Schlaglöcher in Dresden

Ein Dorf zwischen Weimar und Erfurt saniert seine Straßen mit Hilfe von Sponsorengeldern. Man lässt zu Ehren der Sponsoren kleine Plaketten in die Straße ein. Frage des Wochenendes: Sollte Dresden das auch tun?

Dafür spricht: Die Anzahl der Schlaglöcher könnte reduziert werden. Die Parteien müssten sich nicht lange streiten.

Dagegen spricht: Die Parteien würden sich trotzdem streiten.

  1. Die CDU würde Blumenkübel auf die Schlaglöcher stellen. Die Blumen würde Christa Müller persönlich aussuchen.
  2. Die FDP würde eine Steuersenkung für die Beseitigung von Schlaglöchern vor Hotels durchsetzen.
  3. Für die SPD würde Karl Nolle ein Enthüllungsbuch über die Schuld der DDR-Block-CDU an den schlechten Straßen verfassen.
  4. Die LINKE würde die unbefristete Einstellung von 700 Straßenbauern in den öffentlichen Dienst fordern. Alleinige Schuld an den Schlaglöchern hätte natürlich nicht die Block-CDU, sondern die WOBA-Fraktion.
  5. Die Grünen würden auf der Königsbrücker Straße vierspurig gegen die Bevorzugung des Straßenverkehrs demonstrieren. Ihre Fahrräder hätten nachher nur noch Schrottwert.
  6. Die Verwaltung würde mehrere Jahre brauchen, um die CO2-Bilanz auszurechnen. Die Landesdirektion würde Einspruch erheben.
  7. Helma Orosz würde Wolfram Köhler zum Super-Schlagloch-Beauftragten machen und eine »ARGE Straßenbau« gründen. Die Abfindungen würden die Stadt endgültig ruinieren.
  8. Der Neumarkt-Verein würde die Schlaglöcher mit Sandstein pflastern lassen.
  9. Unbekannte Witzbolde würden sandsteingepflasterte Schlaglöcher mit Kloschüsseln markieren.
  10. Ilse Bähnert würde Helma Orosz und ein Dutzend Pressefotografen zum Kaffee am tausendsten Blumenkübel einladen. Die Lokalzeitungen würden nur noch Bilder von Helma und Ilse drucken.
  11. ColoRadio würde live von völlig gewaltlosen Schlagloch-Barrikaden-Blockaden berichten …

Insgesamt spricht wohl mehr dagegen als dafür. Nach meinem Artikel gegen Stadtteil-Protektionismus denke ich aber im Fall der Fälle trotzdem darüber nach, die Patenschaft über ein Schlagloch in der Neustadt zu übernehmen ;-)


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15 Responses to Schlaglöcher in Dresden

  1. Elbnymphe sagt:

    Gelungene Satire! :-) Fein prognostiziert!

    • stefanolix sagt:

      Die Vorschläge von dd-jazz (Verkehrslotsen vor Schlaglöcher) und Torsten (Fledermäuse sch**ßen die Schlaglöcher zu) sind aber auch schön.

      Vielleicht muss das einfach mal raus. Lachen soll ja befreiend wirken.

  2. dd-jazz sagt:

    zum Heulen gelacht! Beifall! Herr Westerwelle hätte sicherlich noch eine gesamtdeutsche „HartzIV-Lösung“: je nach Schlaglochgröße anteilig Persona-Mahnwache in die Löcher und fleißig winken..(ich veralber mich jetzt selbst, denn je nach Auftragslage, klopfe auch ich manchmal an diese „Pforte der demütigenden Erkenntnis“)

    • stefanolix sagt:

      Heulen und Lachen trifft es gut. Dein Vorschlag ist ja eher schwarzhumorig, aber wer weiß, was alles noch kommt.

      Doch noch eine Nebenbemerkung: ich finde, man konzentriert sich heute in den Medien zu sehr und zu unsachlich auf Guido Westerwelle. Der ist zwar ein leichtes Opfer, aber zu viel Personalisierung ist auch gefährlich — gerade in einer Zeit neuer Rekordschulden und steigender Abgaben.

  3. Torsten sagt:

    Ein satirischer Beitrag über Dresden, in dem nicht einmal die Waldschlösschenbrücke auftaucht? Das darf nicht sein:

    Die Brückenbeführworter würden über jedes Schlagloch eine Brücke bauen, während die Brückengegner für Tunnel plädieren würden. Die kleinen Hufeisennase würde beiden zuvorkommen und die Löcher ungefragt und über Nacht mit Guano auffüllen.

    • stefanolix sagt:

      @Torsten: Über einen eigenen Satz zur Brücke hatte ich auch nachgedacht. Aber zu viel Bitterstoffe wollte ich am Samstagabend doch nicht in einem Artikel einsetzen …

  4. dd-jazz sagt:

    Ich gebe Herrn W. teilweise auch recht (Arbeitsleistung sollte lebensfähiger unterstützt werden) und bin gespannt, wie die Regierung handeln wird, weil es bereits seit langem einen (in)offiziell-forcierten 2.-4.Parallelarbeitsmarkt gibt. Ich hatte schon gute Anfragen, die ich NICHT annehmen konnte (aus einem Förderloch-Topf bezahlt), weil ich nicht/oder nicht lange genug arbeitslos war…oder eine „reelle Entlohnung“ von 1,70€ netto/h auf Rechnung kriminell ist! (ehrenamtlich bin ich schon aktiv) Mit Lachen ist es wie mit dem Jazz (der ja von Sklavenliedern stammt)..und sehr befreiend.;-)

    • stefanolix sagt:

      Das Problematische an all diesen öffentlich gestützten Parallel-Arbeitsmärkten zweiter bis vierter Ordnung ist doch, dass man immer eine Balance zwischen Planwirtschaft und Marktwirtschaft, aber auch zwischen Fremdbestimmung und Selbstbestimmung der Arbeitenden finden muss.

      Aber waren das nicht Blues und Gospel, die von Sklavenliedern abstammen?

      So schnell ist man selbst an einem Sonntag wieder beim Ernst des Lebens …

  5. Claudia sagt:

    Man könnte die Schlaglöcher ja auch mit Politikern füllen. Dann hätten beide einen Sinn, Loch und Stöpsel. (Ich habe gerade, was ich nie für möglich hielt, eine fast pauschale Wut auf die gesamte Bagage.)

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht sparen wir uns einfach einige davon und stecken das Geld in die Straßensanierung? Dann steht auf der Plakette: die Schlaglöcher in der XYZ-Straße konnten durch den Verzicht auf einen bisher inkompetent besetzten Posten saniert werden ;-)

  6. casus sagt:

    Bei facebook würde ich jetzt den „Gefällt mir“-Button drücken. ;-)

  7. Lenbach sagt:

    Sehr schön beobachtet. :-)

    Die NPD würde die Schlaglöcher als Überbleibsel des Bombenholocausts benennen und die Amerikaner in der Verantwortung sehen.

    Die MLPD dagegen sieht die Schlaglöcher als Erfindung des Kapitalismus, die einzig dazu dient, den einfachen Arbeiter zu schikanieren.

    • stefanolix sagt:

      Die MLPD sieht die Schlaglöcher völlig zu recht als Erfindung des Kapitalismus: allein durch die Schlaglöcher werden schließlich marxistisch-leninistische Massenkundgebungen und die Weltrevolution verhindert ;-)

  8. Du hast Recht, so wird es sein – leider!

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