Was Frank-Walter Steinmeier gestern noch sagen wollte

… zum Ausgang der Landtagswahl in Sachsen, vor den wahlkrampfbegeisterten Massen in der SPD-Parteizentrale:

Genossinnen und Genossen,
liebe Freunde hier im Willy-Brandt-Haus,

das ist ein guter Wahlsonntag,
ein guter Wahlabend für die SPD in Sachsen.
Beifall.

Es gab dramatische Verluste für die CDU …
Beifall.

… und eines ist ebenso sicher, meine Freunde: Schwarze Regierungen sind nicht gewollt in diesem Freistaat.
Beifall.

Die sächsische SPD, liebe Genossinnen und Genossen, hat mit Thomas Jurk das drittbeste Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen seit 1990 erreicht.
Starker Beifall.

Sie konnte eine Alleinregierung der CDU in Sachsen verhindern.
Frenetischer Beifall.

Deshalb wird Thomas Jurk zurücktreten …
Ungläubiges Gemurmel.

und ab morgen eine Stelle in meinem Kompetenzteam einnehmen.
Schockstarre im Publikum.
[Das Original in der ZDF-Mediathek (begrenzte Speicherung).]

Am nächsten Tag plakatierte die SPD bundesweit einen Arbeiterführer mit drei gläubigen Anhängern:

Thomas Jurk auf einem echten Wahlplakat der SPD/Sachsen.

Thomas Jurk auf einem echten Wahlplakat der SPD/Sachsen.

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16 Responses to Was Frank-Walter Steinmeier gestern noch sagen wollte

  1. […] Inzwischen gibt es noch eine Reaktion der Bundes-SPD […]

  2. foster sagt:

    Schlimm, wie geringgradig fiktiv diese Ansprache ist.

    Kam das eigentlich nur mir so vor, oder haben sich, vom grundsätzlichen Verhinderungsargument jetzt mal abgesehen, gestern SPD-Politiker tatsächlich betont stärker an Gelben als an Schwarzen abgearbeitet?

    • stefanolix sagt:

      Die originale Rede von Steinmeier findet man noch in der ZDF-Mediathek (oben ist jetzt ein Link). Ich suche mal in den nächsten Tagen auf Youtube.

      Natürlich arbeiten sich die Roten eher an der FDP ab. Ihre einzige Chance ist doch eine Fortführung der Koalition aus Frau Merkel und Herrn Steinmeier.

  3. Ach, FDP-Redenschreiber zu werden ist noch einfacher. Steuersenkungen fordern, vor der roten Gefahr warnen, und dazu was von Freiheit labern – fertig. :)

  4. Stefan sagt:

    Thomas Jurk war vorallem ein Mann, der des öfteren die allgemeinen Regeln für sich nicht akzeptieren mochte. Die Polizeikellenaffäre war ja nur die Spitze des Eisbergs. Auch seine Äußerungen zum Grundgesetz in Verbindung mit Kiporno waren schon nicht mehr grenzwertig, sondern eindeutig zuviel.
    Jetzt das Wahlergebniss als Grund für den Rücktritt anzugeben ist Augenwischerei, denn das war vorrauszusehen. Es sei denn, man geht davon aus, daß die Wahl die parteiinterne Bewährung für den Niederschlesier sein sollte. Hätte er gewonnen, wäre alles vergessen gewesen, aber so.
    Unser lieber Genosse Minister war ein Verwalter der Leistungen seiner Vorgänger. Mit dem Ministeramt hatte er eindeutig die Stufe seiner Inkompetenz erreicht. Er mag als Gewerkschafter sehr gut sein, als sächsischer Minister war er es nicht.
    hoffentlich verschwindet er in der Versenkung, wie andere Ministerdarsteller vor ihm. (Rössler, Vaatz, und wie hieß gleich nochmal der vorletzte Finanzminister – der vor Tillich?)

    • Medienfuzzi sagt:

      Ok, das ist jetzt schon sehr übertrieben. Herr Jurk hat seine Arbeit als sächsischer Wirtschaftsminister gut gemacht, nicht ausgezeichnet, aber gut. Den Rücktritt sehe ich noch nicht ganz ein, aber es ist die Chance für einen Neuanfang. Wenn die SPD hinter den Erwartungen zurückbleibt, dann trägt nicht der an der Spitze die alleinige Schuld, sondern alle müssen schauen, was falsch gemacht wurde.
      Diesem durchaus beliebten und auch fähigem Minister das Verschwinden in der Versenkung zu wünschen ist sehr daneben, bitte überlege, was du hier eigentlich schreibst.

      • stefanolix sagt:

        Bitte recht freundlich, die Herren ;-)

        Die gesamte Wahlkampagne der SPD in Sachsen war auf den Spitzenkandidaten zugeschnitten. Wenn die SPD also keinen Erfolg hatte, muss er sich zuerst fragen, was er falsch gemacht hat. Das ging ja auch aus seiner Stellungnahme hervor.

        Das Ergebnis ist für eine Volkspartei und einen Regierungspartner völlig inakzeptabel. Die SPD hatte fünf Jahre Zeit, aus ihrer Beteiligung etwas zu machen. Was ist im Gedächtnis der Leute geblieben? Karl Nolle, der im eigenen Heimatwahlkreis weniger als neun Prozent der Erststimmen geholt hat und den fünften Platz belegte.

        Ich kann nicht beurteilen, wie beliebt Herr Jurk als Minister war. Fördergelder werden im Lande ja immer gern genommen und entsprechend beliebt sind die Verteiler — die Frage bleibt, wie nachhaltig deren Wirkung ist. Ich habe keine bekommen, aber ich wollte auch keine haben;-)

      • stefan sagt:

        @medienfuzzi: Dein sozialdemokratisches Empfinden in allen Ehren, aber ich weiß gar nicht, warum du dich so aufregst. Ich maße mir an, eine eigene Meinung zu unserem lieben Genossen Minister Jurk zu haben. Es gab durchaus auch schon vor der Polizeikellenaffäre Ausfälle von ihm, die standen aber weitgehend nicht in der Zeitung. Und zu jeder Steuergeldverteilung, sprich Fördermittelbescheidüberreichung, Fotografen, Videografen und Lohnschreiber anzuschleppen und das dann riesig zu kommunizieren, zeugt allenfalls von der Fähigkeit zu guter PR. Und die bringt natürlich Beliebtheit. Hast du eigentlich gewußt, das er noch zum Jahreswechsel aus dem Ministeriumshaushalt zig Millionen Euro in das marode Unternehmen Quimonda gepumpt hat? Einfach so, Kraft seiner Ministermacht. (Nachzulesen in den Landtagsprotokollen der Sondersitzung zum Fall.) Er hat das damals mit der Rettung von Arbeitsplätzen begründet. Ein durchaus beliebter und fähiger Gewerkschafter als Minister. Ja, so wird ein Schuh draus. Deshalb war er auch so beliebt bei Unternehmern. Die haben mit der Möhre Arbeitsplätze gewunken und ein schönes kaltes Buffet aufgebaut und schon kam der liebe Genosse Minister Jurk angerauscht und hat Fördermittel überreicht.
        Und wie wir inzwischen wissen, wird er in der politischen Versenkung verschwinden. Mal sehen, ob es die Nachfolger seiner jeweiligen Ämter besser macht. Ich bleibe drann.

    • elbnymphe sagt:

      Stefan, ich will Dir keinesfalls kleinlich ans Bein fahren, aber ich kann die Abkürzung „Kiporno“ echt nicht mehr sehen. Wenn wir den Begriff nicht dauernd ausschreiben wollen, hat das nicht nur praktische Gründe, sondern m.E. auch psychologische: a) ist er recht lang, b) wollen wir das, was uns irritiert, auch ausblenden. Daher Abkürzung, ok. Aber keine, die nach einem Trend-Eis aus der Tiefkühltruhe an der Tankstelle klingt. Das ist jetzt nicht Deine persönliche Schuld; ich wollte nur mal anregen, daß man sich vielleicht auf cp oder sonst was einigt (KiPo klingt mir schon wieder viel zu „lustig“). Kann sein, daß ich damit alleine dastehe, aber ich wollte einfach mal mein Unbehagen zum Ausdruck bringen.

      • stefanolix sagt:

        Das kann ich nur unterstützen, aber ich möchte jetzt nicht in seinem Kommentar korrigieren.

        Ich würde an dieser Stelle gar keine Abkürzung verwenden und zwar (1) um mir des Ernstes der Sache bewusst zu bleiben und (2) um den Befürwortern staatlicher Kontrolle (von der Leyen, Schäuble …) keinen Vorwand zu liefern.

        Das »cp« ist unter Unix die Abkürzung von »copy« und ich meine: kopiert werden sollte dieses Material auf keinen Fall.

  5. catapult22 sagt:

    Georg Unlands Vorgänger waren:

    1990–2001 Georg Milbradt (CDU)
    2001–2002 Thomas de Maizière (CDU)
    2002–2007 Horst Metz (CDU)
    2007–2008 Stanislaw Tillich (CDU)

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4chsisches_Staatsministerium_der_Finanzen

    • stefanolix sagt:

      Danke für die Information. Wobei Horst Metz sicherlich nicht allein für die Landesbank verantwortlich war.

      Das Versagen der Landesbank ist ein Komplettversagen der gesamten Koalition gewesen (eigentlich ein Komplettversagen aller Politiker in Aufsichtsräten, Ausschüssen und anderen Gremien). Deshalb wurde auch nie wirklich Aufklärung versucht.

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