Keine Ampel auf meinem Müesli

Wenn eine Grünen-Politikerin einen Artikel mit »Es ist nicht alles schlecht an Schwarz-Gelb« beginnt, dann bin ich zunächst überrascht. Ist das schon ein erster Hinweis auf die Jamaika-Koalition im Saarland?

Nein, das ist es nicht. Doch mindestens ebenso überraschend: Julia Seeliger begrüßt das Aus für die Lebensmittelkennzeichnung mit der »Ampel«. Da hatte ich die Grünen immer für eher bevormundend gehalten und dann kommt so ein eindeutiges Nein zur vormundschaftlichen Ampelkennzeichnung. Auch wenn es eine Minderheitsmeinung zu sein scheint — alle Achtung ;-)

Ich freue mich jedenfalls, dass es auch in Zukunft keine Ampel auf meinem Müesli geben soll. Denn jeder mündige Bürger kann mit Hilfe der Grundrechenarten und der Packungsangaben ausrechnen, ob er zu viel oder zu wenig Energie aufnimmt.

Ich bin sicher, dass mein Müesli mit Honig auch eine rote Ampel bekäme. In Maßen gegessen stärkt es mich für Arbeit und Sport, in Massen gegessen würde es mich schwächen … Wer solche Konsequenzen nicht ziehen kann, dem hilft die »Ampel« auch nicht.

12 Responses to Keine Ampel auf meinem Müesli

  1. Lina sagt:

    Sehr erfreut über das, was Du da grüner_seits registrierst!

    Und immerhin: Dein Honigmüsli, an dem Du Dich – wärst Du unvernünftig bis haltlos – zu Deinem Nachteil vergehen könntest, wurde noch nicht verboten … wie etwa mir die Zigarette ‚danach‘ im Lokal ;-) …

    • stefanolix sagt:

      Du findest genau die richtigen Worte: wer sich unvernünftig bis haltlos mit Lebensmitteln der Kategorie »Ampel grün« vollstopft, wird damit ganz sicher nicht gesund bleiben. Also ist die Ampel im Grunde nutzlos.

      Und auf Deine Zigarettenschachteln sind (in furchtbarer Typografie) diverse schreckliche Warnhinweise gedruckt, die wohl insgesamt kaum zu einem Rückgang des Zigarettenabsatzes geführt haben. Also sind auch Warnhinweise nutzlos.

  2. Lina sagt:

    Einverstanden.

    Gut umschifft übrigens – das Problem mit dem krassen Verbot anstelle der minder aufdringlichen, blossen Empfehlung ;-))…

    • stefanolix sagt:

      Ich verstehe nicht ganz: ich will doch weder Zigaretten noch ungesunde Kost verbieten. Wo war denn von einem krassen Verbot die Rede?

      Sei froh, dass Du keine Glühbirnen zum Rauchen brauchst ;-)

      • Lina sagt:

        ;-) …

        Ich brauche sie (oder andere), denn ich rauche nicht im Dunklen.

      • stefanolix sagt:

        Nicht bei Kerzenschein?

        Gemeint waren natürlich die »echten« Glühbirnen, die wirklich verboten werden, während der Tabakanbau sogar noch subventioniert wird. Irgendwie auch nicht ganz gerecht ;-)

  3. foster sagt:

    Vielleicht hat es ja auch was mit Prioritätensetzung und Handel zu tun. Um dafür etwas anderes, aus grüner Sicht wichtigeres durchsetzen zu können.

    Wenn es denn Jamaika wird. Ich wäre dann aber schon sehr gespannt, ob und wie sich das auf zukünftige grüne Wahlergebnisse auswirken wird. Der anderen klassischen „Mehrheitsbeschafferpartei“ haben Ampelkoalitionen glaube ich meist eher geschadet.

    P.S. Wieder mal ein typischer Artikel eines unpolitischen Bloggers von dir. ;)

    • stefanolix sagt:

      Beobachten darf man wohl noch ;-)

      Als ganz normaler Bürger und Zeitungsleser macht man sich doch auch dann noch seine Gedanken, nachdem man all den politischen Grabenkämpfen abgeschworen hat.

      [Hinzugefügt]: Interessant: der Herr Spreng beobachtet das selbe Thema ;-)

      Ich hoffe, dass CDU und FDP die Chance zu nutzen wissen und mit den Grünen als Partner fair umgehen. Man weiß nie, wozu das noch mal gut sein kann. Die Grünen haben dort im Saarland (soweit ich weiß) mehr bürgerlich orientierte als linke Wähler. Was spricht denn gegen eine bürgerlich-grüne Koalition?

      Die drei müssen halt gemeinsame Ziele finden. Sie könnten z.B. gemeinsam aus der Kohleförderung aussteigen und Alternativen aufbauen.

      Insgesamt könnte es darauf hinauslaufen, dass die Grünen eines Tages in einen linken Flügel und einen bürgerlichen Flügel zerfallen. Der linke geht zur SPD und der bürgerliche zu FDP bzw. CDU oder Freien Wählergemeinschaften. Die Politik ist heute insgesamt schon so »grün«, dass eine dezidiert grüne Partei eigentlich nicht mehr gebraucht wird.

    • foster sagt:

      Nichts spricht dagegen, wenn die Grünen das wollen. Mein Hinweis auf die Gefahren von Ampeln war ein allgemeiner, kein Wimpelschwenken pro Rot-Rot-Grün.

      Bei den gemeinsamen Zielen wirds dann aber doch interessant. Kohleförderung weg? Ich wäre überrascht, wenn das klappt. Wenn nicht, wäre ich ebenso überrascht, wenn es ausgerechnet an den Grünen scheitert. Bei Alternativen zur Kohle wirds dann richtig schwierig, weil es bei den regenerativen Energiearten leider nicht viele grundlastfähige gibt. Hauptsächlich Wasserkraft. Dafür braucht man i.d.R. ein paar gute Gebirge, die im Saarland rar sind. OK, Geothermie gäbs auch noch, das wird dann aber was langfristigeres. Könnte mir auch vorstellen, dass der von Kohlestollen wie ein Käse durchlöcherte Untergrund dort drüben diese Technik nicht einfacher macht. (Ich bin heute wieder Bedenkenträger, ich weiß.)

      Zum Zerfall: möglich. Ich will das aber nicht hoffen.

      • stefanolix sagt:

        Ich meinte nicht die alternativen Energieträger. Ich meinte alternative Wirtschaftszweige bzw. die Ansiedlung neuer Unternehmen, wenn die Kohleförderung wegfällt. Aber wahrscheinlich haben die Kumpel, ähnlich wie in unseren sächsischen Braunkohlen-Landschaften, noch Jahrzehnte mit der Beseitigung ihrer eigenen Hinterlassenschaften zu tun.

        Wieso sollten sie nicht zerfallen? Weil Du Dich dann entscheiden müsstest? ;-)

      • foster sagt:

        Ha! ;-)

        Ich sehe das nicht so, dass grüne Themen mittlerweile überall weit genug angekommen sind, in beiden großen Parteien. (Das Problem ist schon eher, dass die Grünen selbst das eine oder andere aus den Augen verlieren, wenn eine Regierungsbeteiligung winkt,und dann an den falschen Stellen nachgeben, siehe zuletzt in Hamburg.)

        Außerdem sind so oder so irgendwann mal wieder Alternativen gefragt, und dann braucht die SPD einen Koalitionspartner. Und möglichst nur einen.

      • stefanolix sagt:

        Die SPD wird im Bund frühestens in acht Jahren einen Koalitionspartner brauchen — wenn CDU/CSU/FDP einigermaßen vernünftig arbeiten. Und über die Wahl in acht Jahren zerbreche ich mir jetzt als unpolitischer Blogger noch nicht den Kopf ;-)

        Ich höre mir jetzt lieber die Bauernkantate von J. S. Bach an und lache beim Textlesen: die hatten es damals auch nicht einfach mit ihrer Obrigkeit.

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