Prozess um einen banalen Werbespot und eine banale Parodie

Der FDP-Werbespot war gut gemeint und schlecht gemacht — wie so viele andere Werbespots im Wahljahr 2009: Ein werbender Spitzenpolitiker latschte durch ein Feld in der sächsischen Provinz und gab Einfaches zum Besten. Mein Hinterkopf erinnert mich in solchen Fällen: »Du bist nicht Zielgruppe«.

Die Grünen haben auf einen schlechten Werbespot mit einer noch schlechteren Parodie geantwortet. Die Gemeinplätze aus dem Original wurden durch andere Gemeinplätze ersetzt. Und dann haben sie die Parodie nicht etwa in den Papierkorb geschoben, wo sie gut aufgehoben gewesen wäre. Nein — sie haben das neue Filmchen auch noch auf Youtube veröffentlicht. Wie das Blog vom Dresdner Rand berichtet, soll nun über eine Klage der Werbeagentur gegen die Parodie entschieden werden.

In der Klage geht es nicht um Zensur, sondern um das Urheberrecht am Original-Werbespot. Und da frage ich mich spontan: von welcher Schöpfungshöhe ist hier eigentlich die Rede? Wäre es nicht möglicherweise klüger, die Sache auf sich beruhen zu lassen?

Mir tun die Juristen leid, die sich damit herumschlagen müssen. Ich würde mir weder den Spot noch die Parodie ein zweites Mal antun wollen. Im Wiktionary steht zum Begriff »Gemeinplatz«:

Das Wesentliche am Gemeinplatz ist aber die erkenntnisfreie, triviale Aussage, auch wenn sie noch nicht zur Redensart geronnen ist.

Die Parodie ist so wenig Satire, wie das Original eine politische Aussage ist. Beide Videos sind inhaltsleer. Der Wahlkampf 2009 war öde, die politische Realität des Jahres 2010 ist auch nicht besser. Liebe Politiker (aller Seiten): ich kann auf den nächsten Wahlkampf gut und gern zehn Jahre warten. Lasst mich einfach in Ruhe.


7 Responses to Prozess um einen banalen Werbespot und eine banale Parodie

  1. randOM sagt:

    Da hast Du mal wieder Recht. Im Zusammenhang mit den beiden Spot(t)s das Wort Schöpfungshöhe zu gebrauchen, ist aber ganz schön gewagt. Phrasendrescher trifft Phrsendrescher. Wie gesagt, am besten gefällt mir die echte Parodie:
    http://www.viddler.com/explore/Hulkalk/videos/1/

    Das ist wirklich witzig.

    randOM

  2. Jane sagt:

    Tja, schön wär’s, wenn ich mir eine derartige „lasst-mich-einfach-noch-10-jahre-in-Ruhe“-Mentalität leisten könnte ;)
    Bei mir drängt allerdings die Realität allzu sehr, als dass ich mich ein wenig ins Privatleben zurückziehen und die Politiker machen lassen könnte.

    Was die Wahlkampf-Methoden betrifft, dürfte man sich weiträumig einig sein, dass der Sinn dieser Produktionen zumeist sehr nahe beim Unsinn angesiedelt ist.

    • stefanolix sagt:

      Ich kann mir das auch nicht leisten, aber warum sollte ich es nicht mal damit probieren, nachdem alles andere nichts geholfen hat ;-)

      Der Sinn dieser Produktionen wird erst sichtbar, wenn man die falschen Anreize dahinter sieht. Die Parteien haben eindeutig zu viel Geld.

      • Jane sagt:

        In der Tat, und nicht nur die Parteien, sondern auch für die lieben Abgeordneten ist – trotz angespannter Haushaltslage und Streichungen allerorten – mal wieder die nächste Aufwandspauschalenerhöhung fällig… meines Erachtens nach eine absolute Sauerei.

      • stefanolix sagt:

        Ich bin für Obergrenzen bei den Ausgaben für Wahlkampfwerbung. Mit dieser einfachen Maßnahme würden uns viele schlechte Produkte erspart bleiben.

  3. Also mich haben alle Werbespots gut unterhalten … mein Lieblingsspot der Sachsen-Wahl 2009 ist jedoch immer noch jener der CDU-Spot: http://www.youtube.com/watch?v=GTvLYzCZ6Sc
    … mir fällt da immer nur der Spruch „Leidenschaft ist das, was Leiden schafft.“ ein ;)

    Für mich sind Wahlwerbespots genau so wie Werbespots im Fernsehen … doch Wahlwerbespots sind so witzig, weil die Parteien bzw. Politiker das alles auch irgendwie ernst meinen. Und noch witziger ist für mich, dass das Menschen glauben … also der Humor bei der ganzen Sache tröstet mich dann relativ schnell über das andere mitunter etwas weinende Auge hinweg ;)

    Und ansonsten kann ich nur raten, dass man es selbst besser machen kann … einfach zur Wahl stellen ;) … zugegeben ein bisschen Bürokratie ist dabei, doch allemal leichter als ALG II zu beantragen oder die Einkommensteuerformulare auszufüllen und dann einfach mal schauen, was passiert.

    Ansonsten sind die FDP und Grünen-Spots es ein bisschen Partei-Disse (die FDP indirekt gegen die Linke, die Grünen direkt gegen CDU und FDP), so wie das die East-West-Coast-Rapper machen, eben nur mit politischen Inhalten.
    Und wenn schon „amerikanische Verhältnisse“, dann halte ich mir gern immer mal Zitate von Will Rogers (http://de.wikipedia.org/wiki/Will_Rogers) vor Augen: „Ich mache keine Witze. Ich beobachte nur die Regierung und berichte Tatsachen.“ oder „But with Congress — every time they make a joke it’s a law. And every time they make a law it’s a joke.“

    So gut wie manche Politiker Kabarett machen, kann kein Kabarettist werden ;)

    In diesem Sinne – wegen mir gern jedes Jahr Wahlk(r)ampf ;) … Micha.

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