Mit Sudoku trainiert man Sudoku

In Zügen und Straßenbahnen füllen viele Menschen geheimnisvolle Kästchen mit Zahlen aus. Die Werbung für diese Zahlenrätsel verspricht eine Steigerung der Gehirnleistung und folglich bieten viele Zeitungen ihr tägliches Sudoku an. Ein Artikel im »Handelsblatt« bestätigt meine [vorgefasste] Meinung über solches »Gehirntraining«: es wirkt sich nicht messbar auf die geistigen Kapazitäten aus:

Programme, TV-Shows und Spiele zum Gehirntraining seien zwar in aller Munde und für die Anbieter ein lukratives Geschäft, bislang fehle aber jeder wissenschaftlicher Nachweis einer tatsächlichen Leistungssteigerung der generellen Denkfähigkeit, geben die Forscher zu bedenken.

Ich finde es wichtiger, dass man sich jede Woche etwas Zeit für Neugier und Assoziation lässt. Ich verbinde das gern mit einem leichten Lauftraining oder mit einer Stunde auf der Parkbank — nur mit Buch, Notizbuch und Stiften. Dabei kommt mehr heraus als beim Ausfüllen von Zahlenkästchen … Nur nach dem Lauftraining ist es manchmal etwas schwierig: gehe ich zuerst unter die Dusche oder schreibe ich zuerst meine Ideen auf? ;-)


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26 Responses to Mit Sudoku trainiert man Sudoku

  1. dd-jazz sagt:

    Auch mich als neugierige Skeptikerin, erfreut immer wieder die bestätigte These: Das momentan gepredigte Wissen ist der Irrtum von morgen.; Wirkliche Klugheit hat etwas mit Mensch-Sein zu tun…und auch die Fleiß-Auswendig-Lerner/Innen bleiben in vielen lebensechten Belangen oftmals unwissend.. Wissende Arroganz ist sogar dumm-gefährlich.

    • stefanolix sagt:

      Wobei ich das bisher Gepredigte über Sudoku & Co. nicht als Wissen, sondern eher als Marketing-Aussagen betrachtet habe. Viele dieser Rätsel kann man ganz einfach mit dem Computer herstellen. Die Zeitungen sparen damit Kosten (und die Anbieter solcher Heftchen natürlich auch).

      • dd-jazz sagt:

        Als Kind war ich dem Kreuzworträtsel-Fieber verfallen (wollte sogar mal Kreuzworträtsel-Erfinderin werden), aber da hat sich späterhin so vieles wiederholt.. Der gute Nebeneffekt: man hat öfter mal im Lexikon nachgeschaut..und spielerisch-neugieriges Wissen bleibt auch abrufbar langzeit-gespeichert.

      • stefanolix sagt:

        Klar. Denn Kreuzworträtsel bestehen aus Worten und zu Worten findet jeder Mensch mit etwas Phantasie sofort Assoziationen. Im Lexikon findet man Querverweise …

        Ein Sudoku besteht nur aus ein paar Zahlen — und es sind zu allem Unglück auch noch bei jedem weiteren Sudoku die selben Zahlen ;-)

  2. Elbnymphe sagt:

    Ihr habt mich gerade so glücklich gemacht. Denn ich kann keine Sudokus lösen.

    • dd-jazz sagt:

      Aber „Nymphe“; Du bist so Vieles, was den „Sudoku-Könnern“ nicht einmal ansatzweise lösbar vorzutäuschen gelänge..;-)

      • Elbnymphe sagt:

        Danke, Balsam auf meiner Seele, aber dennoch wäre ich gerne weniger idiotisch im Umgang mit Zahlen. Ich habe erst kürzlich herausgefunden, das man das Dyskalkulie nennt. Im Alltag immer wieder eine Messe.

      • dd-jazz sagt:

        Oh, gäbe es nicht die tröstlichen Beispiele von legasthenischen Professoren, den Begnadeten mit Savant-Syndrom, all` den genialen „M.-D.-Künstlern“ etc., wäre die Welt grässlich schablonierbar… Aber es kostet wahrscheinlich sehr viel Einfallsreichtum, um damit zu leben-
        Buchempfehlung: Daniel Tammet „ELF IST FREUNDLICH UND FÜNF IST LAUT“- Ein genialer Autist erklärt seine Welt / borge auch gern.

      • dd-jazz sagt:

        …und ist die Fähigkeits-Unterschiedlichkeit nicht auch ein Beweis dafür, dass wir uns DOCH alle menschelnd ergänzend brauchen..

      • stefanolix sagt:

        dd-jazz‘ Balsam kann ich eigentlich kaum noch etwas hinzufügen: es gibt überhaupt nur eine Elbnymphe und sie beeindruckt auch ohne Sudoku ;-)

        Allerdings gibt es Methoden, um einer (angenommenen oder wirklich vorhandenen) Dyskalkulie zu begegnen.

  3. […] April 2010 · Hinterlasse einen Kommentar Ich bin so enttäuscht: Da lese ich doch eben bei Stefan, dass das Lösen von Sudokus zu keiner messbaren Intelligenzsteigerung führt. Das haben […]

  4. dd-jazz sagt:

    „messbare Intelligenzsteigerung“ klingt sowieso seeehr suspekt; aber es führt u.U. gewiß zu erhöhten Adrenalin-Ausstößen ;-)

  5. Frank sagt:

    Ich dachte, Sodoku sei längst wieder out. Gelegentlich mache ich aber auch eins. Ob man davon intelligenter wird, kann ich nicht beurteilen, ich kann mir höchstens vorstellen, dass es positive Auswirkungen auf logisch-kombinatorisches Denken hat. Oder dass es Aufmerksamkeit schult, weil man oft die entscheidende Zahl finden muss, die die weiteren Hinweise liefert. Das Rechnen-können fördert es jedenfalls nicht, denn mit Mathematik hat es ja wenig zu tun.

    • stefanolix sagt:

      Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sudoku die Aufmerksamkeit schulen und die Nutzer wachhalten kann. Aber darüber hinaus scheint es kaum einen Effekt zu haben.

      • Frank sagt:

        Es ist ein Spiel, mehr nicht. Haben Spiele, die man allein macht, Nutzen? Solitaire, Freecell, Mahjong und was es noch so gibt – das sind eben nur Sachen zum harmlosen Zeittotschlagen zwischendurch. Gelegentlich darf man das ja auch ruhig einmal tun. Wenn man am Tag bereits drei Stunden über die Rettung der Welt nachgedacht hat, sind 30 Minuten Solitaire oder Sudoku erlaubt ;-)

      • stefanolix sagt:

        Um ehrlich zu sein: den tieferen Sinn des Hin- und Herschiebens von Karten auf dem Monitor habe ich auch nie verstanden. Ich bin eigentlich immer froh, mal vom Monitor weg zu kommen.

      • henteaser sagt:

        @frank: „Haben Spiele, die man allein macht, Nutzen?“ – Oder anders: Warum tut mensch überhaupt etwas, das nicht sofort sichtlich Mehrwert schafft. Was ist der Sinn des Lebens?

        Es soll übrigens Leute geben, die Mahjong, Solitaire usw. noch mit echten Steinchen/Karten spielen. Ich bin keiner von ihnen. Schon allein deshalb, weil ich viel zu faul wäre, das Spiel in seine Ausgangsposition zu bringen.

  6. Sudoku ist doch für Auf-Klo: Damit längere Audienzen auf dem Thron nicht zu langweilig werden.

  7. tigger sagt:

    Auf jeden Fall habe ich jetzt eine neue Ausrede für Dinge, die ich nicht machen kann oder will: „Hätte mich ‚eh nicht intelligenter gemacht.“

  8. Bügeln macht defintiv nicht klüger. Aber das kann man auch nicht Auf-Klo.

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