Dresden macht Schule?

An allen Dresdner Schulen gibt es Elternvertreter. Diese Elternvertreter wählen den Kreiselternrat. Der Kreiselternrat Dresden setzt sich als gewählte Elternvertretung für eine Verbesserung der Situation an den Dresdner Schulen ein. Jetzt zeigt der Kreiselternrat auch Bilder aus Dresdner Schulen, auf denen Bauschäden und Mängel zu sehen sind.

Die Dresdner Schulen stehen schlecht da. Alle etablierten politischen Parteien im Landtag und im Stadtrat tragen gemeinsam dafür Verantwortung: mit ihren ungedeckten Versprechungen im Wahlkampf, mit ihrer Verschuldungspolitik, mit ihren Prestige-Objekten, mit ihrem Versagen bei der Kontrolle der Landesbank.

Es fehlt an Geld und das Engagement der Eltern wird nicht genügend für die Schulen nutzbar gemacht.

Alle etablierten Parteien tragen dafür Verantwortung. Das wissen sie auch. Doch es war trotzdem nur eine Frage der Zeit, bis die Zustände an den Dresdner Schulen parteipolitisch ausgenutzt werden würden. Eine Oppositionspartei hat nun die Seite »Dresden macht Schule« an den Start gebracht. Dort werden plakativ ein paar Bilder von Bauschäden an Dresdner Schulen veröffentlicht.

Das ist nicht glaubwürdig. Genauso könnte eine andere Partei die Bilder von sanierten Schulen zeigen und als ihren Erfolg verbuchen. Doch das Gezerre der etablierten Parteien bringt uns nicht weiter. Alle Proteste und Aktionen für unsere Kinder sollten überparteilich und unabhängig organisiert werden — von denen, die es wirklich betrifft. Sonst sind sie zum Scheitern verurteilt.


[Ergänzung am 10. Juni 2010]: Die Betreiber haben die Seitenstruktur geändert und alle (auch meine) Kommentare sind verschwunden.


Advertisements

22 Responses to Dresden macht Schule?

  1. stefanolix sagt:

    Ich habe folgenden Kommentar auf der Seite hinterlassen (eine leichte Abwandlung meines Artikels):

    Alle etablierten Parteien tragen dafür Verantwortung. Das wissen Sie als Betreiber dieser Seite auch.

    Hier werden plakativ einige Bilder von Bauschäden an Dresdner Schulen veröffentlicht. Genauso könnte eine andere Partei die Bilder von sanierten Schulen zeigen und als ihren Erfolg verbuchen.

    Doch das Gezerre der etablierten Parteien bringt uns nicht weiter. Alle Proteste und Aktionen für unsere Kinder sollten überparteilich und unabhängig organisiert werden — von denen, die es wirklich betrifft. Und nicht von einer Partei, die letztlich mitverantwortlich ist. Denn an der Verteilung der Ressourcen (»Fördermittel«) sind Bund, Freistaat und Stadt beteiligt.

    Alle etablierten politischen Parteien tragen gemeinsam Verantwortung für diese Bilder: mit ihren ungedeckten Versprechungen im Wahlkampf, mit ihrer Verschuldungspolitik, mit ihren Prestige-Objekten, mit ihrem Versagen bei der Kontrolle der Landesbank.

    Mal sehen, ob sie ihn freischalten.

  2. Gerit Thomas sagt:

    Der Kreiselternrat Dresden zeigt nicht erst seit gestern die Bilder über Zustände an Dresdener Schulen sondern tut dies seit 6 Jahren mit unterschiedlicher öffentlicher Aufmerksamkeit. Dass die Probleme jetzt überhaupt wahrgenommen werden ist das Resultat jahrelanger Vorarbeit. Im Übrigen war ich vor Annett Grundmann 6 Jahre lang Vorsitzende des KER.

    Leider haben auch diese demokratischen Organisationen ihre Grenzen.

    Auch Elternvertreter engagieren sich in Parteien.

    • stefanolix sagt:

      Das ist mir bekannt. Ich sehe es trotzdem [in Bezug auf jede Partei!] sehr kritisch, ein solches Anliegen parteipolitisch auszunutzen. Das mag kurzfristig ein paar Stimmen bringen, aber es schadet dem Anliegen. Es ist kein nachhaltiges Vorgehen.

      Herr Vorjohann hat durchaus intelligent provoziert.

      Die legitime Elternvertretung muss jetzt das Bestmögliche aus der Aufmerksamkeit machen. Der Druck der Eltern könnte viel größer sein als der Druck der Dynamo-Fans. Das Anliegen ist auch ungleich wichtiger. Aber es darf nicht parteipolitisch ausgenutzt werden!

    • stefanolix sagt:

      Es gibt in dieser Sache keine eindeutige Schuldzuweisung an eine Partei.

      Die gewählten Stadträte haben in den letzten 20 Jahren oftmals anderen Dingen Priorität gegeben. Da war für alle Interessengruppen etwas dabei. Und wenn ich alle sage, dann meine ich das auch so.

      Doch über versunkene Kosten muss man nicht mehr reden. Das Geld kommt nicht mehr zurück.

      Bevor die üblichen Verdächtigungen wieder aufkommen: ich gehöre zu keiner politischen Partei und ich unterstütze keine politische Partei. Ich kritisiere die Polemik auf der Grünen-Webseite, weil ich aus Überzeugung gegen die parteipolitische Vereinnahmung der Elternvertreter bin. Ich kritisiere genauso die leeren Sprüche der Oberbürgermeisterin in ihrer 2025er-Präsentation auf der »Bürgerversammlung«. Weil beides für unsere Kinder nichts bringt.

  3. Gerit Thomas sagt:

    „Der Druck der Eltern könnte viel größer sein …“ Könnte. Ist er aber nicht. Und deshalb muss die Unterstützung breiter sein.

    Gerade weil KEIN Wahlkampf ist.

    • stefanolix sagt:

      Und für mich ist »breit« notwendigerweise überparteilich. Warum muss jedes Thema im kleinlichen Dresdner Stadtgezänk (der etablierten Parteien) enden?

  4. casus sagt:

    Liebe Gerit,

    wir kennen uns und vielleicht ahnst Du auch, wer sich hinter diesem nickname verbirgt.

    Ich muss mich der Auffassung von @stefanolix anschließen. Ich finde es schade, dass diese wichtige Anliegen nun in den Schatten von Parteipolitik gestellt wird. Das verbreitert nicht die Basis für das Anliegen, sondern es schmälert sie. Da gibt es bessere Ansätze. Du kennst doch mindestens 2 Leute, die effizientes gourilla marketing lieben…

    Ist der „Herausgeber“ später hinzugekommen oder habe ich ihn anfangs übersehen?

    • stefanolix sagt:

      Dresdner Parteipolitik vom Feinsten:

      Gerit Thomas, die auch Elternvertreterin am Gymnasium Cotta und Ortsbeirätin ist, formuliert dazu die Ausgangslage: „Dresden hat dringend eine bildungspolitische Debatte nötig. 20 Jahre CDU-Herrschaft haben Spuren hinterlassen: Die Landeshauptstadt erfüllt ihre Pflichtaufgaben als Träger von Schulen und Kitas nur widerwillig oder gar nicht. Zukunftsfähigkeit ist in diesem Bereich ein Fremdwort.

      (Hervorhebung von mir).

    • Gerit Thomas sagt:

      Die Antwort findet sich an anderer Stelle.

  5. casus sagt:

    Nun, muss man das als ParteivertreterIn das so zugespitzt darstellen? Dann macht man eben Parteipolitik. Für die eigene Partei und ihre Anhänger. Den Inhalt der Aussage möchte ich jetzt mal nicht kommentieren.

    Allerdings habe ich den Eindruck, dass die hervorgehobenen Formulierungen die Politikverdrossenheit fördern und die Zahl der Nichtwähler erhöhen, weil es die eigentlich richtigen Sachanliegen mit Parteivokabeln gewürzt werden.

    Gilt übrigens ausdrücklich für alle Parteien. In Unternehmen würde dies als Betriebsblindheit bezeichnet. Tunnelblick ohne Kundenorientierung. Mit anderen Worten: Keine Umsatzerhöhung. Neukundengewinnung beim Wettbewerber nicht erfolgreich. Sorry für diese betriebswirtschaftliche Analogie. Meint übersetzt am o.g. Beispiel:

    Das gut gemeinte Ziel wird vom Wähler als Parteipolitik abgetan und nicht ernst genommen. Konservative Wähler, die dieses Sachthema für wichtig und richtig erachten, werden verschreckt und nicht gewonnen. Das sachliche Ziel wird nicht erreicht, weil die parteipolitisch übergreifende Unterstützung fehlt.

    Schade. Wenn der Begriff nicht schon völlig fehlbesetzt wäre: Es fehlt die Partei neuen Typs.

    • stefanolix sagt:

      Das ist mein persönliches Blog und deshalb werde ich jetzt einfach meinen persönlichen Traum posten — geschrieben habe ich daran keine halbe Stunde, weil er mir schon den ganzen Tag im Kopf herumgeht.

      Ich habe einen Traum — dass eines Tages vor dem Rathaus ein Stadtrat stehen wird und im Namen aller anderen Stadträte sagt:

      Wir haben uns geirrt.

      Wir haben Euch mehr versprochen, als wir uns leisten können, weil wir zur Wahl Eure erste Stimme brauchten.

      Wir haben die Zukunft der Kinder aufs Spiel gesetzt,
      weil wir zur Wahl Eure zweite Stimme wollten.

      Und wir haben die Kinder in den Schmutz des Wahlkampfs gezogen, weil wir die dritte Stimme nicht den anderen überlassen konnten.

      Wir werden uns im Stadtrat wohl immer über Brücken und Straßen, über Läden, Radwege und Subventionen streiten,
      aber wir werden nicht mehr mit der Zukunft unserer Kinder spielen.

      Hier ist der Beschluss.

      Ich habe einen Traum — dass an diesem Tag vor dem Rathaus ein Bürger aufstehen wird und im Namen der anderen Bürger sagt:

      Wir haben uns auch geirrt.

      Wir wollten die Versprechungen,
      wir haben sie bekommen
      und brav unsere Kreuzchen gemacht.

      Wir wollten die Wahrheit nicht sehen,
      bis dem Kind der Balken fast auf den Kopf fiel.

      Wir wollen jetzt nicht mehr darüber diskutieren,
      wer am meisten versprochen hat, denn gekungelt haben wir alle.

      Wir wollen jetzt darüber reden, was wir für unsere Kinder tun können und dann wollen wir es tun.

      Ich glaube, es fehlt nicht die Partei neuen Typs. Es fehlt erst mal eine Einstellung neuen Typs. Aber das ist, wie gesagt, nur meine ganz persönliche Meinung.

  6. casus sagt:

    I have a dream.

    Wir können keine aufgeklärte Demokratie sein, wenn eine große Bevölkerungsgruppe ignoriert wird. [Martin Luther King]

    „Predigen ist für mich ein dualer Prozess. Einerseits muss ich versuchen, die Seele eines jeden Einzelnen zu verändern, damit sich die Gesellschaft verändern kann. Andererseits muss ich versuchen, die Gesellschaft zu verändern, damit sich jede einzelne Seele verändern kann. Darum muss ich mir über Arbeitslosigkeit, Slums und wirtschaftliche Unsicherheit Gedanken machen. [Martin Luther King]

    Träume sind Leben. Manches, was MLK gesagt hat, kann man auf die heutige Zeit in Dresden adaptieren. Der Stillstand liegt auf beiden Seiten. Politiker wie Bürger. Geschimpft wird immer nur auf Poltiker. Was Inhalte betrifft, zurecht.

    Einstellungen zu ändern, dauert. Und manchmal sind Träume Schäume. Aber es gibt auch Überraschungen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Zuletzt die Hoffnung auf Demokratie. Im wahrsten Sinne des Wortes.

  7. randOM sagt:

    Seltsame Dislkussion über Parteipolitik. Geht es bei Parteien nicht genau darum, Politik für sein Klientel zu machen? Es ist also von entscheidender Wichtigkeit, wer denn nun das Klientel ist…
    Als Partei legt man, auch zum eigenen Nutzen, halt mal den Finger in die Wunde, was sonst? Das geht natürlich besonders gut, wenn man wie die sächsischen Grünen den kritisierten Zustand nicht zu verantworten hat. Wo ist das Problem?
    Die (Achtung Provokation) Diskussion um die Waldschlösschenbrücke war auch eine rein parteipolitische. Argumente hatten da wenig Platz. Nur ging es da um eine Sache, bei der man verschiedener Meinung sein konnte. Bei den Schulen dürften sich ja alle einig sein, dass die in einem vernünftigen Zustand sein sollten, damit die Kinder auch Spaß am Lernen haben. Übrigens finde ich die Bilder auf obiger Seite ziemlich lahm. Da habe ich schon wesentlich Schlimmeres live gesehen…

    Hier mal noch ein Link zum Thema: http://www.schulruine.de/

  8. stefanolix sagt:

    Doch, die Grünen stecken in unserem parlamentarisch-demokratischen System genauso mit drin. Ich will jetzt gar keine Diskussion vom Zaun brechen, wo Grüne, Gelbe, Schwarze, Rote oder Dunkelrote ihre Interessen und Themen durchgesetzt haben.

    Denn ich will nicht stundenlang Solar-Milliarden gegen Beton-Milliarden oder Personal-Milliarden aufrechnen. Das Geld ist ohnehin weg.

    Tatsache ist: jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden und für die Schulen wurde zu wenig ausgegeben. Alle Parteien hängen dort mit drin.

    Und weil es eine Sache ist, die alle politischen Lager angeht und interessiert, ist es IMHO billig, dass sich die Grünen auf Kosten der CDU profilieren. Die Finanzsysteme von Bund, Freistaat und Land Kommune sind eng miteinander verquickt. Und der heutige Zustand ist in den letzten 20 Jahren entstanden.

  9. […] Stefanolix gab es vor einigen Tagen einen Beitrag zum Thema der vielerorts notwendigen Schulhaussanierung mit anschließender Diskussion, die wie immer recht heftig ausfiel. Anlass war die Schaltung der […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: