Der Chefdemagoge als Opa Karl

Opa Nolle: Der Schrecken der Striesener Straßen …

Opa Nolle: Der Schrecken der Striesener Straßen …

Ich wünsche ihm — nicht nur für dieses Plakat — einen ehrenvollen vierten Platz als Direktkandidat in unserem Wahlkreis. Das Plakat könnte man als schlechten Stil verbuchen.

Aber Karl Nolle geht immer einen Schritt zu weit: Bis heute veröffentlicht er auf seiner Webseite eine Liste mit den vollen Namen von Personen, die in der DDR-Zeit eine CDU-Schule besucht haben. Mit vollem Namen, Wohnort und DDR-Postleitzahl. Auf dem Aktendeckblatt: Der Stempel der Stasi-Unterlagenbehörde:

Vom Deckblatt einer Teilnehmerliste aus dem Jahr 1987

BStU-Stempel auf der Kopie einer Teilnehmerliste aus den Stasi-Akten von 1987.

Niemand auf der Liste ist heute eine Person des öffentlichen Lebens und so ist es über 20 Jahre nach den Schulungen auch nicht von Interesse, ob sie auf einer CDU-Schule gewesen sind. Aber sie können mit vollem Namen dort gefunden werden.

Der gemütliche Opa Karl hat sich auch nicht gescheut, die Vergangenheit der Ehefrau des Sächsischen Ministerpräsidenten Tillich auszuforschen und die Behauptung über ihre Teilnahme an einem belanglosen CDU-Lehrgang in sein Buch aufzunehmen.

Natürlich wurde in den Archiven nachgeschaut, ob Frau Tillich an diesem Lehrgang teilgenommen hat. Ergebnis: Frau Tillich wurde nicht in den Teilnehmerlisten geführt, man fand keine Teilnahmebewertung, man fand ihren Namen auch nicht in den Belegungslisten der Zimmer. Sie ist wohl schlicht nicht dort gewesen. Aber selbst wenn sie dort gewesen wäre: heute ist sie ein Mensch, dessen Privatsphäre geschützt bleiben muss.

So ist Opa Karl. Oder sollte man besser sagen: Der Chefdemagoge der SPD in Sachsen?


20 Responses to Der Chefdemagoge als Opa Karl

  1. FG sagt:

    Kleine Korrektur: das ist kein Stasi-Stempel sondern ein Stempel der Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen. Was die Geschichte natürlich nicht besser macht.

    • stefanolix sagt:

      Danke. Ist korrigiert. Es ist ein BStU-Stempel auf der Kopie einer Teilnehmerliste aus den Stasi-Akten von 1987.

      Ich habe die Seite von Herrn Nolle übrigens mit Absicht nicht verlinkt, aber natürlich dokumentiert.

  2. Herr Teddy sagt:

    Mich irritiert eher dieses „Opa Karl“ auf dem Wahlplakat. Ist doch ein Wahlplakat, oder? Wenn ja, was ist das für eine Aussage? Ich dachte bisher auf Wahlplakaten gehören Inhalte der entsprechenden Wahlprogramme oder – in Ermangelung dessen – nur ein PerlWeißLächelnder Politiker und fertig. Und nun „Opa Karl“.
    Wie gesagt. Ich bin irritiert.

    • stefanolix sagt:

      Das ist wohl ein »running gag«. Ähnliche Plakate hat es (wenn ich mich recht entsinne) schon bei der letzten Wahl gegeben. Ich erspare Dir und uns das Plakat mit seinem Portrait ;-)

  3. R.A. sagt:

    Was ein Plakat!
    Das kommt einem doch vor wie die Warnung vor dem bösen Onkel, der sich falsch grinsend an kleine Kinder heranmacht.

    • stefanolix sagt:

      Deshalb hängt das bei uns auch gegenüber der Grundschule ;-)

      Das ist übrigens kein Witz, dort habe ich es heute morgen fotografiert.

      Und dass er seine Enkel in SPD-rote T-Shirts hüllt, ist wohl auch grenzwertig.

  4. Herr Teddy sagt:

    So direkt wollte ich das nicht sagen, aber das gleiche ungute Gefühl hatte ich auch, als ich es das erste Mal gesehen habe.

  5. Lina sagt:

    >>> ‚Mit Genehmigung der Eltern darf man solche Bilder verwenden.‘

    ‚Verwenden‘? Mann, stefanolix, die sind doch extra als Wahl-Special der GroKo_Leyen_Ära gemacht (-; !

    Seht Ihr, wie *PC* er seine Finger von den Kindern lässt … ? Normal iss das nicht. Man könnte meinen, wir wären EIN Volk von Kinderschändern, falls Ost-Opa, wie’s normal wäre, zupacken würde. Widerlich, diese durchsichtige, linientreue Zweckhaftigkeit …

  6. Stefan sagt:

    Wenn ich eure Kommentare so lese, fällt mir auf, wie schlimm der feministische Zeitgeist schon alles durchdrungen hat.
    Ein Foto mit einem älteren Herren und seinen zwei Enkeln (weiblich obendrein), und ihr denkt nur an Kinderschänder.
    Das ist schrecklich. Wo soll das enden?
    Wahrscheinlich gibt es bald Verkehrsschilder, die Männern verbieten, bestimmte Gegenden zu betreten. vor Schulen, Spielplätzen, Sportvereinen bis auf Rufweite zum Beispiel.

    Dabei sind eure Befürchtungen völlig unbegründet. Die SPD ist die mit Abstand männerfeindlichste Partei in Deutschland. Die haben z.B. den tollen Arbeitskreis sozialdemokratischer Frauen (ASF). Oder in ihrem aktuellen Grundsatzprogramm, dem Hamburger Programm,steht drinn: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muß die männliche Gesellschaft überwinden“ (PDF-Langfassung, Seite 41, letzter Satz).
    Also gibt es bei diesem Plakat kein Grund zur Sorge. Das Gegenteil ist der Fall. Gelegentliche Besuche vom Opa sind im Familienbild der SPD gewünscht. Ansonsten gilt, was Ulla Schmidt (Ex-KommunistischerBundWestdeutschlands) als Familie für die SPD definiert hat: „Familie ist da, wo alle aus einem Kühlschrank essen.“

    • stefanolix sagt:

      Mir würde jetzt spontan einfallen: Wer die menschliche Gesellschaft will, muss das Unmenschliche überwinden. Aber ich bin ja auch bloß ein Mann ;-)

      Was hat es denn mit dem so merkwürdig eingefügten Text (Öffnendes geschwungenes Anführungszeichen) auf sich? Hast Du Deinen Text aus einem anderen Programm eingefügt? Soll ich das rausnehmen?

      • Stefan sagt:

        Die Angabe (Öffnendes geschwungenes Anführungszeichen) hat sich reingemogelt. Sowas würde ich vielleicht mitsprechen, aber nicht mitschreiben :-) . Das habe ich gestern auch schon in anderen Blogs gesehen. Gab es bei eurer Blogsoftwähr ein Appdäht?

        Und zum Denunziantentum: Ich hoffe, bei rayson ist angekommen, daß Opa Karl ausm Westen gekommen ist.
        Und der Hang zum Denunzieren liegt an der Gesellschaftsordnung. Im dritten Reich war denunzieren genauso Teil der Staatsräson wie bei Väterchen Stalin.
        Aber das wißt ihr ja. Was ihr vielleicht noch nicht wißt,ist, daß es bald auch in unserem Staat ein schönes Gesetz gibt, was Denunziation erlaubt.
        Wer dem Link( http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,630640,00.html ) folgt, wird festellen, daß immer mehr Kinder den Eltern weggenommen werden. Wegen „Überforderung“ der Eltern!
        In diesem Spiegel-Artikel wird auch ein kommendes Kinderschutzgesetz erwähnt.Das „Kinderschutzgesetz“ sollte auch noch Ärzte, neben den KindergärtnerInnen und HortnerInnen und LehrerInnen, verpflichten, eine vermutete Kindeswohlgefährdung dem Jugendamt zu melden. Dieses hätte dann wegen „Überforderung“ der Eltern diese Kinder in Obhut zu nehmen. Nachzulesen ist das unter anderem hier: http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2009/24159165_kw17_kinderschutz/index.html (sehr entlarvend der Satz: Datenschutz darf Kinderschutz nicht behindern). Bisher haben sich die Ärtzte diesem ansinnen verweigert.
        Wenn nur auf eine Vermutungng einer neidischen Kindergärtnerin hin, die Familie zerissen wird und die Kinder auf Nimmerwiedersehen in Heimen verschwinden, darf ich wohl von staatlich geförderter Denunziation reden.
        Wer zu dem Thema im Internet recherchiert, wird selbst auf genügend angedachte Monstrositäten kommen. Unter anderem auf den unangemeldeten Hausbesuch ohne Widerspruchsrecht durch das Jugendamt. Zu meiner Jugendzeit kannte ich das von der Stasi.
        Zum Jugendamt gäbe es noch eine Menge zu sagen, aber ich will euch nicht das WE verderben.
        (Dabei ist es sehr interessant, zu beobachten, wie der Staat -federführend dabei die SPD- am fast unsichtbaren Jugendamt die Stasi 2.0 durchexerziert)

  7. Bodo Wünsch sagt:

    Das nennt man schlicht Denunziantentum.

    Sieht auch aus wie ’ne Fotomontage. Hässlicher Opa. Hässliche Partei. Hässlich.

    • stefanolix sagt:

      Denunziantentum war jetzt in Bezug auf die Teilnehmerlisten von 1987 gemeint? Stell Dir vor, dieser Kandidat ist gar nicht im Osten großgeworden. Und er ist auch kein Funktionär, sondern Geschäftsführer einer Druckerei.

  8. Rayson sagt:

    @stefanolix

    Dem Hang zum Denunzieren haben die Ostdeutschen nur deshalb überproportional nachgegeben, weil es sowohl etwas zu Denunzierendes als auch entsprechende Straftatbestände gab.

    Mangels Erfahrung kann der „Westen“ da nicht mithalten, scheint mir aber bei weiterführenden Projekten und vergleichbarer Ausgangslage zu positiven Hoffnungen anlassgebend.

  9. stefanolix sagt:

    Vielleicht hat sich Opa Karl dieses Betätigungsfeld extra gesucht?

    Ich habe oben übrigens noch etwas vergessen.

    Der Datensatz von Frau Tillich in der publizierten Aktenkopie besteht aus
    Name, Vorname, Geburtsdatum, PLZ, Ort, Straße (Nummer ist geschwärzt).

    Die Datensätze der anderen DDR-Bürger in der publizierten Aktenkopie bestehen aus
    Name, Vorname, Geburtsjahr, PLZ, Ort (Straße und Nummer sind geschwärzt).

    Es sind etwas mehr als 2 Schreibmaschinenseiten.

  10. randOM sagt:

    Naja, eigentlich ist doch ganz klar, was das soll. Zu allen Zeiten haben Politiker ihre Volksverbundenheit und Kinderliebe demonstriert, indem sie demonstrativ die kleinen Racker bezärtelt haben. Ist durchsichtig und dumm. Nolle ist ein A…. Nur schade, dass kaum ein anderer den CDU-Bonzen ihre Vergangenheit aufs Butterbrot schmiert.

    Persönlich kann ich nicht verstehen, warum die Eltern der Kinder sowas zulassen.

    Was den Kommentar von Steffen betrifft, so gebe ich ihm zumindest teilweise recht. Man(n) trau sich ja kaum noch, nett zu einem Kind zu sein, es anzuschauen oder gar mit ihm/ihr zu reden. Anders als Stefan sehe ich dafür aber nciht so sehr die Frauenbewegung in der Verantwortung als vielmehr unsere kalte Gesellschaft (jeder muss immer einen Grund haben, warum er nett ist – Geld, Sex oder Macht) und zweitens in der Sensationslust der Medien und Menschen. Irgendwo lauert immer das Böse…

    • stefanolix sagt:

      Bonzen mit wirklich schlimmer Vergangenheit sollten natürlich öffentlich gewürdigt werden. Aber nicht die kleinen CDU-Mitglieder, die vor mehr als 20 Jahren mal auf Schulung bei der CDU waren.

      Man darf zumindest vermuten, dass es wirklich seine eigenen Enkel sind. Vielleicht erlauben es die Eltern aus Sympathie für die SPD?

      Ich sehe (auch) eine Art Re-Missionierung mit bestimmten »Werten« konservativer Art, die sich mit anderen Einflüssen zu einer merkwürdigen Melange vermischen. Klar ist: Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden.

      Aber inzwischen will die EU so weitgehende Verbote durchsetzen, die sogar Bilder umfassen, auf denen Erwachsene einen jugendlichen Anschein erwecken. Ich weiß gar nicht, wie weit das im alltäglichen politischen Wahnsinn schon gediehen ist. Man traut sich auch gar nicht so richtig, über solche Themen zu bloggen.

  11. […] SPD, auf dem Herr Nolle mit zwei Kindern auf dem Schoß als „Opa Karl” posiert (Siehe: https://stefanolix.wordpress.com/2009/08/21/opa-karl/). Diese Wahlplakate animieren meiner Meinung nach die Wähler nicht gerade dazu, ihre Stimme der […]

  12. […] SPD ist in Sachsen der allergrößte Verlierer des Abends. »Opa« Karl Nolle wurde in unserem Wahlkreis mit unter zehn Prozent der Erststimmen abgestraft. Das reicht wohl nur […]

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