Klage gegen den Zoo Dresden

Die Kollegen vom Dresden-Blog machen sich Gedanken über eine Klage von radikalen Tierschützern gegen den Zoo Dresden. Sie stellen sich auf die Seite des Zoos und bezeichnen die Klage als blanken Aktionismus.

Ich bin ein eher seltener Besucher des Dresdner Zoos und ich bin in dieser Beziehung hin- und hergerissen. Mir scheint diese Klage in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit für die radikale Tierschutzorganisation zu sein. Der junge Elefantenbulle hätte den Dresdner Zoo über kurz oder lang wahrscheinlich ohnehin verlassen. So ein Transport muss langfristig vorbereitet werden. Dem Tier hilft die Klage also sicher nicht weiter.

Auf der anderen Seite empfinde ich die Bedingungen im Dresdner Zoo an einigen Stellen wirklich als deprimierend. Große Tiere wie die Menschenaffen und die Löwen sind wirklich stark eingeengt. Als Erklärung dafür können Zoo-Befürworter sicher auf den Bildungsauftrag und auf den Beitrag der Zoologischen Gärten zum Artenschutz hinweisen.

Doch wenn ich erlebe, wie ein großer Menschenaffe wirklich herzzerreißend verzweifelt brüllt oder wenn ich den Frust eines Löwen hinter der Panzerglasscheibe spüre, dann kann es für mich nur eine Schlussfolgerung geben: ein Zoo sollte sich auf sehr wenige große Tiere konzentrieren und diesen Tieren dann möglichst gute Bedingungen bieten.

Ich würde also den Bestand des Dresdner Zoos so verringern, dass die verbleibenden Tiere mehr Platz haben. Dresden muss nicht so viel Tiere wie möglich zeigen, sondern den vorhandenen Tieren bestmögliche Bedingungen geben. Diese bestmöglichen Bedingungen sehe ich bei den Menschenaffen und bei den Elefanten noch nicht.


22 Responses to Klage gegen den Zoo Dresden

  1. Claudia sagt:

    Ein vorbildlicher Zoo ist für mich der Tierpark Berlin, in dem unglaublich viel Platz ist und der didaktisch hervorragend aufgebaut ist.
    Ich habe den Dresdener Zoo ja leider noch nicht gesehen, aber ich habe ein recht großes Vertrauen zur grundsätzlich guten Behandlung von Tieren in deutschen Zoos. Was Du im letzten Absatz sagst, ist dennoch sehr bedenkenswert.
    Ein weiterer Auftrag moderner Zoos ist übrigens die Nachzucht – retten, was noch zu retten ist.

    • stefanolix sagt:

      Generell dürfte sicher alles nach Recht und Gesetz zugehen. Aber es stellt sich eben die Frage, ob das z.B. für Menschenaffen wirklich gut genug ist. Ich hätte bei Fischen grundsätzlich keine Bedenken, sie in einem Aquarium zu zeigen. Aber wenn man mal vor dem Gehege der Orang-Utans in Dresden gestanden hat, wird es einem doch etwas anders zumute.

  2. Jane sagt:

    Ich finde Zoos generell deprimierend. Ich kann das gar nicht sehen, wie gelangweilt und apathisch die Tiere oft in irgendeiner Ecke ihres viel zu kleinen Geheges hocken, wie gerade die Raubkatzen verhaltensgestört unermüdlich die Gitterfronten ihrer Verschläge – anders kann man’s nicht bezeichnen – ablaufen, wie aufgezogen. Wollen das die Leute sehen? Kommen sie deshalb und bezahlen dafür auch noch einen ziemlich saftigen Eintritt?
    Tja, Hauptsache, es sind ausreichend schicke gastronomische Einrichtungen vorhanden mit drum und dran, von Drumbos’s Welt bis zum Pinguin-Cafe. Dafür geht nämlich ein nicht zu verachtender Teil der Einnahmen drauf, während es bei den Tieren immer nur schleppend mal Verbesserungen gibt.
    Sollte ich mal Kinder haben, ich werde mit denen eher ins Wildgehege in die Moritzburger Heide fahren, statt mit ihnen in den Zoo zu gehen. Dort können sie Tiere nahezu in Freiheit beobachten, die sich auch einfach mal außer Sichtweite der Menschen verziehen können, wenn es ihnen zu bunt wird.

    • stefanolix sagt:

      Ja, eine Kombination aus Zoo und Wildgehege fände ich besser. Da würden dann die gastronomischen Einrichtungen auch nicht mehr so auffallen ;-)

      • Elbnymphe sagt:

        Ich bin für größtmögliche Authentizität, also ein Wildgehege, in dem der Mensch die gastronomische Einrichtung der Raubtiere darstellt.

      • stefanolix sagt:

        Aber dann würde der Mensch ja seinerseits auch seine technischen Errungenschaften mit ins Gehege nehmen. Und am Ende wären wieder die Raubtiere die Gebissenen ;-)

      • Jane sagt:

        Ich find’s viel authentischer und abenteuerlicher, wenn man so einen Trip ins Freie, in die Welt der Tiere sozusagen, regelrecht zelebriert, indem man sich eben Nudelsalat und ein paar Stullen mitnimmt und irgendwo draußen ein Picknick macht. Ich brauch kein Steak und keine Fritten dazu.
        Im Zoo hingegen werden Tiere gewaltsam in die Welt des Menschen verbracht und dort festgehalten. Das widerstrebt meiner Vorstellung von der Unantastbarkeit des Lebens und der Würde – auch eines Tieres.

      • stefanolix sagt:

        Wobei ein Biergarten oder ein Café am Eingang des Wildgeheges ja in Ordnung ist. Aber ein Auto-Scooter im Zoo?

      • tigger sagt:

        Aber ein Auto-Scooter im Zoo?

        Warum nicht ? Es besuchen ja genügend Zielgruppen äh…Kinder den Zoo. Und Freizeitparks mit Tieren gibt es ja auch, warum also nicht Tierparks mit sonstigen Attraktionen ?

      • stefanolix sagt:

        Der Platz ist im Dresdner Zoo sehr beschränkt. Viele Tiere leben sehr beengt. Also entweder Zoo oder Rummel …

  3. Goschler Brigitte sagt:

    zur Diskussion über Zootierhaltung empfehle ich einmal auf die Webseite http://www.tierschutzverein.at zu gehen,unte suchen: Mongu einzugeben und sich dort das Doku-Video aus dem Tierpark Schönbrunn/Wien anzusehen, wie so ein kleines Elefantenkind von seinen Tierpflegern gequält wird.

    • stefanolix sagt:

      Bei uns in Dresden sind keine Übergriffe und Tierquälereien bekannt (allerdings steht für mich, wie schon gesagt, die Frage, ob Dresden für die Haltung von Elefanten geeignet ist). Artenschutz und Elefantenzucht — das kann und muss in Afrika bzw. Indien geklärt werden.

  4. KurtE sagt:

    In deinem Artikel machst Du leider den selben Fehler wie viele Tierschützer. Du vermenschlichst die Tiere und ziehst dann daraus Schlüsse. Wenn ein großer Menschenaffe brüllt, mag es dir so vorkommen, als wäre es „herzzerreisend verzweifelt“. Aber woher willst du wissen, daß deine Beobachtung richtig ist. Noch dazu, wo du nur äußerst selten mit großen Menschenaffen zusammentriffst. (Der Frust eines Löwen hinter der Panzerglasscheibe, so ein Löwe überhaupt frustiert sein kann, könnte auch daher kommen, daß er dich nicht zur Strecke bringen kann.:-))
    Tierschutz ist wichtig, aber solche unreflektierten Gefühlsduseleien sollten doch vermieden werden. Erstaunlicherweise regt sich keine Tierschützerin über die Einzelhaltung von Meerschweinchen oder Sittichen auf. Dabei sind das genauso Herdentiere.

    Was für mich als Außenstehenden fragwürdig ist, ist, warum unser kleiner Zoo ausgerechnet in die Elefantenzucht einsteigen musste. Jetzt kommen noch Giraffen dazu. Ich finde. als nächstes sollte man über Blauwale nachdenken.

    Und was peta betrifft, haben die bei mir jeden Kredit verspielt, als sie vor Jahren die Käfighaltung von Hühnern mit den Bedingungen im KZ Buchenwald verglichen haben.

    Wer in Dresden was für den Tierschutz tun will, ist in Kaditz besser aufgehoben.

    • stefanolix sagt:

      Ich gebe Dir teilweise recht. Beim Löwen war das Wort »frustriert« nicht angebracht. Aber herzzerreißend kann auch der Schrei eines Tieres sein. Die drei großen Menschenaffenarten würde ich im gewissen Sinne über alle anderen Zootiere stellen, weil sie einfach höher entwickelt sind. Und deshalb sollten für sie auch andere Bedingungen geschaffen werden.

      Wir sind uns (vermutlich) auch einig in der Fragestellung: müssen es in unserem kleinen Zoo wirklich Elefanten UND Giraffen UND Raubkatzen UND Menschenaffen sein? Oder würde nicht eine Kategorie reichen?

    • Timm sagt:

      Ich gebe dir nur in dem Punkt recht, dass dieser kleine Zoo keine Elefanten züchten sollte.

      Ich kenne genug TierschützerInnen, die Einzelhaltung bei jeder Art von Herdetieren anprangern.

      Es stimmt, man sollte Tiere nicht vermenschlichen. Aber meiner Meinung nach muss man doch nur den Lebensraum und das Verhalten der Tiere in einem Zoo und in der freien Natur vergleichen. Dann sollte man sehr schnell zu dem Schluss kommen, dass es den Tieren in vielen Zoos leider nicht gut geht. Das finde ich auch keine Gefühlsduselei.

      Natürlich kann man sich auch einreden, dass bestimmte Verhaltensweisen eines Tieres in Gefangenschaft nichts mit der Haltung zu tun haben. Nur… auf welcher Seite steht man dann eigentlich?

  5. casus sagt:

    Ich finde Teile des Dresdner Zoos auch deprimierend. Als Besucher. Macht einfach keine Freude, Tiere in offensichtlich unnatürlicher Umgebung zu sehen…

    Das Dilemma für einen Zoo: Je mehr „interessante“, spektakuläre Tiere wie Löwe, Giraffe, Elefant, Eisbär und von mir aus auch Blauwaal ;), desto mehr Besucher, desto besser die Einnahmen. Und letztlich: Um so geringer die städtischen Zuschüsse. Auch ein Zoo befindet sich in der Marktwirtschaft.

    Letztlich wird langfristig aber nur ein Zoo erfolgreich sein, der ein angenommenes Konzept realisiert, was auf der Höhe der Zeit ist. Dazu gehört die Bereitstellung eines naturnahen Lebensraumes für die Tiere und passend aufbereitete Informationen für die Besucher. Im Unterschied zum Zirkus hat ein Zoo durchaus auch einen Bildungsauftrag, dem in Dresden z.B. auch durch die „Zooschule“ versucht wird, gerecht zu werden.

    Was an begleitender Gastronomie verwerflich sein könnte, erschliesst sich mir nicht. In der Regel wird diese durch Pächter betrieben, die für die Nutzung der Räumlichkeiten Pacht zahlen, die wiederum der Finanzierung des Zoos zugute kommt.

    Den Betreiber des Zooshops kenn ich (flüchtig) persönlich und der zahlt Miete. Nicht zu wenig – er arbeitet hauptberuflich in einem VW-Autohaus, kann also nicht davon leben. Da ich um der (Mit-)Finanzierungfunktion des Shops weiss, ertrage ich geduldig den nervigen Zooausgang durch den Shop („Papa, ich will den Plüschlöwen“)…

    Was an den Vorwürfen von Peta dran ist, kann ich nicht beurteilen. Aus dem Bauch heraus vermute ich auch eher Spenden-PR.

    • stefanolix sagt:

      Für die Zooschule braucht man aber keine Elefanten. Ich bin ja gar nicht gegen Zoo, ich bin aber gegen die beengte Unterbringung und gegen die Übergriffe. Es kann nicht sein, dass Tieren Teile von Gliedmaßen amputiert werden, nur um sie (besser) im Zoo zeigen zu können.

      Ich kann mich an meine eigene Zooschul-Veranstaltung in der DDR erinnern. Damals ging es um Schlangen und ich war der, dem man eine um den Hals gelegt hat. Natürlich eine harmlose …

  6. […] sein, daß ich den selben Fehler begehe, der neulich z. B. meinem Blogger-Kollegen Stefanolix unterstellt wurde: daß wir dazu neigen, Tiere zu vermenschlichen. Dennoch versetzen mir die […]

  7. Lotus_Eater sagt:

    Genau darüber habe ich vor einigen Tagen auch nachgedacht, als jemand sagte, dass ein Zirkus unnötige Tierquälerei sei. Ab für einen Zirkus gilt selbstverständlich auch, dass die Tiere artgerecht gehalten werden sollten, was in den meisten Fällen wahrscheinlich nicht der Fall ist. Ich finde trotzdem, dass ein Zoo das größere Übel darstellt. Sehr bedauerlich finde ich auch, dass den Pelikanen im Kölner Zoo der untere Teil eines Flügels amputiert wird.

    • stefanolix sagt:

      Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich seit der Grundschulzeit in keinem Zirkus mehr war und dass mich die Dressur-Kunststücke schon damals nicht begeistert haben. Mir haben immer die Tiere leidgetan. Was man in den Medien zu Dressur sieht oder liest, hat meine Meinung eher gefestigt.

    • Elbnymphe sagt:

      Mademoiselle, je suis surprise de rencontrer-vous ici! Du vergrößerst wohl langsam den Radius der Dresden-Blogs? Und wen liest man so am Rhein? :-)

      Das Amputieren: damit die Tiere nicht davonfliegen?

    • stefanolix sagt:

      Ja aber das ist doch völlig pervers: wenn es ohne Amputation nicht geht, dann halte ich die Tiere entweder in einer großen Voliere oder ich halte sie eben nicht im Zoo. Vielleicht sollte man mal in der Stadt unter Bürgern die Diskussion führen, was wir wirklich in einem Zoo sehen wollen.

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