DDR-Zeiten

ist auch so ein Wort, das es in der DDR noch nicht gab [sagte Olaf Böhme, Kabarettist aus Dresden, vor einigen Jahren im Rahmen einer feierlichen Vorlesung an der Fakultät Informatik der TU Dresden].

11 Responses to DDR-Zeiten

  1. Stefan sagt:

    Hey, da war ich dabei, ist wirklich schon paar Jahre her. Leider ist mein Erinnerungsvermögen nicht so gut, dass ich mich an den Satz erinnern könnte. Aber wohl Recht hat er :-)

    • stefanolix sagt:

      Die Veranstaltung, die ich meine, war das Richtfest. Wir haben zu dieser Zeit einen Linux-Info-Tag gemeinsam mit der Fakultät Informatik organisiert und daher habe ich die DVD. Momentan gibt es sie nicht, aber Du kannst ja mal beim Künstler selbst nachfragen.

  2. Anne sagt:

    Mir sagte jetzt unlängst jemand, dass das auch so ein Verleugnungssymptom wäre. Dass keiner mehr sagt: „in der DDR…“, sondern alle sagen „zu DDR-Zeiten“ als hätte es das Land nie gegeben, sondern es wäre so was Saisonales wie „in der Weihnachtszeit“, „in der Erntezeit“. Ich finde es jedenfalls spannend, was die „Jubiläumswelle“ wiedermal so an Diskurs hervorbringt.

    • stefanolix sagt:

      Mir ist zuerst aufgefallen, dass »Zeit« hier [fast] immer im Plural gebraucht wird. Das ist zwar nach dem Duden möglich, aber doch eher ungebräuchlich. Weist das darauf hin, dass es in der DDR mehrere sehr unterschiedliche Perioden gab?

      Wenn ich diese Wendung überhaupt verwende, sage ich »in der DDR-Zeit« (ich war 1989 22 Jahre alt und für mich gab es etwa zehn bewusst wahrgenommene Jahre, die aber zu einer DDR-Periode gehört haben).

      Ehrlich gesagt: ich habe diesen Ausdruck bisher nicht als »verleugnend« oder »verdrängend« wahrgenommen. Bei manchen Leuten, die ihn anwenden, schwingt eher ein nostalgischer Ton mit.

  3. catapult22 sagt:

    Da wir jetzt schon in den Gebieten der Sprachwissenschaft fischen:

    Die „guten, alten Zeiten“ werden meist tatsächlich nostalgisch gebraucht. Von „Zeiten“ spricht man aber auch umgangsprachlich (vs. Zeitformen) in der Grammatik: Präsens, Perfekt, Präteritum, Plusquamperfekt, Futur 1+2).

    Um dem Argument des ungebräuchlichen Plural etwas entgegen zu wirken: Gezeiten sind sehr gebräuchlich und selbst in der daily soup gibt es „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“.

    In diesen Zeiten müssen wir flexibel sein: Deshalb schwappen meine Gedanken hin und her, was Dich zum Sinnieren über DDR-Zeiten bewegt haben könnte.

    Übrigens: Zu DDR-Zeiten wäre ich heute bestimmt im Knast. Oder ein Systemkonformer. Auch wenn es das Wort damals noch nicht gab. Manches erschliesst sich eben nur im Rückblick. Oder vielleicht nie.

    • stefanolix sagt:

      In der Grammatik sagten wir früher in der Schule (glaube ich zumindest) »Zeitformen« oder »Tempora«(?)

      »Gezeiten« hatte ich nicht mit »Zeiten« in Verbindung gebracht. Punkt für Dich.

      Aber diese ominöse RTL-Serie kann man nicht als Maßstab für Sprache nehmen — auch ohne einen Fernseher zu besitzen, habe ich schon von ihrem Niveau gehört ;-)

      Warum ich diese Notiz in mein Blog schrieb? Das ist ganz einfach. Ich habe in diesen Tagen wieder mal die alte DVD von Olaf Böhme angesehen ;-)

      Ich hätte mit Sicherheit mit »der Staatssicherheit« auch Schwierigkeiten bekommen. Unsere ESG wurde systematisch beobachtet und bei Treffen mit unserer West-Partner-ESG saßen auch inoffizielle Beobachter unter uns.

  4. catapult22 sagt:

    daily soap muss es natürlich heissen. Bin wahrscheinlich hungrig nach altem Zeiten, wo ich noch auf flüssige Nahrung stand.

  5. Lex sagt:

    Ich sag immer mal „zu Ostzeiten“. Aber ganz ehrlich, Gedanken hab ich mir darüber noch nie gemacht, warum ich das wohl so verwende. Was will das Unterbewußtsein wohl damit sagen? Bestimmt nicht dass ich diese Zeit verleugne. Mir persönlich wär das jetzt zu hoch die Gründe dafür herauszufinden ;-)

  6. Lex sagt:

    Ich bin verblüfft ;-)

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