Erkenntnisse über Dresden

Als Dresdner Blogger habe ich in meinem RSS-Reader den WordPress-Tag Dresden abonniert. Zur Zeit schlagen dort viele Meldungen auf, in denen linksextreme Gruppen aus den tiefsten Provinzen des Landes zur Teilnahme an Gegendemonstrationen am 13. Februar aufrufen. Denn das

Verwaltungsgericht Dresden schützt den Naziaufmarsch

und die Polizei in Sachsen beschäftigt sich derweil mit dem

Rüsten für den Faschismus

Das ist zwar alles kompletter Blödsinn, aber wahrscheinlich dient es aus Sicht der Autoren einer guten Sache. Wer die Realität derart verzerrt darstellt — sagt der die Wahrheit über seine Absichten? Keine Sekunde kann ich beim Lesen daran glauben, dass solche Leute in friedlicher Absicht nach Dresden kommen.

Folgt man den Links in den RSS-Feeds, stößt man auf Blogs, die man lieber nie zu Gesicht bekommen hätte. Man sollte es nicht glauben, aber es wehen auch im Jahr 2010 noch allerlei stalinistische und kommunistische Fahnen im Wind und es wird auch im Jahr 2010 noch sehr gern an das MfS erinnert. Ewiggestrige Stalinisten …

Und diese Gruppen von Autonomen, Stalinisten und verbohrten Links-Totalitären wollen uns unter Parolen wie

Staat.Nation.Dresden.Scheisse.

erklären, dass Dresden die Nazi-Hochburg Nr. 1 in Deutschland ist? Sie demonstrieren am Samstag wohl wie in den letzten Jahren gemeinsam mit Leuten, die lautstark den Bomber-Harris zurückrufen und sich eine zweite Zerstörung Dresdens wünschen.

Nein, wir können nichts daran ändern, dass Rechtsextreme aus ganz Europa hier in Dresden ihr verfassungsmäßig garantiertes Recht auf eine Demonstration nutzen. Wir können es ihnen nicht verbieten und wir können sie nicht aus Dresden ausweisen. Exakt das gleiche Recht haben auch die Linksextremisten.

Und es ist vielleicht auch sinnlos, diesen linksextremen Parolen etwas Vernunft entgegensetzen zu wollen. Aber ich wollte nichts unversucht lassen.


45 Responses to Erkenntnisse über Dresden

  1. Stine sagt:

    ich bin regelrecht froh, dass ich am samstag der stadt entfliehen kann,essen bei den schwiegereltern bringt mich wenigstens nicht so zum erbrechen wie es diese jährliche schlacht um dresden tut. können wir nicht einfach eine große fläche umzäunen und rechten wie linken extremisten ihren sehnlichsten wunsch erfüllen, nämlich sie zusammenbringen, damit sie auch mal wirklich zusammentreffen und sich gegenseitg stoppen? das wäre doch mal ein ereignis, aber wer soll das aufräumen? entschuldigung für diese gewaltphantasien, aber ich las erst heute wieder ein plakat von einem aktionsbündnis gegen den ekligen naziaufmarsch, auf dem mit irgendeinem kinderverband gleichzeitig die dkp stand, nebst den üblichen guten antifaschistischen verdächtigen. nein danke, ich bleibe fern.

    • stefanolix sagt:

      Die DKP fehlte mir noch. Neben Hilde-Benjamin-Bejublern und Tschekisten-Fans. Ich würde ja Wetten auf Sprüche auf Plakaten der Linken annehmen, wenn es nicht so traurig wäre.

  2. Lina sagt:

    >> „Aber ich wollte nichts unversucht lassen.“

    wäre nicht_beachtung nicht vielleicht die bessere lösung, als solche gruppierungen permanent zur ernsten bedrohung ‚aufzuwerten‘? ich sag das von hier aus, wo nicht dresden und auch kein anlass ist, aber jede eingenommene frontstellung, gegen links, gegen rechts, erscheint mir doch eher kontra_produktiv.

    um was geht’s denn? um die möglichkeit, sich gewaltsam bemerkbar zu machen. und warum eigentlich? zu dieser frage fällt mir immer wieder ein amerikanischer soziologe (vergessenen namens) ein, der, nach den ursachen aktueller gewalt_bereitschaft gefragt, imho überzeugend antwortete: „It’s boredom, stupid!“

    ihm zufolge handelt es sich längst nicht mehr (zumindest in der westlichen hemmnisphäre) um die umstürzlerischen polit_ambitionen (früherer jahre), sondern um krasse versuche, sich eines frusts zu entäussern, den perspektive_losigkeiten aller art zur aggression aufbauen (können).

    also ich, und das wollte ich damit sagen, sehe keine (rote/braune) gefahr ausser der gewalt_ausübung selbst, und dafür, dass sie, falls sie auftreten sollte, eingedämmt und/oder verhindert wird, ist die polizei vor ort zuständig – und hoffentlich auch in der lage …

    • Jane sagt:

      Lina, du sprichst mir aus der Seele. Ich halte dieses ganze politisierte Wettrüsten an diesen Tagen für vollkommen überzogen, deplatziert und dem eigentlichen Zweck des Tages – Gedenken – völlig abträglich.

      Man wird niemals verhindern können, dass Extremisten diesen Tag missbrauch – egal ob links oder rechts. Und da stimme ich Stefan – welch Rarität – ausnahmslos zu: die Bewegungen am ultralinken Rande sowie der Missbrauch dieses Tages auf dieser Seite, der sich zumeist zunächst unerkannt in den Trubel des Gedenktourismus mischt, um dann plötzlich loszuschlagen, ist nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zur rechten Demo, die angemeldet ist und komplett mit Sicherheitskräften flankiert wird, kommen die Autonomen unangemeldet und sind somit weitaus schwieriger zu kontrollieren. Außerdem setzen diese Leute verstärkt auf Gewalt und Randale, was in den vergangenen Jahren oft auch eigentlich Unbeteiligte ansteckte.

      Ich find das alles total schlimm. Denn mittendrin laufen viele alte Leutchen herum und wollen eigentlich nur friedlich und in aller Stille ihrer Toten und der Schrecken des Krieges gedenken. Dem wird überhaupt kein Respekt mehr entgegengebracht, stattdessen muss sich die Stadt an diesem einen Tag unbedingt möglichst medienwirksam als „nazifrei“ oder zumindest „antifaschistisch“ präsentieren – egal wie.

      • Lina sagt:

        … mittendrin auch eine verwandte von mir, die dem inferno als kind entkam und jetzt eine von den alten leuten ist, die diesen gedenk_tag entstellt und missbraucht sieht und die welt (und die stadt) nicht mehr versteht …

        zustimmung zu dem, was du schreibst, jane!

      • stefanolix sagt:

        Und mittendrin auch Verwandte von mir, die nach dem Inferno und dem Krieg als Trümmerfrauen ganz entscheidend am Aufbau mitgearbeitet haben. Deshalb stimme ich Jane hier (und zum gleichen Thema an anderer Stelle) auch zu.

      • Jane sagt:

        Ich denke, fast jeder Dresdner, der seine Wurzeln und somit Verwandte hier hat, wird da irgendeinenen Fall auch in seiner Familie haben. Bei mir ist es die Großtante gewesen, die jüngste Schwester meiner Großmutter, sowie viele ihrer Klassenkameradinnen, die am Hauptbahnhof helfen waren in jener Nacht. Meine Oma ist heute 81 – und ist schon seit Jahren nicht mehr zum „Gedenken“ in der Stadt gewesen. Nur noch zum Friedhof geht sie an dem Tag, wo ihr Mann begraben liegt.

    • stefanolix sagt:

      Eine rechtsextreme Demonstration ist ideologisch gefährlich, auch wenn sie gewaltfrei durchgeführt wird. Deshalb halte ich den Aufruf der demokratischen Parteien im Dresdner Stadtrat für richtig. In der Menschenkette kann man das Gedenken und das Stellungnehmen gegen Rechtsextreme verbinden. Nichtbeachten ist leider bei 5.000 Rechtsextremen nicht möglich.

      Die Linksextremen haben sich in den letzten Jahren einen Sport daraus gemacht, die genehmigte Demonstration der Rechtsextremen mit allen Mitteln zu verhindern. Sie sind sehr mobil und sie wenden Methoden an, gegen die die Polizei nach Recht und Gesetz vorgehen muss. Daraus konstruieren die Linksextremen dann, dass die Sächsische Polizei auf der Seite der Neonazis steht oder dass die Polizei sogar selbst „faschistisch“ ist.

      Zugleich sind an den Aufrufen aber auch immer wieder Linksextreme beteiligt, die ganz offen stalinistisch-totalitäre Gewalt verherrlichen.

      • Lina sagt:

        >> „Nichtbeachten ist leider bei 5.000 Rechtsextremen nicht möglich.“

        mir ging es ja auch um publizistisches nicht_beachten im sinne einer gering_schätzung, anstatt ihretwegen in alarmismus zu verfallen (was du hier, sorry, nicht wirklich tust ;). es käme denen doch nur gelegen und zugute, wenn sie ihr ideologisches potenzial als ‚gefährlich‘ eingestuft sähen (was es imho nicht ist*). um ihr praktisches potenzial zu gewalt_aktionen wird sich die polizei schon kümmern … hoffe ich.

        *vom süden der republik aus gesehen. als im westen aufgewachsene fällt mir angesichts der offenbar zu erwartenden randale wieder auf, dass im osten das auftreten von links_extremen (verständlicherweise?) als ‚kommunistische gefahr‘ gewertet wird, während sie hier (realistischerweise?) als ideologiefreie, hirnlose, aber gewaltbereite chaoten gelten.

      • stefanolix sagt:

        Hm. Wenn man sich die Aufrufe genauer anschaut, erkennt man, dass eine Menge Hirn dahintersteckt und dass die Methoden der Demagogie wirklich klug eingesetzt werden. Hirn kann man eben auf unterschiedliche Art und Weise anwenden.

      • stefanolix sagt:

        PS: Um ihr praktisches Gewaltpotential wird sich die Polizei sicher kümmern. Es ist nur unheimlich schwer, in so einem Tumult den Tatbeitrag des Einzelnen zu beweisen. Die treten ja als vermummte Masse auf, um nicht für ihre Zerstörungen geradestehen zu müssen.

      • Jane sagt:

        Warum ist eine rechtsextreme Demo „ideologisch“ gefährlich? Wenn niemand sie beachtet, kann sie doch eigentlich nicht gefählich sein. Sie vermag nichts auszurichten bei Leuten, die charakterlich und in ihrer Weltsicht gefestigt sind.
        Und es liegt bei den Erwachsenen und beim Bildungswesen, die Jungen dahingehend zu Persönlichkeiten zu erziehen, die gegen solcherlei ideologischen Unrat gewappnet sind. Nur so kann auch die Demokratie überleben. Dazu braucht es aber ab und an, wie ich finde, auch die Nagelprobe in Form solcher unsäglichen Demos, der die demokratische Mehrheit ganz einfach auch standhalten können muss, ohne dadurch gefährdet zu sein.

      • stefanolix sagt:

        Die Medien beachten sie aber. Das Fernsehen wird Bilder in die ganze Welt senden, die Zeitungen werden es sicher auch nicht verschweigen. Deshalb ist die Menschenkette wichtig. Die Nagelprobe ist bestanden, wenn Dresden mehr Menschen auf die Beine bringt.

      • henteaser sagt:

        Genauer gesagt, wenn in Dresden mehr Menschen auf angemessene Art protestieren.

        Von den Menschenmassen ganz abgesehen, die sich nicht beim Einkaufen stören lassen. Schließlich gäbe es ohne die Bombennacht vermutlich auch keine innerstädtischen Konsumtempel der jetzigen Größenordnung.

      • Jane sagt:

        Die Nagelprobe ist dann bestanden, wenn die Reaktion auf eine angemeldete rechte Demo nicht mehr reflexartig Widerstand und Boykott heißt, sondern wenn man losgelöst davon eine stille und friedliche Gedenkkultur schafft, weil man sich versichert ist, das diese Demo am freiheitlich-demokratischen Charakter dieses Landes, dieser Stadt nicht im Mindesten zu rütteln vermag. Das eigentliche Problem ist, dass die deutschen sich das selbst nicht zutrauen. Wir leben noch immer in kollektiver Selbstmissachtung und denken, immer wieder allen anderen beweisen zu müssen, welch aufrechte Demokratien wir sind.
        Die sogenannten Trauermärsche der Nazis wiederum leben von der medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird.
        Ein Kreislauf ohne Ende.

      • henteaser sagt:

        @stefanolix: „Die Medien beachten sie aber.“

        Wer (reißerisch) über jede Handvoll Bekloppte berichtet, darf sich auch nicht wundern, dass die sich stark fühlen und u.U. sogar Zulauf erhalten. Vor allem, wenn Branding und Slogans der Bekloppten auf maximale Medienwirksamkeit ausgerichtet sind.

        Komischerweise schaffen es ‚die Medien‘ beispielsweise, die alltäglich stattfindenden Selbsttötungen nicht an die große Glocke zu hängen, um die Zahl der potentiellen Nachahmungs’täter‘ nicht zu erhöhen.

      • henteaser sagt:

        @Jane: „Wenn niemand sie beachtet, kann sie doch eigentlich nicht gefährlich sein. Sie vermag nichts auszurichten bei Leuten, die charakterlich und in ihrer Weltsicht gefestigt sind.“

        Vom Prinzip her richtig. Gleichzeitig fordern wir aber von Menschen, deren Charakter und Weltsicht sogar noch gefestigter sind als unsere, doch bitte keine rechten Parolen zu rufen oder Steine auf sog. Bullen zu schmeißen.

  3. Elbnymphe sagt:

    Kann mich Jane insofern anschließen, als ich auch oft an die noch lebenden Zeitzeugen denken muß, deren Gedenken in diesem Betroffenheitshype kaum mehr möglich scheint. Warum kann die Stadt nicht sagen, die Stadtgeschichte rechtfertigt einen Tag des STILLEN Gedenkens, an dem KEINERLEI Demos stattfinden? Man kann sicher auch an den anderen 364 Tagen des Jahres Haltung bzw. (im Fall der Faschos) Flagge zeigen.

    • stefanolix sagt:

      Ja, das denke ich auch. Man müsste den 13. Februar dazu dem Totensonntag oder einem „stillen Feiertag“ gleichstellen. Aber ob das im deutschen Rechtssystem möglich ist?

      • henteaser sagt:

        Na prima. Wenn man einmal mit sowas anfängt, wollen gleich alle.

        Man könnte am 11. September oder so einen internationalen ‚Angriff aus der Luft‘-Trauertag einrichten, der dann von Feuersturm über Napalmbombardement und 9/11-Terrorismus bis zur Tanklastersprengung alles abdeckt.

        Oder gleich eine Mahnwoche unter dem Motto „Der Mensch ist des Menschen Wolf, nutzt aber zusätzlich noch Distanzwaffen“ durchziehen.

      • Jane sagt:

        henteaser:

        Gibts doch alles schon in den USA. Der 11.9. ist dort nicht nur Stadt-Trauertag,sondern Staatstrauertag, mit Schweigeminute, schulfrei und landesweiten Gedenkveranstaltungen und Flaggen auf Halbmast.
        Natürlich haben dort Fragen, die in die Richtung gehen, wie es eigentlich zu diesem Anschlag hat kommen können und eventuell vorangegangene US-Außenpolitik infrage stellen, keinen Platz.

    • Lina sagt:

      @ Jane

      „Gedenkkultur“ … ?

      dieses schwer_deutsche fabrikat hat mir gerade noch gefehlt … sorry, jane :).

      @ henteaser

      mahnjahre, nicht -wochen, 365 tage halbmast ;-) …

  4. elbfisch sagt:

    Ich weiß, daß verschiedene Personen – auch aus der Mitte des Dresdner Stadtrates und von den Dresdner Landtagsabgeordneten – versucht haben, den 13. Februar, beschränkt auf die Stadt Dresden, als „stillen Feiertag“ bei der letzten Novelle des „Gesetz über Sonn- und Feiertage im Freistaat Sachsen“ mit aufzunehmen. Leider war dafür keine Mehrheit im Landtag zu finden …

    • stefanolix sagt:

      Diese Lösung würde nicht in die Meinungsfreiheit eingreifen und wäre IMHO auch mit dem Grundgesetz vereinbar. Das wäre keine Unterdrückung Andersdenkender und keine Beugung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.

      • Jane sagt:

        Nunja, ich würde sagen, dass sich Konzertkarten und Souvernirs an solch einem Tag besonders gut verkaufen dürften, so voll wie die Stadt ist. Und auch Restaurants, Hotels und Läden dürften vom gedenktouristischen Ansturm auf die Innenstadt profitieren.

      • Jane sagt:

        Oops, der Kommentar sollte eigentlich ganz ans Ende des Stranges.

    • Elbnymphe sagt:

      Ein Elbfisch? *freu* …

    • Jane sagt:

      Das finde ich wirklich schade. Es zeigt aber für meine Begriffe, dass neben dem ideologischen Interesse einiger extremer Gruppen auch ein reges politisches und wahrscheinlich auch wirtschaftliches Interesse am „Gedenk-Großkampftag 13. Februar“ besteht.

    • stefanolix sagt:

      Ein wirtschaftliches Interesse kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Die weißen Rosen aus Sebnitz (über die Du in Deinem Blog geschrieben hast) kann man auch ohne Demonstration und Gegendemonstration tragen.

      • Lina sagt:

        ‚ehrlich gesagt‘, stefanolix?

        diese im preis/leistungs_verhältnis gewachsenen weissen rosen kennzeichnen einen gedenk_tourismus, und welches interesse, wenn nicht wirtschaftliches, verbindet sich wohl mit ihm?

        ausserdem ist wirtschaftliches interesse ja völlig okay. aber hier stosse ich mich (wie jane) am anlass zur radikalen preiserhöhung – anlässlich eines anlasses, der kein vergnüglicher ist und wegen seines voraus_berechneten event_charakters extrem hohen zulauf verspricht; das hat dann schon geruch. aber eine gewisse ethik, und sei’s nur geschmack, distinktion, ist wirtschaftlich nicht effizient … sie bringt nix.

        ein anlass – das nur nebenbei – den ich wegen seiner staatstragend inszenierten schwerlastigkeit boykottieren würde. anders du, stefanolix, der du weiter oben positiv (!) anmerkst, dass menschen_ketten schon sein sollen, damit die mediokratische welt auch sieht, wie trauern plus verteidigen des geeigneten trauerns ( nebenbei: gegen extrem rechts und extrem links) nach staatsbürger_art auszusehen hat. was sind wir doch für knechte geworden, dass wir uns das individual_trauern quasi vom staat aus der hand nehmen lassen. um ein ‚bild‘ abzugeben – und was für eines!

        herrliche vorstellung zum schluss: der staat hält reden und keiner geht hin. nur leere strassen und plätze, auf denen die polizei mögliche fronten klärt – falls es unter solchen umständen, dass jeder für sich (oder auch nicht) ge_denkt, überhaupt welche geben sollte … wär den braunen und roten kämpfern doch bestimmt viel zu langweilig.

        und denk doch auch mal an die kosten, stefanolix, was du ja sonst so gerne tust … eine schiller_linde ist ein klacks dagegen, portokasse und so ;-) …

        (sorry, musste alles raus.)

      • Jane sagt:

        lina:
        ich arbeite momentan an mehr Transparenz hinsichtlich der Verwendung der Gelder aus den Einnahmen durch den Rosen-Verkauf. 0,75 Cent gehen an die Stiftung „Aktion Toleranz“, aber wo gehen die übrigen immerhin 1,25 Euro hin? Mal zur Erinnerung: Vor 5 Jahren noch wurde die Rose kostenlos angeboten – also von gemeinnützigen Trägern gesponsort.

      • stefanolix sagt:

        Meine Antwort bezog sich eher auf die Vermutung, dass die Politiker wirtschaftspolitische Hintergedanken gehabt haben könnten, als sie den Tag nicht als stillen Feiertag eingestuft haben.

        Ich würde heute und morgen nicht primär über die ökonomischen Auswirkungen der Demonstrationen nachdenken. Aber sie sind ganz sicher negativ für Dresden.

  5. Lina sagt:

    na ja, jane, irgendeiner hat sie mit erhöhten material_kosten produziert, ein anderer den grosshandel/die verteilung übernommen und organisierter ‚einzelhandel‘ verkauft sie; und alle wollen sie ein paar cents verdienen. da sind die verbleibenden 1.25 noch nicht einmal viel für die dienstleistung, demonstranten ausweislich damit ’schmücken‘ zu können ;) …

    wer’s tut, ist sich die 2 € sich wert. alles deko.

  6. Jane sagt:

    lina: Und wie funktionierte das alles 2005? Da musste das Teil auch produziert und an den Mann gebracht werden – vom selben Hersteller übrigens.

    • Lina sagt:

      tja, da war man halt noch ‚mit_dem_herzen_dabei‘, wie man sagt, in sachen ‚gute sache‘ oder so. fünf jahre gewollter eigennutz_pflege, politisch & wirtschaftlich an_gereizt, können auch ex_sponsoren korrumpieren ;-) …

    • stefanolix sagt:

      Wenn man die gesamte Kalkulation nicht kennt, kann man das ganz schwer einschätzen. Die Blumen sind jedenfalls (soweit ich weiß) nicht aus China, sondern aus der Kunstblumen-Manufaktur in Sebnitz in der Nähe von Dresden. Zu den Lieferanten des Materials für die Blumen weiß ich aber nichts.

  7. funkloch sagt:

    ach mensch!
    ich dachte doch tatsaechlich, dies waere das blog eines liberalen menschen. dann eben nicht.

    das problem an den nazis ist doch nicht, mit wieviel verve und welchem gewaltpotential sie fuer ihre „gesinnung“ stehen.

    nationalsozialismus ist im kern weder: nationalismus, faschismus oder militarismus. das alles gab und gibt es in den verschiedensten schattierungen und regionen. einzigartig bleibt doch die konsequente abweisung des auch von der extremen linken geteilten moralischen konsens der moderene. dass naemlich ein jeder mensch gleich und frei sei, sich selbst zweck und in seiner privatheit und der gewoehnlichkeit seines lebens, anders gesagt: seiner wuerde unantastbar.

    wer sich diese differenz (mutwillig) entgehen laesst, muss sich fragen, ob er/sie sich zum kumpan einer rueckkehr in eine kastengesellschaft, in eine legitimierung der eliminierenden gewalt gegen menschen, denen eine zugehoerigkeit zum humanum abgesprochen wird macht.

    nationalsozialismus ist und war ein verbrechen. insofern ist es falsch, nur den krieg zu erwaehnen, der nach dresden zurueckgekehrt waere. von dieser deutschen volksgemeinschaft, die seit 1921 vehement die sache der „euthanasie“ besprochen und im nationalsozialistischen fuehrer- und verwaltungsstaat verwirklicht hat, ist mehr ausgegangen, als „nur“ ein krieg. es soll doch mal bitte anerkannt werden, dass niemand nach dem wkII deutsche in konzentrationalsagern systematisch und fabrikartig zu tode gebracht hat.

    nationalsozialismus ist mithin keine meinung, deren artikulation unter schutz zu stellen ist, keine meinung, die vielleicht mit kritikwuerdigen bis verbrecherischen methoden verfolgt wuerde. nationalsozialismus ist verbrechen gegen die menschlichkeit. wenn sich dieses nicht auf dem wege des rechts unterbinden laesst, dann ist das engagement der einzelnen gefragt. und dieses engagement muss den grad von realitaet haben, den die verletzungen und demuetigungen der opfer haben. also nix symbolpolitik und mal auf der andern seite haendchen halten. das nutzt niemandem was, der von den alten und neuen nazis zum „untermenschen“ erklaert ist.

    und – tut mir leid, das ding mit der weissen rose ist echt derart was von anmassend, wenn menschen, die sich noch nichtmal fuer ihre meinungsaeusserung gegen naziaufmaetsche von der polizei verpruegeln lassen, sich ein symbol klauen, welches fuer die bereitschaft steht, fuer seine idee zu sterben.

    • funkloch sagt:

      hab ich doch noch vergessen: wie viele waren nochmal bei der menschenkette am 27.1.? oder gabs da etwa keine? und wer war jetzt alles wovon persoenlich betroffen?

    • KurtE sagt:

      funkloch, hör auf zu kiffen! Dann versteht dich auch jemand von außerhalb deines Kosmos‘. Woher willst du denn wissen, ob ich bereit wäre, für meine Überzeugungen zu sterben oder nicht. Deine Revolutionsromantik kannste gerne vor jugendlichem AZConni-Publikum ausleben. Die hören dir vielleicht sogar zu. Oder lass deinen geistigen Murks doch bitte über deinen Rundfunkstation ab. Quatscheimer!

    • stefanolix sagt:

      Lieber Funkloch und lieber KurtE,

      wir trennen jetzt mal ganz grundsätzlich die Argumentation in der Sache von der Argumentation gegen Personen. Muss ich das in Zukunft gleich unter jeden Artikel schreiben?

      Danke für Euer Verständnis.


      @Funkloch: Ich brauche wirklich keine Nachhilfestunden in Geschichte. Es steht außer Frage, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus singulär waren. Auf einer anderen Seite im Geschichtsbuch stehen die Verbrechen des Stalinismus in all seinen Ausprägungen.

      Deshalb ist es angemessen, zwischen friedlichen Unterstützern der Blockaden, militanten Linksextremen und Altkommunisten/stalinisten zu differenzieren. Gegen die friedlichen Demonstranten habe ich hier nie etwas gesagt.

      Ich würde mir auch wünschen, dass man REP, DVU, NPD oder JLO einfach in rechtsstaatlichen Verfahren verbieten könnte. Ob das Problem damit gelöst wäre, bezweifle ich zwar. Aber die Organisationen wären erst mal tot.

      Das Bundesverfassungsgericht konnte aber im Verbotsverfahren gegen die NPD keine ausreichenden Gründe für ein Verbot finden. Gegen die REP und die DVU gab es gar keine Verbotsverfahren. Diese drei rechtsextremen Parteien kann man (rechtsstaatlich) offensichtlich für ihre heutigen Aussagen, Programme oder Wahlplakate nicht verbieten. Ihre Veranstaltungen können genau in dem Augenblick aufgelöst werden, in dem verfassungsfeindliche Reden geschwungen oder verfassungsfeindliche Symbole gezeigt werden.

      So ist (leider) die Rechtslage. Die Demonstration der Rechtsextremen wurde erst einmal zugelassen.

      Und deshalb war es ein großer Erfolg, dass sich etwa fünf Mal so viele Dresdner Bürger zu der Menschenkette zusammengefunden haben. Weil sie damit gezeigt haben, dass Dresden viel mehr Bürger auf die Beine bringt als die Rechtsextremen aus ganz Europa herankarren konnten. Weil sie damit gezeigt haben, dass Dresden keine Stadt der Rechten ist (ein paar Rechts-Wähler gibt es leider überall, aber deren Zahl ist sehr zurückgegangen).

    • funkloch sagt:

      „wir trennen jetzt mal ganz grundsätzlich die Argumentation in der Sache von der Argumentation gegen Personen. “
      2. kam bei mir nicht vor
      1. zur sache hab ich hier keine antwort gefunden. die gegenueberstellung von gewaltpotentialen ist langweilig und traegt in der sache nichts bei. wenn das gesetz nicht ausreicht um nazismus zu unterbinden, dann ist das engagement unentbehrlich. und wenn hier geschrieben wird, die, die sich unkonventionell gegen das schueren von hass und vernichtung gestellt haben, seien alle verkappte dkp-ler, dann wird es mir halt schlecht. so unterkomplex ist nichtmal die saechsische zeitung.

      es war auch nicht so, dass 5×5000 bei der menschenkette waren, sondern es waren 10000, die restlichen waren eben die beklagten extremen, die sich auf die strasse gesetzt haben.

      @kurtE bzgl. „weisse rose“: ich fordere einfach nur pietaet gegenueber den hingerichteten und das sofortige aufhoeren sich mit fremden federn zu schmuecken. so ausreichend verstaendlich? @prahlerei: lass es einfach, dinge ueber mein angebliches leben auszuposaunen. du hast sicher ein eigenes, auch wenn ich es nicht kenne.

      @schluss: ich werde jetzt auch meine kommunikation in diesem blog einstellen. dann ist endlich wieder frieden :D

      • stefanolix sagt:

        Doch, eine Argumentation ad personam kam vor, indem Du schriebst:

        »ich dachte doch tatsaechlich, dies waere das blog eines liberalen menschen. dann eben nicht. «

        Wobei ich Deine Vorstellungen von »liberal« natürlich nicht im einzelnen kenne. Aber ich vermute, wir haben dazu unterschiedliche Vorstellungen ;-)


        Ich bestehe darauf: ich habe differenziert und muss mir dieses »alles DKPler« nicht auf’s Butterbrot schmieren lassen. Du kannst Dir ja gern ausdenken, was ich gesagt haben könnte — aber das hat dann mit mir nichts zu tun.

        Es gab erstens die friedlich Protestierenden — gewaltfreien Widerstand habe ich nie kritisiert.

        Es gab zweitens die DDR-und-Stasi-Verherrlicher, Altstalinisten & Co.: deren Protest ist völlig unglaubwürdig, weil sie selbst für Repression und Diktatur stehen.

        Und es gab drittens die Gewalttätigen. Dazu habe ich von vornherein gesagt, dass ich gewalttätige Methoden ablehne. Das ließ ja wohl an Deutlichkeit und Differenzierung nichts zu wünschen übrig?

        Was fällt für Dich eigentlich unter »unkonventionell«? So etwas wie brennende Barrikaden, Blockieren von Schienenwegen oder Gewalt gegen Polizisten? Oder die Hassparolen der Antideutschen (die tollen Bomber-Harris-Fans)?

        Dreh das mal in die Gegenrichtung. Wenn Du das als moralischen Maßstab des Handelns nimmst, dann müssten die Rechtsextremen also auch Hassparolen rufen dürfen? Vom Rest ganz zu schweigen!


        Was war denn das Ergebnis dieser tollen Aktion? Die Rechtsextremen wurden den ganzen Tag lang an dem Platz festgehalten, der ihnen ursprünglich für die ortsgebundene Kundgebung zugewiesen war — direkt neben der Gedenktafel. Wirklich ein toller Erfolg. Und ist dadurch jetzt irgend etwas besser geworden in der Gesellschaft?

    • Jane sagt:

      funkloch:

      Wer hier behauptet, die „deutsche Volksgemeinschaft“ hätte „seit 1921 vehement die sache der “euthanasie” besprochen und im nationalsozialistischen fuehrer- und verwaltungsstaat verwirklicht“, der negiert für meine Begriffe sämtliche historischen Daten und überlieferten Beweise für die verbreitete Skepsis bis hin zur offenen Ablehnung gegenüber den Nationalsozialisten im Volk, die sogar bis in jene durchaus für ihren Antisemitismus bekannten Kreise der Nationalkonservativen und preußischen Adeligen reichte.
      Ganz zu schweigen von der unentschuldbaren Tatsache, dass du hier völlig außen vor lässt, dass die Eugenik in jener Zeit eine Sache war, die in sämtlichen führenden Industrie- und Wissenschaftsnationen diskutiert wurde, NICHT NUR in Deutschland. In keinem dieser Fälle kann aber davon gesprochen werden, dass derartiges in „der Volksgemeinschaft besprochen“ worden wäre. Im Gegenteil, es wurde erst mit den Nazis zum Programm gemacht und dem deutschen Volk weitestgehend aufoktroyiert.

      • stefanolix sagt:

        Zur Euthanasie: Im Nachhinein betrachtet sind wir heute in den aufgeklärten demokratischen Ländern viel weiter und sind entsetzt über die Verbrechen an Behinderten. Aber aus der Sicht von damals?

        Menschliche Moral und Ethik entwickeln sich weiter. Auf dem Stand von damals war die Todesstrafe für die Mehrheit der Menschen »normal«, heute lehnen wir sie in Deutschland mehrheitlich ab und es gibt zum Glück keine Möglichkeit, sie wieder einzuführen.

        Ergänzung: die Ermordung der behinderten Menschen wurde beispielsweise von vielen Christen abgelehnt. Dagegen gab es Widerstand, zum Teil sogar erfolgreich. Die ganze Widersprüchlichkeit wird vielleicht in der Person des Bischofs von Galen deutlich, der einerseits gegen Euthanasie auftrat, andererseits aber rechtskonservativ war.

      • Jane sagt:

        Ein wichtiger Punkt, das mit der Widersprüchlichkeit. Meiner Ansicht nach greift es zu kurz, die Motive für die aktive oder passive Unterstützung der Nationalsozialisten durch einen Teil der Deutschen in der vollkommenen Überzeugtheit von nationalsozialistischen Ideen wie der Rassenlehre, der Euthanasie, dem Antisemitismus oder dem Lebensraumprogramm zu suchen. Vielmehr gab es eine Vielzahl an Gründen, warum der eine oder andere der NSDAP seine Stimme gab oder weitgehend unauffällig im System dahintrieb, ohne aufzubegehren.
        Viele Wissenschaftler sahen darin beispielsweise die einzige Möglichkeit, weiter ihrem Beruf nachgehen zu können, ebenso viele Künstler, Lehrer und Professoren. Andere waren überzeugte Militaristen, die die Schmach von Versaille revidiert sehen wollten, mit Antisemitismus und dem ganzen Rest aber nicht zwingend etwas am Hut hatten.
        Der Nationalsozialismus war vielmehr ein populistisches Konstrukt, das eine Vielzahl an Interessen, Hoffnungen, Wünschen bediente, ohne sie alle wirklich vereinen zu können. Und genau das war der springende Punkt, warum relativ viele Menschen relativ schnell nach der Machtergreifung vom NS enttäuscht waren, sich abwenden wollten, sich aber in einer Situation der Opression und der Überwachung wiederfanden, die Widerstand zu einem riskanten Wagnis machte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: