Freies Radio

In den Dresdner Blogs wird in der letzten Zeit häufig über die Frage »Droht coloRadio das Aus?« diskutiert. Ich habe mir in den letzten Tagen und Wochen stichprobenartig politische Sendungen und Beiträge auf coloRadio angehört. Bevor ich mich dazu äußere, möchte ich einige Anforderungen und Voraussetzungen zusammenfassen.

Voraussetzungen für ein freies Radio

Als »freies Radio« werden Radiosender bezeichnet, die meist durch einen gemeinnützigen Trägerverein betrieben werden und in denen Bürger eigene Sendungen gestalten können. Freie Radios sind keine kommerziellen und keine öffentlich-rechtlichen Sender.

Zu den theoretischen Grundlagen des freien Radios gehören Bertolt Brechts »Radiotheorie« und Hans Magnus Enzensbergers »Medienbaukasten«. Im Kern geht es darum, dass freie Bürger nicht nur passive Empfänger, sondern auch aktive Sender sein können. Freie Radios sollen ihnen die Möglichkeit zum Senden geben.

Angelehnt an Hannah Arendts Buch »Vita activa« kann man das Gestalten einer Radiosendung als Teil des Handelns eines Menschen bezeichnen:

Das Handeln ist die einzige Tätigkeit des Menschen, die sich ohne die Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt. Die Grundbedingung, die ihr entspricht, ist das Faktum der Pluralität, nämlich die Tatsache, dass nicht ein Mensch, sondern viele Menschen auf der Erde leben und die Welt bevölkern. [mehr Informationen]

Lassen wir die Technik — als notwendiges Übel — für einen Augenblick beiseite, dann sehen wir in diesem Zitat und in Brechts Radiotheorie das Idealbild eines freien Radios: Menschen werden aktiv, um anderen Menschen etwas mitzuteilen. Und freies Radio muss so pluralistisch sein wie die Gesellschaft, für die es sendet.

Doch technisch gesehen bleibt es ein Sender-Empfänger-Modell und die Ressourcen für ein freies UKW-Radio sind in doppelter Hinsicht begrenzt.

Zum einen gibt es in der Regel nur sehr wenige freie UKW-Frequenzen. Zum anderen muss freies Radio mit Steuergeld oder aus Rundfunkgebühren bezahlt werden, da es grundsätzlich auf Werbeeinnahmen aus der Privatwirtschaft verzichtet.

Meine Anforderungen an ein freies Radio

Ein freies Radio für Dresden muss aus drei Gründen ein pluralistisches Radio sein: weil die Menschen verschiedenartig sind, weil es in Dresden keinen weiteren gleichartigen Sender geben kann und weil es aus Steuern oder Abgaben bezahlt wird.

Mein Eindruck von coloRadio

ColoRadio bietet in seinen politischen Sendungen eigene und fremde Beiträge an. Bereits nach wenigen Sendungen fällt auf: Politische Beiträge und Berichte bei ColoRadio sind fast immer dem Grundsatz der Parteilichkeit verpflichtet. Parteilichkeit bedeutet: viele Beiträge sind links oder linksradikal. Was nicht ins Bild passt, wird in parteilichen Berichten grundsätzlich weggelassen.

Bei der Berichterstattung über den Klimagipfel wurden gestern beispielsweise die gewaltsamen Übergriffe von Demonstranten völlig ausgeblendet und es wurden inhaltlich nur die Positionen einiger Demonstranten dargestellt. Das waren die Positionen, die ins Bild passten.

Zur journalistischen Sorgfaltspflicht würde jedoch gehören, dass die Informationen vollständig sind. Dazu gehört die Information über gewalttätige Ausschreitungen. Dazu gehört die Zusammenfassung anderer Positionen und dazu gehört das Hinterfragen von Positionen.

Einen ähnlichen Eindruck hatte ich von der Berichterstattung über die Studentenproteste.

Heute abend wurde eine Pressemitteilung der illegalen Besetzer des Hauses Jägerstraße 22 verlesen: einseitig, parteilich, in keiner Weise hinterfragt. Ein Höhepunkt der Sendung kurz vor 20.00 Uhr war das ausdruckslose Vorlesen einiger Veranstaltungshinweise. Nach 20.00 Uhr folgte dann gleich die Sendung »radio attac«. Später ging es dann wieder mit einseitiger Berichterstattung aus Kopenhagen weiter.

Mein Fazit

ColoRadio stellt sich für mich in Sachen Politik momentan als dezidiert linkes und parteiliches Radio dar. Ich bin für freie Meinungsäußerung und für freies Radio. Aber ich bin dagegen, dass mit öffentlichem Geld und auf einer exklusiven Frequenz einseitig ausgerichtete (linke) Propaganda gesendet wird.

Ich nehme mir als Hörer und Blogger grundsätzlich die Freiheit, meine Meinung zu diesem Sender zu sagen, auch wenn ich selbst kein »Radiomacher« bin. Radio wird für Hörer gemacht, also haben Hörer auch das Recht, das Radio zu kritisieren. Komme mir also niemand mit dem Argument: wer nicht Radio macht, darf nicht über coloRadio schreiben.

22 Responses to Freies Radio

  1. henteaser sagt:

    Ich würde eher mal wissen wollen, ob es in Deutschland auch einen freien Radiosender gibt, der nicht linkstendenziell ist. Die unter freie-radios.net abrufbaren Sendungen jedenfalls sind’s meines Erachtens allesamt.

    Außerdem: Wenn ich mich über steineschmeißende Demonstranten informieren möchte, brauche ich nur die Bildzeitung aufzuschlagen. Oder ganz klassisch Tagesschau gucken.

    • stefanolix sagt:

      Tja. Wenn das anderswo so ist, muss es ja in Sachsen nicht auch so sein. Ich habe meine Ansprüche an ein Radio in der Stadt Dresden aufgeschrieben.

      Ich lese keine BILD. Ich weiß, dass es Medien gibt, in denen Gewalt und Ausschreitungen gezeigt werden. Aber das ist überhaupt nicht mein Punkt. Das ist ein ganz anderer Typ von Medien.

      Ich will nicht, dass ein solcher Sender politisch zur Beute einer bestimmten Gruppe wird und dass andere Leute keinen Zugriff bekommen. Es geht mir nicht um mich oder meinen Geschmack. Ich denke auch überhaupt nicht daran, dort um irgendeine Sendezeit zu betteln. Es geht mir darum, dass der Sender politisch nur eine einzige Richtung zulässt und dass ich schwerwiegende journalistische Mängel sehe.

      [Ergänzung: Ich will auch überhaupt nicht darüber diskutieren, ob freies Radio in seinen politischen Teilen wirklich überall links bis linksradikal ist. Ich kann mir jetzt kein Bild über so viele Sender machen. Dresden hat jedenfalls besseres verdient als »attac«- und Linkspropaganda.]

  2. henteaser sagt:

    Hm, bisher habe ich Coloradio eher mit einem Gemeinschaftsblog verglichen. Der Knackpunkt scheint mir/dir die staatliche Subvention zu sein, mit der plötzlich journalistische Sorgfaltspflichten und Überparteilichkeit einherzugehen scheinen.

    Übrigens habe ich mir vorhin verkniffen, dieses ewigblöde „Mach’s halt selber besser“-Argument zu bringen. Obwohl es, anders als wenn du dich z.B. über miesen Fernsehfunk aufgeregt hättest, im Rahmen des möglichen wäre. Wenn ich deren Webseite Glauben schenken kann, fordern sie ihre Hörer ja dazu auf, eigene Beiträge einzureichen bzw. Radio mitzugestalten.

    • stefanolix sagt:

      Es ist nicht im Rahmen des Möglichen. Ich habe doch ausgeführt, was dort politisch läuft. Bitte mach Dir den Spaß und höre Dir mal eine Woche die politischen Sendungen dort an. Die Aufforderung kann nur so gemeint sein, dass sie Beiträge haben wollen, die zu ihnen und ihrer Zielgruppe passen ;-)

      Aufgeregt habe ich mich eigentlich überhaupt nicht. Ich sehe mich auch als Blogger nicht in einer parteilichen Position gegen Linke, denn ich habe oft genug falsche Entscheidungen und Pfusch der CDU- bzw. FDP-Seite kritisiert.

      Herr Dr. Gerstenberg, den ich persönlich sehr schätze, hat die freien Radios im Landtag auf die friedliche Revolution 1989 zurückgeführt. Nun, ich war 1989 dabei. Und mein Anspruch ist: es sollte das gesamte pluralistische Spektrum von 1989 eine faire Chance im freien Radio haben, also ohne Ansehen der Reihenfolge: Bürgerliche, Christen, Grüne, Liberale und selbstverständlich auch Linke.

      Es muss möglich sein, dass dort nach einer Vertreterin der Linken wie Frau Bonk genauso fair ein Vertreter des bürgerlichen Lagers wie Herr Herbst zu Wort kommt — und natürlich auch ein Umweltschützer, ein Bürgerbewegter, eine konservative Christin … eben gelebter Pluralismus.

      Wenn es eines Tages soweit ist, dann nenne ich das Freies Radio. Dann wäre ich nicht nur für 40.000 Euro Zuschuss, sondern für das Doppelte ;-)

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht noch ein Wort zur Sorgfalt. Ich selbst lege an meine Arbeit bestimmte Maßstäbe an. Ich will Pfusch vermeiden. Und das erwarte ich auch von anderen.

      Wenn da »Bürgerjournalisten« zu bloßen Stichwortgebern werden, wenn kritik- und emotionslos Pressemitteilungen vorgelesen (eher: heruntergeleiert) werden, dann ist das schlicht Pfusch. Und dann habe ich das Recht, darauf hinzuweisen.

      Und Pluralismus ist nicht zu verwechseln mit Überparteilichkeit. Innerhalb einer pluralistischen Gemeinschaft soll jeder eine dezidierte Meinung haben und natürlich auch sagen. Nur ist coloRadio weit davon entfernt, einen fairen Wettstreit von Meinungen zuzulassen.

  3. marc sagt:

    die radiosituation in sachsen ist grausam! :-O …ich beschwer mich schon über das programm in berlin… keine ahnung, wie ihr da unten das aushaltet

    in dresden kommt ja nicht mal fritz aus brandenburg mehr richtig ran. …da kann man ja gar nicht autofahren, wenn man mal den mp3-player vergisst(!)

    ich meine, warum wird in sachsen nicht einmal sputnik ausgestrahlt??? das gehört doch sogar zum M D R !!! …und so tolle private wie in berlin (motor, jam, star, jazzradio…) wird es wohl in sachsen in 100 jahren nicht geben.

    …ich will nicht sagen, dass das radioangebot ein grund war, warum ich meine sächsische heimat für berlin verlassen habe. ;) aber das ist eine sache, die ich definitv nicht vermisse.

  4. googlehupf sagt:

    Deine Einschätzung der „Berichterstattung“ auf coloRadio teile ich voll und ganz. Allerdings bin ich mir was die Konsequenz angeht nicht ganz sicher.

    Freies Radio erinnert mich auch ein wenig an die offenen Kanäle die es in Städten und Ländern gibt. Dort findet auch häufig eher „tendenzielles“ Programm statt. Theoretisch hätte dort aber auch jemand „unserer“ politischen Färbung kein Problem seine Sendung zu machen und gegen „die anderen“ inhaltlich zu schießen.

    Solange man also akzeptiert, dass es sowas wie ein staatlich subventioniertes, bürgergetriebenes Hörfunkprogramm gibt, muss man auch akzeptieren was dort gesendet wird. Die Optionen wegschalten oder etwas selber organisieren stehen ja weiterhin zur Verfügung.

    • stefanolix sagt:

      Weitere offene UKW-Frequenzen gibt es in Dresden nach meinem Kenntnisstand nicht. Die staatlichen Subventionen aus Gebührengeld oder Steuergeld sind auch eng begrenzt. Die Option »selbst einen neuen Sender zu gleichen Bedingungen schaffen« hat man also gerade nicht. Die Option »wegschalten« hat man immer. Aber ich wollte mich ja gerade aktiv an einer Diskussion — im Sinne von Brecht und Arendt — beteiligen.

      Theoretisch gäbe es die Möglichkeit einer anderen Sendung in coloRadio vielleicht. Praktisch gibt es sie nicht. Alle politischen Sendungen sind streng auf die linke Linie gebracht. Die Sendung »354. radio%attac« [das gibt es wirklich!] wird als selbstverständlich hingenommen, obwohl sie mit Dresden nun wirklich nichts zu tun hat. Man höre sich mal die ersten fünf Minuten von #354 an ;-)

      Man muss sich wirklich mal diese politischen Sendungen einen Abend lang antun. Wenn dort eine Person A die Person B befragt, dann bedienen sich A und B einer speziellen Sprache, die man nur versteht, wenn man jahrelang mit linken Bloggern diskutiert hat. A gibt B die ideologischen Stichworte und B bringt dann die ideologischen Phrasen. Die wollen gar nicht, dass jemand anders zuhört, geschweige denn, dass jemand anders mitmacht.

      Ein liberaler Beitrag oder eine Sendung zum Erläutern wirtschaftlicher Zusammenhänge wäre in diesem Schema völlig unmöglich. Das will doch dort niemand hören. Man sendet nur für eine spezielle linke Zielgruppe. Die Zielgruppe will »attac« in den Versionen 355 bis 3550 hören ;-)

      Mit offenen Fernsehkanälen habe ich mich (mangels Fernseher) noch nicht beschäftigt. Aber ich bezweifle stark, dass dort die Ressourcen unbegrenzt sind und dass man dort einfach so reinkommt.

  5. frankinformiert sagt:

    Dass freie Radios eher links sind, halte ich für nachvollziehbar. Denn ein Radiosender ist ein Medium, über das man eigene Meinungen verbreiten kann. Wer eigene Meinungen hat, kann also selbst denken und solche Leute findet man erfahrungsgemäß eher im linken Spektrum. Wenn es ein freies Medium ist, kann man nicht anordnen: Nun sendet zum Ausgleich aber bitte auch mal etwas rechtes oder zumindest konservatives! Dann wäre es nicht mehr frei.

    Ob die bei Coloradio gesendeten politischen Inhalte nun wirklich immer auf eigenem Denken basieren, darf man natürlich gern bezweifeln. Da wird es auch viel linke Phrasendrescherei geben. CR ist eigentlich auch gar nicht durchgängig, sondern hat oder hatte auch sehr unpolitische Sendungen (Buschfunk, Spur1, die Kinderredaktionen). Das Problem bei CR wurde immer wieder einmal von verschiedenen Leuten unabhängig voneinander so zusammengefasst: Eigentlich gibt es Interesse an ausgeglichenen Darstellungen, aber bei CR sind auch einige wenige Hardliner dabei, an denen seit Beginn der Existenz des Senders jegliche nicht-linken Tendenzen scheitern. Ein ehemaliger Redakteur hat mir das einmal als „Bunkermentalität“ beschrieben.

    Unser Beinahe-OB Michael Winkler (stand bei der letzten OB-Wahl mit zur Wahl ;-) ) hat dazu einmal etwas geschrieben: http://www.alg-dresden.de/seiten/coloradio.htm

    Übrigens ist für Radiosender eine UKW-Frequenz doch besser. Denn man könnte ja sagen: Heute gibt es doch Internetradio. Viel besser, weil billiger, erfordert keine komplizierte Technik mehr, ist weltweit empfangbar. Die Praxis sieht leider so aus, dass sich das kaum einer anhört. Die Anzahl der Hörer kann man hier kontrollieren:
    http://streaming.fueralle.org:8000/

    • stefanolix sagt:

      Den Zusammenhang zwischen »selbst denken« und »eher links« finde ich ja sehr gewagt ;-)

      Ich habe eine eigene Meinung und kann wohl ganz gut selbst denken. Mich findet man in überhaupt keinem Spektrum. Darüber hinaus kenne ich viele sehr gute [denkende] Autoren, die sich nicht dem linken Spektrum zurechnen lassen.

      Ich will nichts anordnen. Ich will, dass ein freies Radio von Anfang an so konstituiert ist. Ich leite es oben aus bestimmten Quellen ab: Friedliche Revolution, Pluralismus, Brecht, Arendt …

      Der Inhalt der politischen Sendungen kommt zum Teil aus einem linken bis linksradikalen Netzwerk und wird einfach so durchgesendet. Manchmal hat man den Eindruck, dass sich das keiner vorher angehört hat — zumindest nicht der Moderator.

      Du erwähnst linke Hardliner. Diesen Eindruck habe ich auch. Das merkt man an der Sprache. Ich bin seit vielen Jahren ja auch in durchaus fairen Diskussionen mit linken Bloggern. Da kennt man die Mechanismen ;-)

  6. frankinformiert sagt:

    Nachtrag: „CR ist eigentlich auch gar nicht durchgängig, sondern …“ sollte heißen „CR ist eigentlich auch gar nicht durchgängig politisch, sondern …“

    • stefanolix sagt:

      Selbstverständlich ist es nicht durchgängig politisch. Ich habe mich aber auf dieses Gebiet konzentriert, weil sich dort ja der Pluralismus beweisen muss.

      Es ist ja keine Kunst, Musik unterschiedlicher Stilrichtungen nacheinander abzuspielen. Das ist Minimal-Pluralismus ;-)

      Es ist eine hohe Kunst, unterschiedliche Meinungen im selben freien Träger bzw. Radio zu tolerieren.

  7. stefanolix sagt:

    Und es endet leider auch manchmal damit, dass man sich sagen lassen muss:

    Was ich aus Deinen Beiträgen zu Coloradio rauslese ist ‘ne Menge Unkenntnis über Coloradio und darauf aufbauend Urteile über Coloradio.

    Das ignoriere ich noch nicht mal ;-)

  8. frankinformiert sagt:

    Zitat: „Den Zusammenhang zwischen »selbst denken« und »eher links« finde ich ja sehr gewagt ;-) Ich habe eine eigene Meinung und kann wohl ganz gut selbst denken.“

    :-) Schon klar, dass das zu Widerspruch anregt. Es ist auch nur so eine Beobachtung, die m.E. bis in die 90er stimmte. Inzwischen gibt es tatsächlich immer mehr Beispiele von Leuten, die keine Lust mehr auf dieses Schubladendenken haben. Da würde ich mich selbst auch einordnen (ob man das selbst unter Kontrolle hat, ist eine andere Frage).

  9. […] meine Anforderungen an ein freies Radio habe ich in diesem Artikel […]

  10. Lohmydd sagt:

    Dass man Leute, die selbst denken können, eher im „linken Spektrum“ antrifft, ist nun wirklich ein Gerücht, zumal sich „selbst denken“ und die Zugehörigkeit zu einem wie auch immer ideologisch eingefärbten Spektrum weitgehend ausschließen. Ich habe im Wahlkampf selbst eine Coloradio-Sendung als Studiogast mitgemacht. Auf die Frage, ob wir bereit seien, für die freie „Soziokultur“ mehr Geld auszugeben, habe ich zurückgefragt, was daran frei sei, sich über Staatsknete zu finanzieren. Das Gleiche trifft m.E. auf die jetztige Diskussion zu: Abgesehen von der oben ganz richtig erkannten ideologischen Unfreiheit ist doch die Forderung nach Subventionen für „Freies Radio“ ein Widerspruch in sich. Wie frei steuerfinanzierte Medien sind, hat man erst kürzlich beim ZDF beobachten können.

    • stefanolix sagt:

      Das hat Frank sicher auch eher ironisch gemeint. Und ein klein wenig Wahrheit ist schon dran: die Vordenker der Linken sind teilweise hochintelligent.

      Das Problem scheint mir nur zu sein, dass sie anderen Leuten das Denken gern abgewöhnen wollen. In Parteien oder ähnlichen Organisationen haben Linke immer eine Kaderlinie und eine Massenlinie. Und die Massenlinie ist immer sehr stark vereinfacht. George Orwell hat es in »Farm der Tiere« sehr gut beschrieben.

      War das coloRadio bis Ende 2009 steuerfinanziert? Ich weiß nicht, ob die Privatsender ihre Zahlungen als Kosten absetzen können? Das SLM-Geld kommt doch eher aus Gebühren?

      Aber wir werden das System ja nicht so einfach abschaffen können. Nehmen wir mal an, in unserem Öffentlich-Rechtlichen System soll es Freie Radios geben. Dann verlange ich, dass es auch eine gewisse demokratische Kontrolle geben muss. Damit meine ich vor allem, dass Pluralismus gewährleistet sein muss und dass die Strukturen transparent sein müssen.

      Und auf welcher Basis festgelegt wird, dass Dresden auf UKW auf Kosten der Gebührenzahler beispielsweise

      – radio attac,
      – »Ten German Bombers« für Antideutsche,
      – Kommentare der Ewiggestrigen und DDR-Nostalgiker,
      – Propaganda für Kommunisten und Linksradikale und
      – Propaganda gegen Israel

      braucht, würde mich schon mal interessieren. Jeden Abend höre ich Propaganda ohne jeden Dresden-Bezug in unterschiedlichen Versionen und ich will einfach mal wissen, wodurch das legitimiert ist.

  11. Lohmydd sagt:

    Klar haben Linke hochintelligente Vordenker – Rechte übrigens auch. Und beide eint dieser Ausschließlichkeitsanspruch ihrer Denke. Dass freie Radios linkslastig sind, mag daran liegen, dass diejenigen, die sich dort engagieren, damit eine Lücke für diejenigen schließen wollen, die sich beim Öffentlich Rechtlichen nicht bedient fühlen. Und wer auf Revoluzzer-Rhetorik steht, kommt bei den gängigen Formaten wirklich zu kurz. Die Frage ist, ob das mediale Bedienen ideologischer Randgruppen im öffentlichen Interesse liegt und mit welcher Begründung man bejahendenfalls ggf. einen Förderantrag von „Radio Deutsche Stimme“ ablehnen würde. Auch eine demokratische Kontrolle wird schwierig. Wenn ein Aufsichtsgremium demokratisch, d.h. nach Parteienproporz, besetzt sein müsste, hätte z.B. schwarz/gelb im Verwaltungsrat von Coloradio das Sagen – zumindest würde das für einigen Gesprächsstoff sorgen ;-)

    • stefanolix sagt:

      Nur eine kurze Antwort, ich bleibe auf jeden Fall an dem Thema dran. Ein Triumph in der Art »jetzt gibt es eine bürgerliche Mehrheit und jetzt zeigen wir denen mal, wo der Hammer hängt« wäre meiner Meinung nach sehr billig. Selbstverständlich sollen Stimmen einer linken Opposition senden dürfen. Diese Kritik gehört zu den Grundlagen der Demokratie.

      Was nicht passieren darf: dass sich eine Gruppe in so einem Sender die Kontrolle sichert und nur noch ihre politische Richtung sendet.

      Ich denke, es sollte eine Ombudsperson oder einen Ombudsrat geben. Idealerweise sind das Personen, die einen engen Bezug zur Friedlichen Revolution 1989 haben, denen Meinungsfreiheit viel wert ist, die politisch ungebunden sind und die nicht polarisieren.

      Ich denke, das freie Radio ist zu wichtig, um es wechselnden Mehrheiten zu überlassen. Wie politische Kontrolle missbraucht werden kann, sieht man ja an diversen »Rotfunk«-»Schwarzfunk«-Diskussionen. Hessen hat wohl alle Phasen schon mal durch. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in anderen Bundesländern ist zum Teil rot oder schwarz geblieben. Das müssen wir uns hier in Dresden nicht antun.

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