Gedankensplitter zur Bundesversammlung

30. Juni 2010

Joachim Gauck wird im ZDF-Livestream mehrfach mit dem Satz

Unser »Yes We Can!« hieß: »Wir sind das Volk!«

zitiert. Das stimmt nicht! Der Slogan »Yes We Can!« wurde von Obama für eine politische Kampagne geschaffen. »Wir sind das Volk!« entstand wirklich von unten. Besser kann man den Unterschied zwischen Top-Down und Bottom-Up nicht illustrieren.

Ironie der Geschichte: Der Yes-We-Can-Obama (»Change we can believe in«) hat bis heute kaum etwas von dem gebracht, was er angekündigt und versprochen hat. Er hat auch denen nichts gebracht, die so sehr an ihn geglaubt haben. Da hat Joachim Gauck wohl etwas danebengegriffen.


Ein weiteres oft gehörtes Motiv ist heute: »Da hat es wohl in den Regierungsfraktionen einige Wahlmänner und Frauen gegeben, die sich Luft machen wollten«. Man hört von Frust und Wut. Ein Politiker spekuliert über »Botschaften an Angela Merkel«.

Das ist sicher alles möglich, aber ich finde es erschreckend und beschämend. Dafür wurde doch die Bundesversammlung nicht einberufen. Wie wollen es diese Leute aus der CDU/FDP denn vor sich selbst begründen, wenn sie im zweiten oder dritten Wahlgang für Wulff stimmen?

Selbstverständlich ist jeder Delegierte in der Wahlkabine frei. Doch sind diese heimlichen Watschen für die Parteiführungen wirklich Teil der Demokratie, die wir uns bei den Demonstrationen mit »Wir sind das Volk!« gewünscht haben?



Blassblaue Blüten

30. Juni 2010
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Blassblaue Blüten am Straßenrand (30.06.2010).


Bundesversammlung

30. Juni 2010

Die Bundesversammlung hat noch gar nicht begonnen. Doch Zettel schreibt schon über eine Laudatio praecox und über die Zukunft mit dem neuen Bundespräsidenten.

Es wird wohl kaum Überraschungen geben. Was mich aber persönlich sehr wundert: warum lassen sich Abgeordnete und Delegierte von der Presse über ihr Wahlverhalten befragen? Es ist eine geheime Wahl und sie sollte auch geheim bleiben …



Angewandte Redundanz

29. Juni 2010

Ohne unsere fürsorgliche Obrigkeit wäre die Wirtschaft nicht, was sie heute ist. Und wenn ein Ministerium den Unternehmen mal richtig zeigen will, wie Wirtschaft funktioniert, kommt so etwas heraus ;-)


Quelle: BMWi-Leitfaden zum Erstellen einer Wissensbilanz (PDF).


Augustusroute

27. Juni 2010

Unsere Stadtverwaltung hat für den Fahrradverkehr weder Geld noch Ideen übrig. Aber für solche Sätze reicht es noch:

Die vom Fahrradverkehr auf dieser Route zu nutzenden Anlagen, die prioritär auf die Fußgängerinnen und Fußgänger ausgerichtet sind, sollten einerseits so gestaltet werden, dass sie die je nach den städtebaulichen Gegebenheiten notwendige Qualität für Fahrradfahrerrinnen und Fahrradfahrer sowohl in Bezug auf die Sicherheit und Konfliktvermeidung als auch den Fahrkomfort aufweisen, andererseits aber keine Attraktivität für den Durchgangsverkehr erhalten soll, da sie touristischen Charakter mit geringem Geschwindigkeitsniveau tragen soll. [Quelle: Vorlage V0277/09 für den Stadtrat]

Wer solche Sätze schreibt, will weder von den Stadträten noch von den Bürgern verstanden werden. Der Leser fragt sich am Ende des Satzes: worum geht es eigentlich?

Es geht um eine Kopfgeburt der Verwaltung: die »Augustusroute«. Diese Fahrradroute soll die Touristen vom Albertplatz über die Augustusbrücke bis zum Hauptbahnhof führen. Die Radfahrer würden dabei fast nur durch Fußgängerzonen fahren.

Das tun Dresdner Radfahrer auch heute schon. Aber wenn die Stadt Dresden explizit eine solche Route ausschreibt, dann werden sich auswärtige Touristen natürlich auf die Tauglichkeit der Route verlassen. Dass es dabei Konflikte geben könnte, scheint sogar der Stadtverwaltung aufgefallen zu sein:

Es wird vorgeschlagen, sie zunächst probeweise einzuführen und mögliche Konfliktsituationen zu analysieren.

Ich schlage zwei Dinge vor:

Der Stadtrat sollte die möglichen Konfliktsituationen vorher analysieren — wie es jeder vernünftige Mensch tun würde ;-)

Und die Stadtverwaltung sollte mit unserem knappen Geld nicht solche Bandwurmsätze produzieren — sondern lieber pro Satz zwei Meter Radweg sanieren lassen …


Konfliktzone: Klick vergrößert …

Wie kommen die Radfahrer von der Hauptstraße auf die Augustusbrücke?




Abendblicke

26. Juni 2010

Bevor ich nach einer sehr harten Woche einfach nur noch ins Bett falle, will ich noch drei Blicke vom Abendspaziergang zeigen:

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Drei Blicke von der Marienbrücke …


Desillusioniert

25. Juni 2010

Vorab: die Wahl zum Bundespräsidenten muss nicht »freigegeben« werden. Sie ist frei. — Es ist zwar schön, dass wir in Deutschland wieder mal darüber diskutieren, aber der bessere Kandidat hat keine Chance, weil sich die freien Abgeordneten dem Fraktionszwang unterwerfen.

Die Vorschläge zur Abschaffung des Fraktionszwangs kommen meist von Politikern im Unruhestand. Nach Kurt Biedenkopf haben sich auch zwei weitere altgediente Politiker zu Wort gemeldet:

Die beiden Alt-Bundespräsidenten Weizsäcker und Herzog plädieren für eine freie Wahl des Staatsoberhaupts. Die Delegierten in der Bundesversammlung sollten unabhängig von Partei- und Koalitionszwang abstimmen, fordern die Unionspolitiker. [Quelle]

Gerade solche erfahrenen Politiker sollten doch eigentlich wissen, dass es nichts bringt. Sie haben fast ihr ganzes Leben in der Politik verbracht …



Das ist ja wohl der Gipfel

24. Juni 2010

Preisfrage: Was blieb von Heiligendamm übrig — außer dem Bild im G8-Strandkorb? Gab es bis heute nennenswerte Ergebnisse?

Immerhin wurden einige dieser Spitzenpolitiker in der Zwischenzeit demokratisch abgewählt. Doch es geht weiter:

Zettel berichtet über die Kosten der G8/G20-Gipfel in Kanada: 648.500 Euro pro Minute. Was für eine Verschwendung! Wer setzt diesem Unsinn ein Ende?

Fast jeder Gipfel wird durch friedliche und gewalttätige Proteste begleitet. Ich bin gegen jede Art des gewalttätigen Protestes. Aber ich kann inzwischen sehr gut nachvollziehen, dass friedlich gegen diese Gipfeltreffen protestiert wird. Es ist eine derart ineffiziente und überflüssige Art der Scheinpolitik …

Ergänzung: Das Handelsblatt hat eine Bildergalerie: was könnte man alles mit diesem Geld bezahlen? Lasst Euch nicht durch die ersten Bilder abschrecken.



SPON-Schlagzeilen zur Fußball-WM

23. Juni 2010

Am Ende der Gruppenphase sind bisher vier Mannschaften in das Achtelfinale eingezogen: Uruguay und Mexiko, Argentinien und Südkorea. Die Ersten der beiden Gruppen haben es wohl sogar ziemlich überzeugend geschafft. Wie lauten seit gestern abend die Schlagzeilen bei SPON?

WM-Gruppe B
Rehhagels Griechen scheitern in der Vorrunde

Frankreichs WM-Aus
“Diese Leute haben unser Trikot besudelt”

Ich habe ja nun nicht viel Zeit für die Fußballspiele dieser WM und ich sehe mich eher als neugierig-interessierten Laien. Aber zumindest über den Durchmarsch der Argentinier in der Gruppe B gäbe es doch die eine oder andere positive Geschichte zu erzählen?



Die naiven Amerikaner?

22. Juni 2010

Manche Blogger und Journalisten machen sich gerade über eine Resolution des Senats von Louisiana lustig, in der zu einem landesweiten Gebet aufgerufen wird. Nun ist es ja ziemlich einfach, aus »Religion«, »Amerika« und »Sarah Palin« ein paar überhebliche Sätze zu produzieren.

Sicher ist niemand im Senat von Louisiana so naiv, dass er Gott um ein Wunder bitten wird — in der Art, dass plötzlich ein Pfropfen im Bohrloch steckt und dass die Strände durch das Wirken einer unsichtbaren Hand wieder sauber werden. Die Katastrophe wurde durch Menschen verursacht, also müssen Menschen damit zurechtkommen. Warum wurde trotzdem folgendes beschlossen?

WHEREAS, a day of unified, intercessory prayer, by and for those people living throughout the regions around the Gulf of Mexico, to pray for an end to this environmental emergency, sparing us all from the destruction of both culture and livelihood; [Quelle]

Man kann »intercessory prayer« wohl am besten mit »Fürbitten« übersetzen. Das gemeinsame Gebet stärkt die Motivation einer (virtuellen) Gemeinschaft von Gläubigen aus ganz unterschiedlichen Religionsgemeinschaften. Ich lese dort weniger die Bitte um eine schnelle Lösung des Öl-Problems heraus, sondern den Aufruf: wir dürfen uns unser Gemeinwesen nicht durch die Katastrophe kaputtmachen lassen.

Und darüber ist vielleicht nicht so leicht zu spotten wie über Sarah Palin und die naiv-gläubigen Amerikaner …


Ergänzung: Hier ist die Resolution im Volltext.


Blicke vom Brauhaus (1)

21. Juni 2010
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Blicke vom Brauhaus am Waldschlößchen auf Dresden (21.06.2010).


Brunnen im Abendlicht

20. Juni 2010
Delphinbrunnen

Delphinbrunnen (auf der Brühlschen Terasse) im Abendlicht.


Welche Zielgruppe?

19. Juni 2010
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Blick in ein Schaufenster am Schillerplatz (19.06.2010).


Wenn die Verwaltung mal nett sein möchte …

18. Juni 2010

Diese Perle der Verwaltungssprache ist in einer Pressemitteilung der Stadt Dresden zu finden:

Für die unbürokratische Wiederaufstellung der Plastik dankt die Dresdner Stadtverwaltung sowohl dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst als auch dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement.

Warum danken sie in dieser geschraubten Sprache für etwas Selbstverständliches?

Es geht um die Plastik »Großer trauernder Mann«, die der Bildhauer Wieland Förster den Opfern des 13. Februar 1945 gewidmet hat. Ich habe diese Plastik hier im Blog schon anlässlich des 13. Februar gezeigt. Bis vor kurzem stand sie noch am Zwinger.

Auf den folgenden beiden Bildern ist sie am neuen Standort zu sehen. Es war gestern schon ziemlich dunkel, auf einem Bild ist sie eher als Silhouette zu erkennen. Im Hintergrund sieht man die Zelte für das Rahmenprogramm zur Wiedereröffnung des Albertinums.

Trauernder Mann

Trauernder Mann

Die Plastik steht wieder an ihrem alten Platz.


Bilder im Kopf

17. Juni 2010

Selten kann ich eine Suchanfrage im Blog mit einem Bild beantworten. Beim Abendspaziergang hat es heute ganz zufällig geklappt: »bilder im kopf kunst« hieß die Suchanfrage und hier ist das Bild:

Malen und Denken … (Klick vergrößert).

Plastik zu einem Ausspruch von Caspar David Friedrich (17.06.2010).

Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sieht er also nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht.

Dieser Ausspruch des Meisters ist auf der Platte unten rechts zu sehen. Aber um den Spruch dort zu lesen, müsst Ihr Euch schon selbst auf die Brühlsche Terasse begeben. An WM-Abenden ist es dort richtig schön ruhig ;-)


Der Maler Georg Friedrich Kersting hat zwei Bilder von Caspar David Friedrich bei der Arbeit gemalt: Bild 1 und Bild 2. Diese Bilder haben den Bildhauer Wolf-Eike Kuntsche inspiriert.



Gegen Serbien: Es ist nur noch ein Fußballspiel

17. Juni 2010

Eigentlich wollte ich heute einen Zettel mit Hinweisen für ZDF-Moderatorinnen, Fußballer und Funktionäre veröffentlichen: Welche Sprüche sollte man vor und nach dem Spiel gegen Serbien vermeiden? Schließlich wäre es schade, wenn in der Presse wieder mehr über einen Versprecher als über das Spiel zu lesen wäre …

Ich habe mich in den letzten Tagen über manche Überschrift geärgert. Heute zum Beispiel in der DNN: »Schweiz demütigt Spanien«. Was für ein Blödsinn! Die Schweizer haben mit Glück und geschickter Verteidigung gewonnen. Von Demütigung konnte keine Rede sein.

Ich freue mich aber auch daran, dass es bisher relativ wenig Nationalismus gibt. Wenn man die Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Serbien betrachtet: da gab es ja sehr düstere Zeiten, in denen solche Parolen gang und gäbe waren.

Wenn ich über die Google-Suche alte Kriegs- und Propagandapostkarten aus der Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs finde, bin ich einfach nur entsetzt über soviel dummen Chauvinismus. Und die andere Seite hat ja in eine ähnliche Kerbe gehauen.

Heute ist es einfach nur ein Fußballspiel, in dem man ganz ohne Nationalchauvinismus für die eigene Mannschaft sein kann. Ich hoffe, dass wir morgen gewinnen und dass nachher niemand von Demütigung sprechen wird. Und so kann das jetzt meinetwegen bis zum Finale weitergehen ;-)



Orange gekleidete Blondinen

16. Juni 2010

In Südafrika wurde ja gerade eine bizarre Posse um niederländische Fans und angebliche Bierwerbung aufgeführt — ich weiß nicht, was ich davon halten soll und ich bin nicht sicher, wer dieses Spiel wirklich inszeniert hat.

Kann man ernsthaft eine Person dafür bestrafen, dass sie einen winzigen Aufnäher trägt? Wenn man das nicht kann, dann muss man aber auch 36 Frauen mit identischen winzigen Aufnähern in Ruhe lassen.

Es wird behauptet, das sei illegale Werbung gewesen. Doch wie viele T-Shirts mit Aufnähern oder Aufdrucken von Puma, Nike, Adidas oder Asics wurden auf den Zuschauerrängen in den Stadien getragen? WM-Sponsor ist wohl nur eines der Unternehmen …

Wir werden uns hier in Dresden dem gleichen Diktat der FIFA beugen müssen. Und das sehe ich eigentlich nicht ein. Dresden subventioniert die Weltmeisterschaften der Juniorinnen und der Frauen mit mehreren Millionen Euro. Dieses Geld könnten wir dringend für andere Dinge brauchen.

Wenn wir diese Spiele nun schon subventionieren, sollten sich aber auch alle Zuschauerinnen und Zuschauer nach eigenem Geschmack kleiden dürfen. Bleibt zu hoffen, dass unsere Polizei niemanden wegen einer solchen Lappalie verhaften würde … Eigentlich müsste man mal mit einem T-Shirt von »Radeberger« ins Stadion gehen und abwarten, was passiert ;-)


Ergänzung: Die Brauerei hat’s wohl provoziert: Es gab 2006 in Deutschland schon mal einen ähnlichen Fall.


Demokratie auf dem Plakat

15. Juni 2010

Der Kollege vom Dresdner Rand weist auf ein Plakat hin, das ich sonst immer nur beim Lauftraining wahrgenommen habe: Hier bestimmen Sie. Schöne Idee. Trotzdem: eine Regierung wie diese habe ich mir 1989/90 auch den nach langen Jahren der Helmut-Kohl-Kanzlerschaft nicht träumen lassen …



Dresdner Debatte

14. Juni 2010

Als ich Anfang der 90er Jahre in technischen Newsgruppen meine ersten Kontakte mit dem Internet hatte, gab es ganz wenige einfache Regeln:

Wenn Du in eine neue Gruppe kommst, dann höre erst mal den anderen zu. Schau Dir an, welche Themen schon behandelt wurden. Wirf einen Blick in die FAQ. Und dann schreibe Deinen ersten Artikel.

Daran musste ich denken, als ich auf die Dresdner Debatte aufmerksam wurde. Dort ist es nämlich anders. Man sieht als Blickfang zuerst ein Dialogfeld mit der Überschrift:

Debattieren – Wie wird der Neumarkt ein Platz für die Dresdner?

Das Debattieren steht hier fast schon im Imperativ. Wer könnte da widerstehen? Ich wende mich also dem Formular zu. Es gibt die Pflichtfelder Titel und Idee. Zusätzlich kann man auch noch ein Thema wählen und diese Auswahl macht mich etwas ratlos:

  1. Büros
  2. Gewerbe, Dienstleistungen, Handel
  3. Freizeit, Sport und Spiel
  4. Gastronomie
  5. Kultur (Museum, Kunst, Theater)
  6. öffentliche Einrichtung (Behörde, Schule etc.)
  7. Architektur und Gestaltung
  8. Wohnraum

Warum erklärt man mir in Klammern die Bedeutung der Optionen »Kultur« und »öffentliche Einrichtung«? Wenn mir das jemand erklären müsste, wäre ich doch falsch hier? ;-)

Ich möchte mich jedenfalls zuerst in die Diskussion einlesen und greife mir einen Vorschlag zur Begrünung des Platzes heraus. Jemand fordert mehr Grün und erhält von einem Moderator die Antwort:

Ich weise hier auf den bereits laufenden Dialog über die Begrünung des Neumarkts hin [Link]. Vielleicht mögen Sie sich dort weiterhin mit diesem Thema auseinandersetzen. Vielen Dank!

Es stellt sich schnell heraus: ähnliche Hinweise stehen unter vielen anderen Artikeln. Aber wenn eine Debatte solche Moderationen nötig hat — tut mir leid! — dann taugt die Technik nichts. Schon vor 20 Jahren gab es lange Gesprächsfäden und aufeinander bezogene Artikel. Seitdem wurden Foren und andere Diskussionsmöglichkeiten entwickelt. Warum muss ein Moderator den Bezug manuell herstellen? Warum sieht man den nicht?

Ich finde übrigens

Viele Grüße
Moderation Mustermann

etwas unpersönlich ;-)

Vielleicht liegt es an der mangelnden Übersichtlichkeit, dass nur sehr selten ein Dialog in Gang kommt. Vielleicht liegt es auch am prominent platzierten Eingabefeld. Ich kann mich jedenfalls mit der Seite nicht so recht anfreunden. Dort rufen viele in den Wald hinein. Aber anscheinend will kaum einer hören, was herausschallt …


Die Blogs Frank informiert, Umgebungsgedanken und Dresdner Rand haben schon auf die Webseite zur Dresdner Debatte hingewiesen.


Politisch korrekte Kommentare

13. Juni 2010

Hier ist der verspätete Artikel zu einem Nebenaspekt des gestrigen Spiels. Eigentlich muss man ja nur noch das Wort »Reichsparteitag« sagen, um zu wissen, was gemeint ist. Ich wollte das gestern kurz vor Mitternacht noch hochladen, aber da fehlte mir gerade die Verbindung.

Die Wendung »das ist ihm ein innerer Reichsparteitag« war (soweit ich das beurteilen kann) nie ein Nazi-Spruch. Es gab damals viele Sprüche und Witze, mit denen die Propagandamaschine der Nazis ironisch gebrochen wurde. Victor Klemperer hat in LTI dafür Beispiele gebracht. Nach der Machtergreifung hatten viele Menschen noch die Hoffnung, dass der Spuk bald ein Ende haben würde. Und im Zusammenbruch war der bittere Witz für die Menschen eine Überlebenshilfe.

Auch aus der Erfahrung mit der Diktatur in der DDR muss ich sagen: so reden eigentlich nie die Parteigänger eines Regimes, sondern eher die Distanzierten. Insofern halte ich es für Quatsch, der ZDF-Moderatorin eine rechtsradikale Einstellung oder einen rechtsradikalen Spruch zu unterstellen. Unprofessionell war es aber trotzdem. Denn der Spruch ist in Bezug auf einen Fußballer im Torjubel völlig deplaciert.



Poldis Fußballschuhe

12. Juni 2010

Beruflich bedingt übernachtete ich gestern in einer Unterkunft mit Fernseher und sah in der WM-Berichterstattung, wie eine Moderatorin mit den Fußballschuhen eines Stürmers zu einem südafrikanischen Medizinmann ging. Und ich dachte: das sollte man doch weder dem Medizinmann noch dem Fußballspieler zumuten. Den Schuhen eigentlich auch nicht …


Gruß nach Südafrika

11. Juni 2010

mit einer Blüte einer südafrikanischen Pflanze aus dem Botanischen Garten Dresden. Mögen die Besten gewinnen!

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Meine WM-Blüte ;-)


Eine überraschende Anpassung

10. Juni 2010

Nach der Wende haben wir ja in Sachsen viele Gesetze und Regelungen aus Baden-Württemberg übernommen. Jetzt wäre es wieder mal an der Zeit:

Wegen rückläufiger Bruttoverdienste in Baden-Württemberg insbesondere aufgrund der Kurzarbeit werden die Diäten der Abgeordneten des Landtags zum 1. Juli 2010 von derzeit 5.125 Euro um 1,53 Prozent auf 5.047 Euro pro Monat gekürzt. Auch verschiedene Pauschalen sinken. Grundlage hierfür ist das 2005 vom Parlament eingeführte Bemessungsverfahren, wonach die Anpassung der Abgeordnetenentschädigung an die allgemeine Kostenentwicklung gekoppelt ist. [Quelle]

Im zitierten Absatz der Pressemitteilung auf der Webseite ist ein kleiner Fehler. Die Entschädigung der Abgeordneten verändert sich entsprechend der Einkommensentwicklung. Die Kostenpauschalen verändern sich entsprechend der Kostenentwicklung. Im zweiten Absatz ist es verständlicher formuliert. — Ich finde das jedenfalls gut. Sachsen sollte sich ein ähnliches Gesetz geben.



Dresdner Abfallbilanz

9. Juni 2010

In Dresden gibt es immer noch zu viel Müll. So könnte man die Abfallbilanz der Stadt in einem Satz zusammenfassen. — Das Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit könnte wirklich besser sein. Es wird zum Beispiel beklagt, dass zu viel Elektroschrott und Sondermüll im Restmüll landen. Darüber wird später noch zu reden sein.

Doch in der Dresdner Stadtpolitik wird gerade noch viel größerer Müll produziert. Das Problem:

Wie bereits in den Vorjahren ging auch 2009 die kommunal gesammelte Altpapiermenge weiter zurück. 2.756 Tonnen Altpapier weniger gelangten in die Wertstoffcontainer der Stadt. Vergleicht man die Sammelmenge mit der aus dem Jahr 2005, so verlor die Stadt knapp die Hälfte des Altpapieraufkommens. Gründe sind die von privaten Entsorgern aufgestellten Blauen Tonnen und Aufkaufstellen.
[Quelle: Pressemitteilung der Stadt Dresden.]

Die Lösung: Man verbietet privaten Entsorgern, den Papiermüll abzuholen. In der Logik der bevormundenden Politiker kann es natürlich keine andere Möglichkeit geben. Pikant an der Sache ist: diesen Müll hat ausgerechnet der Umweltausschuss des Stadtrats beschlossen.

Wie sieht es denn in der Praxis aus? Hier in Striesen und Blasewitz wurde bis zur Einführung der Blauen Tonne auch schon sehr viel Papier gesammelt. Doch die zentralen Sammelplätze der Stadt waren chronisch überlastet und verschmutzt. Das führte zu einem regelrechten Mülltourismus: Autofahrer kreisten durch die Straßen, um noch irgendwo ein Plätzchen auf einem überfüllten Container zu finden und nachher mit schlechtem Gewissen nach Hause zu fahren. Und ich als Fahrradfahrer mit sehr hohem Altpapieraufkommen hatte sowieso das Nachsehen.

Warum? Weil die Stadt ein Monopol auf die Altpapier-Entsorgung hatte und weil die privilegiert beauftragten Firmen einfach kein Interesse an einer schnellen Entsorgung des Materials haben. Monopole sind immer schlecht für den Bürger: man hat unnötige Kosten, unnötigen Aufwand und unnötigen Ärger.

Doch Monopole sind auch schlecht für die Umwelt. Bei der Suche nach einem aufnahmefähigen Container wird viel Kraftstoff verbrannt. Denn die meisten Bürger sind nicht willens oder in der Lage, mit vielen Kilogramm Altpapier durch die Gegend zu laufen oder durch die Straßen zu radeln.

Und auch Lösungen für eine bessere Trennung des Elektroschrotts sind von staatlich eingesetzten Monopolisten nicht zu erwarten. Diese Lösungen gibt es aber: Private Anbieter können beispielsweise Tonnen aufstellen, in denen man Wertstoffe und alte Haushaltsgeräte entsorgt. Die Technik der Mülltrennung ist inzwischen so weit entwickelt, dass sie mit dem Inhalt der Tonnen zurechtkommt. Aber daran haben natürlich nur marktwirtschaftlich orientierte Unternehmen Interesse …

Durch private Initiative wurde übrigens auch das Problem der überlasteten zentralen Container gelöst. Seit es die Blauen Tonnen gibt, wird dort gerade so viel Material entsorgt, wie die Container wirklich aufnehmen können. Denn nach wie vor fahren einige Bürger mit Glas und Papier direkt zum zentralen Standort. So könnten eigentlich alle mit der Lösung zufrieden sein ;-)



Auflösung des Fußrätsels

8. Juni 2010

Figurengruppe »Mittag« mit dem sandalentragenden Jüngling.


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