Stadtteil-Protektionismus

Im Neustadt-Ticker gibt es momentan eine interessante Diskussion über das stadtteilgerechte Einkaufen. Ausgelöst wurde die Debatte durch Janes Bemerkung:

Für solche Zwecke fahre ich momentan bis raus zum Elbepark einkaufen, lasse mein Geld also auch ohne Einkaufszentrum am Albertplatz nicht oder nur sehr begrenzt im Neustädter Einzelhandel.

Das musste natürlich zu heftigen Reaktionen führen:

Zum Glück denken und handeln die wenigsten Menschen wie du. Sonst könnten ja alle Geschäfte hier im Viertel schließen, wenn niemand bereit ist hier sein Geld zu lassen. Ist schon traurig, wie ignorant du hier gegenüber deinen Nachbarn argumentierst. Warum ziehst du nicht nach Mickten, wenn du so gern in den Elbepark gehst?

Das ist wohl die aktuelle Variante von »Geh doch nach drüben, wenn’s Dir hier nicht passt!« —

Ja bricht denn jetzt der Stadtteil-Protektionismus aus? Es kommen jeden Tag tausende Menschen aus anderen Stadtteilen in die Neustadt zum Essen und Trinken und Einkaufen — sollen die alle im eigenen Stadtteil essen, trinken und einkaufen? Sollen vielleicht die Striesener einen Aufruf starten: »Striesener! Esst in Striesener Gaststätten!«

Das ist doch (hoffentlich!) eine völlig absurde Vorstellung. Muss man lange überlegen, ob die Neustadt von den Kunden- und Besucherströmen netto eher profitiert oder eher verliert? —

Es hat doch jeder Laden in Dresden sein Verkaufspersonal, das den Job gern behalten möchte. Es hat jede Kneipe ihre Köche und Kellnerinnen, die gern weiter für die Gäste da sein wollen. Aber entscheiden muss der Kunde. Und dem ist mit solchen Diskussionen ganz bestimmt nicht geholfen.

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34 Responses to Stadtteil-Protektionismus

  1. Frank sagt:

    Uneingeschränkter Beifall von meiner Seite!

  2. Jane sagt:

    Interessant, dass du die Diskussion hier aufnimmst, Stefan.
    Also ich muss schon sagen, ich hatte – als direkt Geschasste – einen ähnlich erschütternden Eindruck von Rudis Kommentaren, denn darin lebt der anscheinend momentan populär gewordene Sozialdarwinismus von der Unterschicht mit, mit der man möglichst nichts zu tun haben will und die man vielmehr als Bedrohung der zwar klein-, aber mithin bürgerlichen Strukturen empfindet.

    In der Form, wie Rudi das artikuliert, mit der ihm eigenen Gehässigkeit finde ich das schon bedenklich. Zumal es auch den prinzipiellen Unwillen widerspiegelt, sich einmal weg von der eigenen sozialen Ebene oder den eigenen Prioritäten zu begeben. Keine Ahnung, ob Rudi nun zu den besser Situierten gehört, die sich regelmäßig die Individualität und Qualität des Einzelhandels leisten können, oder ob er einfach nur ein radikaler Verfechter einer durchaus löblichen Haltung der Marke „Ich lass mein Geld lieber im lokalen Einzelhandel, als ab und zu mal ins Theater oder auf ein Konzert gehen zu können“ ist. Bei jedem liegen Verhältnisse und Prioritäten aber anders, und Rudi kann dafür anscheinend weder Verständnis noch Respekt aufbringen.

    Ein solches Denken symbolisiert die traurige Entwicklung, die dieser Stadtteil in den letzten 20 Jahren genommen hat. Der ursprüngliche Zusammenhalt, die gegenseitige Hilfe und Unterstützung, die Rebellion gegen alles Miefig-Bürgerliche, die seine Bewohner einst auszeichnete, ist einem auf Individualismus und Konkurrenz fußenden geistigen Mainstream gewichen, den man heutzutage überall in jeder größeren Stadt findet.

    • stefanolix sagt:

      Lass uns den Rudi als Person ausklammern, denn der hat diese Haltung ja nur artikuliert. Vielleicht verbirgt sich hinter den Pixeln und Worten ein ganz anderer Mensch.

      Prüfen wir es doch einfach am Kategorischen Imperativ. Kann man Rudis Maxime zur Maxime aller Dresdner machen?

      Auf alle Dresdner angewandt: es hätte zur Folge, dass man um jeden Stadtteil eine moralisch aufrechterhaltene unsichtbare „Mauer“ des Protektionismus aufbauen würde. Striesener würden nicht mehr in Neustadt-Kneipen gehen und Neustädter nicht mehr außerhalb ihres Kiezes einkaufen.

      Protektionismus führt immer zu Wohlstandsverlust. Deshalb ist die ganze Einstellung hinter dieser Attacke ein ganz gefährlicher Blödsinn. Vordergründig scheint es um kollektive Interessen der Neustädter zu gehen. In Wahrheit würde es aber allen Neustädtern schaden.

      • Jane sagt:

        Deswegen schrieb ich ja, dass ich nicht weiß, wer dieser Rudi eigentlich ist.

        Ich kann dir in deiner ganzen Stadtteil-Protektionismus-Theorie nur zustimmen, habe auch selbt noch mal was dazu geschrieben.
        Das meinte ich übrigens auch mit „Individualismus“ – gemäß Rudi muss sich das Neustädter Individuum voll und ganz mit seinem Stadtteil und ausschließlich mit dem dort befindlichen Einzelhandel identifizieren. Will oder kann es das aus irgendeinem Grunde nicht (z.B. finanzielle Not oder eine andere Einstellung zum Thema Konsum), ist er kein Teil des gemutmaßten Ganzen mehr, sondern wird isoliert („zum Glück denken die wenigsten Menschen hier wie du…“ und aufgefordert, das Viertel zu verlassen.

      • stefanolix sagt:

        Darüber bin ich gestolpert. Das ist doch im Grunde gerade erzwungener Kollektivismus. Das Kollektiv der Neustädter soll am besten einer Norm unterworfen werden. Die Norm lautet in diesem Fall: „kauft im Bereich der Neustadt ein“.

        Individualismus wäre, wenn jemand sagt „Ich kaufe gern in der Neustadt. Ich sehe darin folgende Vorteile: …“. Gegen diese Ich-Aussage ist auch überhaupt nichts einzuwenden. Das Problem mit Rudi ist: er will seine Meinung anderen überstülpen. Und damit sind wir beim Kollektivismus.

      • Jane sagt:

        Der Punkt ist der:

        Kollektivismus würde ja untrstellen, dass es tatsächlich so etwas wie eine kollektive Meinung gibt, der sich der Einzelne lediglich nicht unterordnet.
        Dem ist ja aber gar nicht so, sondern die individuelle Ansicht wird zum allgemein Gültigen erhoben. Das heißt, ich bin am tatsächlichen Ganzen gar nicht interessiert, sondern es geht mir nur um die Darstellung meinerselbst, meiner individuellen Ansichten, und darum, diese über die Ansichten anderer zu erheben, indem ich Letztere herabsetze.

      • muixirt sagt:

        Ich vermute Jane verwechselt Individualismus mit Egoismus. Der Individualist versucht Dinge, die ihn selbst betreffen (und seine Vorlieben), für sich zu entscheiden – und nicht dem Konformitätsdruck nachzugeben. Aber er/sie lässt dem anderen Individuum die gleiche Freiheit – im Gegensatz zum Egoisten. Diese Rudis sind also eher Egoisten, die die Lage nach ihrem Eigennutz (Präferenzen) beurteilen. (Wobei ich hastig hinzufüge: ich kenne Rudi nicht und habe den verlinkten Beitrag nur quergelesen, ich maße mir kein entgültiges Urteil an).

      • stefanolix sagt:

        OK. Aber neben der Darstellung ging es ihm anscheinend schon darum, dass die Neustädter sich möglichst an seine Regeln halten sollen. Sonst hätte er ja eine Ich-Botschaft geschrieben und nicht auf Dir herumgehackt.

        Kollektivismus ist wohl noch nie aus Kollektiven heraus entstanden, sondern er wurde immer durch machtbewusste Individuen eingeführt, die sich eine höhere Einsicht anmaßten ;-)

      • Jane sagt:

        Ich schreibe ja auch von einem „negativen“ Individualismus. Das bedeutet, dass es eben nicht mehr ums Kollektiv geht, sondern um das Individuum, um die jeweilige Sicht der Dinge, der alles andere untergeordnet wird. Es wäre ja schön, wenn es wieder mehr Kollektiv und Zusammenhalt geben würde, allein, das ist es nicht, was Rudi anstrebt. Er strebt die Aussonderung derjenigen an, die sich seinen Ansichten nicht beugen wollen. In diesem Moment steht doch nicht das – aus der Summe sich auf Kompromisse einlassender Individuen bestehende – Kollektiv im Vordergrund, sondern das Individuum. Daher: Individualismus.
        http://de.wikipedia.org/wiki/Individualismus

      • muixirt sagt:

        Seufz, irgendwie kommt mir das bekannt vor. Was soll dieser verkorkste Begriff „negativer Individualismus“? Wozu solch Newspeak wenn „Egoismus“ hier durchaus passend wäre? Da hilft auch der WP-Artikel nicht.

        Dreh- und Angelpunkt ist einfach die Freiwilligkeit, ein Kollektiv, das auf Druck oder gar Zwang beruht, ist oft nichts wert. Wer mit Begriffen wie Zusammenhalt und Kollektiv operiert (auch gerne genommen: Solidarität und Gemeinwohl), der kaschiert damit oft nur seine eigene Meinung und seinen Eigennutz. Das hat mit Individualismus nichts zu tun, selbst wenn man es mit dem Wörtchen „negativ“ zurecht biegen will. Um es noch einmal zu wiederholen:

        Der Individualist versucht Dinge, die ihn selbst betreffen (und seine Vorlieben), für sich zu entscheiden – und nicht dem Konformitätsdruck nachzugeben. Aber er/sie lässt dem anderen Individuum die gleiche Freiheit – im Gegensatz zum Egoisten.

  3. muixirt sagt:

    @ Jane

    Also der letzte Absatz lässt mich wirklich schaudern, insbesondere wie hier Dinge verdreht werden. Wenn jemand wie Rudi meint über Leute zu schimpfen, falls sie nicht kollektiv im eigenen Stadtteil einkaufen, hat das nichts mit Individualismus zu tun und mit Konkurrenz schon gar nicht (vor Konkurrenz wollen manche ja die „kleine Läden“ schützen).

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht sollte man den letzten Absatz vom Rest trennen. Ich würde gern in diesem Thread über Markt und Protektionismus diskutieren.

      Ob man die kleinen Läden vor Konkurrenz schützen muss, wäre noch mal eine ganz eigene Diskussion wert. Jane hat drüben die interessante Bemerkung fallen lassen, in dem Sinn: dass der fünfte oder sechste Bäcker auf engstem Raum eine wesentlich ernstere Konkurrenz für die bestehenden Bäcker wäre als ein Supermarkt.

      Da käme also noch die Frage der Abschottung des Marktes hinzu. Sollte man einen Stadtteil eigentlich gegen neue Bäcker abschotten?

      • muixirt sagt:

        Nein, der Einzelhandel muss nicht (und vor allem sollte nicht) vor Konkurrenz geschützt werden. Und wir können es getrost dem Bäckermeister oder dem Geschäftsführer einer Großbäckerei überlassen wo man am besten eine Bäckerei aufmacht. Obwohl die Abschottung des Marktes keine Frage sein sollte bin ich mir nur zu bewusst, dass die Realität eine andere ist. Wie man auch an der Diskussion in meinem Sindelfingen sieht.

      • Jane sagt:

        Ja toll, und wo liegt dann dein Problem mit meiner Aussage?
        Im Prinzip bin ich der Ansicht, dass es auf Dauer auch gar nicht funktioniert, den Einzelhandel vor Konkurrenz zu schützen. Was ich viel sinnvoller fände, ist, diverse Straßenzüge bzw. das Viertel vor Überfrachtung mit immer ein- und denselben Branchen zu schützen. Wie angedeutet, befinden sich bereits heute auf der Alaunstraße 4 Bäckereien, nimmt man den Bäcker Ecke Bautzner noch dazu, sind es 5. Noch ein 6. Bäcker würde hier in der Tat eine Bedrohung für die bereits ansässigen Bäcker darstellen und demzufolge allen eher schaden als nützen.
        Was aber ein Supermarkt, eine Drogerie und ein Fleischer am Albertplatz nun für negative Auswirkungen auf den Einzelhandel insgesamt haben soll, erschließt sich mir nicht. Der Neustädter Einzelhandel zeichnet sich ja gerade durch einen Hang zum Besonderen hin aus, nicht durch Banalität. Gerade die Grundversorgung durch Fleischer und Drogerien und Apotheken ist in der Neustadt alles andere als optimal oder gar überfrachtet.

      • stefanolix sagt:

        Zum sechsten Bäcker: Ich habe jetzt ad hoc keine Ahnung, wer darauf wirklich Einfluss nehmen könnte. Meist ist der sechste Bäckerladen ja ein Teil einer Bäckereikette. Die Stadtverwaltung kann aber keinem Bäcker verbieten, sich dort anzusiedeln. Dem Hauseigentümer müsste eigentlich klar sein, dass der neue Bäcker ein hohes Risiko eingeht. Aber der denkt auch oftmals nur kurzfristig. Am Ende entscheiden die Kunden.

      • Jane sagt:

        Na ich dachte dann eher daran, dass man als Bewohner den 6. Bäcker eher meidet, um die bereits ansässigen zu schützen. Das könnte ja dann schon dazu führen, dass der beizeiten woanders seine Zelte aufschlägt – und sei es 3 Straßen weiter. Richtig schlimm ist die Situation ja z.B. in der Radeberger Vorstadt. Dort wurden nun auch die letzten Häuser, die auch kleine Ladenräume beherbergten, zu kompletten Luxus-Wohntempeln umbebaut – dafür muss nun wirklich fast jeder Weg zum Fleischer oder zur Drogerie mit dem Auto getätigt werden, weil es dort auf einem riesigen Areal fast gar keinen Laden mehr gibt.

    • Jane sagt:

      Mit was hat es denn deiner Ansicht nach sonst etwas zu tun?
      Ist es jetzt schon so weit, dass man Menschen aus dem stadtteil ekelt, weil sie es sich nicht leisten können, ihren Konsum weitgehend über den teuren Einzelhandel abzuweckeln? Sorry, aber das kann unmöglich dein Ernst sein.

      • stefanolix sagt:

        Nur ein Hinweis: Er ist nicht aus Dresden ;-)

      • muixirt sagt:

        Fühlte mich zunächst gar nicht angesprochen (Danke stefanolix). Der Witz ist doch, dass du deinen Nachbarn gar keine Rechenschaft schuldest ob der Frage wo du deine Einkäufe tätigst. Daran ändert der Füllstand deiner Geldbörse gar nichts, auch ein Reicher darf bei Lidl und Schlecker einkaufen und muss sich nicht den Präferenzen seiner Nachbarn oder eines Rudi unterordnen.

        Diese Art von Argumenten (der von Rudi) hört man vom kleinkarierten CDU-Wähler über den Ökofuzzi bis zum linksfühlenden Akademiker, die Begründungen variieren natürlich, aber die Angst vor Freiheit (der anderen) und die Angst vor Individualismus (der anderen) ist ihnen allen zu eigen.

      • Jane sagt:

        Nunja, ich als „linksfühlender Akademiker“ schließe mich einer solch kurzgegriffenen Moralapostelei der Marke Rudi schon mal nicht an ;)

        Vielmehr sind es immer dieselben, die so reden: Händler, die sich reflexartig bedroht fühlen durch die Vorstellung zusätzlicher Konkurrenz, oder Leute, die eine völlig verquere Sozialmoral entwickelt haben.
        Ich hatte nicht den Eindruck, dass es Rudi um den Einzelhandel ging, sondern eher darum, einem offensichtlich kritischen und seiner eigenen Einstellung zuwiderlaufenden Einwand Zunder zu geben.
        Zumal Rudi mir gegenüber auch bei allen anderen Debatten mit Vorliebe den Vorschlaghammer rausholt ;)

      • stefanolix sagt:

        Jane, Du wirst wohl dem Klischee von der linksfühlenden Akademikerin wohl nicht gerecht werden können. Dich kann man einfach in keine Schublade einsortieren ;-)

        Protektionistische Ansätze gibt es unter Konservativen, Sozialdemokraten, Linken und Grünen wirklich immer wieder, das hat muixirt gut beobachtet. Auch FDP-Politiker sind nicht frei davon.

        Und in der Tat muss man ja als Land seine Wirtschaft in mancher Beziehung schützen, zum Beispiel gegen Wirtschaftsspionage oder offenkundiges Dumping. Aber ansonsten sollten dem Handel keine Grenzen gesetzt werden. Auf keinen Fall zwischen Stadtteilen ;-)

      • Jane sagt:

        Nee nee nee, ich bin mit Herz und Seele politisch linksfühlend, definitiv! Dass ich mich nicht wirklich 100-%ig in ein bestimmtes Parteienprogramm einordnen lasse, ist allerdings richtig ;)
        Bei allen linken Parteien gibt es immer mindestens ein Ding, das mich stört.

        Was den Protektionismus betrifft, hast du sicherlich Recht, letztlich betreiben wir alle in irgendeiner Form Protektionismus, jeden Tag.
        Dagegen ist ja auch gar nichts einzuwenden, solange man dabei Respekt und Anstand auch gegenüber der Würde anderer nicht vollends über Bord wirft.

  4. Jane sagt:

    Wenn jemand derart dogmatisch von sich und seinen eigenen Möglichkeiten, Gewohnheiten und Vorlieben auf andere projiziert und von ihnen verlangt, sich diesen individuellen Denkmustern anzupassen oder anderenfalls in der Neustadt nichts verloren haben, dann zeugt das von einem einer weitgehend individualisierten Denkweise – da zählt also nur noch das Individuum, und nicht mehr das Ganze oder die anderen.

  5. […] zwischen den so verschiedenen Menschengruppen hier in der Neustadt gefährdet, bei Stefanolix auch “Stadtteil-Protektionismus” genannt. März 6th, 2010 | Category: Neustadt, Persönlich, Politik und […]

  6. Lina sagt:

    >> „Zum sechsten Bäcker: Ich habe jetzt ad hoc keine Ahnung, wer darauf wirklich Einfluss nehmen könnte.“

    niemand! im münchener stadtteil schwabing gibt es eine belebte, zentrale strasse, die nichts anderes kennzeichnet als permanente fluktuation – im optimal durch_mischten einzelhandel: in zehn jahren wechselte – parallel zur entwicklung immer neuer milieus im viertel – so gut wie jeder laden 3 bis 5 mal die branche & den inhaber; zu langfristigen kunden_bindungen kam es offenbar nicht.

    fazit einer einzelhändlerin: der markt lässt sich vom lauf_kunden, auch wenn der dies explizit möchte, nicht protektionieren; kleine einzelhändler, sagt sie, müssen heute fatalistisch genug sein, ihre gewinnerwartungen immer wieder neu in den sand zu schreiben …

    ich will damit sagen, dass jane also ideologisch unbesorgt in diesem elb_dingsbums einkaufen kann, ohne dass ihr irgendjemand daraus einen strick drehen könnte: es arrangiert nicht ‚rudis‘, sondern die sog. ‚unsichtbare hand‘ ;) …

  7. falschgold sagt:

    also ich zaehle pi mal daumen 4 apotheken im wochenendabendsalkoholfreien gebiete (koenigsbruecker/priesnitz/bischofsweg/bautzner) und 7 fleischer. baecker gibts eh nur einen einkaufswuerdigen ;)

    • Jane sagt:

      Ich hatte das Karre östlich der Köni, nördlich der Bautzner und westlich der Waldschlösschenstraße gemeint. Da zähle ich 2, maximal 3 Apotheken (Köni und 2x Bautzner). Das ist nicht wirklich viel, hält man mal die Ärzte-Dichte dagegen.
      Und 7 Fleischer? Die musst du mir mal aufzählen (OHNE die Fleischtheken der Supermärkte). Mir fallen in besagtem Gebiet spontan nur Haberland, Creutz und During ein, nimmt man die Bautzner und die Köni mit dazu, sind es 6. Da gibt es gewiss mehr Spätshops und Schmuckläden in der Neustadt.

  8. tigger sagt:

    Jetzt dachte ich bei der Überschrift an Gentrification.

  9. Interessant, wohin die Diskussionen manchmal führen können ;) … insbesondere, wenn die Diskussion („Stadtteil-Protektionismus“) aus einer anderen Diskussion („Albertplatz-Hochhaus“) entstand und das über Kommentare aus zwei Blogs. Das ist wie wenn sich eine Diskussion aus einem Leserbrief 1 aus Zeitung A mit einem Leserbrief 2 aus Zeitung B kreuzen …

    Naja, das war eher so mein Eindruck nach dem Überfliegen einiger Textstellen … finde ich netzwerkmäßig immer wieder interessant.

    Ich möchte mal bei Stefan’s Wortgruppe „stadtteilgerechte Einkaufen“ ansetzen …

    Da ich früher etwas mehr und momentan am Rande mit der Stadtplanung zu tun hatte bzw. habe, ist für mich auch interessant, was die Stadtplaner in Dresden und auch die STESAD so vorhaben … Als Link fiel mir nach kurzem Googeln nur das hier ins Auge:
    http://www.dresden.de/de/08/01/stadterneuerung/sanierung/c_01.php

    Letztlich spielt ja die Identifikation der Neustädter mit ihrem Stadtteil auch eine große Rolle und die Preise allein sind es nicht unbedingt … was da alles mit hineinspielen kann, wurde ja hier schon gesagt bzw. geschrieben.

    Und was das Hochhaus am Albertplatz anbetrifft, so ist dies wohl auch ein Fall, wie die Neustädter darauf Einfluss nehmen können. Kann auch gut sein, dass das Haus fertig gebaut wird, Läden einziehen und das ganze nicht angenommen wird.
    Worauf ich hinaus möchte, ist die Art und Weise der Stadtplanung? Wer legt mit welchen Interessen fest, was gebaut werden sollte und was nicht? Anhand welcher Prämissen geschieht das? Wer hat den größten Einfluss auf die Sache? Wer ist der Investor? Wie sahen/sehen die Ausschreibungsunterlagen aus? usw.

    Mit ein bisschen Googeln stößt man u.a. auf die
    „DresdenBau und Projektierungsgesellschaft“, die irgendwie mit der „missini_Design & Interior“ verlinkt ist – http://www.dresdenbau-gmbh.de
    Die DresdenBau(ern) scheinen ein gewisses Faible für Villen zu haben … scheint mir zumindest so beim Anschauen der Webseite und ihrer Referenzen.

    Einige Infos gibt es auch auf dieser Seite:
    http://www.das-neue-dresden.de/paulickhochhaus.html

    In einem Artikel in der MoPo vom 9.2.2010 (Link siehe unten) wird die DresdenBau-Chefin, Regine Töberich, mit den Worten „Wir projektieren gerade für einen Investor, der noch nicht genannt werden möchte.“ zitiert.
    Hmm, wer ist denn „Mr. Geheim“ (oder Mrs.)?

    Fast schon witzig finde ich Sätze wie „Wichtig ist, dass keine Kaufkraft aus der Neustadt abgezogen wird. Die kleinen Läden werden exklusiv Händlern aus der Neustadt angeboten.“
    Wenn ich etwas Zeit hätte, würde ich glatt mal ne Umfrage in der Alaunstraße etc. machen, wer denn in das Hochhaus umziehen würde? ;)

    Hmm, ich bin ja mal gespannt, ob so eine Marktzentr(alis)ierung in der Neustadt funktionieren könnte.

    Was die Kombination Wohnungen/Parkhaus/evtl. KiTa/Supermärkte/Einzelhandel anbetrifft, erinnert mich das ganz stark an die Kamenzer Straße 24-28 … wo heute der „Netto“ ist – den Kindergarten sieht man ja nicht wirklich. Natürlich kann es auch jeder andere Investor sein, doch irgendwie kann ich da ein gewisses Bauchgefühl nicht „unterdrücken“ ;)

    Naja, so weit, so gut … etwas „abgeschwiffen“ vom Stadtteil-Protektionismus … möge es der sog. freie Markt regeln … es gibt ihn sowieso nicht bei all den Fördermitteln und Subventionen, die wahrscheinlich auch nicht allen zustehen, sondern nur gewissen Investorenkreisen (reine Vermutung, versteht sich ;)) … Micha.

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht gibt es jetzt wieder etwas mehr Markt, wenn die Subventionen aus Geldmangel zurückgehen …

    • Jane sagt:

      Ins Hochhaus sollen doch gar keine Geschäfte. Die sollen vielmehr in die flachen begrünten Bauten auf dem heute noch brachliegenden Areal rings um das Hochaus herum einziehen.
      Und Wohnungen sollen doch laut Töberich überhaupt nicht ins Hochhaus.

  10. Anton Launer sagt:

    »Striesener! Esst in Striesener Gaststätten!«
    das geht ja noch, aber was sollen dann die Leute z.B. in Mockritz sagen?

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