Das ist ja wohl der Gipfel

Preisfrage: Was blieb von Heiligendamm übrig — außer dem Bild im G8-Strandkorb? Gab es bis heute nennenswerte Ergebnisse?

Immerhin wurden einige dieser Spitzenpolitiker in der Zwischenzeit demokratisch abgewählt. Doch es geht weiter:

Zettel berichtet über die Kosten der G8/G20-Gipfel in Kanada: 648.500 Euro pro Minute. Was für eine Verschwendung! Wer setzt diesem Unsinn ein Ende?

Fast jeder Gipfel wird durch friedliche und gewalttätige Proteste begleitet. Ich bin gegen jede Art des gewalttätigen Protestes. Aber ich kann inzwischen sehr gut nachvollziehen, dass friedlich gegen diese Gipfeltreffen protestiert wird. Es ist eine derart ineffiziente und überflüssige Art der Scheinpolitik …

Ergänzung: Das Handelsblatt hat eine Bildergalerie: was könnte man alles mit diesem Geld bezahlen? Lasst Euch nicht durch die ersten Bilder abschrecken.


16 Responses to Das ist ja wohl der Gipfel

  1. Frank sagt:

    Es wurde ja auch damals schon kritisiert, dass es wesentlich preiswerter ausgefallen wäre, wenn sich „die da oben“ lieber ein teures Kreuzfahrtschiff gechartert hätten, statt einen ganzen Ort einzuzäunen. So wären sie auch von Kritikern abgeschirmt geblieben (die wollen sie ja so oder so nicht sehen) und die Polizisten hätten zu Hause bleiben können.

    • stefanolix sagt:

      Ich würde ihnen auch von Herzen einen Aufenthalt auf einer Südsee-Insel gönnen, wenn man damit die Kosten drastisch senken könnte. Wettbewerb ist an sich gut, aber dieser Wettbewerb der Länder um den größten und schönsten Gipfel wird nur auf Kosten der Steuerzahler ausgetragen …

      • tigger sagt:

        Man könnte ihn auf einen echten Gipfel verlegen, das wäre günstiger, denn die Kosten sind ja hauptsächlich in den Sicherheitsvorkehrungen begründet.

      • Frank sagt:

        Einen „echten Gipfel“? Da würde ich spontan den K2 vorschlagen. Das klingt irgendwie schon mal dramatischer als „G8“ und ich wäre auch sehr gespannt, wie sich die Merkel dabei macht. Wenn alle Beteiligten es dann bis hoch geschafft hätten, wären sie auch so fertig, dass sie kaum noch reden könnten und sich deshalb auf das Nötigste beschränken würden. Das würde die Ökonomie des Treffens noch weiter fördern!

  2. stefanolix sagt:

    Hat man wirklich weniger Sicherheitskosten, wenn man all die Politiker auf den Gipfel transportieren lässt? Immerhin bekäme der Begriff »Sherpa« für assistierende Staatssekretäre endlich einen neuen Sinn ;-)

    • tigger sagt:

      Natürlich wäre das günstiger. Da muss man keine Gullis zuschweissen, und keine Hundertschaften an Polizisten für einen Sperriegel heranziehen, und linke „Anti“-Faschos werden, wenn sie überhaupt aufmarschieren, auch nicht viel beschädigen können.

      Einfach die Staatsmänner mit dem Hubschrauber hochfliegen, und wieder abholen.

  3. Antifa sagt:

    Die Frage sollte vielmehr die sein, wann solche Treffen jemals auch nur im Ansatz die Kosten gerechtfertigt haben. Die ausufernden Sicherheitskosten stehen ja auch in keinem Verhältnis mehr zu den eigentlichen Protesten. Ein interessanter Artikel dazu: Weltwirtschaftsforum am Ende? Gut, da geht es um Davos, aber übertragbar ist das durchaus auch auf andere ergebnislose Gipfeltreffen der vergangenen Jahre. Das beste Beispiel war die gescheiterte Klimakonferenz in Kopenhagen im Winter.

    Zu dem Thema erscheint die Tage auch ein guter Film über die Ereignisse des WTO-Treffens 1999 in Seattle.

    • stefanolix sagt:

      Wann hat es sich mal gelohnt? Mir fallen spontan die Abrüstungsgipfel zwischen Gorbatschow und den amerikanischen Präsidenten ein.

      • Antifa sagt:

        Das hat ja a) nun eher wenig mit den G20/G8/WTO/IWF etc. Gipfeln zu tun und b) war zu einer Zeit der Blockkonfrontation die es so schon lange nicht mehr gibt.

      • stefanolix sagt:

        Stimmt. Und so war die Antwort ja auch eine Antwort ;-)

        Es sollte einmal im Jahr eine UNO-Vollversammlung zum Anlass genommen werden, dass sich Staatschefs in beliebigen Gipfel-Gruppen treffen können. In New York hat man Erfahrungen mit solchen großen Veranstaltungen …

  4. KurtE sagt:

    Vom „Heiligendamm Summit“ bleibt zum Beispiel ein Dokumentarfilm, den ich vorigen Monat hier http://www.droppingknowledge.org/bin/home/home.page entdeckte.
    Die Doku ist handwerklich und inhaltlich gut gemacht und deshalb sehenswert. Sie ist eine schöne Ergänzung zu den ganzen
    Strandkorbbildern.

  5. Frank sagt:

    Gerade über die „Nachdenkseiten“ gefunden: Wortbruch – Die G8-Staaten und ihre Versprechen

    • stefanolix sagt:

      Liegt es vielleicht an der Wirtschafts- und Schuldenkrise?

      Gegenüber der eigenen Bevölkerung werden ja auch viele Wahlversprechen wieder einkassiert. Oft muss umgeplant oder gestreckt werden. Eine Zusage an ärmere Länder ist aus dem Mund unserer Spitzenpolitiker erst mal nichts anderes als eine Art Wahlversprechen.

      Und dann fehlt immer irgendwo das notwendige Geld.

      An einem ganz einfachen Beispiel: nahezu 100% aller Investitionen in den ÖPNV Sachsens fließen in den Leipziger Tunnel, weil der viel teurer wird als geplant. Alle anderen Projekte müssen warten. Die DVBAG kann in Dresden viele Strecken nicht sanieren, weil Sachsen das Geld nicht gibt, weil der Freistaat jeden Euro eben nur einmal ausgeben kann.

      Was wir hier in Sachsen im Kleinen sehen, wird wohl im Großen nicht anders sein. In allen Haushalten wird dauernd umgeplant, in allen Staaten erhöhen sich immer wieder die Defizite.

      • Frank sagt:

        Könnte man so sehen, aber dann kann man sich mit so einer (willkommenen?) Krise auch bestens aus allem herausreden. Dann braucht man auch gar keine Zusagen erst zu machen. Oder man sollte sagen: Unterstützung unter Vorbehalt, wenn nichts dazwischenkommt und schönes Wetter ist. Abgesehen davon gab es so etwas auch vor der Krise bereits, dass erst große Unterstützungen zugesagt wurden, aber dann vieles im Sand verlief. Ohne dass ich mit konkreten Zahlen aufwarten kann, fällt mir spontan das letzte große Erdbeben-Unglück im Iran ein. Danach wurden auch große internationale Hilfs-Zusagen gegeben, aber eingetroffen ist bis heute nur wenig.

      • stefanolix sagt:

        Da würde ich aber gern alle Seiten hören. Die Bilanzierung solcher Aktionen ist immer von sehr vielen Interessen geleitet.

        Bei einer Erdbebenkatastrophe geht es doch meist am Anfang um Spezialkräfte und Technik, die kein Land in ausreichender Menge haben kann. Also fliegt man Spezialisten und Geräte ein.

        Beim Aufbau kommt es dann darauf an: hat es ein reiches oder ein armes Land getroffen? Iran ist ein relativ reiches und sehr stolzes Land. Ich weiß nicht, ob sie sich bei den ganz normalen Wiederaufbaumaßnahmen wirklich etwas schenken lassen würden. Ich lasse mich aber gern von Experten korrigieren.

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