Medienfasten

Ich weiß ja, dass ich in der Fastenzeit beim Essen und Trinken kaum noch auf etwas verzichten kann. Für meine sportlichen Ziele habe ich schon seit Neujahr 2009 auf Alkohol verzichtet. Und Fleisch esse ich das ganze Jahr über nur einmal in der Woche. Ich habe seit meinem ersten bewussten Fasten vor einigen Jahren erfahren, dass Verzicht immer auch mit Neuentdeckung zu tun hat.

Und deshalb probiere ich es seit dem Aschermittwoch zum ersten Mal mit dem »selektiven Medienfasten«. Das soll auch nicht auf die Zeit bis Ostern beschränkt bleiben. Ich will etwas neues lernen. Ich will all den trivialen Mist ausblenden, den ich eigentlich nicht brauche. Arthur Schopenhauer hat mal gesagt:

Auch wird man einsehen, daß Dummköpfen und Narren gegenüber es nur einen Weg gibt, seinen Verstand an den Tag zu legen, und der ist, daß man mit ihnen nicht redet.

Ich weiß nicht, ob er es vorausgesetzt oder vergessen hat: man sollte »ihnen« auch nicht zuhören. Was schert mich all der Klatsch und Tratsch, was schert mich die Medienkampagne gegen den Politiker XYZ, was schert mich die Aufregung über den angeblich so schwachen zweiten Platz der Deutschen im Medaillenspiegel? Eigentlich nichts. Und deshalb trainiere ich bis zum Ende der Fastenzeit nun meine Filter.

7 Responses to Medienfasten

  1. derbaum sagt:

    und was fastest du genau – medial?
    klingt interessant, zumal ich auch immer auf der suche bin, alkohol trinke ich seit 16 jahren nicht mehr, rauchen noch länger? essen – da gibts nichts auf was ich verzichten könnte – einzig – in dieser fastenzeit esse ich keine gummibärchen! und das ist ernst und schwer! ganz im ernst!

    • stefanolix sagt:

      Ich lege z.B. bestimmte Teile der Zeitungen schon vor dem Lesen weg (oder ignoriere bestimmte Seiten). Ich verzichte ab morgen im ÖPNV auf die Zeitung und lese ein Buch zu Ende. Ich höre kein Radio, sondern suche mir jeweils eine Tages-CD aus.

      • derbaum sagt:

        klingt gut – das mit dem radio geht aber nicht – cd hören ist auf arbeit nicht und den ganzen tag ruhe – das halte ich nicht aus!

        mit der zeitung das ist gut!

  2. dd-jazz sagt:

    Respekt: puristisch im Laufstil, Askese im Leben (der Sommerweißwein ist für mich noch zu verlockend), aber die Thematik Medien-Fasten/ Reizüberflutung ist sehr aktuell; denn mein Internetpensum ist bspw. inzwischen zu hoch (auf TV habe ich bewußt verzichtet und konsumiere nun zwischenzeitlich bspw. in online-Mediatheken = Widerspruch in sich) und weltweiter Fülle..Stille halte ich sehr gut aus (wahrscheinlich durch die „innere Mehrspurigkeit“)+ Arbeitskonzentration, lauwarm-nervtötende Dauerhintergrundberieselung macht mich aggressiv- Es gibt Tage der bewußten Aus-Schaltung, weil mich die „Entzugserscheinungen“ (auch bei Blog-Verzicht) mahnen, manchmal aktiver „in die eigene Suppe zu schauen, als ständig über den Tellerand zu schielen.;-)

    • stefanolix sagt:

      Ach, Du hast auch keinen Fernseher? Ich frag mich ja bald, wer überhaupt noch einen hat …
      Zum Internetpensum: Man sieht es ja hier, dass ich bisher an jedem Tag mindestens einen Eintrag geschrieben habe. Und da in diesem Jahr der Urlaub eher kurz kommen wird, bin ich zuversichtlich, das noch eine Weile durchzuhalten. Also Blog-Fasten käme hier nicht in Frage. Würden mir hoffentlich auch ein paar Leute übelnehmen ;-)

      Zum Wein: Ich habe das noch nicht entschieden, aber es kann schon sein, dass ich im Sommer wieder den guten Meißner Wein kosten werde. Es kann auch passieren, dass ich noch ein paar Jahre so weitermache. Ist doch gut zu wissen, dass man nachts nicht mit 1.54 Promille angehalten werden kann.

      Zum Essen: Nein, eigentlich kenne ich noch keine Askese und kein schmerzhaftes Fasten. Seit ich mich ab 2005/2006 umgestellt habe, habe ich viele neue Genüsse aus Obst, Gemüse, Gebäck (…) entdeckt. Am Anfang gab es die Phase, in der mich jeder Duft aus den internationalen Fastfoodbuden noch anlockte, später schreckte mich jeder ab und heute differenziere ich zwischen den Düften, aber ich esse nie etwas aus dem großen Angebot. Ich erinnere mich nur noch manchmal an die ersten Döner nach der Wende in Berlin, als das noch etwas Besonderes war …

  3. Lina sagt:

    >> „Ich weiß nicht, ob er es vorausgesetzt oder vergessen hat: man sollte »ihnen« auch nicht zuhören.“

    glaub‘ ich nicht, dass ein schopenhauer das ‚vorausgesetzt oder vergessen‘ hat: wo hätte er sonst seine erkenntnisse her, wenn er ‚ihnen‘ nicht (missmutig, wie anzunehmen) auch zugehört hätte? auch er wird sowas wie ‚medialen‘ anschauungsunterricht benötigt haben, um z. b. askese fördernden zünd_stoff wie diesen zu produzieren:

    „Heiraten heißt das Mögliche thun, einander zum Ekel zu werden. […] seine Rechte zu halbieren und seine Pflichten zu verdoppeln [noch etwas drastischer] Heiraten heißt, mit verbundenen Augen in einen Sack greifen und hoffen, dass man einen Aal aus einem Haufen Schlangen herausfinde.“

    • stefanolix sagt:

      Na gut, dann bin ich eben in der einen Beziehung noch ein wenig radikaler als Schopenhauer ;-)

      Mit verbundenen Augen einen Aal aus den Schlangen wählen — da kann ja die Auswahl schon das letztes sein, das man im Leben tut.

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