Ampel oder Kompass?

Die Diskussion um die Lebensmittel-Ampel beschäftigt mich immer noch. Nach der Logik einer Ampel dürfte man doch Lebensmittel mit ROT überhaupt nicht essen. ROT bedeutet STOP. ROT würde bei der Kaufentscheidung im Grunde bedeuten: Das ist Gift. Und GRÜN würde bedeuten: Hau rein!

Ein noch unausgegorener Gedanke: Man könnte sich doch einen Kompass ausdenken. Einem Kompass kann man ja folgen — doch das rote Signal einer Ampel muss man immer befolgen. Ließe sich daraus etwas machen?


Advertisements

18 Responses to Ampel oder Kompass?

  1. henteaser sagt:

    Wenn schon Verkehrszeichen, dann bitte die „noch x Meter bis zum unbeschränkten Bahnübergang“-Schilder aufdrucken.

  2. dd-jazz sagt:

    Genauso habe ich es damals in der Diskusssion gemeint; für manche wäre es der faule Freibrief zum noch mehr..irren/ Ich aktiviere mich lieber im Gelände/ oder zu Wasser einnordend/ kalibrierend..;-)
    Was für die Einen früh die notwendigen Kohlenhydrate.., wären es Mittags die nötigen Eiweiße und verändert sich das Bedürfnis für die Anderen tagsüber bishin zum Nachtdienst… Wie sollte DAS untäuschend differenziert dargestellt werden?
    Gleichwohl wären dann auch Ampeln/Kompass für Säfte (für Zähne schlecht, als Vitamine gut, Zuckergehalt nur ohne Gebäck gut körperverträglich..) ..und Alkohol, dem unterschiedlichen Säure-und Mineraliengehalt von Wassern notwendig… Da befürchte ich dann dicke Beipackbücher, durch die ich vom Lesestress Magenschmerzen bekäme.
    Wer sich individuell gesund ernähren will, findet genug/zuviel Literatur, Austausch oder Hilfestellung.
    Das Verbot von Lebensmittel-Fakes erachte ich hingegen als notwendiger; da ist ja alles erlaubt, was nicht verboten wurde.
    Am besten, wir lassen uns doch gleich alle chippen und der Einkaufwagen wird automatisch bepackt.
    Wahrscheinlich bekomme ich dann nur noch Kosmonautennahrung aus Tuben.. oder Armee-Kekse..und nie wieder ein sündiges Schwarzbier und für Weißwein ist es eh zu kühl..:-(
    Und Stefan, wer dann schon vorher beim Bäcker Wippler war, riskiert Alarmmeldung..;-))
    Am sichersten gilt immer, mehr Kalorien verbrauchen, als zu sich nehmen.

    • stefanolix sagt:

      Ja: Momentan ist alles erlaubt, was den Konsumenten nicht umbringt ;-)

      Aber wo würdest Du denn konkret Lebensmittel-Fakes sehen? Bitte nicht unbedingt Marken nennen, sondern eher prinzipielle Probleme ansprechen.

      Wie soll das nichttäuschend und differenziert dargestellt werden? Vielleicht, indem man mit der Symbolik auf die Zielgruppen der Konsumenten eingeht?

      • dd-jazz sagt:

        -falscher Käse
        -verfälschte Milch (selbst die Frischmilch ist inziwschen ein erlaubter Gemischt-Fake..)
        -falsche Wurst (ich meine keine Tofu-Wurst)
        -mit Aintbiotika verseuchte Fische (inkl. Fleisch und Wurst)
        -genmanipulierte Nahrung
        GENERELL die Täuschung der Konsumenten durch Verpackungnen (gleiche Größe, weniger Inhalt)

        positive Anregeung und Auflärung: bsw. liegt öfter mal die Zeitschrift „SCHROT und KORN“ kostenlos aus, inkl. Reoepte

  3. Ich mag Deine Einschätzung von roten Ampeln. Soweit ich weiß, sind in vielen Städten dieser Welt die roten Ampeln freundliche Empfehlungen, an denen man sich orientieren darf.

    Wenn man die Ampel auf Lebensmitteln ähnlich sehen würde, dann wäre die Diskussion schon entspannter. Auch ein System mit Punktebewertungen oder einer Einordnung nach „konzentrierter Nahrung“ und „kaum konzentrierter Nahrung“ kann nur eine Orientierung sein.

    dd-jazz jedenfalls erliegt der weit verbreiteten Fehleinschätzung, die sagt: „Wer sich individuell gesund ernähren will, findet genug/zuviel Literatur, Austausch oder Hilfestellung.“

    Als überzeugter Leser der Zeitung mit den vier weißen Buchstaben auf rotem Grund sage ich, dass ich das noch nie gelesen habe. Und selbst wenn: außer den Fotos von den Ladies und dem Sportteil nehme ich nichts anderes zur Kenntnis.
    Also brauche ich eine einfache Kennzeichnung. Im Fernsehprogramm hilft mir der Smilie, um einen Film einschätzen zu können, bei Nahrungsmitteln könnte mir eben die Ampel helfen.

    Noch einmal zusammengefasst: die Bücher über Kindererziehung werden in der Regel von Menschen gelesen, die schon recht weit sind im Umgang mit Kindern. Die, die sie am notwendigsten hätten, beschäftigen sich am wenigsten damit. Weil ein „Satz heißer Ohren“ noch keinem Kind geschadet hat. Wenn Du also vom intelligenten, belesenen und abstrahierenden Bürger ausgehst, dann gehst Du (leider) an der Realität vorbei …

    • stefanolix sagt:

      Ich gehe durchaus von einem orientierungssuchenden Bürger aus. Aber ich will ihm eine intelligentere Lösung anbieten!

    • stefanolix sagt:

      Nebenbei: ich bin relativ sicher, dass es in der BILD auch Ratgeberseiten gibt, weil gerade diese Zielgruppe Vereinfachung sucht. Ich lese diese Zeitung allerdings nicht und kann jetzt keinen Ausriss vorlegen.

      • Ihr seid wirklich süß und ich komme oft aus dem Lachen und Staunen nicht mehr heraus.

        Einigen wir uns doch erst einmal auf Grundannahmen.

        Die erste Grundannahme ist, dass es Menschen gibt, die eine Orientierung bzw. eine Orientierungshilfe suchen.

        Wenn wir das annehmen, dann werden wir etwas finden, dass vielleicht wenig Symbolik hat als eine rote Ampel. Wenn nicht, dann brauchen wir nicht weiter zu überlegen, denn wenn niemand Orientierung braucht, dann erledigt sich die Diskussion im Keim.
        Hier ist es m.E. besser, eine nicht optimale Symbolik zu finden als gar keine. (In den USA arbeiten man stets mit den SERVING SIZES. Mit einem Taschenrechner in der Hand kann man sich informieren, bei uns ist das nach wie vor noch nicht möglich.)

        Die zweite Grundannahme ist, dass Ratgeber, egal ob im „Schrot und Korn“ oder in der „Bild“, in der „Freundin“ oder wo auch immer, gekauft sind und Interessen widerspiegeln.
        „Expertengutachten“ von Saftproduzenten werden stets auf die Vitamine abheben und vernachlässigen stets den Zuckergehalt und es gibt sogar „Experten“ für die Atkins-Diät. Langer Schreibe, kurzer Sinn: die Experten sind stets im Dienste irgend einer Industrie unterwegs. „Reine“ Information gibt es nicht.

        Wenn wir das annehmen, dann erkennen wir schnell, dass jede Beratung nur Sinn macht, wenn man sie gegen andere vergleicht. Und das setzt Abstraktionsfähigkeit voraus und ein gewisses Maß an Intelligenz. Hier wird es wirklich problematisch.

        Die dritte Annahme ist, dass die, die es am nötigsten haben, am wenigsten empfänglich für Ernährungshinweise sind. Ganz im Gegenteil: jeder hat für seinen Ernährungsstil relativierende Sätze im Hinterkopf. (Beispiel für Raucher: „Nichtraucher sterben eben gesünder!“ Beispiel für Übergewichtige: „Wir sind eben gemütlich und gesellig!“)

        Wenn wir das annehmen, dann werden wir zu dem Schluss kommen, dass Ernährungsberatung ein langer Weg ist und ganz früh anfangen sollte. Aber wir kommen auch zu der Überlegung, dass es Sanktionen geben sollte, wenn sich jemand falsch verhält. (Ich merke jetzt schon, wie Du im Sinne der Freiheit des Menschen auf Deinem Stuhl hin- und herwackelst und denkst: „Das darf man doch nicht … !“
        Aber das ist falsch, natürlich darf man das. Wie es gemacht wird, ist eine Frage, aber legitim ist es in jedem Falle. Und am einfachsten ist so etwas über die Steuer zu regeln. Aber Krankenkassenbeiträge, die sich am BMI oder dem Körperfettanteil orientieren, sind auch denkbar. Und wenn Autoversicherungen den „Garagenwagen“ billiger einstufen als andere Autos und private Krankenversicherungen von Frauen höhere Beiträge nehmen als von Männern, warum reagieren wir dann wie ein Pawlow’scher Hund mit Abscheu, wenn wir der Frage begegnen, ob stark Übergewichtige einen Zuschlag auf die KV bezahlen sollen?

        Und noch eine letzte Grundannahme, die entscheidend ist. Es wird keine Nahrungsmittel geben, die „gut“ sind. Auch hier sind die Interessensvertretungen so stark, dass Du heute sogar im BIO-MARKT nur noch haltbarkeitsverlängerte Milch bekommst. Was da im Detail passiert mit dieser Nahrung, ist grotesk.

        Wenn Du diese Grundannahme auch teilst, dann wirst Du auch wissen, dass Du selbst giftige und Allergien auslösende Nahrung verkaufen darfst, wenn Du gleichzeitig ein Rudel „Experten“ bezahlst, die in Gutachten nachweisen, dass alles anders ist mit dem Artikel wie das, was jeder durch das Benutzen des gesunden Menschenverstandes ermitteln kann. Oder brauchen wir Huren, die uns erklären, dass in Nutella „das Beste aus einem Drittel Liter entrahmter Milch“ drin ist.

        Übrigens: „Experten“ sind wie Huren – nur teurer.

      • dd-jazz sagt:

        ..vor allem Lachen ist gesund (übereinander weniger) und kann leider nicht „auf Rezept“ verschrieben werden. Um so mehr wundert mich Deine Sehnsucht nach Ampelmännchen und dieser Habitus(!?)
        Wenn Du es BESSER weißt, dann empfehle ich (vereinfachten) Kästner: Gutes tut es!
        Wie sind Deine Vorschäge?

      • dd-jazz sagt:

        haha-Eigenironie: das fehlende „l“ war wohl eine typisch weiblich-indifferente Reaktion- Ich will mich, auch worttechnisch, nicht verschlagworten und reiche dennoch ein „l“ nach ;-)

  4. dd-jazz sagt:

    Auch wenn es sich nun wiederholt:
    Wer sich NICHT informieren will, wird auch Ampeln oder Kompaß übersehen wollen. Ich bezog mich DAMALS nicht allein auf Bücher..
    Du orientierts Dich tatsächlich bei Fernsehzeitschriften am Smilie? Überquerst Du auch bei
    Grün die Straße, obwohl ein Laster anbraust? Ändert sich Dein
    Betrachtungsverhalten mit dem unterbewusst angespeicherten Smilie? Wie oft wird ein Film anders beschrieben, als ihn andere verstehen..Dass ich eine Ausnahme OHNE TV-Zeitschrift und TV bin, mag eine Ausnahme sein und die von Dir benannte Zeitschrift (ich vermute verwundert), würde mich zum Frustfressen trotz Ampel-Kompaß treiben.;-) Den Meisten mangelt es vor allen an Eigenkonsequenz und wie schon damals besprochen, ist Ernährung viel zu komplex, als mit Bildchen zu versimpeln. Es gibt zuviel Bevormundung, aber Jede/r könnte sich entsprechd den Verpackungsangaben und SEINEN Bedürfnissen selbst einen Kompaß basteln und vergleichen und hier gab es bspw. kostenlos Ernährungspyramiden etc. zur Orientierung. Aber das sollte eine Freiwilligkeits-Entscheidung bleiben und es gibt(!) auch schon Tabellen mit ROT-GRÜN-GELB etc..
    Aber eigentlich war DAMALS schon alles „besprochen“..

    • stefanolix sagt:

      Es stimmt prinzipiell, dass damals schon viel besprochen war. Aber:
      – wenn Leute Orientierung haben wollen und
      – wenn die Ampel offensichtlich ungenügend ist
      dann kann man sich doch mal darüber Gedanken machen, wie es besser ginge?

      • dd-jazz sagt:

        Letzter Versuch, selbst die Medien, die wir sonst umgehen, thematisieren es doch seit Jahren permanent! und dessen LeserInnen handeln dennoch nicht gleichwertig!..
        Von den damaligen Diskutanten brauchte/ wollte eine Beampelung die absolute Minderheit..
        Für Jede/n ist das „wie (und) es/ISS (und) BESSER“ unterschieldich körpernotwendig, deshalb gibt es ja die Ernährungswissenschaft und diese wird vereinfachend-handhabbar ausreichend erklärt..
        Auch Prävention anderer Art wird inzwischen vielfältig angeboten (bspw. bieten auch Kindergärten-Küchen inzwischen freudvolle Vorbildfunktion an). Aber selbstverständlich ist es müßig, wenn der Eine Blau meint und die Andere Orange versteht..;-)

  5. tigger sagt:

    Schwierig….Norden gut, Süden schlecht, oder besser Westen gut und Osten schlecht ?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: