Zahlenspiele zum Fahrradfahren in Dresden

Die beiden Dresdner Tageszeitungen veröffentlichen heute eine Pressemitteilung des ADFC Dresden. Als lokaler Blogger bekam ich diese Pressemitteilung freundlicherweise auch zugeschickt und habe mir so meine Gedanken gemacht. Im Original:

Immer mehr Menschen in Dresden fahren Rad. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, stieg der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege zwischen 1991 und 2008 von 6 auf 17 Prozent. Im Vergleich zu 2003 bedeutet dies einen Anstieg der Radnutzung auf nahezu das Anderthalbfache. 38% der Wege in Dresden werden mit dem Auto zurückgelegt, 21% mit Bus und Bahn.

In der Version der DNN lautet dieser Absatz unter der Überschrift »Dresdner zunehmend fahrradbegeistert«:

Immer mehr Menschen in Dresden fahren Rad. Nach Informationen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Dresden e.V. (ADFC) stieg der Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege zwischen 1991 und 2008 von sechs auf 17 Prozent. Allein im Vergleich zu 2003 bedeutet dies einen Anstieg der Radnutzung auf nahezu das Anderthalbfache. 38% der Wege in Dresden werden mit dem Auto zurückgelegt, 21% mit Bus und Bahn.

Die Hervorhebungen in beiden Zitaten sind von mir.

Den »Anstieg der Radnutzung auf nahezu das Anderthalbfache« und den Zusammenhang (»bedeutet dies«) kann ich aus den gegebenen Zahlen nicht nachvollziehen. Für 2003 ist gar kein Anteil der mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege gegeben. Dieser Artikel ist leider ein typisches Beispiel für den Umgang der Dresdner Zeitungen mit Zahlen.

Im Artikel der DNN fehlt zunächst die wichtigste Bezugsgröße: Wie groß war die Summe aller zurückgelegten Wege im Jahr 1991, im Jahr 2003 und im Jahr 2008? Zweitens müsste man wissen: Welcher Anteil der zurückgelegten Wege entfiel im Jahr 1991, im Jahr 2003 und im Jahr 2008 auf das Fahrrad? Und dann könnte man auf der Basis dieser Daten einen Artikel schreiben.

Ich glaube ja gern, dass heute mehr Leute Fahrrad fahren und dass mehr Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Aber glauben kann ich in der Kirche. Wenn ich Zeitung lese, will ich etwas wissen. Und auf der Basis des Wissens würde ich auch gern über die Forderung des ADFC diskutieren:

Konrad Gähler vom ADFC Dresden sagt dazu: »Die Stadt muss nun endlich Geld in die Hand nehmen und den Radverkehr seiner wachsenden Bedeutung gemäß fördern.« Im Jahr 2008 wurden in Dresden unter ein Prozent der Gelder für Verkehrsbauvorhaben für den Radverkehr ausgegeben. »Wir fordern eine Steigerung der Investitionen auf 2,5 Mio. Euro jährlich.« Das entspricht 5 Euro pro Einwohner und hat sich als gängige Größenordnung für eine erfolgreiche Förderung des Radfahrens herausgestellt. »Mit den bisherigen Kleckerbeträgen werden wir in Dresden aber nicht weiterkommen«, sagt Gähler abschließend.

Der Autor dieses Blogs ist begeisterter Radfahrer, besitzt kein eigenes Auto und ärgert sich täglich über die schlechten Verkehrsplanungen in der Stadt. Aber damit die Fahrradfahrer sicher unterwegs sein können, müssen auch die anderen Verkehrsmittel möglichst vernünftig rollen. Man kann beispielsweise in München oder Mannheim sehen, wie es funktionieren könnte …

2 Responses to Zahlenspiele zum Fahrradfahren in Dresden

  1. googlehupf sagt:

    Dresden hat teilweise wirklich eine sehr schlechte Verkehrsführung. Ich selber bin primär Autofahrer und nutze nebenher den ÖPNV (75/25). Das nebenher von Rad und Auto funktioniert hier eher mäßig. Ich kenne auch keine Stadt in der es so viele Abbiegeverbote gibt. Da frage ich mich wirklich ob das historisch so gewachsen ist oder ob das in der neueren Geschichte kaputtgeplant wurde?

    • stefanolix sagt:

      Historisch gab es nicht so viele Autos in Dresden, Trabbis zählten nicht als Autos ;-)

      Wo es nicht so viele Autos gibt und wo die Ansprüche geringer sind, gibt es auch weniger Stau. Oder hat man das in der DDR nicht so wahrgenommen?

      In dem Artikel war mir eigentlich der Umgang mit Statistikdaten wichtiger. Wir haben uns IMHO schon viel zu sehr daran gewöhnt, alles von der Zeitung vorgekaut zu bekommen. Man müsste viel öfter die Daten hinterfragen.

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