Ich kauf mir was …

Ich kauf mir was,
Kaufen macht so viel Spaß!
Ich könnt ständig kaufen gehn,
Kaufen ist — wunderschön!

sang vor vielen Jahren Herbert Grönemeyer. Warum mir das jetzt einfällt? Im Neustadt-Ticker gibt es eine Meldung zum Sonntags-Einkauf: Sozis gegen Sonntagsverkauf — und ich hatte gerade im Urlaub Zeit, darüber nachzudenken.

Ich denke: es muss einen Interessenausgleich geben. Es gibt gesellschaftliche Kräfte wie die Kirchen, die generell für die Sonntagsruhe eintreten. Es gibt die Gewerkschaften, die für ihre Mitglieder mehr Geld oder mehr Freizeit herausholen wollen. Es gibt die Unternehmer, die möglichst lange und möglichst oft öffnen wollen. Manche sind für Wettbewerb und andere wollen ihn unterdrücken.

Im Urlaub in Vorpommern haben wir gerade einen Interessenausgleich in dieser Sache beobachtet. Da wurden die erweiterten Einkaufsmöglichkeiten ab dem 1. August 2010 leicht eingeschränkt, aber es gibt sie noch. Die Fronten verliefen dort ähnlich wie in Sachsen. Wenigstens ist ein Kompromiss herausgekommen.

In Ahlbeck wurde also Ende Juli an einem ganzen verlängerten Wochenende noch mal ein Anlass geschaffen. Es gab einen riesigen Markt mit Einkaufszeiten (fast) rund um die Uhr. Die Kurpromenade war voller Stände. Man musste dort vorbei, wenn man abends noch auf den Spielplatz oder an den Strand wollte. Es waren Massen von Menschen unterwegs, es war unheimlich laut, es war unheimlich voll.

Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass das Angebot auf große Nachfrage stieß. Da war einfach eine Grenze überschritten. Viele wälzten sich an den Buden vorbei, aber kaum jemand kaufte etwas. Man sah einfach keinen Nutzen. An einem Abend hatte der Stand am meisten Zuspruch, der ganz einfache vegetarisch gefüllte Fladenbrote anbot. Plötzlich waren den Leuten die vielen tausend Bratwürste drumherum völlig gleichgültig.

Da hatte ich das Gefühl: manche Befürworter der uneingeschränkten Marktwirtschaft vergessen, dass der Markt nicht für die Anbieter, sondern für die Nachfrager gemacht ist.

Wir Konsumenten sind ja ein buntes Völkchen: Manche sind Christen und legen großen Wert auf ihren Sonntag, anderen ist der Wochentag völlig gleichgültig. Manche sind auf schnellen Konsum fixiert, andere an Nachhaltigkeit orientiert. Manche denken unternehmerisch, andere sehen das als ganz schlimmen Makel. Viele von uns sind Arbeitnehmer oder Rentner — und kennen Wochenendarbeit. Manche haben nie Zeit zum Einkaufen, andere haben zu viel Zeit …

Viele von uns gehören zwangsläufig zu mehreren Gruppen. Ich bin selbst inkonsequent und gespalten. Ich arbeite an sehr vielen Wochenenden im Jahr, aber ich kann auch den Wunsch nach Ruhe verstehen. Ich hole mir am Sonntag meine Brötchen und meine Sonntagszeitung bei einem sehr guten Bäcker. Darüber hinaus gehe ich sonntags aus Prinzip nicht einkaufen. Doch ich gehe gern mal mit meinem Kind ins Schwimmbad oder ins Museum. Ich bin sehr froh darüber, dass es auch am Wochenende einen ärztlichen Notdienst und eine Feuerwehr gibt.

Es ist einfach selbstverständlich geworden, dass am Wochenende viele Leute arbeiten. Das kann man nicht mehr aus der Welt schaffen. Es kann nur noch darum gehen, die Arbeit vernünftig zu regeln und zu verteilen und zu bezahlen. Dazu müssen Kompromisse gemacht werden. Insofern ist »Sozis gegen Sonntagsarbeit« zwar ein schöner Spruch, aber ganz sicher nicht das letzte Wort …


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31 Responses to Ich kauf mir was …

  1. Tja, mein Lieber, ich glaube, Du stellst die falsche Frage. Das gilt leider für den überwiegenden Teil der Bevölkerung.

    Stell‘ Dir mal vor, bei Dir in der Siedlung will Hans Müller eine neue Kneipe aufmachen. Nun kommt der Gemeinderat und versucht, etwas zu regeln. Immerhin gibt es ja schon eine Kneipe schräg gegenüber und so entsteht die Frage, wozu man eine weitere Kneipe brauchen würde.

    Die CDU ist sofort für die neue Kneipe, als Pawlow’sche Reaktion ist die SPD spontan dagegen. Die FDP setzt sich dafür ein, dass Hans Müller finanzielle Starthilfen erhält und die Freien Wähler wollen den Kneipier schräg gegenüber vor mächtiger Konkurrenz schützen, er ist ja einer der ihren.

    Die Kirche unterstützt die neue Kneipe, weil Hans Müller zugesagt hat, ein Kreuz über dem Tresen aufzuhängen und Kirchenmitglied ist, während der Kneipier schräg gegenüber keiner Konfession angehört und somit auch keine Kirchensteuer bezahlt.

    Die Gewerkschaften sind gegen die neue Kneipe, weil die Arbeitsplätze in der Kneipe schräg gegenüber in Gefahr sind. Nach der Zusage, jeden Tag den Sonntagszuschlag zu bezahlen, wechselt allerdings die Stimmung bei den Gewerkschaften, man ist nun für die vielen neuen Arbeitsplätze und der lokale Gewerkschaftsführer hat sich für einen Euro ein Viertel der Kneipe gekauft. Er strahlt wegen dieses Deals.

    Was will ich damit sagen? Was hat es den Staat zu interessieren, wann ein Laden offen hat? Warum will er das regeln? Der Markt ist, wie Du richtig schreibst, für den Verbraucher da. Und der entscheidet. Und der Unternehmer, der das Angebot des Verbrauchers annimmt oder verwirft. Das Angebot des Verbrauchers ist es, zu einer bestimmten Tages- und Nachtzeit einen gewissen durchschnittlichen Umsatz zu bringen. Der Unternehmer entscheidet, ob ihn das lockt und er demzufolge offen hält oder ob ihm das zu wenig ist und er lieber darauf verzichtet und den Laden schließt.

    Ich wundere mich immer wieder über die, vielleicht durch die christliche Kirche geprägte, Einstellung der Deutschen. „Am siebten Tage sollst Du ruhn,“ heißt es. Und die Kirchen, der Staat und die Gewerkschaften achten peinlich darauf, dass das auch so bleibt.
    Nur nicht immer, denn bei Krankenhäusern, der Polizei und vielen anderen denken wir nicht im Traum an ein Wochenende.

    Oder Du als Läufer? Stelle Dir mal vor, der Staat würde beschließen, dass auch Eventagentur-Angestellte Sonntags zu ruhen haben. Würde der Treppenmarathon dann von Mittwoch auf Donnerstag stattfinden?

    Ich finde, dass sich der Staat aus meinem Leben heraus zu halten hat. Die Arbeit an jedem einzelnen Wochentag ist eine Sache zwischen dem, der Arbeit anbietet und dem, der diese Arbeit annimmt.

    Und wenn dann die Arbeit am Sonntag, in der Nacht oder auch an Freitagen, die auf den 13. fallen oder an Tagen, in denen Katzen von links die Straße überqueren, höher oder niedriger entlohnt wird als an anderen Tagen, dann ist auch das eine Verhandlungssache zwischen diesen beiden Parteien. Und jede Seite kann entscheiden, ob das Angebot zu teuer ist oder nicht bzw. interessant ist oder nicht.

    Obwohl: als Fotograf – und die leben oft von Hochzeiten – bin ich sehr wohl für den freien Sonntag. Und deshalb überlege ich schon lange, eine Bürgerinitiative zu gründen, die Hochzeiten an Wochenenden verbietet, aus Gründen des Schutzes der Fotografen.
    Die PUF (Partei unabhängiger Fotografen) ist schon auf meiner Seite, eine Antwort der Bundesregierung auf die entsprechende Anfrage steht aber noch aus …

    • Micha W. sagt:

      Gute Punkte, marathon…, so ungefähr kann man sich das durchaus vorstellen. Tja, letztlich ist die Frage, was Freiheit ist … und ich würde behaupten, dass es 90% der Deutschen nicht wirklich wissen :)

      Allerdings heißt der Vater eines Schulfreundes von mir wirklich Hans Müller und der hängt sicher keine Kreuze auf ;) … obwohl, naja, vielleicht doch :)
      Könnte ich mir sogar auch vorstellen, dass ich das als Spielmittel einsetzen würde, allerdings würde ich dann auch ein paar Flyer in der Kneipe auslegen mit dem Text „Das Kreuz hat primär den Zweck, die Zustimmung der Kirche zu bekommen … ihr wisst ja, Geschäft ist Geschäft … Christen bekommen 10% Rabatt, Nichtchristen auch“ :)

      PUF … hmm, die ironische Idee, Hochzeiten sonntags zu verbieten, wäre sicher was für die BILD-Zeitung ;) … allerdings kam mir ne Frage in den Sinn: ist die PUF eigentlich mitunter Spott bzgl. ihres Namens ausgesetzt? ;)

      • Hallo Micha,

        die PUF ist natürlich eine spontane Erfindung von mir gewesen, um die Witzigkeit der Idee staatlicher Reglementierung aufzuzeigen.

        Wir alle sind es leider gewohnt, in bestehenden Rastern zu denken. In diesem Raster dind die Büros am WE eben leer, die Kellner arbeiten und die Feste finden statt.

        Wenn Du das alles umdrehst, wenn am Wochenende Feste verboten sind, weil die armen Eventmitarbeiter ja den gesegneten Sonntag frei haben sollen und dafür die Bürohengste arbeiten sollen, damit sie Dienstags und Mittwochs die Feiern haben, dann sieht das alles anders aus. Lustig eben.

        90% der Deutschen wissen nicht, was Freiheit ist – das kann ich unterstreichen. Aber so sind wir Menschen eben, ohne Regeln sind wir hilflos. Und so leben wir unser Leben innerhalb der normalen gesellschaftlichen Regeln, gehen am Abend in der Kneipe Fußball schauen, trinken vier Bier zu viel dort und lassen dann unseren ganzen Frust an der Familie aus.

        Wie immer eben …

      • hamsterbacke sagt:

        marathonundlaenger:
        „Aber so sind wir Menschen eben, ohne Regeln sind wir hilflos. Und so leben wir unser Leben innerhalb der normalen gesellschaftlichen Regeln, gehen am Abend in der Kneipe Fußball schauen, trinken vier Bier zu viel dort und lassen dann unseren ganzen Frust an der Familie aus.“

        Echt, Du bist so? Also ich nicht.

        Wahrscheinlich ist staatliche Reglementierung notwendig, weil genau so wie Du jeder von seinen Mitmenschen denkt.

  2. stefanolix sagt:

    Das ist wunderbar geschrieben und macht das Dilemma noch deutlicher. Aber wenn man beim STAAT ansetzt, setzt man meiner Meinung nach zu spät an.

    Der Staat setzt ja am Ende nur durch, was vorher demokratisch beschlossen wurde. Auf dem Weg bis zu dieser demokratischen Entscheidung sind wir in Dresden bzw. in Sachsen (zum wiederholten Male).

    Dabei sind zum Teil schon absurde Regelungen entstanden. So dürfen Blumenhändler beispielsweise an einem ganz speziellen Sonntag mit viel Blumenbedarf gerade nicht öffnen. Aber dabei sind zum Teil auch relativ vernünftige Kompromisse entstanden, die in der Praxis funktioniert haben.

    Ich fand diese beiden Bürgerentscheide in Hamburg und in Bayern sehr spannend, wo am Ende wirklich in der ursprünglichen direkten demokratischen Weise entschieden wurde.

    Ich würde die Entscheidung über eine bestimmte Anzahl verkaufsoffener Sonntage in bestimmten Abständen (zwei bis vier Jahre) in die Hände des Volkes legen und dann sollte es auch konsequent entsprechend dem Ergebnis gehandhabt werden. Erst dann kommt wieder der Staat ins Spiel.

  3. tigger sagt:

    Ich würde die Entscheidung in die Hände des jeweiligen Ladenbesitzers legen. Wenn wirklich die Massen an seiner Bude „vorbeiwälzen“ wie Du schreibst, erlegt er sich aus Kostengründen von selbst ein Sonntagsverkaufsverbot.

    • stefanolix sagt:

      Das ist ja in der Theorie alles richtig, aber so einfach scheint es mir in der Praxis nicht. Der Handel braucht auch Infrastruktur und eine gewisse Planung.

      In einer Großstadt wie Dresden mit ihren Einkaufsgalerien und Einkaufszentren kann nicht der eine Ladenbesitzer öffnen und der andere seinen Laden geschlossen halten. Das muss schon abgestimmt und geplant werden.

      Bei einem Ereignis wie in Ahlbeck sind die Händler der einzelnen Buden (soweit ich weiß!) verpflichtet, bis zum Ende durchzuhalten. Allenfalls können sie sich für 2011 zum Verzicht entschließen.

      Natürlich kann man jetzt in andere Länder mit sehr freien Regelungen blicken und sagen: geben wir doch alles frei, es wird sich schon einpegeln. Aber mir scheint, dass die völlige Freigabe des Sonntags nicht in unserer Kultur liegt. Es gibt einen relativ großen Anteil der Bevölkerung, der sonntags eher nichts kaufen kann oder kaufen will. Selbst bei den Bäckern (die ja öffnen dürfen) und ihren Kunden (die ja kaufen könnten) hat es sich lange nicht überall durchgesetzt.

      Meine Meinung: Verkäufe in der Nacht oder an bestimmten Sonntagen sollte etwas Seltenes bleiben und den Kunden Nutzen bringen, dann haben sie auch Erfolg. Wenn das jede Woche möglich ist, verliert es einfach an Attraktivität. Dafür scheint mir der »gesellschaftliche Preis« insgesamt zu hoch.

      Momentan wirbt in der SZ gerade die Dicounterkette »Pfennigpfeifer« (Schreibwaren und kostengünstige Büroartikel) für Sonntagsöffnung. Den Sinn dieser Aktion kann ich nun eher nicht nachvollziehen.

      • KurtE sagt:

        Ein bischen widersprichts Du dir hier selbst. Du forderst eine Regulierung und erkennst gleichzeitig an, daß die Bäcker das genausogut alleine geregelt gekriegt haben.
        Ein Kaufmann wird auf seinen Gewinn schauen. Von daher bin ich überzeugt, daß sich bei kompletter Abschaffung des Ladenschußgesetzes alles von selbst regeln würde und es wäre nicht viel anders als heute. Da können wir ganz dem „spitzen Bleistift“ des Händlers vertrauen.
        Außerdem gibt es ja noch andere Gesetze, die zu beachten sind, denke ich an die Lärmbelästigung nachts z.B.. Da wird eine Öffnung 24/7 doch recht kompliziert. Wir brauchen nach meinem Dafürhalten kein Ladenschlußgesetz.
        Und wir sollten aufhören, die Argumentation der Gewerkschaften, SPDSachsen und Kirchen von der armen ausgebeuteten SonntagskassiererIn zu übernehmen. Diese halte ich für nicht redlich.
        Warum fordert die Gewerkschaft eigentlich keine Wiedereinführung der Sperrstunde für Gaststätten in der Neustadt? Weil KellnerInen nur wenige sind?

      • Micha W. sagt:

        >Warum fordert die Gewerkschaft eigentlich >keine Wiedereinführung der Sperrstunde für >Gaststätten in der Neustadt? Weil >KellnerInen nur wenige sind?

        Vielleicht weil die Gewerkschafter am liebsten in der Neustadt „einen draufmachen“? :)

        Doch mal etwas mehr im Ernst … im Osten ist das mit den Gewerkschaften so ne Sache – wer ist da noch Mitglied, welche Berufsgruppen?

        Und schon Erich Fromm hat 1956 in „Die Kunst des Liebens“ die Organisierung der Arbeiter in Gewerkschaft kritisch gesehen. Hab die genaue Zitatstelle allerdings jetzt nicht parat.

      • Frank sagt:

        @ KurtE: Ich finde schon, dass es einen Unterschied gibt zwischen Kellnern und Verkäufern. Beim Kellner ist von vornherein klar, dass er vorrangig abends und an Wochenenden arbeiten muss, weil genau da die meisten Leute überhaupt erst Zeit haben, in die Kneipen zu gehen. (Die Mittagspausen-Besucher klammere ich einfach mal aus). Jedenfalls sind Kellner grundsätzlich in einer anderen Situation als Verkäufer. Wenn die plötzlich nachts und an WE arbeiten gehen sollen, ist das für die eine gravierende Veränderung. Und ich kenne einen jungen Verkäufer, der kaum noch aus dem Laden herauskommt, seitdem der Chef zum Betrieb bis Abends und am Sa übergegangen ist. Mehr Jobs sind in dem Laden nicht entstanden.

      • tigger sagt:

        Jedenfalls sind Kellner grundsätzlich in einer anderen Situation als Verkäufer.

        Inwiefern ? Weil der Sonntag grundsätzlich ein anderer Tag ist, als der Montag ?

        Es ist doch einfach nur eine weitere Umdrehung der Erde, die irgendwann heilig und zur kollektiven Arbeitsniederlegung deklariert wurde.

        Ich fände es jedenfalls weit angenehmer, meine Einkäufe und sonstigen Besorgungen gemütlich an (m)einem freien Tag erledigen zu können, als zwischen Feierabend und Ladenschluss gemeinsam mit all den anderen Werktätigen nochmal durch die Stadt hetzen zu müssen. Die verlängerten Ladenöffnungszeiten sind nicht ohne Grund eingeführt worden: Der zeitliche Versorgungs- und Konsumengpass könnte aber meiner Meinung nach viel besser durch Entfall des Verkaufsverbots an diesem einen Tag gelöst werden.

      • Frank sagt:

        @ tigger: Kellner sind ganz klar in einer anderen Situation als der Rest der arbeitenden Menschheit: Sie haben grundsätzlich am meisten dann zu tun, wenn die anderen nicht arbeiten. Insofern hinkt der Vergleich zwischen Kellnern und Kassierern schon.

        KurtE meinte immerhin

        Und wir sollten aufhören, die Argumentation der Gewerkschaften, SPDSachsen und Kirchen von der armen ausgebeuteten SonntagskassiererIn zu übernehmen. Diese halte ich für nicht redlich.

        Was soll daran nicht redlich sein! Es geht immerhin ganz konkret um die Sonntagskassiererinnen! Die sind ja im Handel tätig und um verlängerte Öffnungszeiten für den Handel geht es ja hier. Um verlängerte Kneipenöffnungszeiten geht es hier nicht.

        Übrigens bin ich ja noch nicht einmal gegen längere oder sogar durchgängige Öffnungszeiten. Das hat durchaus seine Vorteile, wie Du ja schon richtig beschrieben hast. Mir ist es auch manchmal ganz recht, wenn ich meine gelegentlichen Einkäufe am Wochenende oder noch abends erledigen kann.

        Andererseits:

        1. Die Situation der Verkäufer spielt schon eine Rolle. Wenn dadurch mehr Arbeitsplätze entstehen, wäre es ja okay, aber das scheint nicht überall gegeben sein (siehe mein Beispiel*). Außerdem rentieren sich mehr Angestellte auch nur, wenn tatsächlich mehr gekauft wird, was ich bezweifle. Denn wir Kunden werden unseren gleichbleibenden Bedarf an Waren nun einfach über einen größeren Zeitraum verteilt einkaufen. Ich zumindest stelle nicht fest, dass ich mehr Hosen oder mehr Butter benötige, nur weil abends die Läden länger auf sind.

        2. Wer geht denn überhaupt noch in normale Läden? Ich kaufe praktisch nur noch im Internet ein. Bei ein paar Sachen (Butter, Hosen…) lässt sich das noch nicht machen (bzw. hätte Nachteile), aber alles andere … Die verlängerten Ladenöffnungszeiten sind doch nur ein kläglicher Versuch des Handels, sich diesem Prozess entgegen zu stellen.

      • Frank sagt:

        Test:

        Zitat, Zitat, Zitat …

      • Frank sagt:

        aha (Das kann wieder gelöscht werden, ich wollte nur sehen, welche html-Tags hier funkionieren).

      • Du hast die wesentlichen Argumente selbst dafür geliefert, dass sich etwas Dramatisches ändern muss.
        Wenn Du wie in Deinem Punkt 2. fragst: „Wer geht denn überhaupt noch in normale Läden? Ich kaufe praktisch nur noch im Internet ein“, dann triffst Du einen Punkt, der stimmt: ich kaufe auch vieles im Internet, weil ich viel Arbeit habe, danach zum Laufen gehe und somit nicht mehr in die Läden komme. Und so geht es vielen. Wenn es aber andere Optionen gäbe, dann würde ich sicherlich mehr in den Läden sein.

        Zudem interessiert sich niemand dafür, wie Du oder wie ich einkaufen. Fakt ist, dass es immer noch viele Menschen gibt, die im stationären Handel einkaufen. Und die werden alle stattlich reguliert.

        Dein Punkt 1. ist übrigens oft erwähnt und dennoch vollkommen falsch. Wenn Du argumentierst, dass bei anderen und längeren Öffnungszeiten nicht mehr gekauft würde („Ich zumindest stelle nicht fest, dass ich mehr Hosen oder mehr Butter benötige, nur weil abends die Läden länger auf sind.“), dann frage ich Dich, ob es dann nicht sinnvoll wäre, die Ladenöffnungszeiten auf die Zeit von 9 bis 17 Uhr (Arbeitszeit einer einzelnen Kollegin) und auf nur fünf Tage pro Woche zu beschränken.
        Wenn dann immer noch genauso viel gekauft würde wie sonst, dann wären alle Gewinner. Der Unternehmer muss keine Schichtpläne entwickeln, die Mitarbeiter sind glücklich und der Umsatz stimmt!

        Oder anders herum gefragt, nur deshalb, weil Deine Argumentation so fatal an die schon fast vergessene Diskussion in den 80ern erinnert: stelle Dir mal vor, wir hätten noch (oder wieder) das alte System. Öffnung von 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr, am Samstag bis 14.00 Uhr und nur am „langen Samstag“ bis 18.00 Uhr! Was gab es da für einen Aufschrei, als das gelockert werden sollte. Und nun meine Frage: willst Du das wirklich haben oder würde es die bei Dir offensichtlich geringen Umsätze im stationären Handel nicht noch weiter nach unten bringen und Du würdest noch stärker das Internet nutzen?

        Und was Internet-Umsätze für die Innenstädte bedeuten, brauche ich wohl nicht auszuführen. Nur durch eine aktive Ladenstruktur in Innenstädten sind schöne Städte möglich. Schon heute ist der Trend zu 1 EURO Läden, zu nicht mehr vermietbaren Ladenflächen usw. ein echtes Problem.

        Fußgängerzonen helfen niemandem, wenn da keiner mehr entlang geht. Und Bürostädte sind ab 18.00 Uhr am Abend und an Wochenenden verwaist und ein echter Zombie …

      • hamsterbacke sagt:

        „Oder anders herum gefragt, nur deshalb, weil Deine Argumentation so fatal an die schon fast vergessene Diskussion in den 80ern erinnert: stelle Dir mal vor, wir hätten noch (oder wieder) das alte System. Öffnung von 9.00 Uhr bis 18.30 Uhr, am Samstag bis 14.00 Uhr und nur am „langen Samstag“ bis 18.00 Uhr! Was gab es da für einen Aufschrei, als das gelockert werden sollte.“

        Das verlangt ja aber hier gar keiner – auch wenn ich persönlich kein Problem damit hätte. Ich kaufe außerhalb dieser Zeiten sehr selten „stationär“ ein – einkaufen ist einfach keins meiner Hobbies.
        In Dresden hat der Lebensmittelhandel aktuell Montag bis Sonnabend 8:00-21:00/22:00 geöffnet.

        „Und was Internet-Umsätze für die Innenstädte bedeuten, brauche ich wohl nicht auszuführen. Nur durch eine aktive Ladenstruktur in Innenstädten sind schöne Städte möglich. Schon heute ist der Trend zu 1 EURO Läden, zu nicht mehr vermietbaren Ladenflächen usw. ein echtes Problem.“

        Ganz schön arm, so eine Gesellschaft, deren Attraktivität von Innenstädten von Ladenöffnungszeiten abhängt.

        „Fußgängerzonen helfen niemandem, wenn da keiner mehr entlang geht. Und Bürostädte sind ab 18.00 Uhr am Abend und an Wochenenden verwaist und ein echter Zombie“

        Man könnte ja auch versuchen, vermehrt Menschen in Innenstädten anzusiedeln, allerdings fehlte denen das Geld dann evtl. für den Konsum, die Mieten da sind zu hoch. Ein Teufelskreis, der moderne Kapitalismus. ;-)

      • Frank sagt:

        @ marathonundlaenger:

        Du hast die wesentlichen Argumente selbst dafür geliefert, dass sich etwas Dramatisches ändern muss.

        Könnte man so sehen, die Frage ist aber, was man da nun als dringende Lösung hineindeutet. Man könnte sagen, nur längere Ladenöffnungszeiten retten uns. Man könnte aber auch sagen, so wie die großen Ketten und Märkte (Media Markt, ALDI, Fielmann …) einst die kleinen Händler beseitigt haben, genauso werden bald (zumindest manche) der großen Märkte vom Internet abgelöst. Resultat: Höhere Arbeitslosigkeit, die man letztlich sowieso gar nicht wirklich beseitigen kann. Zumindest nicht in einer Gesellschaft, in der Arbeitsprozesse immer mehr automatisiert ablaufen bzw. von Software übernommen werden. Also könnte die logische Folge – statt längerer Ladenöffnungszeiten – auch sein, dass man den Gedanken eines bedingungslosen Grundeinkommens ernster nimmt.

        ich kaufe auch vieles im Internet, weil ich viel Arbeit habe, danach zum Laufen gehe und somit nicht mehr in die Läden komme. Und so geht es vielen. Wenn es aber andere Optionen gäbe, dann würde ich sicherlich mehr in den Läden sein.

        Ich gebe zu: Bei mir liegt es an reiner Bequemlichkeit, gepaart mit dem besseren Warenangebot im Netz. Zeit würde ich schon finden. Aber warum soll ich erst in drei Geschäften nach dem gewünschten Produkt suchen, wenn es auch einfacher und schneller geht?

        … vollkommen falsch. Wenn Du argumentierst, dass bei anderen und längeren Öffnungszeiten nicht mehr gekauft würde, dann frage ich Dich, ob es dann nicht sinnvoll wäre, die Ladenöffnungszeiten auf die Zeit von 9 bis 17 Uhr (Arbeitszeit einer einzelnen Kollegin) und auf nur fünf Tage pro Woche zu beschränken.

        Diese (rein theoretische) Überlegung ist überhaupt nicht logisch. Wenn Geschäfte nur noch in den Zeiten auf hätten, wo alle anderen arbeiten gehen müssen, hätten diese anderen ein Problem. Denn sie könnten nun gar nicht mehr einkaufen, obwohl sie freilich noch genau dieselbe Menge an Waren benötigten. Die Lösung wäre, dass man versucht, es irgendwie in den Arbeitszeiten zu erledigen oder die Oma bzw. jemand anderen zu beauftragen. Die Kunden würden aber z.B. ihren Konsum an Lebensmitteln und Klamotten nicht verringern, denn sie brauchen es ja trotzdem. Luxusartikel würden sicher bei diesem Zeitmangel weniger gekauft werden.

        Fußgängerzonen helfen niemandem, wenn da keiner mehr entlang geht. Und Bürostädte sind ab 18.00 Uhr am Abend und an Wochenenden verwaist und ein echter Zombie …

        Überall Kneipen rein! Das belebt ;-)

      • KurtE sagt:

        1. Die Öffnungszeiten in den 80ern in Dresden waren meistens von 9bis13 und 15bis18 Uhr. Sonnabends 9bis12. Es sei denn, es war wegen Warenannahme oder „Komme gleich wieder“ geschlossen. :-)
        2.@Frank Du beweist selbst die gewisse Unredlichkeit dieser Diskussion. Mag sein, daß das bei Politikern heute nicht mehr anders geht. Mich stört sowas.
        Nehmen wir deinen Verkäufer. Nehmen wir an, den gibt es wirklich und es stimmt was Du über ihn erzählst. Was lernen wir? Der Chef von deinem Bekannten öffnet jetzt also auch abends und am Samstag. Klingt dramatisch. Leider verschweigst Du uns wichtige Informationen. Wie hatte er denn vorher geöffnet. Was verkauft er denn, daß er bisher schon nachmittags und das ganze Wochende absperren konnte? Wird dein Bekannter für die Mehrarbeit entsprechend mehr entlohnt? Wenn nein, welches grausames Schicksal zwingt ihn, auf dieser Arbeitsstelle zu bleiben? Wenn ja, worüber jammerst Du? Warum sollten in dem Laden mehr Jobs entstehen, wenn die Arbeit auch vom bisherigen Personal geschafft wird? Und sollte es deinem Bekannten wie so vielen anderen Angestellten gehen, die in Stoßzeiten Überstunden ohne Ende schieben müssen, dann liegt das nicht am Ladenschlußgesetz sondern am völlig verkrusteten Arbeitsrecht in Deutschland. Womit wir wieder bei den Gewerkschaften wären, die, wie der Geist, der stets das Gute will und doch das Böse schafft, sich einer Flexibilisierung des Arbeitsmarktes nach Kräften entgegenstemmen und deshalb die heutigen Zustände (u.a.Zeitarbeitsfirmen) erst möglich gemacht haben. Ist Dein Verkäufer Gewerkschaftsmitglied? Liebt er seinen Beruf? Träumt er in Wahrheit von der 4h-Woche bei vollem Lohnausgleich? Ist der Chef ein schlechter Chef? …
        Das alles sollte mit in Betracht gezogen werden, bevor man solchen rührseligen Geschichten wie deiner Glauben schenkt, die immer irgendwie nach dem Wort zum Tage (täglich um 5:46 Uhr und 8:55 Uhr auf MDR1) klingen.

        Die Kirchen verstehe ich bei der ganzen Sache sowieso nicht, schließlich arbeiten die auch Sonntags. Inklusive Glockenläuten, damit es nur ja keinem entgeht, wie schwer sie wieder am arbeiten sind.

      • tigger sagt:

        Also könnte die logische Folge – statt längerer Ladenöffnungszeiten – auch sein, dass man den Gedanken eines bedingungslosen Grundeinkommens ernster nimmt.

        Das ist aber weit hergeholt. Ausserdem wird ja gerade mit steigender Arbeitslosenquote ein bedingungsloses Grundeinkommen immer weniger realisierbar.

      • Frank sagt:

        tigger: Klar ist das etwas weiter hergeholt und diese Überlegung müssen wir hier auch nicht weiter verfolgen (würde sehr vom Thema wegführen). Mit ging es nur darum, dass ich angeblich beschrieben habe, warum dramatische Änderungen nötig seien. Habe ich eigentlich gar nicht so geschrieben, ich habe nur eine absehbare Tendenz gezeigt. Und ich wollte korrigieren, dass eben nicht unbedingt nur diese Konsequenz längerer Öffnungszeiten logisch ist. Übrigens könnte man als dritte Variante auch gar nichts ändern und sagen, „was solls … das hier ist nun mal Marktwirtschaft … lassen wir es den Markt doch selbst regeln“. Nicht unbedingt meine Meinung, aber auch denkbar.

      • Frank sagt:

        @KurtE

        Du beweist selbst die gewisse Unredlichkeit dieser Diskussion. Mag sein, daß das bei Politikern heute nicht mehr anders geht.

        Bei Politikern … und was hat das mit mir zu tun? Verwechselst Du mich mit jemandem?

        Nehmen wir deinen Verkäufer. Nehmen wir an, den gibt es wirklich und es stimmt was Du über ihn erzählst. Was lernen wir? Der Chef von deinem Bekannten öffnet jetzt also auch abends und am Samstag. Klingt dramatisch. Leider verschweigst Du uns wichtige Informationen. Wie hatte er denn vorher geöffnet. Was verkauft er denn, daß er bisher schon nachmittags und das ganze Wochende absperren konnte?

        Es handelt sich um eine Zoohandlung. Genaueres würde ich gern auslassen – mir wäre es auch nicht recht, wenn ein Fremder ohne meine Zustimmung Details aus meinem Berufsleben weitergibt

        Wird dein Bekannter für die Mehrarbeit entsprechend mehr entlohnt? Wenn nein, welches grausames Schicksal zwingt ihn, auf dieser Arbeitsstelle zu bleiben?

        Ob er mehr Geld kriegt, weiß ich nicht. Ich sehe nur, dass er von anderen immer mit „schön, dass Du dir’s freischaufeln konntest …“ begrüßt wird, weil er kaum noch Zeit hat. Ja, äh … welches Schicksal zwingt ihn? Dass einem die Arbeitsplätze seit einigen Jahren nicht mehr so hinterher geworfen werden, hast Du hoffentlich schon bemerkt?

        Warum sollten in dem Laden mehr Jobs entstehen, wenn die Arbeit auch vom bisherigen Personal geschafft wird?

        Na, das ist doch genau das Problem! Übrigens halte ich es für eine seltsame Herangehensweise, daran den Gewerkschaften die Schuld zu geben. (Nein, ich bin kein Mitglied).

  4. AntonLauner sagt:

    Auf Rügen waren die Geschäfte übrigens jeden Sonntag bis 18 Uhr geöffnet. So fällte es einem als Touristen viel leichter, die regulierte Arbeitswoche zu vergessen.

    • stefanolix sagt:

      Es fällt einem ja im Urlaub überhaupt leicht, diverse tägliche Pflichten zu vergessen ;-)

      Sonntags bis 18.00 Uhr — das ist die Bäder-Regelung. Aber die wurde gerade beschnitten.

      Wenn ich es richtig verstanden habe, strebt Mecklenburg-Vorpommern auch an, dass Supermärkte oberhalb einer bestimmten Größe sonntags nicht mehr geöffnet haben dürfen. Die Supermärkte reduzieren dann sonntags ihre Verkaufsfläche. Damit dürften die ohnehin hoch belasteten Mitarbeiter mehr Stress haben als mit einer Sonntagsöffnung.

  5. hamsterbacke sagt:

    Ich stehe dem Christentum – und jeder anderen Religion – so fern es nur geht, ich empfinde es allerdings als eine fatale Entwicklung, wenn Werte wie Familie (und darüber wird ja sehr häufig gesprochen heutzutage) dem Konsum geopfert werden. Da regen wir uns über verwahrloste Jugendliche auf, die nichts anderes können als rumpöbelnd und besoffen andern auf den Sack zu gehen – keine Erziehung, die Jugend heute – am Ende sind ihre Mütter aber Verkäuferinnen bei Media Markt und Co, stocken ihr kümmerliches Gehalt durch Hartz 4 auf und stehen ohnehin schon bis Samstag 20:00 an der Kasse. Bei Lidl und Netto bis 21:00, meist ist es dort völlig leer ab 19:00.
    Amerika ist natürlich erstrebenswert für manche, da zählt der sonntägliche Aufenthalt in der Mall schon als Kulturprogramm.
    Ich bin jedenfalls nicht der Ansicht, dass mehr Konsum(möglichkeiten) unsere Gesellschaft verbessern oder uns alle glücklicher machen werden.

    • Micha W. sagt:

      Ich bin selbst auch ein „Eher-wenig-Shopper“, doch unterstütze jegliche Bestrebungen, die Öffnungszeiten frei zu gestalten.
      Das Problem sind nicht längere Öffnungszeiten oder der „heilige Sonntag“ – manche suchen auch beim Shoppen Gott :) – sondern die „Zwangsstruktur“ der Firmen. Angestellte werden eingeteilt – mitunter „auf Teufel komm raus“ sozusagen – und haben häufig kaum Entscheidungsfreiheit, außer kündigen.

      Können Ladenbetreiber von sich aus entscheiden, wann und wie lange sie aufhaben, dann können sie meinetwegen auch montags schließen – so wie das Restaurants und diverse Bars/Kneipen machen.

      Dieses „Der Sonntag ist heilig“-Gerede und muss arbeitsfrei gehalten werden ist für mich tendenziell heuchlerisch/scheinheilig. Solche Argumente – primär von Vertretern der Kirche vorgetragen – werden dann gern auch dadurch ergänzt/begründet, dass es schon genug sei, dass diese oder jene Menschen (Ärzte, Bahn etc. etc.) sonntags arbeiten müssen. Nur um dann wieder indirekt den Konsum „anzuprangern“.

      Wie gesagt, ich brauche den Sonntag nicht wirklich, würde jedoch lügen, wenn ich sagen würde, dass ich ihn nicht nützen würde. Wenn’s am Weg liegen würde – meinetwegen nach nem Ausflug … (oops, viermal „würde“ :)).

      Als „Hartz-IV-er“ sind große Shopping-Touren sowieso eher selten ;) … auch gar nicht nötig. Es geht auch ohne Konsum.

      Und die Angestellten und deren evtl. Kinder da als „Pfand“ zu nehmen, hamsterbacke (Apropos, guter Shoppername, so wie „Schnäppchenjäger“ ;)) na ich weiß nicht …
      Die Situation der Angestellten verschlechtert sich auch so – gaaanz langsam. Dann lieber die „volle Tour“, so dass die Firmen merken, dass sie mehr Leute einstellen sollten oder die Angestellten mehr Eigeninitiative zeigen, wenn es um die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen geht.

      Was den Konsumismus anbetrifft, halte ich eine Zügelung nicht (mehr) für möglich. Der Mensch lernt in der Masse nur über breite Krisen, also insofern ums mal etwas stark zu überspitzen, ich will den „totalen Konsumkrieg“. Der ist allemal friedlicher als bisherige Kriege und im Kapitalismus lernt man m.E. nicht über kleine Verbesserungen, sondern übers Ausreizen am meisten und am schnellsten.
      Ums mit anderen Worten zu formulieren: man muss erst an den Punkt kommen, an dem man „die Schnauze voll hat vom Shoppen“, um sich wirklich zu ändern. Irgendwann lohnen sich 7 Tage die Woche für Firmen auch nicht mehr.
      Alles andere wirkt hemmend, reizt die Wünsche nur noch mehr und länger an und bringt nicht viel.

      Achja, diese Einstellung kam übrigens über eigene Erfahrungen ;)
      Zudem war ich in vielen Ländern, wo Händler freier entscheiden können – wenn auch häufig aus rein finanziellen Gründen. Doch letztlich komme ich wieder beim Thema Grundeinkommen raus.

      • hamsterbacke sagt:

        Hm, ich gehe nun auch schon mehrere Jahr(zehnte nicht ganz) arbeiten, habe mehrere große Firmen von innen als Angestellter gesehen. Eines habe ich dabei noch nie erlebt: Dass Firmen (wesentlich) mehr Leute einstellen, wenn sie benötigt würden. Eher wurde mit dem vorhandenen Personalpool versucht, auf Teufel komm raus mehr Arbeit zu bewältigen, auf Kosten der Firmenkultur, des Betriebsklimas, der Gesundheit und Familie des Einzelnen.
        Wenn ich mir Arbeitsbedingungen bei Lidl, KiK und Co ansehe (und ich würde jede Wette eingehen, dass es in jeder größeren Handelskette ähnlich aussieht), die hilflosen Versuche seitens des Gesetzgebers diese prekären Arbeitsverhältnisse in den Griff zu bekommen beobachte – dann halte ich ein Verbot (aufbauend auf einer gesellschaftliche Ächtung) unterm Strich für die einfachere Variante. 24/7 shoppen kann ich im Internet.

    • Oh Hamsterbacke, da ist sie wieder! Die Trennung in „Gute Jobs – Schlechte Jobs“! Die Verwahrlosung junger Menschen hat nichts mit den Ladenöffnungszeiten zu tun, sondern mit den sozialen Bedingungen, den Menschen, die betroffen sind und mit den Einstellungen zum Leben.

      Wenn Vati oder Mutti am Sonntag arbeiten und dafür am Mittwoch frei haben – verwahrlosen junge Menschen denn wirklich lieber sonntags als mittwochs?

      Ich finde, dass man am Mittwoch, wenn Mutti arbeiten muss, viel besser verwahrlosen kann als sonntags – und noch besser zum Verwahrlosen finde ich die Zeit am Donnerstag zwischen 14 und 15 Uhr.
      Aber Spaß beiseite.

      Grundsätzlich ändern sich hier nichts, solange die Arbeitszeit des Einzelnen sich nicht erhöht. Vielleicht bessert sich manches sogar, weil ein Elternteil eher zu Hause ist, wenn sich die Arbeitszeiten ein wenig verteilen. Aber das alles ist Spekulation.

      Richtig aber ist, dass – auch wenn nur wenige das wahrhaben wollen – es Menschen gibt, die WIRKLICH GERNE zu den „unchristlichen“ Zeiten arbeiten WOLLEN. Manche könen einfach nicht zu den „normalen“ Zeiten arbeiten und würden gerne am Abend, in der Nacht oder am frühen Morgen ein paar Stunden arbeiten, die Lebenssituation der Familie verbessern, wenn sie entsprechende Angebote finden würden.
      Und die gibt es nur, wenn der Gesetzgeber das erlaubt. Sonst bleibt halt nur das kellnern für diese Menschen übrig, weil man ja nicht ohne entsprechende Ausbildung ein wenig Polizist oder Chirurg spielen kann …

  6. hamsterbacke sagt:

    Schule findet in Deutschland von Montag bis Freitag statt. Die Organisation von GEMEINSAMEN Zeiten mit den eigenen (minderjährigen) Kindern wird durch Wochenendarbeit ein Problem.
    Außerdem kommen zur Schule noch Freizeitaktivitäten, Sport, Wettkämpfe, Auftritte am Wochenende hinzu – kurz, Dinge die man gemeinhin der Entwicklung von Kindern als förderlich zuschreibt und an denen Eltern durchaus auch Teil haben sollten, jedenfalls ist das ein Gemeinplatz der Kinder- und Jugendpsychologie/Pädagogik.

    Wir sind doch in einer bequemen Lage, Sie als Fotograf können doch sonntags fotografieren, in meinem Job darf ich auch am Wochenende racken – wenn ich will. Und ich verdiene an den restlichen Tagen ausreichend um meine Familie zu ernähren. Alles Dinge, die bei Freigabe der Ladenöffnungszeiten für Verkäuferinnen nicht unbedingt gegeben sind, darauf lässt deren jetzige Realität zumindest Vorhersagen zu.

    • Aber genau das ist doch der Punkt. Richtig ist, dass KEINE ARBEITSZEIT für alle passt. Wenn ich schulpflichtige Kinder habe, dann habe ich andere Bedürfnisse wie wenn ich beispielsweise meine Großmutter pflege und die am Wochenende viel Besuch bekommt und daher wenig Pflegebedarf hat.

      Manche Menschen können nur am Abend arbeiten, andere nur am Wochenende, wieder andere nur unter der Woche und nur bei Tag.

      Bei Krankenschwestern beispielsweise ist das alles kaum ein Problem. Es gibt da Kolleginnen, die, aus welchen Gründen auch immer, GERNE die Nachtschicht, GERNE die Wochenendschicht und auch GERNE die Feiertage übernehmen. Und es gibt welche, die eben das nicht wollen und lieber die Tagschichten bedienen.

      Warum wollen wir per Gesetz Menschen dazu bringen, bestimmte Optionen nicht ausüben zu können?

  7. hamsterbacke sagt:

    Weil der Einzelhandel zB. es bis heute nicht hinbekommt, die bestehenden Arbeitszeiten sozial genug auszufüllen. Die Ketten wie Lidl, Schlecker oder Kik erweisen sich und dem Rest der Branche aus meiner Sicht da einen Bärendienst.
    Man (=ich) nehme es denen einfach nicht ab, dass sie mehr Leute, zu vernünftiger Bezahlung einstellen und ohne Druck auszuüben denen freistellen, am Wochenende zu arbeiten.

  8. Micha W. sagt:

    Wenn ich mir mal eine Synthese – aus meiner Sicht – aus einigen Kommentaren erlauben darf ;)

    Bei steigender Arbeitslosigkeit wird ein bed. Grundeinkommen durchaus zur einzigen Alternative – zum jetzigen System. Man kann auch mehr Leute in den Krieg schicken, wie’s in den USA passiert – okay, da gehen sie mehr oder minder selbst. Man kann auch mehr Leute zum Straßenkehren abstellen – Maschinen kosten Strom und wir müssen ja sparen. Wir können auch wieder mehr Schreibmaschine schreiben, Computer nehmen Arbeitsplätze weg :)

    So schwer ist das mit einem BGE eigentlich auch gar nicht; Hartz IV ohne Sanktionen, keine Partner-„Sippenhaft“, dafür Ein-Euro-Jobs auf Freiwilligenbasis und einfach 650 Euro pauschal, ohne Mietanteil (wer mehr Miete hat, zahlt selbst, wer weniger hat, hat mehr Geld über). Wird 50.000-80.000 A-Amt/BA-Angestellten zwar mittelfristig den Job „kosten“, doch es gibt auch andere Arbeiten … und sichere sinnstiftendere.

    Wem’s jetzt wieder in den Fingern juckt à la „Und die Faulen und Betrüger usw.?“, dem sei gesagt, dass a.) die Faulen in 95% ihren Weg finden – wie in jeder Firma auch (gaaaanz easy), b.) die Sozial-Gesetze dermaßen widersprüchlich und schwer verständlich sind, dass man ebenso easy zum „Betrüger“ wird, ohne dass man es auch nur ansatzweise merkt. Zudem sind die Gesetze auch tendenziell menschenverachtend und haben Enteignungscharakter, was auch logisch ist aus Sicht des Staates, denn sog. Arbeitslose sind reine Kostenfaktoren. Sie nutzen dem Staat nichts, maximal als Mehrwertsteuerabgeber und Wähler … nur der Wirtschaft nutzen sie wirklich als Kunden und als sog. „stille Reserve“.

    Würde man soweit („Hartz IV light“ = BGE) gehen, sind auch 24-7-Ladenöffnungszeiten kein Problem, denn dann fällt es jedem/jeder leichter zu sagen „Nee, den Job mach ich nicht .. ich such mir was anderes.“ Wer ihn dennoch macht, will das auch so … Geld ist nunmal ein Anreizmittel – den einen reizt es mehr, den anderen weniger.

    Zudem würde sich der Nebenjob-Sektor ausbauen … Teilzeit wäre auch ehe möglich (je nach Branche). Wer 50 Stunden und mehr pro Woche arbeiten will, findet sicher auch einen Job. Vielleicht viel eher als jetzt, denn viele wollen gar nicht so lang arbeiten (wie jetzt) und können es häufig geistig auch gar nicht, sondern sitzen ihre Zeit ab … und das hat Konsequenzen auf die Qualität der Arbeit und schadet Firma & Gesellschaft, inkl. ihm/ihr selbst.

    Ich frage mich, wieviele der hier besprochenen Stellen sind 325-Euro-Aufstocker-Stellen? Rund 3-4 Mio. Menschen in Dtl. gehen arbeiten und haben dennoch nur den Hartz-IV-Regelsatz bzw. knapp drüber … ich meine, es wäre grenzwertig bzw. tendenziell zynisch zu sagen „Selbst dran schuld.“, doch von einer Verantwortung kann man keinen Menschen frei sprechen.

    Mir sind einige Argumente manchmal etwas tendenziell elitär. Es schwingt da immer so ein „Die armen Menschen können sich nicht wehren und sind dem (bösen) Kapitalismus schutzlos ausgeliefert.“ Da werden eigene Ängste auf andere projiziert.
    Dass Menschen in Zwängen verhaftet sind, ist keine Frage, doch wer sich selbst keine Freiheiten geben kann, der läuft eben ständig nach der Pfeife anderer. Lernen können Menschen nur selbst. Da braucht ich keine „Oberprimaner“, die mir sagen, was gut oder schlecht für mich ist. Die lenken mich eher mit ihren eigenen Problemen ab ;)

    Ansonsten bzw. zudem wäre vielleicht auch noch eine andere Alternative in Erwägung zu ziehen „Ich kauf mir heute mal nichts …“, oder gebraucht, oder bei eBay oder oder …

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