Dreckiger Witz

Aus den Lokalzeitungen war gestern zu entnehmen, dass sich die Stadt Dresden in diesem Jahr die Grundreinigung aller Schulen sparen will. Ironie der Geschichte:

Einige wenige Schulen haben in diesem Sommer Glück. Sie werden gereinigt, weil sie Unterkünfte für die U-20-Fußball-WM-Betreuer sind. Aber nach SZ-Informationen zahlt die Reinigung der Veranstalter, um sich vor den freiwilligen Helfern nicht zu blamieren.

Muss man das kommentieren?


Unsere Kinder haben in der Grundschule reihum Ordnungsdienst. Der Ordnungsdienst stellt zum Beispiel die Stühle auf die Tische, gießt die Blumen oder geht der Lehrerin bei anderen kleinen Arbeiten zur Hand.

Die Grundreinigung eines Klassenzimmers dauert nämlich offiziell kaum fünf Minuten und ist dem Vernehmen nach effektiver, wenn der Raum vorher ausgefegt wurde …

Was mir im ersten Augenblick wie ein dreckiger Witz vorkam, hat die Stadt wohl kühl kalkuliert. Es dürfte kaum eine Schule geben, in der die Eltern nicht zu Besen, Feudel und Bürste greifen werden.

»Seitens des Schulverwaltungsamtes gibt es weder eine Aufforderung noch eine Bitte an die Lehrerschaft, Gebäudereinigungsarbeiten durchzuführen«, erklärt der Amtsleiter [Hervorhebung von mir].

Nun könnte man die Mithilfe bei der Grundreinigung ja als elterliches Engagement verbuchen — einmal im Jahr könnte wohl jeder ein kleines Stück Schule putzen — wenn sie nicht auf so dreiste Art eingefordert würde. Die Stadtspitze hat ein weiteres Mal bei der Kommunikation eines brandheißen Themas versagt.

Man hätte sich ja mit den Elternvertretungen zusammensetzen können. Man hätte verhandelt: Was könnt Ihr machen? Was geht? Was geht nicht? Aber so wie es jetzt läuft, ist das Vorgehen der Stadtspitze einfach nur arrogant und unverschämt.

Man darf wohl befürchten, dass es noch schlimmer kommt. Wenn die Stadt keine Verträge mit Reinigungsunternehmen mehr abschließt, dann heißt es bald an jedem Freitag: Eltern zum Ordnungsdienst!


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10 Responses to Dreckiger Witz

  1. tigger sagt:

    Könnte man den Schülern auch als Ferienprojekt andrehen. Für den einen oder anderen wäre es berufsvorbereitend.

    • stefanolix sagt:

      Ferien sollten Ferien bleiben. Aber Ordnungsdienst finde ich richtig: für den einen oder anderen Schüler ist es die Erfahrung, etwas in Ordnung zu halten und nicht achtlos damit umzugehen.

  2. Claudia sagt:

    Möglich wäre auch gewesen, sich mit Eltern und Schülern zusammenzusetzen. Daß nicht genug Geld für einen professionellen Reinigungsdienst da ist, dürften die meisten Schüler von Hause aus begreifen. Daß der Aufenthalt in einer versifften Schule nicht schön ist, ebenfalls. Hier wurde so getan, als ob Eltern und Schüler nicht wissen können, was gut für sie ist – und damit ein ungutes, unpädagogisches Klima geschaffen, in dem Schule mit autoritärem Gehabe gleichgesetzt wird.

    • stefanolix sagt:

      Es wäre nicht nur möglich gewesen. Es wäre unbedingt notwendig gewesen! Wenn man die Eltern ins Boot holt, dann wird automatisch auch Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen ausgeübt. Es gab ja früher schon Projekte, in denen Eltern und Nachwuchs beispielsweise Klassenzimmer gemalert haben. Das wurde dann verboten, obwohl etliche positive Effekte dafür sprachen.

      Von welcher Seite wir es auch immer betrachten: es wird in den nächsten Jahren immer weniger Geld vorhanden sein. Es muss also ein Umdenken beginnen. Aber dieses Umdenken ist ein Prozess, in dem beide Seiten einander respektieren müssen. Wir hatten 2009 ein Superwahljahr in Sachsen und alle überboten sich in Versprechungen. Das muss endlich aufhören.

      Die Wähler müssen sich von der Vorstellung lösen, dass die Politiker jemals alle Versprechen halten können und die Politiker müssen sich von der Vorstellung lösen, dass sie Wohlstand und Wohlgefühl auf Kosten der künftigen Generationen verteilen können.

      • carluv sagt:

        Das klingt ja so, als müsste man sich damit abfinden, dass immer mehr an der Bildung gespart wird und Eltern künftig nicht nur Steuern in Geld, sondern auch in Arbeit leisten müssten, wenn sie eine saubere Schule haben möchten. Damit sollte man sich nicht abfinden! Lieber sollte man fragen: Warum ist immer weniger Geld da? Man könnte auch fragen, ob es noch sinnvoll ist, dass der Unterhalt der Schulen kommunale Aufgabe (Schulverwaltungsamt) und die Lehrerbezahlung Landesaufgabe (Schulamt, heute Bildungsagentur) ist, wenn die Kommunen nicht mehr ausreichend mit den nötigen Mitteln ausgestattet werden. Elternmitarbeit ist gut und wichtig, aber bitte nicht für Dinge, die selbstverständlich sein sollten!

      • stefanolix sagt:

        Ich hoffe, dass in der nächsten Zeit eine lebhafte Diskussion darüber ausbricht, wie Bürger (Wähler, Eltern) wieder in ein vernünftiges Verhältnis zur Politik und zu den Politikern kommen. Dazu gehört auch die Diskussion über Selbstverstädnlichkeiten …

  3. Jane sagt:

    Ich glaube, oder hoffe zumindest, ja schon, dass es den guten alten Ordnungsdienst in den Schulen noch gibt. Aber der beschränkte sich ja auch zu meinen Zeiten schon lediglich auf Durchfegen, Blumen gießen und Tafel abwischen.
    Grundreinigung kann man das ja wohl kaum nennen. Besonders anrüchig ist ja, dass durch die nun fehlende Grundreinigung auch so etwas wie die Grunddesinfektion und -reinigung der sanitären Anlagen sowie des Kantinenbereiches und der Hausflure fehlen wird. Das heißt, es wird konkret nicht nur am baulichen Zustand der Schulen gespart, sondern jetzt auch am hygienischen.

    Und das finde ich z.B. weit schlimmer, als die Streichung der Bezahl-Bildungsangebote in Kitas zugunsten eines zwar weniger intensiven, dafür aber für alle Kinder zugänglichen Grundangebotes an kreativer und sprachlicher Bildung, wie vonseiten der Stadt geplant.

    • stefanolix sagt:

      Es gibt den Ordnungsdienst. Mein jüngeres Kind kann ein Lied davon singen ;-)

      Grundreinigung ist ganz anders definiert. Da wird ein Raum wirklich von allen Seiten gereinigt: Scheuerleisten, Fensterbretter — das ganze Programm. Und alles, was Du beschrieben hast. Lediglich für den Bereich der Schulspeisung gelten wohl (hoffentlich!) strengere Regeln.

      Zu den Bildungsangeboten in den Kindergärten habe ich mir noch keine fundierte Meinung gebildet. Dazu kommt vielleicht später in dieser Woche noch etwas.

  4. casus sagt:

    Argh. Ich könnt der Frau Jane virtuell an die Gurgel springen. ;-) Frau Jane, wenn frau von manchen Dingen keinerlei Peilung hat, sollte man einfach mal die Klappe halten. Frau Jane!!! Ja, ich bin schon wieder ruhig.

    Es ärgert mich nur gewaltig, nun nach FB zum 2. Mal auf Janes völlig ahnungsloses Geplapper zu stoßen. Auf Trolle reagiere ich nicht, deshalb ist mein emontionaler Kommentar eher ein (kritisches) Kompliment.

    Nein, ich werde mich nicht an mancher Verwässerung dieses Blogs beteiligen. Dieser Artikel hatte ein anderes Thema. Vielleicht gibt es einen gesonderten Arikel?

    • stefanolix sagt:

      STOP! Hier springt niemand! Natürlich hat man als langjähriger Vater einen gewissen Erfahrungsschatz in Sachen Erziehung, Schulwesen und Kinderbetreuung. Diese Erfahrungen kann Jane nicht gemacht haben. Darüber kann man aber reden, ohne sich gleich an die Gurgel zu gehen.

      Ich habe auch eine Weile gebraucht, bis ich die Ursache Deines virtuellen Ausbruchs gefunden habe (Verdacht auf »Verwässerung«). Ich werde mich diesem Thema noch stellen, aber jetzt ruft erst mal die Arbeit.

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