Wie im Mittelalter?

Kaum sichtbar hinter all den Artikeln über Wahl- und Fußballspiele kam heute eine interessante Meldung: ein katholisches Krankenhaus wirft einen Arzt raus — weil der ein zweites Mal heiratet.

Es mag sein, dass dieses Urteil Bestand hat. Legitim ist die Kündigung trotzdem nicht. Im Sinne unseres Grundgesetzes, im Sinne der Trennung von Staat und Kirche und im Sinne der Freiheit muss endlich mit einer Reform der zugrundeliegenden Gesetze begonnen werden. Das wäre doch mal eine Aufgabe für eine liberale Justizministerin?


Advertisements

7 Responses to Wie im Mittelalter?

  1. Antifa sagt:

    Beim allem Verständnis für die Trennung, aber wenn es sich um ein katholisches Krankenhaus handelt, dürfte das Verhalten doch nachvollziehbar sein. Ich kauf doch auch keine Brötchen beim Fleischer und beschwer mich danach, dass sie nach Schwein geschmeckt haben.

    • stefanolix sagt:

      Ich denke schon, dass man die Rolle der Kirche[*] als Arbeitgeber differenziert betrachten sollte. Für Priester und Bischöfe können sehr harte Regeln durchgesetzt werden, weil sie das Evangelium verkündigen und Seelsorge betreiben. Der Arzt war aber lediglich bei einem kirchlichen Träger angestellt.

      Dieses Krankenhaus wird vermutlich im wesentlichen aus Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern finanziert. Es gibt andere Fälle (wie z.B. Kindergärten und Schulen), wo man das genauer beziffern kann. Und um solche Fälle der Kirche als Arbeitgeber geht es mir.

      [*] bzw. eines kirchlichen Trägers.

    • stefanolix sagt:

      Und nebenbei: eine Heirat deutet doch gerade darauf hin, dass er sich bewusst ein zweites Mal fest bindet und dass er Verantwortung übernimmt. Es ist ja nicht so, dass man ihn im Bordell erwischt hätte …

  2. carluv sagt:

    Das hat System. Mit diesen rigiden Methoden – verhältst du dich nicht katholisch, kündigen wir dir – hat der kath. Träger als Arbeitgeber immer den Daumen drauf. Wer aufmuckt, fliegt. Natürlich nicht wegen Aufmuckens, aber in sexueller bzw. ehelicher Hinsicht ist doch kaum einer ohne Fehler. Und das ist dann der stets parate Kündigungsgrund. Auch eine Abtreibung ist im kath. Krankenhaus ein Kündigungsgrund, wenn es den Scheinheiligen in den Kram passt.
    Ob evangelische Häuser besser sind, weiß ich nicht, wage es aber zu bezweifeln.
    Ich stimme dir zu: Die Inanspruchnahme des Sonderrechts als Tendenzbetrieb für Krankenhäuser und ähnliche Betriebe gehört schnellstens abgeschafft. Ein Krankenhaus ist keine Kirche, auch wenn es sich in kirchlicher Trägerschaft befindet.

  3. KurtE sagt:

    Ja, wie im Mittelalter!
    Das ist eben der spezielle deutsche Säkularismus : http://hpd.de/node/9681
    Der Schreiber des verlinkten Artikels, Herr Frerk, hatte letztens einen Auftritt in Dresden. ( http://www.gbsdd.de/ ) Dort sprach er von 3%. So hoch ist der Anteil der kirchlichen Finanzierung bei den Tendenzbetrieben. Der Kirchensteueranteil ist noch geringer. Daß diese Tendenzbetriebe dafür dann ein spezielles Arbeitsrecht ausüben dürfen, ist immer schwerer zu vermitteln, wenn auch nicht wirklich verwunderlich.
    Sehr hörbar auch die podcasts hier: http://hpd.de/podcast In dem podcast 15 geht Herr Möller auch auf die Tendenzbetriebe ein, wo alle christlich zu sein haben, außer es rechnet sich. Dann darf die Putzfrau Muslima sein.

    Und was die liberale Justizministerin betrifft: Die wird nichts tun. Die ist nicht liberal. Die ist F.D.P.. Und die F.D.P. hat sich schon vor einiger Zeit vom liberalen Anti-Klerikalismus verabschiedet. Karriere und Christentum in der heutigen BRD wird auch im erwähnten podcast 15/2010 kurz abgehandelt.

  4. Claudia sagt:

    Einerseits steht im Arbeitsvertrag mit einem katholischen Krankenhaus mit Sicherheit irgendwo, daß die grundsätzliche Befolgung katholischer Lehre zur Erfüllung des Vertrages gehört. (Da ich sowohl in katholischen wie in evangelischen Einrichtungen bereits gearbeitet habe, wenn auch nicht als Professor, kenne ich die entsprechenden Passus.) Andererseits vermute ich ganz andere Mißhelligkeiten, wenn ich lese, daß anderen Mitarbeitern bei gleichem Verhalten nicht gekündigt wurde. (Das ist natürlich reine Mutmaßung, aber ich mutmaße so gerne.) Gründe vorschieben, weil die wahren Gründe nicht für eine Kündigung langen, finde ich schäbig.
    Ganz ohne Mutmaßung widerspricht die Kündigung einem der Fundamente des Christentums – sie ist unbarmherzig.

  5. Antifa sagt:

    Ein ausführlicher Artikel zur Stellung der Kirche in Deutschland, schade das sowas aus dem Nachbarland kommen muss: Eine vortrefflich gemästete heilige Kuh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: