Kinder an die Wahlurne!

Der Dresdner Bloggerkollege Olaf Walther (»Medienfuzzi«) schreibt über die U-18-Wahl. Ich finde es auch sehr wichtig, dass Jugendliche zum Mitgestalten motiviert und schon zeitig an die demokratischen Prozesse herangeführt werden.

Doch das Ergebnis einer solchen Befragung wird natürlich sehr stark durch die Standorte der Wahllokale beeinflusst. Bei der Aktion konnten anscheinend alle Standorte mitmachen, die sich bei der Initiative beworben haben. Beim Überfliegen der Standorte in Sachsen fallen mir viele dezidiert linke oder eher linke Standorte auf.

Das Ergebnis scheint mir deshalb zwar interessant, aber nicht repräsentativ zu sein. Repräsentativ wäre beispielsweise eine »Test-Wahl« unter kontrollierten Bedingungen in allen Schulen und Berufsschulen oder in statistisch ausgewählten Bildungseinrichtungen gewesen.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn man die Demoskopen zwei Jahre vor der nächsten Wahl mit einer wissenschaftlichen Untersuchung der politischen Ansichten junger Leute beauftragen würde. Das Steuergeld dafür wäre sicher gut angelegt. Dabei sollte nicht nur ein Wahlzettel ausgefüllt werden. Mich würde auch interessieren, was die zehn wichtigsten Forderungen der Jugendlichen sind oder welche zehn Eigenschaften sie von Politikern erwarten.


Hier ist die Webseite der Initiative U18.org mit dem Ergebnis.


18 Responses to Kinder an die Wahlurne!

  1. Lina sagt:

    ‚Kinder an die Wahlurnen‘? Na gut, solange sie klein und es nur ‚Zettelkästen‘ sind ;-)…

    „Mich würde auch interessieren, was die zehn wichtigsten Forderungen der Jugendlichen sind oder welche zehn Eigenschaften sie von Politikern erwarten.“

    Ja, würde mich auch interessieren! Von solchen Erhebungen hört man kaum, prognostisch wären sie aber interessant – na ja, obwohl: kann man aus jugendlichen Entwicklungsprozessen politische Voraussagen gewinnen? Eher nicht, würde ich meinen. Und ob sie schon inhaltliche ‚Forderungen‘ haben? Glaub‘ ich auch nicht … d.h., vermutlich nur die allerwenigsten.

    Aber wer ihnen sympathisch erscheint und warum, worauf es da ankommt, um zu diesen über die Medien wie konfektioniert herüberkommenden Figuren so etwas wie Vertrauen zu entwickeln, fände ich schon spannend. Wäre ja sensationell, wenn herauskäme, dass Glaubwürdigkeit doch noch was gilt ;-) …

    • stefanolix sagt:

      Ich würde eigentlich nicht fragen, wer ihnen sympathisch erscheint. Sonst machen die Parteien vor der Umfrage noch je eine spezielle PR-Kampagne.

      Nein, ich würde wirklich nur fragen, was ihnen wichtig ist. Und ich bin sicher, dass ich (wir) Antworten erhalten würde(n). Ich habe junge Menschen erlebt, die waren in der 11./12. Klasse radikal linksintellektuell (und beides ist nicht übertrieben), ich habe auch junge Menschen erlebt, die radikal selbständig waren. Ich würde nicht unterschätzen, was die uns zu sagen haben.

  2. stine sagt:

    Es ist schon beschämend, dass ich erst gestern über meine Schwester von dieser Wahl erfahren habe. Die Wahl wurde in ihrer Schule durchgeführt und die Ergebnisse haben mich doch reichtlich überrascht, sie sind auch komplett anders als die Endergebnisse. Wenn ich mich richtig erinner, waren Grüne und CDU bei jeweils etwa 27 %, die FDP bei 20 %, die Linke wohl auch bei 20 %, die SPD bei ferner liefen. Erschreckend ist vor allem das Ergebnis der Linken, man sollte das bei der Schule nicht erwarten, während ich das Ergebnis der Grünen und der FDP dort fast erwartet habe.

    • stefanolix sagt:

      Du kannst ja nicht alles wissen, was mit Wahlen zu tun hat ;-)

      Lass mich raten: die Schule ist in Deiner Heimatstadt? Da ist doch die politische Ausrichtung immer etwas anders gewesen als in Städten wie Leipzig oder Dresden(?)

      Ich finde das Ergebnis der LINKEN in dieser Altersklasse noch nicht erschreckend. Die jungen Leute auf einem Gymnasium sehen vieles wie mit einer ganz starken Lupe.

      Einige sind sehr leistungsorientiert, andere sehr umweltorientiert, manche vielleicht noch an christliche Kreise gebunden.

      Einige nehmen in dieser Phase gerade viel Unrecht wahr und sie hoffen vielleicht auf die von den LINKEN propagierte »Gerechtigkeit«. Gerechtigkeit war schon immer ein gefährlicher politischer Kampfbegriff.

      Soweit mein bescheidener Versuch einer Interpretation.

      PS: Das Wörterbuch meines Firefox kennt »umweltorientiert« nicht und bietet mir als Vorschläge »gewaltorientiert« und »objektorientiert« an. »Leistungsorientiert« kennt es aber;-)

  3. tigger sagt:

    Es gibt keine ungültigen Stimmen. Das Wahlergebnis entsteht also unter „Wahlzwang“ ?

    • stefanolix sagt:

      Ich vermute, dass sie die ungültigen Stimmen aussortiert haben. Denn das ist ja keine echte Wahl, also könnte man so eine Regel aufstellen. Ob das klug ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn dadurch werden natürlich diejenigen nicht respektiert, die ihre Stimme absichtlich (beispielsweise aus Protest) ungültig machen.

  4. stine sagt:

    Hm, ich weiß ja selbst nicht, was meine Heimatstadt ist. Eigentlich ist das nämlich Dresden, denn ginge ich nach der Verweildauer wäre es ansonsten Weißwasser. Da ich da aber noch zu jung war entscheide ich mich klar für Dresden.
    Aber zu der eigentlichen Frage: nein, die Schule ist in Meißen. Das riesige Gerechtigkeitsempfinden in der Zeit kann ich auch nachvollziehen und zumindest aus zwei Schulpraktika bestätigen, jedoch nicht die Entscheidung für die LINKE, gerade weil ein nicht unerheblicher Teil der Schüler noch nicht einmal aus Ostdeutschland stammt, was ja höhere LINKE-Erfolge hat.

    • stefanolix sagt:

      Ich würde das nicht überbewerten. Bei Jugendlichen besteht immer Hoffnung. Ich habe mal auf unserem Linux-Tag in Dresden einen Workshop veranstaltet, in dem zwei junge Leute von dieser Schule saßen (wenn St. Afra gemeint war). Das war für mich ein bleibendes Erlebnis: dieses Interesse, diese konkreten Fragen, diese Mitarbeit. Der junge Mann hat sich noch viel später im Internet für die Anregungen aus dem Workshop bedankt.

      Es gibt ja diesen (etwas direkten, aber nicht ganz unwahren) Spruch: »Wer mit 18 nicht links wählt, der hat kein Herz, wer mit 30 immer noch links wählt  …« ;-)

  5. catapult22 sagt:

    Ich erkenne in Gesprächen mit meinen 3 Töchtern in später wahlentscheidenden Fragen immer einen ausgeprägten, idealisierten Gerichtigkeitssinn, den sie untereinander im Alltag manchmal vermissen lassen. ;-)

    Ich find das herrlich und bin überzeugt, dass sie zum heutigen Zeitpunkt alle „Grün“ wählen würden. (Zumindest politisch, eine Tochter lehnt trotzdem alles „grüne“ Gemüse aus unerfindlichen Gründen ab). Obwohl ihr Vater nicht mehr Grün wählt. (außer Gemüse).

    Eine entscheidende Innovation fände ich allerdings das Wahlrecht von Geburt an (Kinderwahlrecht). Meine eigentlich mehr das Familienwahlrecht, wonach Eltern das Stimmrecht ihrer Kinder treuhänderisch bis zum 18. Lebensjahr ausüben. Mehr dazu unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderwahlrecht

    Dies würde den politischen Entscheidungsprozess zugunsten der jüngeren Generation, die unter 18 Jahre heute faktisch unberücksichtigt bleibt, verschieben. Meines Erachtens würde Politik damit zukunftsorientierter werden.

    Ich bin mir sicher, ich vertrete hier offensichtlich eine Minderheitenmeinung. Da alle Parteien nur noch auf den mainstream, die vermeintliche Mitte, abzielen, wird diese Vision bei keiner Partei berücksichtigt.

    Wobei ich Visionen (langfristige, INNOVATIVE Ziele) in der Politik generell vermisse. Gehe knurrig trotzdem das geringste Übel wählen.

    • stefanolix sagt:

      Ja, ab zwei Kindern tendiert man wohl dazu. Ich wäre auch dafür. Und leider ist es mit unserem System der Demokratie nicht vereinbar, dass es gewichtete Stimmen gibt. Sonst würde ja bald die nächsten Interessengruppe verlangen, dass man die Stimmen nach der Intelligenz der Wähler wichtet ;-)

      • googlehupf sagt:

        Ja, bitte. Entzieht mir doch gleich das Wahlrecht. ;)

      • stefanolix sagt:

        Ironie ist ein Zeichen von Intelligenz. So kannst Du bei der Wichtung der Stimmen wenigstens ausgleichen, dass Du keine Kinder hast ;-)

        Nebenbei: ich gehe auch wie catapult22 knurrig das kleinste Übel wählen. Es würde in meinem Umfeld auffallen, wenn mein Name im Verzeichnis nicht abgehakt wäre.

  6. Lina sagt:

    >>> „Es würde in meinem Umfeld auffallen, wenn mein Name im Verzeichnis nicht abgehakt wäre.“

    Und deswegen gehst Du wählen? Na also … !!! … wenn da nicht mal der grosse Querstrich, das gaaaaaaaaanz grosse Kreuz quer drüber, meine ich, die bessere Lösung wäre! Auf dass auch diese Stimmen mal gezählt und vor allem: gewichtet würden …

    Es lebt sich nicht schlechter mit ehrlicher Entschiedenheit ;-) …

  7. stine sagt:

    Wie sollen die denn gewichtet werden? Eine Anzahl an Plätzen im Parlament frei lassen für ungültige Stimmen? Als symbolischer Akt? Und, was sagen die Damen und Herren auf den ungültigen Plätzen dazu? Schweigen, na sowas.
    Alle ungültigen Stimmzettel bekommt nur die Wahlkommission zu Gesicht, nachdem die Wahlvorstände über jeden einzeln entscheiden, ihn beschriften und nummerieren mussten. Mir wäre das zu aufwändig, mich dann überhaupt ins Wahlbüro zu begeben.

    • Lina sagt:

      >>> „Wie sollen die denn gewichtet werden?“

      Indem man an ihrer Zahl in Prozenten bemisst, welches Interesse am Regiertwerden durch die sich bewerbenden Damen und Herren überhaupt besteht und daraus die Konsequenzen zieht: gerne als freigelassene Plätze!

      Dass das Votum der ungültig Wählenden, auch das der Nichtwähler, weiterhin als quasi bedeutungslos unter den Tisch fällt, halte ich eigentlich für pseudo-demokratisch; es ist eine Aussage über Stand und Stellenwert der Politik!

      >>> „Schweigen, na sowas.“

      Also, ich würde es als einen Gewinn ansehen, den einen/die andere von ihnen zum Schweigen gebracht zu haben ;-) …

    • stefanolix sagt:

      Lina, abgesehen davon, dass man so etwas niemals einführen wird: wäre es nicht wirklich bloß Symbolpolitik, wie Kerstin sagt? An den Mehrheitsverhältnissen würde sich nichts ändern.

      Wenn es aber doch einträfe: ich vermute zwar, dass sich die Parteien oder Politiker dann mehr ins Zeug legen würden — aber nicht so, wie man sich das als Bürger wünscht. Sie würden einfach vier Jahre lang permanenten Wahlkrampf machen und Wahl»geschenke« verteilen.

      • Lina sagt:

        Gerade Symbole ‚führen vor Augen‘, nicht wahr? Leere Ränge als Beispiel …

        >>> … nicht so, wie man sich das als Bürger wünscht

        Ja, eben: das mit dem Dauerwahlkampf haben wir doch bereits – allein dadurch, dass irgendwo in den Bundesländern immer einer läuft; im übrigen sind Darsteller und Chargen schon allzu gewohnheitsmässig darauf ‚konditioniert‘, sich nebenbei neue (Karriere-)Startlöcher auszuheben. ‚Volksvertreter‘ sollen sie sein – wenn schon.

        Nein, auch wenn es ’nur‘ der symbolischen Zerrüttung des alten Prinzips diente: ich wäre dafür, demokratische Wahlen von Grund auf neu zu ‚denken‘, vielleicht sogar die ganze überholungsbedürftige Demo(s!)kratie …

      • stefanolix sagt:

        Ehrlich gesagt: Symbolpolitik haben wir genug ;-)

        Manche Politiker bauen sich ein Startloch. Manche schaufeln sich ihr eigenes (politisches) Grab …

        Was spräche denn gegen ein Verhältniswahlrecht mit etwa 400 Wahlkreisen?

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