Buy nothing?

Leider fiel mir der billig kopierte blaue Zettel zu spät in die Hände: nach dem »Schwarzen Freitag« stand heute das ganze Gegenteil im Kalender. Heute war nämlich der »Kauf-Nichts-Tag«.

Was soll ich nun dazu sagen? Gestern hatte ich zu viel zu tun und konnte nichts kaufen. Heute hatte ich wieder zu viel zu tun, aber ich musste einkaufen gehen. Wahrscheinlich bin ich nicht für solche Tage gemacht oder solche Tage sind nicht für mich gemacht.

knd.png

Der »Kauf-Nichts-Tag« als Balkencode …

Derweil wurde der Dresdner Striezelmarkt eröffnet und ich muss sagen: von der Straßenbahn aus sieht er in der ersten Dunkelheit ganz gut aus. Der umstrittene Bogen ist jetzt so gestaltet und geschmückt, dass ihn niemand mehr für den Eingang zum Markt halten dürfte. Die Buden sind besser angeordnet als früher. Mit der Musik und dem Angebot muss ich mich ja nicht anfreunden ;-)

Ich wünsche jedenfalls allen einen schönen ersten Advent und werde mal schauen, ob ich morgen das erste Kerzenlicht vor die Kamera bekomme.

3 Responses to Buy nothing?

  1. Alex sagt:

    Sieh es mal so. Vielleicht hast Du mit Deinem Einkauf heute einem einfachen Angestellten gerade noch so seinen Arbeitsplatz gerettet. Er und seine Familie wird Dir zum Advent von Herzen dankbar sein! Ist doch auch ein gutes Gefühl oder? ;-)

    Auch Dir einen schönen 1. Advent!

    • stefanolix sagt:

      Wenn das überhaupt funktionieren soll, dann müssten sich Anbieter und Nachfrager auf einen Tag einigen, an dem die einen auf das Anbieten und die anderen auf das Nachfragen verzichten.

      Man muss sich auch mal in die Rolle der Mitarbeiter im Handel versetzen. Man stelle sich das bildlich vor: in ganz Dresden wären heute alle Kunden heute zu Hause geblieben.

      Trotzdem könnte ich mir gut vorstellen, dass ein Adventssonntag mal ganz freiwillig zum einkaufsfreien Tag erklärt wird, obwohl Einkaufen nach dem Gesetz erlaubt wäre [Oder zwei? Oder drei?].

      Um ehrlich zu sein: selbst wenn ich einen Sinn darin gesehen hätte und wenn ich es schon vor einer Woche gewusst hätte — ich hätte wirklich keine Möglichkeit gehabt, einfach mal so 24 Stunden auf das Einkaufen zu verzichten.

      Ich bin selbst oft genug samstags Anbieter von Leistungen (auch wenn es meinen Auftraggebern meist egal ist, wann ich meine Aufträge erledige, Hauptsache der Termin wird gehalten). Die Idee, dass sich alle mal an einem Tag gegenseitig in Ruhe lassen, kann man nur im Konsens verwirklichen.

      Übrigens könnte es natürlich auch sein, dass dieser Tag eine ganz raffinierte Idee der Werbewirtschaft ist: man soll sich 24 Stunden Gedanken machen, was man in der nächsten Zeit kaufen möchte ;-)

  2. casus sagt:

    @Alex muss ich vollinhaltlich rechtgeben.

    Im Ansatz ist der „Buy Nothing Day“, initiiert von Adbusters, sicherlich nicht nur eine (1) Überlegung wert. Wertschätzung und Anerkennung definiert sich in unserer Welt leider immer noch eher über Haben statt über Sein. Mein Haus, mein Auto, meine Yacht… Mein neues Handy, meine tolle Hose, meine linksdrehende Schlagbohrmaschine. Auch im „Kleinen“ kaufen wir Dinge, die nicht unbedingt nötig wären und dessen Gegenwert einem anderen Menschen für morgen oder ein paar Tage das Überleben sichern würde. Egoismus statt Solidarität.

    Nun sollen wir 1 Tag auf „Konsumterror“ verzichten. Was für ein blöder Ansatz. Ist wie bei einer Diät: 1 Tag nix essen und den nächsten Tag doppelt soviel reinschaufeln. Wenn vielleicht auch in anderen Zeitdimensionen: Fürs Abnehmen ist das der falsche Ansatz, richtig wäre hier eine Ernährungs- oder noch besser: Lebensumstellung (+ Bewegung, Sport).

    Veränderung geht über Bewußtsein. Wer ist denn der (im Idealfall) der König? Der Kunde! Kauf doch das was nötig ist. Belohne Dich auch mal (!) mit was, was nicht unbedingt notwendig ist. Renne nicht jedem Rabatt nach und kaufe Produkte, die keiner wirklich braucht. Jeden Tag.

    Think global, act local. Klingt nach grüner Fundi-Romantik, kann man aber auch bei schmalen Geldbeutel umsetzen. Ich muß nicht jeden Tag Fleisch essen (was ich gern esse) – aber wenn, dann ein Gutes. Gern auch vom lokalen Bio-Fleischer.

    Ich kann mich jeden Tag den super-billig-Angeboten verweigern. Dazu brauch ich keinen speziellen Tag, an dem ich nun aus Zeitgründen zwangsweise gerade einkaufen muss (geht mir wie stefanolix).

    Aufrütteln mit einem solchen Tag? Ins Bewusstsein rücken? Marketing? Den Gegener mit seinen eigenen Waffen schlagen?

    Warum nicht? Aber darunter leidet der Tante-Emma-Laden, bei dem sowieso nur noch Leute einkaufen, die act-local oder einfach die 80jährige Verkäuferin gut finden. Und für die sind die fehlenden Euros vielleicht der Todesstoß. Weils sowieso knapp ist…

    Ich gehe sowieso am Wochenende nicht einkaufen. Da sind mir zuviele Menschen unterwegs, das dauert zu lange und resultiert in (meiner) schlechten Laune. Außerdem sehe ich am Wochenende endlich mal meine Familie und die Zeit wäre mir zum Einkaufen zu schade.

    So habe ich mein Leben umstrukturiert und einen Tag in der Woche gefunden, an dem ich meine notwendigen Einkäufe erledige. Dem Internet und lokalen Anbietern (z.B. Gemüse) sei Dank, wird mir Vieles auch direkt nach Hause geliefert. Den Rest besorge ich vor Ort bei meinem Lieblingsbäcker oder z.B. -fleischer.

    Ich hoffe ich habe genug Ansatzpunkte zur Gegenrede gefunden.

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