Hartzcomputer

ist der letzte URL-Bestandteil einer Tagesschau-Meldung über ein Urteil zum PC für ALG-II-Empfänger vom 11. Mai 2010:

In dem Fall ging es um eine Klägerin aus Minden, die einen PC samt Monitor, Drucker und Software bezahlt haben wollte. Ihr Argument: In der Mehrzahl der Haushalte gebe es einen Computer.

Und so forderte sie auch einen — Krise hin oder her, das Geld sollte der Staat doch noch haben. Nun ist es ja eine Eigenart der Deutschen, dass sie oft die perfekte Lösung anstreben und die pragmatische Lösung einfach nicht erkennen. Es wäre sicher ideal, wenn man jedem ALG-II-Empfänger einen PC samt Monitor, Drucker und Software bezahlen könnte.

Doch reicht nicht für’s erste auch ein gebrauchter Rechner oder Laptop? Und sollte es für die umwelt- und recyclingbewussten Deutschen nicht eine Kleinigkeit sein, ihre Rechner so sorgfältig irgendwo abzugeben, dass sie nachher noch jemand nutzen kann?


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115 Responses to Hartzcomputer

  1. Dumme Frage, wenn Ihr der PC so wichtig ist könnte Sie dann nicht dafür sparen? Oder wird einem das Geld genau abgezählt übergeben?

    • stefanolix sagt:

      Das Geld ist sicher sehr knapp bemessen und man müsste dann auf andere Dinge verzichten. Ich habe erst mal vor jedem Respekt, der mit so knappen Ressourcen wirtschaften muss. Aber die Lösung kann nicht sein, dass eine neue Maximalforderung aufgestellt wird (das wird ja dann zum Präzedenzfall).

      Ich finde es interessant, dass nicht über eine eigenverantwortliche Lösung nachgedacht wird. Weil die überwiegende Mehrheit der Haushalte heute einen PC hat, wollte die Klägerin auch einen bezahlt haben. Andere Möglichkeiten zog sie gar nicht in Betracht.

      Doch es gibt schon lange die Möglichkeit, dass gebrauchte Möbel, Fahrräder (…) wieder aufgearbeitet und dann nahezu zum Nulltarif an Bedürftige abgegeben werden. Das kann man mit Sicherheit auch mit Computern machen.

      Die Richter haben nun geurteilt: Zur Haushaltsführung braucht man keinen PC mit Monitor, Drucker und Software. Er gehört nicht zwingend zur Ausstattung eines Haushalts.

      [Ergänzung:] Darüber könnte man vielleicht sogar streiten. Korrekt müsste es heißen: Die Ausstattung mit einem PC bleibt der privaten Initiative überlassen. Das kann ehrenamtliche Initiative der Gebenden sein (Rechner abgeben, aufbauen, testen) und dazu muss private Initiative der Nehmenden kommen.

  2. „Das Geld ist sicher sehr knapp bemessen und man müsste dann auf andere Dinge verzichten. “

    Warum sollte es für Hartz IV Empfänger anders sein als für „Normalos“?

    • stefanolix sagt:

      Jeder von uns kann prinzipiell auf X verzichten und das Geld für Y ausgeben oder für Z sparen. Das steht in jedem Einführungskurs in Wirtschaftskunde oder VWL.

      Ein ALG-II-Empfänger muss aber damit rechnen, dass das Eingesparte für irgendeinen Notfall draufgeht. Wer Arbeit hat, besitzt für diesen Fall meist eine Reserve.

      Die pragmatische Lösung für den ALG-II-Empfänger kann also nur lauten: ich kümmere mich um einen gebrauchten Rechner und investiere dafür Zeit oder Gegenleistung (für jemanden, der mir beim Einrichten hilft). Die Lösung kann nicht lauten: ich fordere vom Staat das Geld für eine neue Komplettlösung.

  3. muixirt sagt:

    Für den stefanolix-Hartzcomputer-Fond:
    1St. 24-Nadeldrucker mit Near Letter Quality!

    • stefanolix sagt:

      Den entsorgst Du mal schön selbst ;-)

      Nein, im Ernst: es gibt wirklich Massen von Rechnern, die nach drei oder vier Jahren ausgesondert werden und noch privat genutzt werden können. Ich habe einige Gerätschaften teilweise sechs bis sieben Jahre für bestimmte Zwecke weiter eingesetzt. Mein Laserdrucker ist schon elf und wird im August 12. Gerade am Samstag habe ich im Elektronikkaufhaus C. wieder eine neue Kartusche für 2.500 Druckseiten gekauft.

      • muixirt sagt:

        Da macht man mal ein Angebot, wird aber – wie typisch – gleich als zu popelig abgelehnt ;-)

        Wohl keine Ahnung was heute Nadeldrucker kosten?

  4. Encairion sagt:

    Das ALGII ist sehr knapp bemessen!
    In der Grundsicherung sind von staatlicher seite aus auch anspargelder mit drinnen, die sich allerdings auf ca. 5 euro pro monat belaufen.
    Aber allein das ist schon ein widerspruch, da es dem ALGII- Empfänger verboten ist vermögen durch die Grundsicherung zu bilden!

    Was den Rechner angeht so steht jedem Menschen in diesem Land ein Recht auf Informationen zu, wozu ein PC unter anderem auch benötigt wird! Unter gewissen umständen!

    Dazu muss man sagen das ein Rechner mit Drucker natürlich auch vorteile bei den bewerbungen bringt, es sieht besser aus beim arbeitgeber wenn die bewerbung sauber aussieht und der Personalchef nicht raten muss was für buchstaben da stehen könnten!

    Deutschland hat Milliarden für Banken und andere Länder, aber die eigenen Leute lässt man Verhungern!?

    • stefanolix sagt:

      Das ist kein Widerspruch, denn es gibt ja Freibeträge. Auch hier noch einmal: ich respektiere, dass es für ALG-II-Empfänger sehr schwer ist, mit knappen Ressourcen umzugehen.

      Aber Deutschland ist überschuldet und steckt in einer schweren Finanzkrise. Woher soll bitte das Geld kommen, um jedem ALG-II-Haushalt eine neue PC-Ausrüstung zu geben?

  5. Elbnymphe sagt:

    Eure Lösungsvorschläge in Ehren, aber vergeßt Ihr nicht, daß Hartz-IV-Empfänger unter Umständen (das ist mir ganz wichtig zu betonen, daß das nicht die Regel sein muß) weniger gebildet sind, weniger gut gesellschaftlich vernetzt, weniger mit der Fähigkeit vorauszuplanen ausgestattet? Daß also Fähigkeiten wie einen Finanzplan machen, Sparen, einen Plan B (Gebrauchtes organisieren) entwickeln vielleicht gar nicht in ihren Möglichkeiten liegen? Gerade das also, was Euch zu erfolgreichen Erwerbstätigen macht, fehlt ihnen. Und dennoch werden ihre Konsumwünsche geschürt wie die Euren.
    Ich sage es nochmal, ich spreche nicht pauschal über Hartz-IV.Empfänger.

    • stefanolix sagt:

      Wie ich in den Kommentaren schon sagte, sehe ich das grundsätzlich mit Respekt vor der Situation der ALG-II-Empfänger, aber auch mit Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten des Staates. Was der Staat ausgibt, muss er irgendwo herholen. Da gibt es drei Möglichkeiten: Geld drucken, Schulden machen und Steuern erhöhen … irgendwie gefällt mir keine davon.

      Ich bin der Meinung, dass eine Über-Fürsorglichkeit die Hilfebedürftigen auch entmündigen kann. Wer der Meinung ist, einen Computer zu benötigen, der wird allein schon zur Nutzung dieses Computers ein Mindestmaß an Selbständigkeit an den Tag legen müssen.

      Wenn wir einen Präzedenzfall schaffen, auf Grund dessen ein neuer PC zur Grundausstattung gehört, dann werden sehr viele die Hand aufhalten. Wie erklärt man das den Leuten aus den niedrigeren Lohngruppen, die 40 Stunden arbeiten gehen?

      Jeder Mensch hat doch irgend eine Fähigkeit oder Fertigkeit anzubieten. Man muss es nicht immer gleich mit dem schönen Fachbegriff als »network« oder als »Vernetzung« bezeichnen. In Sachsen und in der DDR sagte man früher: »Nu, ich hab‘ da so meine Beziehungen«. Beziehungen sind immer Geben und Nehmen.

      Wenn man nach den Konsumwünschen aller Menschen ginge, müsste man die Gelddruckmaschinen wohl Tag und Nacht laufen lassen ;-)

      PS: Und wenn die Klägerin in der Lage war, sich einen Anwalt zu suchen und ihre Forderungen zu formulieren, dann hätte sie ihr Organisationstalent vielleicht auch mal anderweitig ein wenig einsetzen können?

  6. Claudia sagt:

    Selbst (noch) Hartz-IV-Empfängerin – mit einer Menge Glück dabei, weil Lesens und Schreibens recht kundig und mit guten Freunden bedacht -, kann ich dem Urteil nur zustimmen. Es gibt keinen Anspruch auf das Schickste und Neueste; das gilt auch wieder für alle.
    Allerdings ist das Sparen auf irgendetwas mit Hartz IV nur sehr begrenzt möglich; im Grunde dürfen Hartz-IV-Empfänger nichts verlieren und nichts kaputtmachen. Das ist ein grundsätzliches Problem; Hilfe beantragen ist sehr aufwendig und nervenzehrend. Kaputtgehende Herde, Waschmaschinen, Möbel etc. sind für Hartz-IV-Empfänger ein echtes Problem; Ratenkäufe sind so gut wie unmöglich, da bei derartigen Verträgen in der Regel ein Einkommensbescheid verlangt wird.
    Aber zum Thema: Es gibt in Berlin mehrere Internetcafés für lau – wo man allerdings nur „zielorientiert“ arbeiten (nicht daddeln) darf, aber auch Hilfe bekommt, wenn man sie braucht. Wie das anderswo ist, weiß ich nicht. Insgesamt gibt es aber viele Internetcafés mit sehr moderaten Preisen, wie ich aus computerlosen Zeiten weiß.

    • stefanolix sagt:

      Das wollte ich oben andeuten mit der Bemerkung, dass das Eingesparte oft für einen Notfall draufgeht.

      Ich suche ja generell nach einer Kompromisslösung mit drei Komponenten: es soll dem ALG-II-Empfänger helfen, es darf den Steuerzahler nicht viel kosten und es muss den ALG-II-Empfänger auch aktiv einbeziehen.

      In Berlin gibt es doch z.B. auch sehr rege Tauschringe. Diese Möglichkeit steht jedem offen, der irgend eine Arbeit zum Tausch anbieten kann.

      Zur PC- und Netz-Nutzung: In Großstädten sollte es generell möglich sein. Auf dem Land wiederum ist der Zusammenhalt noch ein ganz anderer. Ich will mir nicht anmaßen, über jeden Einzelfall eine Meinung zu äußern. Aber zwischen der Maximalforderung »Ich will ’ne neue PC-Ausrüstung« und dem Zustand »Ich habe keine Möglichkeit der PC-Nutzung« gibt es doch eine Menge Abstufungen.

      • Claudia sagt:

        Grundsätzlich zustimmend, ein ganz kleines Monitum.
        Der Begriff „Der Steuerzahler“ ist falsch, weil jeder Mensch, der irgendetwas kauft – auch ein Kind, das Bonbons kauft, auch ein Obdachloser, der Schnaps kauft, auch ein Arbeitsloser, der im Second-Hand-Laden eine Hose kauft – Steuerzahler ist. Jeder, wirklich jeder zahlt nach seinem Vermögen Steuern. Damit ist der so oft strapazierte „Steuerzahler“ kein Gegensatz zum Arbeits- oder sonstwie Glücklosen.

      • stefanolix sagt:

        Das wollte ich auch nicht als Widerspruch verstanden wissen. Aber gerade weil Steuern von Armen und Geringverdienern eingetrieben werden, ist doch die Sorgfaltspflicht um so größer.

        »Monitum« ist ein richtig schönes Wort. So viele Leute verwenden das Verb »monieren«, aber kaum jemand verwendet das Substantiv »Monitum«. Bloggen bildet ;-)

    • dd-jazz sagt:

      Wenig Zeit, aber das Thema tut weh und macht betroffen: Wer Hartz-IV-Empfängern weniger Bildung und erfolglose Lebensorganisation unterschwellig unterstellt, bedient, auch abredend, die allgemeine Pauschalisierung. Solcherlei Bemerkungen sind arrogant denjenigen gegenüber, für die Bildung zu teuer ist, bzw. teilweise durch die ARGE verhindert wird und ist ein Beweis für die Unkenntnis der verschiedenen Situations-Bedingungen (Künstler, freie Mitarbeiter etc.), bzw. zeigt es überdeutlich, dass auch aktive NetzwerkerInnen sehr ahnungslos sind..,zumal suspekt zwischen „ihr und denen“ unterschieden wird. Einerseits kenne ich mehrheitlich „über-studierte“ Hartz-IV-EmpfängerInnen (die sich zeitweilig in dem Zwangssystem aufgeben). Anderereseits hatte ich zu Zeiten des Studium meines Sohnes und der Ausbildung meiner Tocher oftmals weniger als Hartz-IV-Niveau, weil die notwendigen Ausbildungshilfen für den Lebensunterhalt (unrechtmäßig, wie inzwischen erwiesen) mir dadurch die Selbstständigkeit kaum möglich war (mein Equipment war schon immer gebraucht).
      Einen Fernseher bekommt der Mensch (für die bewusste Verblödung?) bezahlt, wer sich keinen Computer organisieren kann, sollte Angebote/ Empfehlungen (für Berwerbungen etc.) über kostenlose Nutzungsmglichkeiten (bspw. in Vereinen) erhalten.
      Mir hatte die ARGE mal geraten, doch nicht so bemüht arbeitend zu sein, weil sie mit meinen Verrechnungen (die ständig falsch waren) durch unterschiedliche Projekthonorierungen verständlicherweise überfordert waren..
      Kurse für lebensaktives(!) Selbstmanagement wären sicherlich sehr hilfreich und würden steuerverschlingende Gerichtsverfahren unnötig machen…;-))

    • stefanolix sagt:

      Fernseher vs. PC: Ich habe keinen Fernseher. Aber ich sehe ein, dass zur Grundversorgung ein Fernseher gehören soll. Ich würde nicht unbedingt unterstellen, dass der Fernseher zur Verblödung dient. Man hat einfach irgendwann definiert, dass zur demokratischen Meinungsbildung Radio und Fernseher dazugehören. Wie die Medien dann genutzt werden, steht halt auf einem anderen Blatt.

      • henteaser sagt:

        Ich habe das so verstanden, dass Fernseher und Radio durchaus finanziert würden, ein PC jedoch nicht. Und das, obwohl ein Computer inkl. Netzanschluss weitaus mehr Nutzen bringt als die reinen Empfangsgeräte.

        Anders ausgedrückt: Wann hast du deine letzte Bewerbung auf einem Fernseher geschrieben oder via Radio ELSTER-Formulare ausgefüllt?

      • stefanolix sagt:

        Bisher ist niemand gezwungen, seine Steuererklärung am PC erledigen zu müssen. Für Selbständige wird das schrittweise eingeführt, von Arbeitnehmern, Rentnern und ALG-Empfängern kann es nicht gefordert werden.

        Und für Bewerbungen hatten wir in diesem Thread bereits genügend Möglichkeiten genannt.

  7. dd-jazz sagt:

    die überaltete Tastatur klemmt: mein Sohn durfte nicht ausziehen und meiner Tochter wurde das nötige Schülerbafög um 60% angerechnet, wodurch ich ständig in neuerliche Nöte geriet und es dem Amt völlig egal gewesen wäre, wenn sie dadurch Abbrecherin wird- Wer in solchen Zeiten keine familiäre Unterstützung hat…- Und wer jetzt lax meint, es gibt doch lecker Suppenküchen, dem fehlt leider die satte „Sensibiltät der verarmten Schande“. Ich habe mich mal an der Trinitatiskirche bei der (löblichen!) „Dresdner Tafel“ eingereiht und meine großen Kids habe das überlagerte Gemüse und die dickmachenden Weißmehlsachen verweigert- Diese Zeit werde ich mahnend nie vergessen.

    • stefanolix sagt:

      Apropos Abbrechen: ich kenne aus zuverlässigen Berichten auch Beispiele von Erwachsenen, die sich gegen üblen Widerstand der Agenturbediensteten ihren Traumberuf erkämpft haben. Mit Unterstützung der Arbeitgeber, bei denen sie dann ihre Praxisphasen absolviert haben. Aber mit so viel sinnlosen Bürden vom Amt, dass sie es ohne engagierte Hilfen nicht geschafft hätten …

  8. Knut sagt:

    Als Hartz4-Empfänger muß man nicht zur Suppenküche, wer sich Fast Food leisten kann, kann sich auch gesund ernähren.

    Meine Schwester ist alleinerziehend mit 3 kleinen Kindern,geht arbeiten, der Vater zahlt keinen Cent und muß aufstocken. Sie ist trotzdem pfiffig genug, mit dem Geld um die Runden zu kommen.

    Kostenlos kann man als Leser der Bibliothek das Internet nutzen, als Hartz4-Empfänger ist der Bibliotheksausweis kostenlos.

    Außerdem gibts in allen Umsonstläden und im Wertstoffhof reichlich PCs. Natürlich nicht die neuesten, aber so kann man mit ein wenig Kreativität doch ein relativ gesittetes Leben führen.

    • stefanolix sagt:

      Man kann. Aber ohne ein gutes Geflecht von Beziehungen geht das kaum. Es werden heute in vielen Familien sämtliche Kindersachen, Kinderfahrräder (…) »gut gehalten« und immer wieder weitergegeben. Bei den Familien, die auf Bücher und didaktisch wichtiges Spielzeug achten, wird auch all das weitergegeben. Wo der Zusammenhalt gut ist und wo nachhaltig gehandelt wird, kann man es so schaffen. Aber einfacher ist es in den letzten zehn Jahren wohl für niemanden geworden.

  9. Elbnymphe sagt:

    dd-jazz: Da habe ich schon zwei Caveats eingefügt und werde trotzdem in der von mir antizipierten Art und Weise mißverstanden. Nun gut. Ich habe eben nicht allgemein gesprochen, und ich habe eben nicht pauschalisiert, und schon gar nicht unterschwellig. Meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema Erwerbslosigkeit kommuniziere ich ganz offen.

    Dazu gehört neben meiner Wenigkeit ein Freundeskreis voller kluger, fleißiger Menschen, die trotzdem keine Arbeit finden. Dazu gehört aber auch Schlange stehen auf Ämtern, wo sich bei einer voraussehbaren Wartezeit von 2-3 Stunden genau eine etwas zum Lesen mitgebracht hatte, um die Zeit nicht nur totzuschlagen. Das war ich, und das hat mich nachhaltig entsetzt. Natürlich versuche ich, das zu verstehen und nciht zu urteilen, aber einen Reim konnte ich mir darauf nicht machen.

    Ich mache mich weder kommun mit anderen Arbeitslosen, die meiner Beobachtung nach unselbständig agieren, noch mit jenen, die alle Hartz-IV-Empfänger für dumm, faul, oder sonstwie halten. Ich versuche, zu differenzieren.

    Laß mich Dir einen Punkt nennen, auf den wir uns einigen können, und den ich ganz zentral finde. Der staatliche Umgang mit Arbeitslosigkeit rührt aus Zeiten her, als es nicht absehbar war, wie tiefgreifend die Arbeitsgesellschaft sich verändern würde. Die Eierei, Rumrechnerei, Hin- und Her-Schieberei, und manchmal sogar mit Wissen und Zustimmung der Ämter Schummelei, um auf ein paar müde Kröten zu kommen, ist lachhaft und entwickelt sich zum Selbstzweck, der einen abstumpft. Aber sagen wird das laut niemand, der Einfluß hat, denn das wäre politischer Selbstmord. Glaube ich.

    Was die Kurse für Selbstmanagement angeht: auch hier sehe ich zunächst wieder die Gemeinschaft gefordert. Solidarisch sein, Wissen teilen, etc.

    Eine Zeitlang habe ich andere Leute unterrichtet, die über einen Träger bei mir kostenlos ihr Englisch aufmöbeln konnten. Das Interesse war gleich null. Argument: es bringt doch eh nix. Sie saßen ihre Zeit ab. Sowas läßt mich an staatlicher Hilfe zweifeln. Auch das nicht pauschal, sondern individuell erlebt.

    Die „Schande“, ALG I/II-Empfänger zu sein, kenne ich am eigenen Leib. Immer zurückstehen zu müssen, wenn andere sich amüsieren … auch wenn es der Freundeskreis ist. Man beginnt, sich zu isolieren.

    Was aber die Tafeln betrifft – meine beste Freundin hat das drei Jahre lang in Berlin gemacht und in der Zeit, neben einem dicken Fell, eine Fähigkeit entwickelt, mit leckeren Dingen anzukommen. Bergeweise Rucola, Bananen, da wurde nur noch eingekocht und gebacken. Es waren oft Sachen, die die anderen nicht wollten, weil sie ihnen zu exotisch waren.

    Ich hoffe, ich konnte Dir darlegen, daß es mir nicht um Pauschalisierungen geht, sondern daß ich als Selbst-Betroffene argumentiere.

    Liebe Grüße.

    • dd-jazz sagt:

      Ja, es ist ein beroffenes Thema.
      Mich würde die unverfälschte statistische Zusammensetzung wirklich interessieren..
      Das Dilemma an sich ist doch, dass der Staat diese Notdürftigkeiten forciert und sich viele Probleme als Bumeraneffekt schafft.
      Wir Städter/innen haben ja noch Glück, aber ich beobachte im ländlichen Gebiet dramatische Rückschritte und finde es entsetzlich, wie fahrlässig der Staat mit „unserer Zukunft“ Kind-Generation umgeht.
      Als Einzelperson habe ich mich inzwischen zur „Lebensfüchsin“ entwickelt, aber diese Fähigkeit ist vielen Menschen leider auch trainierbar nicht eigen..
      Ich habe die Zeit auf Ämtern immer für Sozialstudien genutzt und auch oft (un/pauschal ;-)) gedacht: Kein Wunder: (vor allem innerlich) „Verarmtes Deutschland“!

    • stefanolix sagt:

      Ich werde noch ausführlicher antworten, aber ich sehe zwei ganz wichtige Ergänzungen. Das Arbeitsamt (die Arbeitsagentur) ist nicht nur mit den Änderungen in der Arbeitswelt überfordert.

      Man hat dort von Amts wegen ein Menschenbild, dem viele Arbeitssuchende nicht entsprechen: alle Arbeitssuchenden werden pauschal als weitgehend unselbständige Menschen eingestuft. Daraus werden Schikanen und bürokratische Regelungen abgeleitet.

      Aus dem Menschenbild ergeben sich dann natürlich auch »Maßnahmen«, die für einen immer größeren Teil der Arbeitssuchenden nicht geeignet sind. Für die Arbeits- und Sozialbürokratie ist nur eines wichtig: sie wollen weiterhin existieren und ihre Macht ausweiten.

  10. dd-jazz sagt:

    Fast-Food ist gesund???
    Alleinerziehende/r Mütter/ Vater mit kleinen Kindern bekommen Kinder-Extra-Zuschlag. Später nihct mehr! Gebrauchtsachen(!) sind in dem Alter noch preiwert oder werden im Freundeskreis getauscht, was späterhin schlecht möglich ist.
    Bilbliothek ist sehr gut, aber können die Leute dort auch ihre Bewerbungen schreiben + ausdrucken/ Online-Berwebungen schreiben?
    Jeder Tip/p hilft Betroffenen und es gibt gewiß viele (Selbst-)Hilfemöglichkeiten.

    • stefanolix sagt:

      Bewerbungen schreiben und drucken: Man kann das meines Wissens in Rechnerräumen bei den Arbeitsagenturen oder meist auch bei den Bildungsträgern tun.

      Ich stimme Dir auf jeden Fall zu, dass »Selbst« und »Hilfe« untrennbar zusammengehören. Deshalb hatte ich ja im ursprünglichen Artikel den Klageversuch kritisiert.

    • stefanolix sagt:

      PS: Knut meinte wohl eher: wer sich Fastfood kaufen kann, der kann das Geld auch für gesündere Dinge ausgeben. Da mangelt es aber an Differenzierung, denn längst nicht alle ALG-II-Empfänger essen Fastfood und längst nicht alle Fastfood-Konsumenten sind arbeitslos. Darüber könnte man noch viel mehr schreiben, aber vielleicht ist damit das Missverständnis erklärt.

  11. Knut sagt:

    Wo steht, daß Fastfood gesund ist? Die meisten ernähren sich aber nunmal von „Fertigfraß“, schau mal in die Einkaufswagen.

    Genau diese Leute jammern dann aber, daß sie sich von dem Geld nichts anständiges leisten können. Was aber falsch ist.

    Kleine Kinder bekommen einen Extrazuschlag, große Kinder pauschal mehr Geld.
    Auch erwachsene Kinder können Secondhandklamotten tragen, zum Beispiel bei ebay ersteigert.
    In der Bibliothek kann man auch Bewerbungen schreiben und ausdrucken.
    Desweiteren helfen dabei unentgeltlich die Dresdner Schreibfrauen. Hängt in jeder Etage des Arbeitsamtes.

    Und und und. Man muß sich aber selber rühren und nicht nur fordern.

    @ elbnymphe Ähnliche Erfahrungen kann ich bestätigen.

    • stefanolix sagt:

      Ich würde da gern differenzieren: Fastfood bedeutet, dass man in einem Restaurant oder an einem Kiosk etwas fertig in die Hand bekommt. Fertigmahlzeiten müssen zu Hause noch aufgewärmt oder jedenfalls zu Ende zubereitet werden.

      Ob das gesund ist, richtet sich unter anderem nach der Person und nach der Dosierung. Ob das wirtschaftlich ist, kann man auch pauschal nicht sagen. Ob selbstgekochtes Essen in jedem Fall gesünder bzw. wirtschaftlicher wäre? Ich weiß es nicht.

      Um das noch kurz zu erklären: »DD-Jazz« ist sehr kompetent in Sachen Ernährung, sie hat schon mehrmals in Kommentaren (hier und anderswo) viel Wert auf gesundes, bewusstes, kreatives Kochen & Essen gelegt.

  12. dd-jazz sagt:

    Ja, mit dem Essen hast Du leider recht und für ebay-Aktionen musste aber dann u.U. in der Biblio übernachten können ;-)
    Ich habe übrigens NICHT gemeint, dass Behäbigkeit unterstützt werden soll und pflichte auch der Ursprungs-kritik von stefanolix bei.
    Was verdienen eigentlich die Dresdner Schreibfrauen, es gibt doch die dauer-minderbezahlten Schein-Jobs?, aber das sprengte den Rahmen.., nix für ungut-
    Wer wirklich Hilfe braucht, bekommt sie auch, wenngleich die Methoden oftmals hinterfragenswert bleiben und bspw. gehört ein bezahlter(!) Fernseher meines Erachtens auch nicht dazu, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, denn er verhindert dieses vorrangig.

    • stefanolix sagt:

      Vielleicht sollte jedem man die Wahl zwischen TV und PC lassen? Aber da würden auch wieder Proteste aufflammen. Wir sind in Deutschland so schrecklich selbstgefesselt. Ein klein wenig mehr Entscheidungsfreiheit und wir hätten ganz bestimmt zwei Prozent weniger Arbeitslose.

      Die Schreibfrauen sind (soweit ich weiß) eine Art ABM-Projekt?

      • dd-jazz sagt:

        .. und nicht Fernseher verhindern aktives Leben, sondern die Konsumenten..;-))
        Der Trend ist leider die oftmals veramtete Unterforderung, oder das Labyrinth der vielen Möglichkeiten und „selbstfesselnder Unsicherheiten“ vor rasant entwickelnder Gesellschaftsstrukturen (weshalb auch erschreckend viele junge!! Menschen zunehmend unter Burnout und Bulimie leiden: wachen Geistes, aber konfus erschöpft..)

      • stefanolix sagt:

        Burnout und Bulimie durch Fernsehen? Ich habe im Gegensatz dazu auch von Studien gehört, nach denen man angeblich vor dem Fernseher fast sediert werden soll und ähnlich wenig Energie verbraucht wie beim Schlafen.

      • henteaser sagt:

        Der Witz daran ist ja sowieso, dass es eigentlich technisch möglich wäre, auf Computern (sogar übers Internet) alle Fernsehprogramme, Nachrichten – und Musikstücke, Kinofilme, Computerspiele etc. – weitaus schneller und kostengünstiger zu empfangen, als jetzt, wo Sendeplätze und -zeiten, Zwischenhändler* und hohe Bezahlschranken** die sog. Informationsflut eindämmen.

        * Von der Zeit mal abgesehen, die es braucht, bis man selbst am Kiosk drankommt oder die einem durch Reklame von der Lebenszeit abgezogen wird.

        ** Wieviele Zeitungsabonnements wird ein typischer ALG2-Empfänger wohl abgeschlossen haben? (Er könnte sich täglich in die Zeitungsabteilung der SLUB setzen, ja ja.)

      • frank sagt:

        @ henteaser

        So viele Zeitungsabos werdens wohl nicht sein.

        Und: Zeitung lesen geht in jeder Bibliothek. Da muß man nicht bis in die SLUB.

        Der Lesesaal in der Hauptbibliothek beispielsweise ist täglich gut gefüllt ( geschätzt 80% mit denselben Leuten). Im Winter mehr als im Sommer…

      • stefanolix sagt:

        Man könnte theoretisch auf Computern das gesamte Fernsehprogramm empfangen, aber das setzt eine Breitband-Anbindung voraus. Und selbst in solchen Städten wie Dresden gibt es noch Lücken in der Versorgung, von den ländlichen Gebieten wollen wir lieber nicht reden. In der offiziellen Statistik tauchen auch Pseudo-Breitband-Lösungen auf, die zum Fernsehen nicht geeignet sind.

  13. frank sagt:

    Ist ja voll witzig, daß man wegen ebay-Auktionen angeblich ewig (gar nächtelang??) vorm Rechner verbringen soll.

    Das war vielleicht vor 5 Jahren mal so.

  14. tigger sagt:

    Das Argument ist klasse: „In der Mehrzahl der Haushalte gibt es X, also muss der Staat jedem Erwerbslosen X bereitstellen“. Was kommt als nächstes ? Handy ? iPod ?

    Mein Gegenvorschlag: Kostenfreie PC-Arbeitsplätze auf den Arbeitsämtern einrichten. Dort gibt es ohnehin eine Menge PCs, die offensichtlich sehr ineffektiv genutzt werden.

    • stefanolix sagt:

      Also in Dresden gibt es (wie ich gehört habe) zumindest Terminals für die Suche nach Arbeitsplätzen und man kann auch Angebote drucken. Oben wurde schon gesagt, dass man bei einem angegliederten ABM-Projekt auch Bewerbungen schreiben bzw. drucken lassen kann.

    • henteaser sagt:

      @tigger: Kommt darauf an, wie du Luxus definierst. Vor etwas mehr als hundert Jahren war es unglaublich, dass selbst bei Pöbel und Gesocks (warmes!!!1!) Trinkwasser aus Hähnen in der Wand floss. Oder, dass Familien nicht auf Kinderarbeit angewiesen sein sollten, um über die Runden zu kommen. Oder, dass es dereinst ein Gerät geben würde, mit welchem man für wenig Taler täglich das Wissen der Welt aufrufen und sogar neues (Halb-)Wissen hinzufügen konnte.

      • stefanolix sagt:

        Interessante Aufzählung. Vieles davon wäre ohne Marktwirtschaft und Wettbewerb nicht möglich gewesen.

        Durch die schnelle Weiterentwicklung der Technik bleiben auch genügend funktionsfähige Computer übrig, so dass für jeden ALG-II-Empfänger einer zur Verfügung stünde. Aber es muss eben kein nagelneuer Computer sein.

      • henteaser sagt:

        Okay, nagelneu muss wirklich nicht sein. Beziehungsweise schon nagelneu (wg. der Garantiezeiten), aber ohne die fetteste Hardware possible.

      • stefanolix sagt:

        Wozu braucht man Gewährleistung, wenn man etwas kostenlos bekommt?

      • henteaser sagt:

        Würdest du gern von der Staatsbediensteten deines Vertrauens einen vergilten Thirdhand-Rechner überreicht bekommen, auf dem vermutlich ein Bundestrojaner lauert? ;) Dann doch lieber einen Dreihunderteuro-Winnergutschein.

        (Wobei es vermutlich sowieso gute Werbung wäre, wenn solche Läden Hartz4-Rabatte gewähren würden.)

      • henteaser sagt:

        [vergilbten]

    • henteaser sagt:

      Und überhaupt: „Was kommt als nächstes ? Handy ? iPod ?“

      Das fragst du hoffentlich nicht, weil du die Vorstellung lächerlich findest, ALG2-EmpfängerInnen könnten mit solch moderner Kommunikationstechnik auch nur irgendetwas Sinnvolles anfangen.

      • tigger sagt:

        Was sie damit anfangen ist mir herzlich egal. Die Begründung ist aber lächerlich. Wenn man als Masstab der staatlichen Wohlfahrt immer das heranzöge, was gerade die „Mehrzahl der Haushalte“ besitzt, müssten Erwerbslose ein Anrecht auf durchschnittlichen Wohlstand haben.

        Wäre eventuell etwas unverständlich für die Erwerbstätigen in der „Mehrzahl der Haushalte“, die einen grossen Teil ihrer Freizeit für die Güter opfern müssen, die andere dann einfach geschenkt bekommen.

      • stefanolix sagt:

        An dieser Stelle fällt mir spontan eine Frage an henteaser ein: wie weit bist Du denn inzwischen mit VWL gekommen?

      • henteaser sagt:

        Ich habe mir meine Vorurteile bestätigt ;)

        Übrigens finde ich an Diskussionen wie dieser am interessantesten, dass ‚die Steuerzahler‘ sich offensichtlich ‚vom Staat‘ weiterhin gängeln lassen müssen, weil sie sonst solche Neiddebatten binnen weniger Wochen per Faustrecht (bzw. Vernichtung durch Arbeit) zu lösen versuchen würden; also zu einer Anarchie der Blöden und Unmenschen führen würde.

        Als mögliches Thema, um diese These bestätigt zu bekommen, böte sich eine Diskussion zur Fragestellung „Wozu Erwachsenenbildung? Die hätten mal lieber in der Schule besser aufpassen sollen!“ an.

      • stefanolix sagt:

        Wenn es Deine Vorurteile bestätigt hat, dann war’s ja wenigstens zu etwas nutze.

        Was die Bildung angeht, hat Du jetzt aber etwas verwechselt, werter henteaser:

        Es sind doch gerade die bööösen Neoliberalen, die mit ihrer merkwürdigen Idee vom »lebenslangen Lernen« zur Fortbildung geradezu nötigen — womit wir dann doch wieder bei VWL wären ;-)

      • henteaser sagt:

        Linke Lesart: Die Neokonservativen verstehen unter (förderungswürdiger) Bildung einzig das Fitmachen und -halten für die gerade aktuelle Arbeitsmarktsituation verstehen.

        Lernen/Fortbildung könnte nämlich eigentlich auch reineweg aus Jux und Dollerei und völlig an der Marktsituation vorbei geschehen. Auf Volkshochschulen etwa.

      • henteaser sagt:

        Und ich sollte mehr korrekturlesen. Wenn doch hier nur auch so ein tolles Zeitfenster-Plugin zum Einsatz käme wie bei Art und Wiese…

    • Jane sagt:

      Finde ich heftig, deine Reaktion. Sie transportiert nämlich hauptsächlich eines: die Einstellung, dass Hartz-IV-Empfänger in irgendeiner Weise weniger das Recht dazu haben, moderne Kommunikationsmittel zu besitzen. Sie verdienen eben nicht so viel, und jeder sollte sich nur das kaufen, was er sich leisten kann.
      Dabei vergisst du, dass diese Leute oftmals nicht so wenig Geld haben, weil sie faul wären oder dumm, sondern weil es immer weniger Jobs gibt, von denen man leben kann – egal, wie hoch gebildet man ist.
      Sie bleiben also auf der Strecke aufgrund der zunehmenden Rücksichtslosigkeit und Profitorientierung auf dem Arbeitsmarkt – dazu passt dann auch die ebenso rücksichtslose Reaktion jener Leute, die sich noch auf der sicheren Seite der gut bezahlten Jobs oder der Selbstständigkeit wähnen und nach unten treten, um oben zu bleiben.

      • tigger sagt:

        Möglicherweise wirst Du meinen Kommentar weniger heftig empfinden, wenn Du ihn nochmal durchliest, und dabei versuchst, nur das zu verstehen, was ich geschrieben habe, und nicht das, was Du hören willst.

        Und dann könntest Du Dir auch mal darüber Gedanken machen, wie es eigentlich dazu kommt, dass die Mehrzahl der Haushalte heutzutage einen PC besitzt, und warum gerade in nicht-kapitalistischen Gesellschaften, in denen der Staat als Rundumversorger auftritt, die Haushalte weit hinter diesen Wohlstandsniveaus zurückbleiben.

      • henteaser sagt:

        Weil man in Wohlstandsgesellschaften jeden Quatsch auf Pump kaufen kann. (Heute erst gesehen: Kredite für Urlaubsreisen *facepalm*) Außerdem ist das Fundament unsere Reichtums die Ausbeutung der Menschen andernstaats. (Wäre Großbritannien heute so angesehen, wenn es damals keine Überseekolonien besessen hätte?)

      • tigger sagt:

        Außerdem ist das Fundament unsere Reichtums die Ausbeutung der Menschen andernstaats

        Oha. Aber dieses Fundament trägt unsere „Errungenschaft“ Sozialstaat, auf den wir doch so stolz sein sollen, und von dem wir so viele Ansprüche ableiten.

        Neuerdings sogar PCs for free, und vielleicht auch noch ein Grundeinkommen ?

        Was einem selber nützt sieht man ja nie mit einem so kritischen Auge. Ist eben menschlich.

      • henteaser sagt:

        „Neuerdings sogar PCs for free, und vielleicht auch noch ein Grundeinkommen?“

        Beides halte ich für besser, als Bürgern mit schnellen Krediten (Ein Hoch auf die Marktwirtschaft!) oder einer wie auch immer gearteten staatlichen Stütze* dabei zu helfen, Billigflüge abzugreifen oder innerstadts mit einem Personenkraftwagen herumzufahren.

        (*z.B. durch treibstofflobbyverbogene Steuersätze, Kilometergeld, Straßen- und Rollfeldbauprojekte usw.)

        Da bin ich vermutlich durchaus sozialneidisch, aber ‚der typische Steuerzahler‘ kommt ohne zu Murren für rückwärtsgewandte Verkehrspolitik auf; genauso, wie viele ALG2-Empfänger dieses Geld in Bölkstoff, Kraftstoff oder eine tägliche Dresdner Morgenpost umsetzen.

        Aber wehe, einer dieser Sozialfälle wagt es, ausdrücklich eine zeitgenössische Multimediastation (vulgo: PC mit Internetanschluss) übers Amt einfordern zu wollen, mit dem sich zusätzlich noch zum annähernden Nulltarif kommunizieren lässt.

      • henteaser sagt:

        „Was einem selber nützt sieht man ja nie mit einem so kritischen Auge.“ – Und wenn man’s tut, ist man ein Pessimist, Spielverderber und/oder Ökospinner.

  15. Jane sagt:

    Ohne jetzt hier Computer für alle Hartz-IV-Empfänger fordern zu wollen, will ich doch einmal die Wahrnehmung etwas auf die eigentliche Problematik lenken, die hinter dieser Forderung steht.
    Was man sich eigentlich fragen sollte, ist doch: Warum müssen Menschen überhaupt den Staat um etwas bitten, was weithin als Standardausstattung eines jeden Haushaltes gilt?
    Weil es immer mehr prekäre Arbeitsverhältnisse gibt, bei denen Menschen zwar von früh bis spät schuften, aber mit so wenig Geld nach Hause gehen, dass sie zum Staat laufen müssen, um so weit aufstocken zu lassen, dass sie sich das Nötigste gerade so leisten können. Die amtierenden Regierungen der letzten 10 Jahre haben genau darauf auch aktiv spekuliert, um das kapitalistische Wirtschaftssystem am Laufen zu halten.
    Jetzt, wo nach Zeiten der Krise die Mittel immer knapper werden, merklt man plötzlich, dass man sich eine solche Politik eigentlich nicht mehr leisten kann – ausbaden müssens die Leistungsempfänger, die man zunächst bewusst zu solchen gemacht hatte.

    Ich fände es ja schön, wenn jeder so viel für seine geleistete Arbeit verdienen würde, dass er sich auch einen Durchschnitts-PC in seine Wohnung stellen kann und dafür nicht erst vor ein Sozialgericht ziehen muss.

    • henteaser sagt:

      „Warum müssen Menschen überhaupt den Staat um etwas bitten, was weithin als Standardausstattung eines jeden Haushaltes gilt?“

      Diesen Aspekt der ganzen Story haben wir sowieso übersehen: Es dürfte wohl inzwischen ein relativer Einzelfall, dass Menschen keinen (brauchbaren) Heimrechner besitzen, also kann Vater Staat da imho ruhig mal großzügig sein und einen Scheck ausstellen.

      Und wenn schon AfAuS-typische Bedingungen an diese milde Gabe geknüpft werden sollen, dann computerbezogene. Vielleicht ja, ein Wochenende mit Perl zu verbringen.

      • stefanolix sagt:

        @henteaser: Für »Wochenenden mit Perl« reicht nun wirklich sogar ein PC von 1998 (ich habe bis 2008 einen solchen als Experimentierrechner mit Linux betrieben und darauf lief immer das aktuelle Perl).

      • henteaser sagt:

        … oder der PC der tagsüber arbeitenden Verwandtschaft, schon klar. – Ich bin da inzwischen Michaels Meinung: Ein Versuch schadet nicht, aber über eine Ablehnung des Gesuchs muss man sich nicht wundern.

    • stefanolix sagt:

      @Jane: Interessante Frage: gibt es eine »Standardausstattung eines jeden Haushalts« und muss die jeder Mensch haben? Ich sehe das nicht ganz so. Ich habe z.B. keinen Fernseher. Damit gehöre ich zu einer Minderheit von etwa zehn Prozent. Ich habe kein Auto. Damit gehöre ich in der gut funktionierenden Großstadt zu einer zahlenmäßig etwas größeren Minderheit, aber ich bin wieder nicht »Standard«.

      Zweite Frage: warum muss der PC neu sein? Es gibt aufgrund der sehr schnellen Entwicklung eine Unmenge guter Rechner, die für sehr viele Zwecke problemlos eingesetzt werden können. Was kann man damit machen? Da gibt es den schönen Begriff »refurbish«: aufmöbeln oder instandsetzen. Freilich erfordert es etwas Initiative.

      So wie wir die Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen können, werden wir nie genügend Ressourcen haben, um immer jedem den »Standard« Neuwagen, neuer Fernseher und neuer PC zur Verfügung stellen zu können.

      • henteaser sagt:

        Fragt sich bloß, ob und wie viele (sicherlich ebenfalls nicht ganz billige) Bewerberkurse, Staplerscheine und andere amtsvermittelte Bildungsgutscheine jährlich quasi in den Wind geschissen werden. Gibt es da Statistiken?

      • Vielleicht gibt es da Statistiken, doch wie häufig wird nur das erfasst, was von Interesse ist bzw. was veröffentlicht werden kann … wer will schon die Wahrheit wissen?

        Ich möchte es nicht ausschließen, doch wenn dann erscheint’s irgendwo als Fußnote – vermutlich.
        Sicher bin ich mir jedenfalls, dass eine solche Statistik zur nächsten Arbeitsamt-Krise führen würde ;) … vermutlich gibt’s dann wieder einen Wechsel des Vorstandsvorsitzenden, was Frank-Jürgen Weise auch wenig stören dürfte, denn er wurde vor einem Monat von Karl Theo… Vornamen 3-9 … zu Guttenberg für die Leitung der neuen Bundeswehr-Strukturkommission beauftragt. So wie auch der vorherige A-Amt-Cheffe, sein „Bekannter“ Florian Gerster, kann er im Übrigen eine Offiziersausbildung sein eigen nennen ;)
        (okay, Gerster ist „nur“ Oberstleutnant der Reserve, sorry ;))

        Tja, die BA ist eben immer gut aufgestellt, um die wichtigen Aufgaben in diesem Land in Angriff zu nehmen, z.B. um gegen die Arbeitslosigkeit zu kämpfen … über zivile Kollateralschäden schweigt man lieber oder findet in den privaten Medien und dem Springer-Konzern nette Verwerter für’s Entertainment der Bevölkerung … Brot und Spiele eben ;)

  16. Ich finde die Diskussion hier wirklich spannend … auch wenn ich nach der Hälfte etwas durcheinander gekommen bin ;) …

    Mir fiel da gerade ein sehr hinkender Vergleich ein … Ich vergleiche die PC-Hartz-Staat-Angelegenheit mal mit einem Mann, der zwei Frauen „hat“ … wahlweise auch andersherum, doch der Staat ist nunmal männlich geprägt irgendwie (auch wenn die momentane „Chefin“ Deutschlands eine Frau ist ;)).

    Der Mann ist irgendwie mehr an der für ihn attraktiveren Frau interessiert, ganz gleich, ob diese nun wirklich attraktiver ist oder nicht. Die andere wird mit einem gewissen Grundhaushaltsgeld ausgestattet und soll eigentlich auch wieder attraktiv werden, so wie die andere Frau. Dafür kann sie dann beim Mann – neben dem Haushaltsgeld, was es alle halben Jahre per zu stellendem Antrag gibt – noch diverse Sachleistungen beantragen, wobei es in der Entscheidungsgewalt des Mannes liegt, ob er diese Sachleistungen bezahlen will.

    Nun kommt die Frau eines Tages und will einen Lippenstift, wir können auch ein mittelteures Kleid wählen, damit’s näher an den Kosten für einen PC herankommt ;)

    Die Frau geht ganz einfach von der Prämisse aus, dass sie attraktiver werden soll (Wunsch des Mannes) und dafür braucht sie eben gewisse Dinge. Was sie im Grunde weiß bzw. ahnt ist, dass der Mann eigentlich gar kein Interesse daran hat, dass sie – die momentan scheinbar weniger attraktive Frau – wieder attraktiver wird, denn erstens ist er schon mit einer Frau völlig überfordert und zweitens würde es möglicherweise zu Konkurrenzverhalten zwischen den Frauen kommen, worauf er auch keine Lust hat (wobei noch nicht einmal feststeht, ob es wirklich dazu kommen würde). Allerdings ist er auch so eifersüchtig, dass sie sich nicht noch einen „Zweitmann zulegen“ könnte. Das wäre für ihn dann „Fremdgehen“, im Amtsdeutsch heißt’s dann eben „Schwarzarbeit“ ;)

    PC hin und her, es geht m.E. gar nicht um den PC, sondern wohl vielmehr um Themen wie Freiheit, Vertrauen und Hilfe zur Selbsthilfe …
    Als „Hartz-IV-er der ersten Stunde“ komme ich da immer wieder beim Thema „Grundeinkommen“ raus.

    Und zum Schluss noch ein paar Zeilen aus dem Buch „Macht und Ohnmacht“ (Peter Hartz im Gespräch mit Ingrid Kloepfer) …
    P. Hartz: „Die zweite Grundidee [der ursprünglich angedachten Reformvorschläge] war Hilfe zur Selbsthilfe. Arbeitslose sollten dabei unterstützt werden, wieder aktiv zu werden und sich selbst zu helfen. Sie sollten endlich wieder etwas Eigenes leisten, sich etwas zutrauen, an ihre Fähigkeiten glauben und in sie investieren – und zwar im Vertrauen auf ein Mindestmaß an Förderung und Sicherheit. Leider ist es auch damit nicht weit her. Herausgekommen ist ein System, mit dem die Arbeitslosen diszipliniert und bestraft werden.“
    (S. 224)

    In diesem Sinne … einen entspannten Tag, Micha :)

    • henteaser sagt:

      Stimmt auffallend.

      Denn die Unternehmen suchen händeringend nach motivierten Fachkräften, wie das immer wieder gern formuliert wird…

      Und nicht etwa durch Drohung mit ALG2-Kürzungen und Statusverlust verängstigte Menschen, die mit Pushup-BHs und Lippenstift für den Arbeitsmarkt aufgehübscht wurden und schlimmstenfalls die Gehaltshöhen der Arbeitenden kaputtmachen.

      Also z.B., indem sie sich nach einem geldwerten Crashkurs als Web- oder Naildesign selbständig machen und nun allesamt miteinander konkurrieren.

      • stefanolix sagt:

        Ist Dir schon mal aufgefallen, dass die Mitarbeiter bei nahezu jeder Art der Beschäftigung miteinander konkurrieren?

      • henteaser sagt:

        Fragt sich nur, was mit denen geschieht, die sozusagen ‚hinten runterfallen‘.

      • stefanolix sagt:

        Wobei man eines ergänzen muss: wenn jemand in einem festen Arbeitsverhältnis beschäftigt und aufgrund von Unfall, Krankheit, Allergie oder bestimmten anderen Problemen diesen Job nicht mehr ausüben kann, hat er in Deutschland eine sehr gute Chance auf Umschulung (und zwar in Regie der Renten- und Krankenversicherungsträger).

    • stefanolix sagt:

      @Michael: Die Kollegin Elbnymphe hat Dir ja schon die Grenzen Deiner Analogie aufgezeigt. Und wenn Du mir die persönliche Bemerkung gestattest: ich würde mich in so einer Frage nicht mit ihr anlegen ;-)

      Aber einen Absatz nehme ich mir doch mal aus Deinem Kommentar heraus, weil er mir wichtig ist:

      PC hin und her, es geht m.E. gar nicht um den PC, sondern wohl vielmehr um Themen wie Freiheit, Vertrauen und Hilfe zur Selbsthilfe …

      Mit diesen Argumenten kann man natürlich heftig pro und contra »PC auf Staatskosten« plädieren.

      Der Staat müsste den Arbeitslosen doch nur Freiheit, Vertrauen und einen PC schenken — oder: der Staat muss überhaupt keinen neuen PC verschenken, weil es mit relativ einfacher Selbsthilfe und Selbstvertrauen jedem selbst freisteht, sich einen gebrauchten PC zu besorgen.

      • henteaser sagt:

        Fragt sich bloß, warum ‚der Staat‘ systemrelevanten Menschengruppen zigmillionen Euro vorschießt, aber keiner Einzelperson ’nen Unterschichtenrechner finanziert.

      • henteaser sagt:

        Vermutlich läuft es auf das typisch deutsche(?) „Da könnte ja jeder kommen!“-Argument heraus.

      • stefanolix sagt:

        Könnten wir da ein klein wenig differenzieren? Die Banken zahlen für alle Leistungen des Staates zu ihrer Stützung ganz normale Zinsen.

        Eine Art Mikro-Darlehen an ALG-II-Empfänger gab es schon mal. Man nannte es Ich-AG. Es war kein ganz schlechter Ansatz. Es ist leider (wie vieles andere) nur halbherzig und damit am Ende auch nur halbgut gemacht worden.

      • henteaser sagt:

        Während ich mir sagen lassen habe, dass die Ich-AG so ziemlich das einzige neuere Konzept war, dass zumindest denen geholfen hat, die innovativ sein wollten. Und andersherum:

        „Wer aus Verzweiflung eine Ich-AG gründet, hat gute Chancen, auch daran zu verzweifeln.“

        http://www.brandeins.de/archiv/magazin/wie-lernt-man-veraenderung/artikel/unternehmungslustig.html

        Damals war’s.

      • henteaser sagt:

        „Die Banken zahlen für alle Leistungen des Staates zu ihrer Stützung ganz normale Zinsen.“

        Und ein Bürger mit PC hat die Möglichkeit (wenn nicht sogar die patriotische Pflicht ;) ), sich zukunftsfähig zu machen und dadurch seinen Marktwert zu steigern. Wenn’s klappt, bekommt Vater Staat die Investition hundertfach zurück, weil die Person Arbeit findet und Kinder macht und Häusle baut und konsumiert und so weiter.

      • stefanolix sagt:

        Und »die Person« bekommt in diesem Fall nichts zurück?

      • henteaser sagt:

        Doch (nämlich Glück, Wohlstand und Lebensqualität), aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass der Klägerin(!) kein Staats-PC zusteht und sie nun woanders Geldmittel abknappsen muss, wenn sie nicht an den Rechnern im Jobcenter oder der Stadtbibo sitzen will. (vgl. die Pranger-Diskussion, hihi.)

      • henteaser sagt:

        Und es ist klar, dass dieser Frau eine finanzielle Investition in die Zukunft schwerfällt, weil diese Zukunft ungeschrieben ist. (Abgesehen davon, dass sie vllt. nur in Ruhe Minesweeper oder WoW spielen möchte.)

      • stefanolix sagt:

        Aber jeder andere Mensch muss sich das Geld auch »abknapsen«, bis er ein Bedürfnis befriedigen kann. Das Argument kann so nicht ziehen, weil ein Dresdner Straßenbahnfahrer oder eine Verkäuferin bei Karstadt auch auf einen neuen Rechner, Fernseher oder Geschirrspüler sparen müssen.

        Vielleicht versuchst Du es doch noch mal mit einem besseren VWL-Buch?

      • henteaser sagt:

        Ein Blogkommentar kann natürlich keine sachbuchlange Gedankenspielerei ersetzen, schon klar. Aber komischerweise kommt man als Bedürftiger billiger/kostenlos in Veranstaltungen und Suppenküchen, während die Geldverdienenden für Nahrung und Kleidung den volle(re)n Preis zahlen müssen.

        Oder anders: Wo beginnt die Ungerechtigkeit?

      • henteaser sagt:

        Jedenfalls ist aus dem gleichen Grund eine Umsatzsteuererhöhung ungerecht: Den wirklich Reichen treffen vierzig Euro oder so Nahrungsmittel-Mehrausgaben pro Monat nicht so hart wie einen Tausendär, der nur wenige hundert Euro/Monat zur ‚freien‘ Verfügung hat.

      • Ich persönlich freunde mich immer mehr mit dem u.a. von Götz Werner kommunizierten Konzept „Einkommenssteuer auf Null, Mehrwertsteuer hoch“ an, sukzessive natürlich, meinetwegen in 10-15 Jahren. Da wird die eigene Arbeit nicht besteuert, Schwarzarbeit gibt’s nicht mehr, weil keiner EST veruntreuen kann, die Produkte würden evtl. etwas teurer, doch Arbeit preiswerter und mitunter denkt man bei teueren Produkten auch mehr nach, ob man etwas Neues braucht oder vielleicht doch „gebraucht“ reicht … folglich wird’s nachhaltiger, auch oder primär umwelttechnisch gesehen.

        Alles in allem, hat Gerechtigkeit in meinen Augen wenig etwas damit zu tun, wieviel ein sog. Reicher hat. Die Geldverteilung regelt man nicht über Steuern, das hat m.E. andere Ursachen.
        Wichtiger wäre, dass jeder die Möglichkeiten hat, seine Fähigkeiten auch einzusetzen, sei es über Arbeit oder im Ehrenamt …

        Ich denke, vieles scheitert in Deutschland, weil man zwar weiß, was ungerecht ist, doch nicht, was gerecht ist ;)

  17. Elbnymphe sagt:

    @ Michael Winkler:

    “der Staat ist nunmal männlich geprägt irgendwie”

    Der Satz ist nicht nur syntaktisch, sondern auch inhaltlich höchst fragwürdig.

    Abgesehen davon, daß Aussagen, die mit “nunmal” und “irgendwie” operieren, argumentativ auf dem Niveau von “Isso” herumkrebseln …

    … leben wir in einer Demokratie
    … wohnen wir in einer Republik
    … haben wir die Wahl
    … befinden wir uns in einer Gesellschaft
    … beschwören wir die Gemeinschaft
    … hoffen wir auf die Solidarität
    … bauen wir auf die Bildung

    Diese Säulen unseres Staates sind allesamt weiblich, und zwar nicht nur laut ihrem Artikel, sondern auch in der Art und Weise, wie sie gelebt werden – aber klar,

    “der Staat ist nunmal männlich geprägt irgendwie”

    Tja, Rosa Luxemburg, Clare Zetkin, Hilde Domin, Marion Dönhoff, Ursula von der Leyen, Antje Künast, Claudia Roth, Petra Roth, Katja Kipping, und alle, die Ihr gewirkt, bisweilen gekämpft und gelitten oder manchmal nett in die Kamera geguckt habt – so wichtig wie die Männer wart Ihr für den Staat halt nicht.

    Der Rest des Vergleiches ist schon vom Ansatz her so rückwärtsgewandt, daß es sich erübrigt, darauf einzugehen. Ab einem bestimmten Diskussionniveau helfen leider auch keine vorangestellten Caveats oder nachgesetzten Smileys mehr.

    • henteaser sagt:

      „so wichtig wie die Männer wart Ihr für den Staat halt nicht“ – Im großen und ganzen stimmt das leider. Und wie passt eigentlich Ursula von der Leyen in diese Aufzählung linker Politikerinnen? Und wer ist Hilde Domin?

      Naja, nur weil ein Mensch Brüste hat, macht er(!) keine bessere Politik. Es soll auch homosexuelle Politiker geben, die üble Unsympathen sind.

      • stefanolix sagt:

        Das veranlasst mich jetzt zu einer sehr deutlichen Bemerkung an Deine Adresse, werter henteaser: Sympathie und Antipathie sind in der Politik zutiefst subjektiv. Über die sexuelle Orientierung von Spitzenpolitikern möchte ich hier in den Kommentaren keinerlei Häme lesen!

        Es gibt momentan in Deutschland mindestens drei offen homosexuelle Spitzenpolitiker, zwei davon sind gleichzeitig Oberbürgermeister und Landes-Chef. Es gibt den Außenminister. Es gibt sicher darüber hinaus weitere homosexuelle Politikerinnen und Politiker. Jede und jeder einzelne davon soll nach der politischen Leistung, aber keinesfalls nach der sexuellen Orientierung beurteilt werden.

        In diversen extremistischen Foren und Blogs gibt es üble Anmerkungen über Politiker aufgrund deren sexueller Orientierung. Dieses Blog soll frei davon bleiben. Ich danke Dir für Dein Verständnis.

      • henteaser sagt:

        Genau das meinte ich doch. Wen interessiert denn, ob eine Frau Politik macht? Es soll auch Raucher geben, die üble Sympathen sind ;)

      • henteaser sagt:

        Ähm, Frau sollte kursiv sein. Es ist ein Sammelbegriff (genau wie Homosexueller oder Raucher), der zumindest in diesem Fall nichts zu tun hat mit der beruflichen Leistung, schreibt ein wahrscheinlich heterosexueller ex-radebeuler Linkshänder.

      • henteaser sagt:

        Außerdem meinte ich Ernst Röhm, wen denn sonst?

      • Elbnymphe sagt:

        henteaser:
        Wer hat denn gesagt, daß es hier um ausschließlich linke Politikerinnen gehen sollte? Ich habe bewußt Frauen aus allen politischen Spektren der Politik erwähnt, die unseren Staat prägten oder prägen. Ob mir Frau von der Leyens oder Angela Merkels Politik nun persönlich zusagt oder nicht; Fakt bleibt, daß sie in diesem Staat einflußreiche Positionen besetzen.

        Hilde Domin war Lyrikerin, ich dachte eigentlich an Liselotte Funcke, Verzeihung für die Inakkuratesse, sie geschah aus der Verärgerung über so viel geballte männliche Anmaßung heraus.

        „‚so wichtig wie die Männer wart Ihr für den Staat halt nicht‘ – Im großen und ganzen stimmt das leider.“

        Ich weise daraufhin, daß ich genügend Gegenbeweise lieferte, Du hingegen nur eine erneute Tatsachen_behauptung_ aufstellst.

        Muß ich mich jetzt wirklich hinstellen und sagen, Politik wurde nicht nur von Bismarck bis Brandt gemacht, sondern auch von den Frauen, die diese Männer großzogen und an ihrer Seite standen? Ihr wollt wirklich, daß ich meinen Freitagabend im feministischen Urschlamm gründelnd verbringe?

        Insgesamt haut es mich um, daß hier von Kommentatoren, die ich sonst als dezidiert links und/oder hegemonialkritisch erlebe, eine völlig unsach- und unzeitgemäße Diskussion geführt wird, sobald es um eine Frauenfrage geht. Les terribles simplificateurs, kann ich da nur sagen. Oder sind das die Nachwirkungen des männertagsgeschwängerten Größenwahns?

      • stefanolix sagt:

        @Elbnymphe: Darf ich dann um des Ausgleichs willen noch Marie-Elisabeth Lüders, Rita Süßmuth und Sabine Leutheuser-Schnarrenberger hinzufügen?

      • henteaser sagt:

        Uah, bitte nicht. Einige meiner besten Freunde sind Frauen ;) Es hat aber imho nix mit Feminismus oder Frauenfeindlichkeit zu tun, wenn darauf angespielt wird, dass Frauen noch immer eher zur politischen B-Prominenz zählen.

        Genauso übrigens wie Rollstuhlfahrer. Der einzige, der mir jetzt spontan einfällt, ist noch nicht mal von Geburt gehbehindert. (Sorry, stefanolix.)

      • stefanolix sagt:

        Es ist ja Deine Sache, womit Du Dich hier profilieren möchtest.

        Aber B-Prominenz war, bevor wir eine Präsidentin des Bundestags, eine Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und eine Bundeskanzlerin hatten. Damit war bewiesen, dass Frauen alles werden können (die Rolle des Bundesrepräsentanten will eh niemand haben).

      • henteaser sagt:

        Damit sind jedoch nicht ‚die Frauen‘ aufgestiegen, sondern Menschen aufgrund persönlicher Leistungen und geistiger Fähigkeiten. Genauso werden Benjamin Franklins Leistungen nicht von denen Dschinghis Khans entwertet.

        Aber wenn schon die Unterleibskarte gespielt werden muss und um die Kurve zum ursprünglichen Thema zu bekommen: „In dem Fall ging es um eine Klägerin aus Minden, die einen PC samt Monitor, Drucker und Software bezahlt haben wollte.“

        Es ist eine Klägerin; ein weiblicher Mensch!

    • stefanolix sagt:

      @Elbnymphe: Darf ich noch die Gewaltenteilung hinzufügen? Allerdings könnte man auch hinzufügen: der Rechtsstaat, das Grundgesetz, der Föderalismus, das Subsidiaritätsprinzip. Dann allerdings wieder: die Exekutive, die Legislative und die Judikative. Die soziale Marktwirtschaft, aber der Markt. Es ist alles nicht so einfach mit den Artikeln vor den Grundlagen ;-)

      • Elbnymphe sagt:

        Ja, natürlich lassen sich auch viele wichtige Begriffe im Kontext des Staatswesens finden, die männlichen Genus tragen. Dennoch bleibe ich dabei: ich habe diese Begriffe nicht nur gewählt, weil sie im Deutschen einen weiblichen Artikel haben, sondern weil ich glaube, daß sie in ihrem Kern, ihrer Genese, auch und sogar starke weibliche Züge tragen – Der Herd als Keimzelle der polis oder communitas! ;-)

      • stefanolix sagt:

        Genau: in den Anfangsjahrhunderten der Demokratie haben die Frauen den Männern am heimischen Tisch erklärt, wo es langgeht, weil sie selbst wichtigere Dinge zu tun hatten, als endlose Debatten zu führen? ;-)

      • henteaser sagt:

        Nö, weil sie schlicht kein offizielles Mitsprache- und Wahlrecht hatten.

  18. Ui, ui, ui … ich schreib’s mal an’s Ende, obwohl es besser zu Elbnymphes Beitrag von 18:58 (14.05.2010) passt, doch ich komme wieder mal etwas durcheinander in der Reihenfolge.

    Offenbar habe ich dich, liebe Elbnymphe, auf dem völlig falschem, also dem richtigen Fuß ;) erwischt. Was ein Satz wie “der Staat ist nunmal männlich geprägt irgendwie” so alles auslösen kann. Ich lerne ständig dazu ;)

    Nunmal mit weniger ;)-Smileys.

    Mit „irgendwie männlich geprägt“ meine ich primär den hierarchischen Aufbau, der sich über die Jahrhunderte so entwickelt hat. Ich bezweifle in keinem Fall die Leistungen von Frauen, u.a. jene der von dir erwähnten, auch wenn „Antje Künast“ eigentlich „Renate“ mit Vornamen heißt und die Antje vielleicht „Antje Hermenau“ sein könnte. Doch das ist nicht so wichtig, sondern ich wollte nur kurz vom Hauptthema ablenken, wie deinem kritischen Geist sicher nicht entgangen sein wird.

    Meinem Gehirn sind nur einige Dinge noch nicht ganz klar geworden und vielleicht liegt’s ja daran, dass ich selbst auch „irgendwie männlich geprägt“ bin ;) (den konnte ich mir jetzt nicht verkneifen). Zu diesen Stirnrunzlern zählt u.a. deine weiblichen Säulen der Demokratie, z.B.
    „… leben wir in einer Demokratie
    … wohnen wir in einer Republik
    … haben wir die Wahl
    … befinden wir uns in einer Gesellschaft
    … beschwören wir die Gemeinschaft
    … hoffen wir auf die Solidarität
    … bauen wir auf die Bildung“

    Mal abgesehen, dass es mir bei der Wortgruppe „beschwören wir die Gemeinschaft“ ziemlich kalt den Rücken runterlief, weil das für mich nach Gemeinschafts-Käfig und Herdentrieb klingt, frage ich mich: Waren das nur Frauen?

    Hoppla, jetzt las ich das mit den „weiblichen Zügen“ bzgl. den von dir oben erwähnten Beispielen …
    Hmm, also, für mich ist der Verständnis-Zug für heute abgefahren :) … Um das alles zu verstehen, müsste ich wohl die Geschichte mit dem Mann-Staat, den mehr oder minder attraktiven Frauen und dem Lippenstift wieder rückgängig machen ;) … da hatte ich offenbar so viele Klischees bedient, dass das nicht gut gehen konnte.

    Doch ich ahne worauf du hinaus wollen könntest – korrigiere mich bitte ggf. … besser wäre es gewesen, wenn ich die Sache geschlechtsneutral gestaltet hätte und mit „Gegenstand A“ statt Lippenstift usw. … oder wäre dir die Variante „Staat gleich weiblich“ und für zwei mehr oder minder attraktive (oder wahlweise auch potente) Männer geht es darum, ein Auto anzuschaffen, lieber? ;)

    Sei’s wie es sei … beim nächsten Mal schreibe ich statt einem „sehr hinkenden Vergleich“ eben einen absolut abwegigen Vergleich. Vermutlich komme ich da besser …

    @Thema
    Ich finde es im Übrigen gut, dass die Entscheidung gegen den PC gefallen ist. Nicht weil ich jener Person nicht den PC gönnen würde, sondern weil eine Entscheidung wie diese das gesamte Sozialsystem hinterfragt bzw. die Struktur desselben.
    Ich kann jede „Mitnahme-Mentalität“ verstehen und es ist eine Frage der Betrachtung, was ein Nutzen des Staates ist und was ein Ausnutzen. Ich persönlich würde beim Staat wahrscheinlich keinen PC beantragen (da finden sich andere Möglichkeiten), bestenfalls als Kabaretteinlage, doch ich würde gleichzeitig niemanden davon abhalten, es zu versuchen. Wahrscheinlich würde ich jener Person ein „Versuch’s einfach.“ sagen.

    In diesem Sinne … alles Gute

    PS: Ich möchte gern nochmals ergänzen, dass ich mit fünf Jahre ALG-II- und ARGE-Erfahrung aufwarten kann – was nicht heißt, dass ich mich „alles“ darüber weiß, ich jedoch meine, diverse Facetten der Arbeitsmarkt-Unterwelt sehr intensiv erlebt zu haben.

    PS2: Elbnymphe, was ein „Caveat“ ist, frage ich beim nächsten Mal ;)

    PS3: Achja, zur Entspannung – extra für dich geschrieben, liebe Elbnymphe ;) „Frauen und Politik … “ – http://www.ob-winkler.com/seiten/frauen&politik.htm

  19. Elbnymphe sagt:

    Ich wollte meine Bedenken ob der auf Stammtischniveau sinkenden Diskussion anmelden, und das habe ich getan. Aber eigentlich finde ich die Diskussion um die Sozialleistungen des Staates und/oder der Gemeinschaft viel interessanter, als sich hier auf Nebenschauplätzen in Scharmützeln zu ergehen. I’ve said my piece. Jetzt zurück zum Thema.

    • Nur weil die Mann-Frau-Schiene zum Einsatz kommt, braucht es doch nicht gleich „Stammtischniveau“ werden, oder? ;)
      Und ob die Nebenkriegsschauplätze auch welche sind, wäre noch zu beantworten … für mich ist der PC eher ein Nebenkriegschauplatz, obgleich ich den genauen Wortlaut der Klage nicht kenne …
      Ansonsten stimme ich dir zu: zurück zum Thema (wie hieß das gleich nochmal ? ;))

  20. Elbnymphe sagt:

    @Michael Winkler: Antje Künast: Ich war vorhin, glaube ich, etwas aufgebracht. Erst stand da noch “Anke” Künast, und ich war schon stolz, daß mir der Fehler aufgefallen war! :-D

    Gemeinschaft beschwören: damit meinte ich so händeringende (im flehentlichen Sinne) Aktionen wie jene Klage, wegen der wir hier überhaupt diskutieren. Die Klägerin appeliert an, d.h. beschwört die Gemeinschaft.

    Ansonsten: überlassen wir derart aufgeladene Analogien doch den ganz Großen, Aesop für die Fabeln und Jesus für die Parabeln, und beschränken wir uns darauf, die Volkswirtschaft nicht mit Frauen und deren angeblichem Bedürfnis zu gefallen zu erklären.

    Die mir von dir angedachte Entspannung kann ich mit meinem Rotwein-relaxierten Hirn nicht mehr ausreichend gespannt aufnehmen – das muß warten – aber ich danke.

    Gute Nacht allerseits. :-)

    • Hmm, ob Anke oder Antje, Hauptsache dir ist etwas aufgefallen, Elbnymphe ;)

      Wie bereits angedeutet, ich habe den Wortlaut der Klage nicht gesehen und mich auch nicht mit der Klägerin unterhalten. Entweder es war ein Scherz à la Eulenspiegel, der den Irrsinn des ARGE-Hartz-IV-Systems etwas ad adsurdum führen sollte … ich meine, viele Stellenbschreibungen verlangen einen eigenen PKW … na, dann klage ich den doch mal ein, oder? ;) … oder die Klage war wirklich 100% ernst gemeint, was wiederum dieselbe Frage aufwirft: darf der Staat zur Arbeitssuche „auf Teufel komm raus“ auffordern?
      Klar, darf er das tun, nur ist es sinnvoll??

      Worum es m.E. geht, ist doch der seitens des Staates ausgeübte Druck auf den sog. Arbeitslosen. Würde dieser wegfallen (Richtung Grundeinkommen z.B.), wäre auch das Einklagebedürfnis einiger Menschen weitaus geringer.
      Ich persönlich stehe seit Ende 2009 auch mit einer Klage gegen die ARGE Dresden beim Sozialgericht, doch ich beschwöre nicht die Gemeinschaft damit. Wer die Gemeinschaft beschwören will, wird schnell merken, wie allein es in der Gemeinschaft sein kann ;) … ist auch kein böser Wille der Gemeinschaft, sondern ist eben manchmal so … manchmal ist auch ganz gut so.

      Weitaus gravierenderes als die Nichtgewährung von Mehraufwendungen (PC) usw. sehe z.B. im Verrechnungszwang der ARGEn usw., für mich eine neue Art der Enteignung. Enteignungen haben in Deutschland ja Tradition irgendwie …
      Da müssen/sollen – wie in meinem Fall – aufgelöste Absicherungen (ursprünglich „für später“ gedacht) teilweise wieder an die ARGE abgeführt werden, konkret will man natürlich „zu viel ausgezahltes ALGII“, da werden Geldgeschenke von der Oma (über 50 Euro im Jahr) wieder über Rückforderungen eingezogen usw.
      Heute erzählte mir jemand, dass er der ARGE mitgeteilt hatte, dass er für eine Zeitung einen Artikel geschrieben hatte, wobei er noch nicht wusste, wieviel er bekommen würde … man zog ihm da angeblich gleich mal 200 Euro vorzüglich ab. Nach Aussage der Person würde das Honorar jedoch unter 100 Euro liegen.
      Keine Ahnung, was nun wie genau war und was bei der ARGE wirklich an Information ankam, doch im Zweifelsfall, wird erstmal Geld gekürzt … denn das ist die Hauptaufgabe der ARGE – Geldsparen.
      Es geht nicht um die Menschen, es geht auch nicht um den Arbeitsmarkt und eine sinnvolle Arbeitsmarktpolitik, es geht schlicht und ergreifend ums Geld. Gefördert wird in vielen Fällen nur dort, wo Kurse zu füllen sind. Das ist auch häufig keine böse Absicht, sondern es ist der Weg des geringsten Widerstandes, zumindest kurzfristig … langfristig werden die nächsten zwei Generationen noch mit den Folgen von Hartz IV zu tun haben (wobei Peter Hartz da gar nicht viel zu schaffen mit hatte, wenn man das o.g. Buch mal etwas intensiver durchliest … sein Name wurde gebraucht und dann hat es sich verselbstständigt).
      Meine Sicht auf die deutsche Arbeitsmarktpolitik mag sehr pauschal aussehen, ich weiß, doch das sind häufig meine Erfahrungen … eigene und erzählte.

      Und wenn es dann um einen PC geht, den man einklagt, da habe ich zwar Verständnis für und wie gesagt „Versuch es, wenn es für dich einen Sinn ergibt.“, doch Grundbedürfnisse sind für mich etwas tiefer angesiedelt als ein eigener PC, auch im Internetzeitalter.
      Klar kommt es auf die jeweilige Situation an, doch für sinnvoller sehe ich es an, wenn man über Alternativen nachdenkt, die einen unabhängiger vom Staat machen (auch gern auf Hartz IV).

      Alternativ könnte der Staat einen PC für ein Jahr zur Verfügung stellen und bei Nichterreichen des 1. Arbeitsmarktes nach einem Jahr diesen wieder zurückfordern … und dem nächsten geben :)

      • stefanolix sagt:

        @Michael: Ich habe die Berichte über die Geldgeschenke einer Oma an die Kinder von ALG-II-Empfängern gelesen und ich war fassungslos.

        Einerseits: warum musste die Oma solche Geldgeschenke überweisen? Hätte es da keinen persönlicheren Weg gegeben? Alles, was überwiesen wird, kann der Staat als Einkommen anrechnen — das gleiche Problem trifft übrigens auch jeden Selbständigen.

        Andererseits: warum musste die Arbeitsagentur nach den Beteuerungen aller Beteiligten vor Gericht solche überbürokratischen und geradezu unmenschlichen Maßstäbe anlegen?

        Noch fassungsloser stehe ich vor den Berichten über die Gängelungen von Arbeitslosen, die aus eigener Initiative mit kleinen Aufträgen etwas dazuverdienen oder etwas Neues ausprobieren wollen. Seit es die Hartz-Gesetze gibt, habe ich immer in jeder Diskussion gesagt, dass man die Freibeträge für solche Zusatzeinkünfte auf das Jahr beziehen muss. Dann würden bei vielen Leuten Motivation und Initiative geweckt und es wäre — nebenbei – auch einfacher, einen kleinen PC zu erarbeiten.

      • Das mit der Gängelung ist gängige Praxis sozusagen ;)
        Ich war kürzlich in England und habe mich dort mit Leuten unterhalten, die auf „JobSeeker Allowance“ leben, sozusagen ein bisschen das britische ALG II. Es läuft im Grunde wie hier: wer lügt und „bescheißt“, kommt besser; wer ehrlich ist, folglich Regeln befolgt, hat das Nachsehen.

        In Deutschland ist das nicht viel anders; die Hartz-IV-Kommission bestand ja auch aus Leuten von McKinsey, Roland Berger etc. (http://de.wikipedia.org/wiki/Hartz-Kommission#Zusammensetzung) … der „case manager“ wurde in Deutschland zum „Fall-Manager“ … ein Freund wies mich dann einige Zeit später auf die Doppeldeutigkeit des Wortes „Fallmanager“ hin ;)
        In England weißt du jedoch wenigstens, worum’s primär geht: ums Geld.
        Das System dort empfinde ich als zynisch.
        Nicht umsonst heißt dort der offizielle Slogan nicht „Fördern und Fordern“, sondern „Help and Hassle“, zu gut deutsch: „Helfen und Schikanieren“, gern auch „Bedrängen“ statt „Schikanieren“ ;)

        In Deutschland kommt die Erziehungsschiene noch stärker zum Tragen, wie ich finde, und dadurch wird es perfide. Das durchsteigt man schwer, weil das ungefähr so ist, als wenn dir jemand sagt, dass er dir helfen wird (du vielleicht gar nicht nach Hilfe gefragt hast) und die Hilfe sich dann als mittelschweres soziales Himmelfahrtskommando herausstellt, wo du froh bist, wenn dir diese Person möglichst nicht mehr hilft.
        Aufgedrückte Hilfe finde ich z.T. viel lähmender als nicht geleistete … beide Situationen sind nicht sonderlich schön, doch wenn man weiß, dass da keiner ist, hofft man auch nicht drauf, dass jemand kommt :)

        Was ich jedenfalls in den letzten fünf Jahren so für Stories erzählt bekommen habe, inklusive der von mir selbst erlebten, stellt jede Groteske in den Schatten ;)

        Wichtig war mir, dass ich letzten Monat das Buch „Macht und Ohnmacht“, Peter Hartz im Gespräch mit Inge Kloepfer, gelesen habe, denn darin steht, was die Kommission wirklich gewollt hat. Auch nicht alles sonderlich sinnvoll, wie ich finde, doch weitaus sinnvoller und weitsichtiger als das momentane System … P. Hartz erwähnt im Übrigen die Namen Roland Koch, Christian Wulff und Edmund Stoiber als diejenigen, die wohl am meisten – politisch – für dieses Chaos gesorgt hatten, auch Guido Westerwelle wird kurz erwähnt … kurzum: „die üblichen Verdächtigen“ ;)
        _____

        Am skurrilsten fand ich jedoch eine Geschichte aus dem Jahr 2006 oder so, als eine Familie 5000 Euro im Lotto gewonnen hatte, dies über’s ALG II verrechnet wurde, weil ein Lottogewinn als Einkommen zählt, und die Familie bzw. sog. „Bedarfsgemeinschaft“ danach durch Rundungsvorgänge letztlich noch ein paar Euro weniger als ALG II bekam. Also, das nenne ich sozial ;)

        Und insofern kann ich über solche PC-Geschichten eigentlich nur schmunzeln und sagen „Mach mal, genieß die Erfahrung … es geht nicht um den PC, sondern um etwas ganz anderes.“ :)

        In diesem Sinne, weiter am eigenen PC bzw. Laptop … ich bin mir sicher die Klägerin findet eine Lösung :)

    • stefanolix sagt:

      @Elbnymphe: Vermutlich lag Dir Antje Vollmer im Sinn?

      Ist das eine händeringende oder flehende Klage? Ich würde immerhin noch ins Kalkül ziehen, dass es auch gut durchkalkulierte Klagen gibt, um einfach das Maximum herauszuholen, während man das Erreichbare verschmäht …

  21. Michi sagt:

    Ich sehe es als Notwendigkeit an, dass gerade diese Hilfeempfänger mit einem Rechner ausgestattet werden, mit dem Sie

    * sich sinnvoll und zeitgemöß bewerben können
    * im Umgang mit dem Computer Fähigkeiten erweben, ausbauen und aktuell halten, die in der Berufswelt einfach ein MUST sind
    * günstig und zielgerichtet kommunizieren können (–> Selbsthilfe)

    Wenn ein Fernseher zur Erstausstattung gehört, warum nicht ein Computer? Der ist meines Erachtens nach notwendig, um wieder in Lohn und Brot zu kommen. Wer aus Hartz IV wieder heraus will, der braucht einen Rechner und auch einen Internetanschluss.
    Wie das in der Praxis aussieht, darüber habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.
    Ich selbst habe Arbeit und bekomme immer wieder Bewerbungen zugesendet. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht schadet, wenn gerade Hartz IV-Empfänger einen Rechner zur Verfügung haben und im Umgang mit dem Gerät auch fit gemcht werden.

    • stefanolix sagt:

      Wir sind sicher einig, dass ALG-II-Empfänger die Möglichkeit haben sollten, vernünftige Bewerbungen zu schreiben. Aber angesichts knapper Ressourcen kann man ihnen das auch auf andere Weise ermöglichen. Dazu muss nicht jeder einen Rechner zu Haus stehen haben. Das wäre relativ ineffizient.

      Warum der Fernseher »dazugehört«, wurde ja oben schon diskutiert.

    • foster sagt:

      Woher stammt eigentlich die Info, dass ein Fernseher zur Erstausstattung gehöre?

      Ich habe die Diskussion hier nur überflogen, weshalb ich die TV-Angelegenheit erst jetzt mitbekam. Mir kam auch erst die „Warum eigentlich?“-Frage in den Sinn. Dann allerdings habe ich mich bzw. die Suchmaschine gefragt, ob das denn so überhaupt stimmt.

      Und da lese ich:

      Kein Haushaltsgegenstand im Sinne des § 23 III Nr. 1 SGB II ist ein Fernsehgerät. Dieses ist von der Regelleistung (Teilnahme am kulturellen Leben) erfasst und daher hieraus anzusparen.

    • foster sagt:

      Oh. Sehe gerade, wenn ich die Suchbegriffe passender setze, finde ich diverse Gerichtsurteile, wonach Kosten für einen (gebrauchten) TV doch übernommen werden. Ich ziehe meine Frage damit zurück.

    • stefanolix sagt:

      Die Klägerin wollte eine »PC-Komplett-Neu-Ausrüstung« haben. Ihre Forderung war offensichtlich so unbegründet wie es die Forderung nach einem komplett neuen Fernseher gewesen wäre. Die Richter haben damit Augenmaß bewiesen, denn es sind ja wirklich genügend gebrauchte PC verfügbar, an denen man auch eine Bewerbung tippen kann.

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