;-)

      Zu den Schulden: fairerweise sollte man ergänzen, dass die Große Koalition momentan die schlimmsten Schulden aufhäuft [ausdrücklich beide Parteien!] und die FDP bloß für die Schulden verantwortlich gemacht werden sollte, die sie selbst mit beschlossen hat.

  9. Kurt sagt:

    Also das hätte ich jetzt nicht gedacht, daß der Meister Tillich Sachse ist. Ich wäre jede Wette eingegangen, daß er Sorbe ist.

    Ansonsten muß er Ministerpräsident werden. Es muß doch die von den Sozialisten unterbrochene Tradition weitergeführt werden. Nämlich: Nur Katholiken dürfen Sachsen regieren.

    • stefanolix sagt:

      Na gut: Herr Tillich ist Sorbe und kommt aus Sachsen. Mit »Ein Sorbe« würde die CDU in einigen Gegenden Sachsens wohl keine zusätzlichen Stimmen holen;-)

      Außerdem wird Sachsen nicht durch Könige oder Ministerpräsidenten regiert, sondern durch Beamte oder Bürokraten. Immer schon …

  10. henteaser sagt:

    Die Nachdenkseiten über „Wir haben die Kraft“:

    Die CDU will also suggerieren, dass diese Partei die „Kraft“ hat zu regieren und zugleich die „Kraft“ hat, etwas durchzusetzen. „Kraft“ soll vom Empfänger der Botschaft wohl mit einer positiven Vorstellung verbunden werden. „Kraft“ steht für Durchsetzungsvermögen gegenüber anderen, im Leben, in der Wirtschaft, gegen alle Widerstände im Inneren wie im Äußeren. Es wird also einem „Kraft“-Kult gehuldigt, von dem man meint, dass er bei den Menschen auf Sympathie trifft.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4124

    • stefanolix sagt:

      Ich gehöre nicht zu den Lesern der »Nachdenkseiten«, aber ich habe den verlinkten Artikel zur Kenntnis genommen.

      Ich finde die lange Abhandlung ermüdend und einseitig. Auch wenn es primär um ein Wahlplakat der CDU geht, treffen viele Aussagen auch auf andere politische Kräfte zu. Die SPD versucht es mit ähnlichen Bildern und Symbolen: dort soll Herr Steinmeier Kraft und Stärke ausstrahlen.

      Den letzten Absatz des Autors kann man 1:1 auf die SPD anwenden, man muss nur »CDU« gegen »SPD« austauschen:

      Es ist ein alter Propaganda-Trick aus der eigenen Schwäche eine Stärke zu machen. Die CDU will und muss wohl vor „Kraft“ strotzen, um das Scheitern ihrer Politik, das in der Krise offen zu Tage liegt, zu überdecken.

      In dem Artikel werden billige rhetorische Tricks angewendet. Beispiel:

      „Kraft“ muss immer ein Objekt finden, an dem sie sich zeigt oder auslässt. Die Grundfrage ist also, worauf richtet sich die „Kraft“ der CDU oder worauf ist sie ausgerichtet?

      (…)

      „Kraft“ soll all jenen Angst einflößen, die schwächer sind oder die sich ihr gar widersetzen wollen. „Kraft“ steht jedenfalls nicht für Partizipation oder demokratische Teilhabe.

      Das ist so durchsichtig, dass ich nur mit dem Kopf schütteln kann. Und wenn ich beim Lesen eines Artikels an vielen Stellen nur »facepalm!« denke, dann ist der Artikel einfach richtig schlecht.

      Herausgeber und Mitherausgeber der »Nachdenkseiten« sind anscheinend ehemalige SPD-Politiker, die in ihrer Partei schon lange keine Bedeutung mehr haben und nun die Linkspartei publizistisch unterstützen.

  11. henteaser sagt:

    CDU, SPD oder FDP, ist sowieso alles egal ;) Letztere wirbt übrigens mit „Stark für Sachsen“, wie ich heute gesehen habe. Noch so ein beeindruckendes Wort.

  12. […] Tillich regiert übrigens nicht nur »mit kluger Kraft«, sondern lässt auch als »Der Sachse« um Wählergunst […]

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