Gebet in der Schule

In unseren staatlichen Schulen gibt es kein obligatorisches Morgengebet mehr — und das ist auch gut so. Doch es gibt Lehrer, Erzieher und Schüler, die sich regelmäßig oder spontan für ein Gebet entscheiden.

Ein Gericht hat jetzt entschieden, dass man einem muslimischen Jungen in der Schule die Möglichkeit zum Beten geben muss. Das Urteil ist heftig umstritten.

Nehmen wir an, dass der Fall bis nach Karlsruhe geht und dass dort endgültig entschieden wird: es gibt ein individuelles Recht auf Gebete in staatlichen Schulen. Dann sollte das Bundesverfassungsgericht vor dem Urteilsspruch noch einmal Lessings »Nathan der Weise« anschauen und also urteilen:

In jeder Schule wird ein Raum zum Beten ausgewiesen. Doch es gibt eine Bedingung für die Nutzung des Raumes: Alle Interessenten müssen sich gleichberechtigt und friedlich über die Nutzung abstimmen.

Dann werden die Fundamentalisten ihre Kinder wohl doch eher zu Hause beten lassen — um ihnen die Erfahrung von Toleranz und Rücksichtnahme zu ersparen …

9 Responses to Gebet in der Schule

  1. Claudia sagt:

    Es sollte in jeder Schule einen Raum der Stille geben, in den Schüler sich in der Pause zurückziehen können. Dann wäre diese ganze unselige Diskussion, die auf die Frage „Darf man in der Schule beten?“ verkürzt und damit absurd wird, überflüssig. In Deutschland herrscht Religionsfreiheit, d.h. die Ausübung von Religion darf nicht verboten werden – ob ein Schüler in der Pause betet oder Comics liest oder Sartre auswendig lernt, hat kein Gericht zu interessieren.

  2. stine sagt:

    Das ist solange in Ordnung, wie der oben zitierte Satz eingehalten wird, nämlich die Abstimmung und gleichberechtigte Nutzung. Und solange es in den Pausen stattfindet. Ich habe da eher eine andere Frage: braucht man für ein Gebet einen Raum? Ich dachte man unterhält sich allein mit Gott,Allah, G’tt oder sonstwem? Ich meine nur, dass es vielleicht Schulen mit Platzmangel gibt. Bei meiner letzten Schule war die Kirche nebenan und dort war ein Aufenthaltsraum (war mal ein Kloster), ansonsten kenne ich nicht so viele Schulen, meine letzte Praktikumschule war sowieso in katholischer Trägerschaft und hatte da eine Kapelle.

    • stefanolix sagt:

      Für ein Gebet nach dem christlichen Glauben nicht.

      Wir hatten allerdings schon in der DDR muslimische Studenten an der TU Dresden und sie haben z.B. im Beyer-Bau (ganz oben war es damals sehr ruhig) im Treppenhaus kniend in Richtung Mekka gebetet. Für so ein Gebet wäre ein separater Raum angemessen.

      Nach meiner Beobachtung gibt es zwei Arten von Gebeten und die gibt es wohl in allen Glaubensrichtungen: das gläubige Gebet und das demonstrative (auch missionierende) Gebet. Da man aber in die Menschen nicht reinschauen kann, wird man wohl nie erfahren, warum die Eltern dieses jungen Mannes geklagt haben.

      Die Gebete der Studenten waren damals nicht demonstrativ, das sah man ihnen an und das merkte man auch im Umgang mit den Leuten.

  3. tigger sagt:

    Gute Idee. Man müsste allerdings mindestens zwei Gebetsräume einrichten, für Frauen und für Männer je einen. Und eventuell einen dritten, für die Schüler die sich nicht an die Sauberkeitsregeln halten wollen.

    • stefanolix sagt:

      Nein. Es gibt einen Raum. Der Raum wird immer sauber verlassen. Das gehört einfach zum Toleranzgebot. Wer sich nicht daran hält, der betet eben zu Hause.

      Wenn weibliche und männliche Personen voneinander getrennt werden müssen, wird entweder eine spanische Wand aufgestellt oder die beiden Gruppen nutzen den Raum nacheinander.

      Das ganze Gedankenspiel setzt voraus, dass das Bundesverfassungsgericht überhaupt Gebete in Schulen zulässt. Freiwillig sollte kein Bundesland einen Gebetsraum einrichten. Immerhin gibt es ja auch konfessionsgebundene Schulen, wo die Kinder an einem obligatorischen Morgengebet teilnehmen.

  4. Claudia sagt:

    Da man den „Raum der Stille“ sowieso nur in den Pausen als solchen nutzen dürfte, könnte es durchaus auch eine Turnhalle sein. Oder die Aula.
    Ich glaube, es werden durch immer mehr Regeln immer mehr Ansprüche erzeugt; es gibt aber keinen Anspruch darauf, daß alles supertoll und nagelneu und nur für mich zu sein hat. Mir kommt das alles ein wenig vor wie „mein Haus, mein Auto, mein Gebetsraum“.

    • stefanolix sagt:

      Genau, die Ansprüche müssen vernünftig begrenzt werden. Es kann maximal einen Raum geben und er wird immer neutral genutzt werden müssen. Das setzt ein großes Maß an Abstimmung und Toleranz voraus und das wiederum hält die Fundamentalisten vor der Tür ;-)

  5. Lex sagt:

    Ich bin dafür dass man die Ausübung oder auch, ich nenn es mal zu Schau-Stellung, jeglicher Religion aus dem „öffentlich-rechtlichen Bereich“ heraushalten sollte. Dafür zählen für mich auch Schulen sowie Behörden, etc.pp. Egal ob Kopftuch oder Kreuz im Klassenzimmer. Damit hat man eine klare Linie und es kommt zu keinen Differnzen. Gleiches Recht für alle. Eine Einschränkung der Religionsfreiheit sehe ich darin nicht. Aber das Topic ist wohl zu kompliziert, denn wer bspw. zu bestimmten Zeiten beten muß, wird das anders sehen. Grundsätzlich bin ich aber obiger Meinung.

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