Augustusroute

Unsere Stadtverwaltung hat für den Fahrradverkehr weder Geld noch Ideen übrig. Aber für solche Sätze reicht es noch:

Die vom Fahrradverkehr auf dieser Route zu nutzenden Anlagen, die prioritär auf die Fußgängerinnen und Fußgänger ausgerichtet sind, sollten einerseits so gestaltet werden, dass sie die je nach den städtebaulichen Gegebenheiten notwendige Qualität für Fahrradfahrerrinnen und Fahrradfahrer sowohl in Bezug auf die Sicherheit und Konfliktvermeidung als auch den Fahrkomfort aufweisen, andererseits aber keine Attraktivität für den Durchgangsverkehr erhalten soll, da sie touristischen Charakter mit geringem Geschwindigkeitsniveau tragen soll. [Quelle: Vorlage V0277/09 für den Stadtrat]

Wer solche Sätze schreibt, will weder von den Stadträten noch von den Bürgern verstanden werden. Der Leser fragt sich am Ende des Satzes: worum geht es eigentlich?

Es geht um eine Kopfgeburt der Verwaltung: die »Augustusroute«. Diese Fahrradroute soll die Touristen vom Albertplatz über die Augustusbrücke bis zum Hauptbahnhof führen. Die Radfahrer würden dabei fast nur durch Fußgängerzonen fahren.

Das tun Dresdner Radfahrer auch heute schon. Aber wenn die Stadt Dresden explizit eine solche Route ausschreibt, dann werden sich auswärtige Touristen natürlich auf die Tauglichkeit der Route verlassen. Dass es dabei Konflikte geben könnte, scheint sogar der Stadtverwaltung aufgefallen zu sein:

Es wird vorgeschlagen, sie zunächst probeweise einzuführen und mögliche Konfliktsituationen zu analysieren.

Ich schlage zwei Dinge vor:

Der Stadtrat sollte die möglichen Konfliktsituationen vorher analysieren — wie es jeder vernünftige Mensch tun würde ;-)

Und die Stadtverwaltung sollte mit unserem knappen Geld nicht solche Bandwurmsätze produzieren — sondern lieber pro Satz zwei Meter Radweg sanieren lassen …


Konfliktzone: Klick vergrößert …

Wie kommen die Radfahrer von der Hauptstraße auf die Augustusbrücke?



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11 Antworten zu Augustusroute

  1. Jane sagt:

    Hm, über die Ampel an der Großen Meißner?

    • stefanolix sagt:

      Oder durch den Tunnel? ;-)

      Das ist doch keine Fahrradroute, wenn ich dauernd absteigen muss oder die Fußgänger beeinträchtige. Man müsste die Route spaßeshalber mal abfahren. Am besten mit dem durchschnittlichen Gepäck eines Radtouristen …

  2. Jane sagt:

    Allerdings ist das eh immer so eine Sache mit den “gemeinsam nutzbaren Anlagen”. Siehe Albertplatz: Alle Ampelanlagen sind deutlich in Bereiche für Radfahrer (erkennbar an der Radfahrer-Ampel und den Richtungspfeilen auf der Straße) und Fußgänger (Fußgängerampel) unterteilt. Das Ding ist nur: Keinen interessiert’s. Am Fahrradübergang, der direkt vom Radweg aus einmündet, stehen ständig Fußgänger rum und regen sich auf, wenn man zu dicht vorbeifährt. Genauso fahren ständig Radler über die Fußgängerampel. Man wird sich wohl halt irgendwie arrangieren müssen.

  3. Claudia sagt:

    Der Mensch, der den Bandwurmsatz verfaßt hat, hat ihn offenbar selbst nicht verstanden – denn im letzten Fünftel des Satzes stehen die Verben im Singular, obwohl ein Plural erforderlich ist.
    Wenn man das Photo großklickt, kann man links neben dem Gebäude an einem Mast ein blaues Schild mit einem weißen Zeichen erkennen. Ich vermute, es handelt sich um die Anweisung, wie Radfahrer hier zu fahren haben.

  4. KurtE sagt:

    Auf der Hauptstraße und der Augustusbrücke hat man als Fußgänger gute Chancen, in einen Unfall mit einen Rad verwickelt zu werden. Ich hab echt keine Ahnung, wie das entschärft werden soll, außer man asphaltiert die denkmalgeschützten(?) Pflastersteine für die Radfahrer.

    Und ob so eine Vorlage lesbar ist, ist erstmal egal. Hauptsache ist, der/die verantwortliche RathausmitarbeiterIn wird nicht angezählt, weil sie/er gegen das Schänder Mähnstrieming verstoßen hat und nicht in geschlechtergerechter Sprache schrieb.
    Da soll es doch jetzt diesen rathausinternen Wettbewerb um den Wanderwimpel “Herrovagendes Kollektiv der geschlechtergerechten Anwendung des Gender Mainstreaming im Rahmen der allgemeinen und speziellen Verwaltungs- und Bürgerarbeit” kurz “Gender Favorit” geben. Der Wimpel ist mit dem Logo “Gender Favorit” bedruckt und wird im Rahmen eines Kaffeetrinkens mit der GleichstellungsbeauftragtinnIn und der OberbürgermeisterInn (immerhin die ehemalige FrauenministerIn von Sachsen) verliehen.
    Näheres findet sich auf der HomepageIn der LandeshauptstadtIn DresdenIn: http://www.dresden.de/de/02/035/gender/02_umsetzungsprozess.php

    • stefanolix sagt:

      Oh, da gibt es noch einiges zu verbessern. Da steht zum Beispiel »der Fahrradverkehr«. Das geht ja gar nicht. Mehr als die Hälfte aller Strecken wird auf DamenFrauenfahrrädern zurückgelegt. Wir brauchen unbedingt neue Begriffe ;-)

      Mit einem wunderschönen Fundstück zur Umsetzung dieser Prozesse hatte ich mich schon mal beschäftigt. Wir haben anscheinend keine anderen Probleme in Dresden …

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